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World Championship Pool 2004

Xbox
» Grafik: 68
» Sound: 73
» Spielspaß Solo: 71
» Spielspaß Multi: 76
» Gesamtwertung:
72
» Anzahl Bewertungen: 2     » alle zeigen
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Infos
» Von: bano
» Am: 20.09.2004
» Spielzeit: 6 - 8 h
» Grafik: 65
» Sound: 70
» Spielspaß Solo: 70
» Spielspaß Multi: -
» Gesamtwertung: 69
Qualität
» bewertet mit: 10
Welcher Billard-Fan wollte nicht einmal in die Fußstapfen eines Eddie Felson (Paul Newman in "The Hustler" (1961) und "The Color Of Money"(1986)) steigen? Ob dieses Spiel mit den sehr guten Filmen mithalten kann, verrät mein kleiner Test:


Was ist 8er-Ball?
Das sollte jeder von euch kennen. Auch unter dem Namen "Pool-Billiard" dürfte es jeder von euch schon in einer Kneipe gespielt haben. Beim 8-Ball befinden sich jeweils sieben "volle" (vollfarbig), sieben "halbe" (farbig gestreifte) - durchnummeriert von 1 bis 15 - sowie eine schwarze Kugel auf dem Feld. Es gilt also nur die jeweils eigenen Kugeln (Volle oder Halbe) zu versenken. Erst nachdem alle eigenen Kugeln in den Löchern versenkt sind, darf auch die schwarze Kugel in die "angesagte" Tasche gespielt werden. Die angesagte Tasche ist diejenige gegenüber der Tasche, in die ein Spieler die letzte Kugel seiner Gruppe gespielt hat.


Was ist 9er-Ball?
Beim 9er-Ball befinden sich Neun unterschiedlich nummerierte Kugeln auf dem Tisch. Die Kugeln werden aufsteigend nach ihrem Wert von 1-9 versenkt. Der Spieler, der zum Schluss die neunte Kugel einlocht, hat gewonnen. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Spiele wieviele Kugeln eingelocht hat - wichtig ist nur, wer die 9. Kugel einlocht. Es besteht durch Kombinationsspiel die Möglichkeit, die neunte Kugel auch vorzeitig zu versenken und ein Spiel so für sich zu entscheiden.


Was ist Snooker?
Ziel des Spiels ist es, eine bestimmte Anzahl von Kugeln in einer festgelegten Reihenfolge in den sechs Löchern des Tisches zu versenken. Beim Snooker befinden sich 15 rote und 6 andersfarbige Kugeln auf dem Tisch. Das Versenken einer roten Kugel bringt dem Spieler 1 Punkt, die sechs weiteren Kugeln sind 2-7 Punkte wert. Da das einfache Versenken der Kugeln zu leicht wäre, müssen abwechselnd eine rote und eine andersfarbige Kugel in die Löcher gestoßen werden. Während die roten Kugeln nach erfolgreicher Versenkung aus dem Spiel genommen werden, kehren die mehrfarbigen wieder zurück auf den Tisch. Erst nachdem alle 15 roten Kugeln aus dem Spiel sind, können auch die anderen Kugeln, aufsteigend nach ihrem Wert, eingelocht werden. Ein Spieler ist so lange am Zug, bis er eine Kugel nicht versenken kann. Ziel des Spiels ist es mehr Punkte als der Gegner zu erzielen. Im Gegensatz zum Pool ist beim Snooker der Tisch größer. Außerdem ist Snooker deutlich taktischer und erfordert mehr Feingefühl und Können.


Was sind Trickshots?
Hierbei muss der Spieler unter bestimmten Bedingungen Trickstöße ausführen. So muss eine Kugel schon mal über mehrere Banden gespielt oder aber nur vorher festgelegte Kugeln dürfen getroffen werden. Die wunderbare Welt der Physik lässt hier wunderbare Stoßkombinationen zu.


Der Spielumfang
Wie der Name schon sagt, liegt der Kern dieses Spiels im Pool-Billard (also 8er- und 9er-Ball). So gilt es im Karrieremodus, sich mit einem vorgegebenen lizenzierten World Pool Spieler oder selbst erstellten Charakter (Charaktererstellung beschränkt sich auf Gesicht, Name und Kleidung) in der Weltrangliste nach oben zu spielen. Das geschieht durch die Teilnahme an einer Vielzahl lizensierter Originaltuniere. Mit den Siegen kommt auch das Geld, womit sich neue Outfits, Tische, Queues und weitere Utensilien freispielen lassen. Im Shop hat man die Möglichkeit, sein Ebenbild mit unterschiedlichen Outfits auszustatten. Hier kann man unter anderem auch alle bislang gewonnen Trophäen bewundern.

Ein weiterer interessanter Modus sind die Trickshots. Hier gilt es, 24 Trickstöße auszuführen. Da Trickshots in der Realität oft nicht so einfach sind, sind sie virtuell noch schwerer. Das müsste aber nicht sein, gäbe es bloß eine anständige Anleitung was zu tun ist. Zwar kann man sich den Trickshot vorführen lassen und er wird auch auf Englisch kommentiert, ihn nachvollziehen kann man leider kaum. Glücklicherweise wird im Handbuch erklärt, was bei jedem Trickshot zu tun ist. Unter dem Strich kann dieser Modus leider nicht überzeugen.

