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Grabbed by the Ghoulies

» Autor: Björn Sturm
» Datum: 01.12.2003
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Spaßiges und grandios optisches Abenteuer mit jedoch einigen Gameplay-Defiziten!

Wenn sich Videospieler an den vor über ein Jahr stattgefundenen X02-Event von Microsoft zurückerinnern, dann fällt es sicherlich nicht schwer das damalige Highlight herauszupicken. Genau am 24. September 2002 verkündete der Xbox-Hersteller nämlich die komplette Übernahme von Rareware und damit verbunden das Ende exklusiver Titel der populären Spieleschmiede für Konkurrent Nintendo. Damals machte sich das englische Entwicklerstudio durch Größen wie der Donkey Kong-Serie, Golden Eye 007, Perfekt Dark oder Banjo-Kazooie einen klangvollen Namen in der Videospielebranche. Die Enttäuschung vieler Nintendo-Anhänger war nach der Veröffentlichung des kompletten Aufkaufs sehr groß und somit blieb Star Fox Adventures eines der letzten GameCube-exklusiven Rare-Spiele. Seitdem das Studio nun Xbox-only unter dem Label Microsoft entwickelt, wurde die Arbeit an einigen neuen Titeln in der Vergangenheit aufgenommen. Als erster Xbox-Titel wurde nach längere Entwicklungszeit vor kurzem das stimmungsvolle Action-Adventure Grabbed by the Ghoulies hierzulande auf den Markt gebracht. Ob das Unternehmen seiner unglaublich erfolgreichen Linie auch auf der bisher fremden Xbox treu bleiben kann, erfahrt ihr im nachfolgenden Master-Review.

Vorgeschichtliches
Ein gutes Action-Adventure macht meist eine ebenfalls hübsche und leicht nachvollziehbare Geschichte aus. So auch bei Grabbed by the Ghoulies, denn durch den mehr als einfachen Hintergrund und die komplette Lokalisierung des Titels, braucht der Spieler hier nichts auf Plausibilität prüfen. In einer Art Comicbuch wird die Vorgeschichte von Protagonist Cooper und seiner Freundin, die sich tief im Wald an einem regnerischen Tag verlaufen haben, erzählt. Rein zufällig kommen die Beiden an einem eigenartigen Schloss vorbei und entscheiden sich schlussendlich dort Unterschlupf zu suchen. Jedoch entpuppt sich das Hineintreten in das alte Gemäuer mit dem Namen Ghouldhaven Hall als überaus denkwürdige Entscheidung. Hier hausen nämlich allerhand böse Gestalten, inklusive dem üblen Oberhaupt des Traktes Baron von Ghul. Dieser macht darauffolgend seinem Namen alle Ehre und entführt kurzerhand die Freundin unseres Protagonisten. Was jetzt wohl nahe liegt, dürfte jeder vorahnen. Der Spieler übernimmt von nun an die Steuerung von Cooper, um seine Freundin aus den Klauen des Bösewichts zurückzugewinnen.

Auf die Ghoulies, fertig, los
Kaum betritt der Spieler den zentralen Raum des Anwesens, macht der junge Bursche sofort Bekanntschaft mit einigen hinterlistigen Unholden, den sogenannten Ghoulies. Dadurch erklärt sich auch der etwas eigenartige Titel des Spiels. Ebenfalls zu Beginn stellt sich der sehr friedliche und im späteren Verlauf sehr hilfreiche Butler Crivens vor. Dieser gibt dem bis dahin noch recht unbeholfenen Tastenbediener eine erste Instruktion in Sachen Bedienung und eine Erklärung über die spielgeprägten Mutproben. So muss sich der Spieler auf die zahlreich vorgegebenen Aufgaben vom Besitzer des Anwesens Baron von Ghul einstellen, denn dieser hat nämlich volle Kontrolle über die Zustände in seinem Quartier. Der Monsterjäger wird von nun an mit vorgegebenen Aufgaben für das erfolgreiche Absolvieren der Szene konfrontiert. Solche Aufgaben können bspw. sein, dass nur ausschließlich Monster einer Gattung beseitigt werden dürfen - vielleicht sogar in einem zeitlichen Rahmen - unter anderem nur mit bestimmten Waffen - kein Schaden innerhalb des Zimmers angerichtet werden darf oder gar das ein Schlüssel für die abgesperrte Tür gefunden werden muss. Können diese Kriterien nicht erfüllt werden, kommt Herr Sensenmann höchstpersönlich vorbei, um das Missgeschick entsprechend zu würdigen. Dabei sei jedoch betont, dass sich die Person des Todes sogar zusammenschlagen lässt, in den meisten Fällen hat jedoch der respektvolle Zeitgenosse das letzte Wort. Im weiteren Verlauf lernt der Spieler zur Abwechslung auch noch andere friedliche Bewohner wie z. B. einen Bauern, eine Putzfrau oder eine Köchin kennen. Dabei hilft die Vielzahl der Neubekanntschaften in einigen Situationen erfolgreich voranzukommen. Der Titel selbst gliedert sich in mehrere Kapitel und untergliedert sich nochmals in mehrere Szenen, wobei die absolvierten Abschnitte im Comicbuch umgeblättert und weitere Erzählungen in Form kleiner Filmchen gezeigt werden.
Die lange Reise führt durch das gesamte Schloss, über Keller und Werkstatt, bis hin zur Speisekammer oder dem Musikzimmer. Jedoch geht es auch außerhalb des Traktes ordentlich zur Sache. So muss sich der Junge seinen Weg empor zum toll inszenierten Leuchtturm, durch das pflanzenreiche Gewächshaus oder sogar durch den schmutzigen Hühnerstall des Anwesens bahnen. Zwar haben die Entwickler eine Szenariokarte integriert, jedoch erweist sich diese als weniger hilfreich.
Durch die interaktive Gestaltung der Umgebung lässt sich alles was nicht niet und nagelfest ist zerstören. So zerschmettert der schlagwütige Cooper z. B. Kisten, Vasen, Tellerberge und Geländer. Jedoch macht er auch vor größeren Objekten nicht halt, denn neben massiven Schränken, langen Zäunen und großen Betten, sind auch gefährliche Fensterscheiben eine perfekte Art, sich seinen angestauten Aggressionen zu entledigen.
Doch nicht nur in der Interaktion, sondern auch in der Gegnervielfalt, die 25 verschiedene Zeitgenossen beinhaltet, haben sich die Entwickler einiges einfallen lassen. Im Spielverlauf stellen sich dem Jungen gemeine Bösewichte wie Skelette, Spinnen, Mumien, Vampire oder Piraten in den Weg. Jedoch hält der Baron anscheinend viel von Magie und Zaubersprüchen, denn neben den oben eher gängigen Arten, tauchen bspw. verwunschene Stühle, verzauberte Bilderrahmen, verfluchte Mäntel oder herumstolzierende Fernsehgeräte vor der Nase des Hauptcharakters auf. Des weiteren vertritt jede Gegnerart auch eine eigene Angriffsphilosophie. So agieren und reagieren die jeweiligen Unholde gänzlich nach ihrem eigenen Schema und verlangen dem Spieler oftmals viel Denk- und Kombinationsvermögen ab. An dieser Stelle muss betont werden, dass die Entwickler viel Liebe zum Detail bewiesen und sämtlicher Kreativität freien Lauf gelassen haben. Damit sich der Spieler auch am Gesundheitszustand des Gegners orientieren kann, schwebt über jedem Monster eine kleine Powerleiste, die den Zustand des Gegners wiedergibt. Doch nicht alle feindlichen Bewohner lassen sich erfolgreich auslöschen. Der Spieler trifft nämlich des öfteren auf kurz eingeblendete bzw. transparente Geister, die obendrein noch unverwundbar sind und den jungen Cooper in einer sich auftürmenden roten Kugelfläche erschrecken. Kann sich der Junge nicht umgehend aus diesem Gebiet entfernen, werden ihm durch einen solchen Treffer nicht nur viele lebenserhaltene Energiepunkte abgezogen, sondern für einen kurzen Moment ist er so stark erschrocken, dass in dieser Zeitspanne kein Angriff mehr ausgelöst werden kann. Befindet sich eine hohe Anzahl an herkömmlichen Gegnern im Raum, kann es gelegentlich auch vorkommen, dass sich die üblen Kreaturen sogar gegenseitig angreifen.
Dem Spieler kann dies im Prinzip nur Recht sein, dadurch kann er sich evtl. Gedanken über auffindbare Waffen machen. Denn das Waffenarsenal beinhaltet eine überaus vielfältige und große Anzahl an verwendbaren Objekten. Zwar kann sich der junge Hauptcharakter mit bloßen Händen und Füssen wehren, jedoch erweist sich die Objektbeihilfe als überaus effizient. Maximal drei erfolgreiche Treffer ermöglichen dabei Stühle, Bratpfannen, Bücher, Teller oder Mistgabeln. Darüber hinaus stehen unter anderem vielerlei Wurfgeschosse, allerdings auch riesige Tische und sogar Container zur Benutzung gegen die bösen Gestalten bereit.
Im weiteren Verlauf des Abenteuers finden sich ebenfalls auch gewisse Extras, die bspw. zur Auffrischung der eigenen Lebensenergie dienen - einen Turbo zur schnelleren Durchquerung der Umgebung ermöglichen - für einen kurzen Zeitraum Unverwundbarkeit auslösen - die Monster im Raum kurzzeitig erstarren lassen - für Unsichtbarkeit sorgen oder gar Schwindelgefühle beim Sensenmann höchstpersönlich auslösen. Jedoch ist nicht alles was nach einem Extra aussieht auch gebräuchlich. Sieht sich der Abenteurer den eingesammelten Bonus nämlich vorher nicht genau an, kann es durchaus vorkommen, dass er für einen gewissen Zeitraum seinen Charakter mittels umgekehrter Tastenbedienung steuern muss. Dies erweist sich besonders bei hohem Gegneraufkommen als schwieriges Unterfangen. Zusätzlich könnte sich auch eine Zeitlupenfunktion mit unter die Extras gemogelt haben. Diese gilt jedoch nur für Cooper selbst, alle angreifenden Gestalten agieren dabei in der normalen Zeitspanne.
Das Sahnehäubchen stellen die sogenannten Quick Time Event’s, kurz QTE’s, dar. Wie bereits aus dem Genre-Mix Shenmue bekannt, tauchen diese sehr überraschend im Spielverlauf auf. So stellen sich bildschirmfüllende Schreckgespenster dem Charakter in den Weg – eine vorgegebene Tastenkombination muss dabei innerhalb kürzester Zeit nachgetippt werden. Konnte eine solche Szene daraufhin nicht erfolgreich absolviert werden, wird ein großer Teil der Lebensenergie geraubt. Nur wenn dieses Vorkommnis erfolgreich überwunden wurde, ist das Eintreten in den nächsten Raum möglich.

Unabhängig vom normalen Spiel hält der Titel kleine zusätzliche Aufgaben, genannt Bonusmutproben, in einem Untermenü bereit. Sammelt der Spieler im Verlauf insgesamt fünf sogenannte Bonusbücher, wird eine solche zusätzliche Aufgabe im Menü freigeschalten. Durch vordefinierte Kriterien kann sich der Abenteurer hier die gängigen Medaillenarten „Bronze“, „Silber“ und „Gold“ verdienen. Eine solche Aufgabe könnte bspw. sein, dass eine Schlägerei auf einer Tanzfläche angezettelt werden muss, ohne selbst großartig in die Mangel genommen zu werden und bis zum Ende durchzuhalten. Insgesamt stehen 20 Abschnitte dieser Art zur Verfügung.

Ungeschickte Steuerung
Eines der größten Probleme stellt die unausgewogene Steuerung in Grabbed by the Ghoulies dar. Zwar sind Grundbefehle wie Charakterbewegung und Kamerajustierung vorbildlich gelöst worden, jedoch trifft dies auf den wichtigen Bereich der Schlag- und Waffenbetätigung nicht zu. Aufgrund dessen muss sich der Spieler mit dem rechten Mini-Stick als Schlagstaste zufrieden geben, denn eine Belegung der Tasten nach eigenen Vorstellungen bietet der Optionsbereich leider nicht. Zwar ist die Bedienung im Allgemeinen sehr einsteigerfreundlich ausgefallen und besonders gut bei niedrigem Gegneraufkommen zu handhaben, greifen allerdings einige feindliche Zeitgenossen von mehreren den Seiten an, sind besonders im späteren Verlauf unzählige Frustmomente vorprogrammiert.

Kein Knuddelfaktor im Schwierigkeitsgrad
Obwohl der Titel auf den ersten Blick durch seine überaus niedliche Gestaltung und Präsentation eher den Eindruck eines leichten Durchmarsches vermittelt, kristallisiert sich - je mehr der Spieler in der Geschichte vorankommt - ein recht harter Brocken in Sachen Schwierigkeitsfaktor heraus. Denn durch die vielfältige und kombinierbare Aufgabenverteilung innerhalb der Räume hat es der Titel besonders nach den anfänglich leichteren Abschnitten faustdick hinter den Ohren. Infolgedessen bleibt oftmals nichts anderes übrig, als den oder die Stage(s) weitere Male nach Nichtbestehen zu versuchen. Daher richtet sich der Titel nach anfänglichem Schein nicht unbedingt an die Neulinge des Genres, sondern vielmehr an etwas erfahrenere Spielernaturen.


Grafik
Im grafischen Bereich haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet, denn das permanent in Comicgrafik gehaltene Spiel bietet sowohl einen 50 Hz- als auch einen 60 Hz-Modus an. Durch die liebevoll animierte Menüführung bereits von Anfang an, entwickelt der Titel einen unglaublich starken Präsentationscharakter. Innerhalb der einzelnen Levels sind die abwechslungsreichen Schauplätze mit toller Optik, der fantastischen Detailfülle und dem tolle Design sämtlicher Charaktere durch butterweiche Animationen und Effekte eine wahre Augenweide geworden. Obendrein existieren wahre Grafikergüsse wie tolle Spielegeleffekte auf Kachel- und Marmorböden, absolut authentische Bewegungen der Fenstervorhänge und wie aus einem Guss wirkende Lichteffekte.

Sound
Der musikalische Bereich macht sich durch jederzeit stimmungsvoll begleitende und absolut typische Halloween-Musik bemerkbar. So präsentieren sich die einzelnen Musikstücke als äußerst vielfältig im Hintergrund des Geschehens. Alle Monster haben ihr eigenes typisches Angriffs- und Deutungsgebrülle. Zwar bietet der Titel in den Dialogen keine Sprachausgabe, recht amüsante und gleichzeitig immer spezifische Personengeräusche lassen jedoch die jeweilige Emotionslage ein wenig erkennen und das Fehlen dadurch verschmerzen.

Spielspaß Solo
Grabbed by the Ghoulis lässt zumindest am Anfang die Motivationskurve enorm nach oben schnellen. Durch die sehr einsteigerfreundliche Handhabung werden sich zumindest zu Beginn des Spiels auch Anfänger zurechtfinden. Im weiteren Verlauf des Spiels setzen jedoch Motivation und Handhabung einen doppelten „Rückwärtsgang“ ein. Denn mit dieser Art von Steuerung, die sich nicht verändern lässt, dem hohen Gegneraufkommen in späteren Stages, Herr zu werden, erweist sich als unglaublich schwierige Aufgabe. Darüber hinaus wird das anfänglich noch interessante Aufgabensystem im späteren Verlauf teilweise sehr monoton und wenig motivierend.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Fantastische Präsentation mit feiner Grafik
Vielfältige Schauplätze
Große Gegnervielfalt
Contra
Abreißende Motivationskurve
Nicht einstellbare Steuerung
Monotones Gameplay
Fazit
Grabbed by the Ghoulies hinterlässt nach einer ausgiebigen Partie einen leicht verbrannten Beigeschmack. Zwar bestätigt Rare in Sachen Präsentation und Ersteindruck die eigene Kunst überwältigend, doch eben nach dieser anfänglichen Aufgaben-Euphorie, erhält die Motivationskurve bedingt durch die eigenartige Steuerung und dem permanent gleichen Spielprinzip einen deutlichen Knick nach unten. Denken wir uns allerdings diese Faktoren einmal weg, steht euch mit Grabbed by the Ghoulies ein sehr spaßiges Prügel-Abenteuer mit einigen fantastischen Ansätzen im Händlerregal bereit.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Action-Adventure
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Rare
Website
www.xbox.com/en...
Release
21. November 2003
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User-Bewertung
81
5 Bewertungen
1 Review
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