Bonusgames dürfen natürlich auch nicht fehlen. So ist z.B. "In my pocket" ein Spiel auf Zeit, bei dem man durch das Versenken einer Kugel in einer vorher angegebenen Tasche diese Tasche für den Gegenspieler sperren kann und ihm so das Spiel schwieriger machen kann. Andere Bonusgames wie Hotspots, Minenfeld, Abräumen oder Freier Tisch können leider gar nicht überzeugen, da das Spielsystem so langweilig ist wie eine Runde Bingo.


Die Grafik
Es gibt eigentlich nur einen Filztisch, ein paar Kugeln und die animierten Spieler zu sehen. Da kann man nicht viel falsch machen? Man kann! Denn das Bild wirkt "verdreckt" und dunkel. Die Spieler sehen alle aus, als wären sie gerade aus dem Knast geflohen, das Filz erscheint dreckig und die Farben sind so dunkel und gräulich, dass man selten die Farbe einer Kugel erkennen kann und gerne mal die falsche Kugel anspielt (besonders beim 9er-Ball sehr ärgerlich). Die Spiegeleffekte auf den Kugeln sind nicht besonders gelungen. Die Spieleranimationen sind etwas lebendiger gestaltet als bei "WCS Snooker 2004", wenn auch hier wieder gilt: Hackgesicht! Denn anschaulich sind sie nicht gerade.

Etwas zäh ist der Umstand, dass auch der Gegnerspielzug mitanimiert wird. D.h. seine Spielzüge werden in voller Länge angezeigt. Wer darauf keine Lust hat, kann entweder durch Drücken der B-Taste die Zeit raffen oder in den Optionen die Spielzüge der CPU abschalten.


Der Sound
Der Sound ist gut gelungen, wenn es auch nicht viel falsch zu machen gibt. Schließlich sind dort lediglich ein paar Kugeln, ein Kommentator sowie ein Publikum, das ohnehin während des Spiel aus Konzentrationsgründen die Klappe halten muss. Der Kommentator trifft seine Kommentare recht gut, kann aber ebenfalls nicht so überzeugen wie bei "WCS Snooker 2004". Die Sprachausgabe ist komplett in Englisch, die Menüführung hingegen auf Deutsch.

Wer Musik während des Spiels haben möchte, braucht darauf nicht verzichten. Dank einer Jukebox lassen sich nämlich die eigenen Soundtracks abspielen.


Die Steuerung
... ist perfekt. Der Queue lässt sich mit Hilfe des Xbox Pads einwandfrei über den Tisch dirigieren, dank mehrerer Ansichten hat man stets den vollen Überblick über das Geschehen. Die Schlagrichtung lässt sich mit dem Stick einstellen. Dabei gibt es zwei Pfeillinien: einmal der Laufweg der weißen Spielkugel und einmal der Laufweg der zu spielenden Kugel. Je nach Schwierigkeitsgrad sind diese Pfeillinien unterschiedlich lang - ganz wie bei Links 2004. Durch Drücken der linken Schultertaste lässt sich die Stoßrichtung sehr genau festlegen. Eine Volgelperspektive gewährt zusätzlichen Überblick über den gesamten Tisch. Ebenfalls die Stoßhärte und der Stoßwinkel lassen sich vorher ohne jede Hektik festlegen. Durch Drücken der Taste A wird der Stoß dann letzlich ausgeführt. Die Steuerung ist 1:1 von "WCS Snooker 2004" übernommen worden.

Die Ballphysik ist mittelprächtig gelungen und gibt einem nicht immer das Gefühl, dass die Kugeln sich korrekt verhalten. Manchmal hat man den Eindruck, als würden die Kugeln zu weit laufen und der Filz so glatt wie Glas zu sein. Etwas seltsam ist der Umstand, dass bei der Aufsicht auf den Tisch (Y-Taste) die Taschen extrem groß (fast dreimal so groß wie eine Kugel) sind und das Zielen so zu leicht macht.

Am Schwierigkeitsgrad scheiden sich die Geister. Als Anfänger werden dem Spieler anhand von Pfeilen die ungefähre Laufrichtung der Kugeln angezeigt, und zwar sowohl aus Sicht des Spielers als auch aus der Tischaufsicht. So ist es schon zu leicht, die Kugeln zu versenken. In der Stufe Normal hat man bei der Aufsicht keine Pfeile mehr, und so wird dank der schlechten Übersicht aus der Ego-Perspektive es fast unmöglich, erfolgreich zu potten. Beim Profi fehlen die Pfeile komplett.


Die Gegner-KI
Im Verlauf eines Tunieres werden die Gegner immer stärker. So passiert es nicht selten, dass ein Spieler von Beginn an den Tisch in einem Zug abräumt. Da in Frames (Gewinnsätzen) gespielt wird, bringt das noch keine Entscheidung. So zittert man vor jedem Stoß "Lass das Ding bitte reingehen"; sollte man versagen, so wird der Gegner mächtig Druck machen sobald er zum Zug kommt - und das will man ja verhindern.

Die Gegner-KI ist gut, aber doch immer zu besiegen. Es entspricht nunmal der Realität, dass die Spieler in der Realität hohe Breaks spielen.


Langeweile? Naja!
Pool ist im wahren Leben ein sehr geniales Spiel! Aber die Umsetzung als Videospiel ist doch recht schwierig, denn Pool ist bei weitem kein sehr taktisches Spiel wie es Snooker ist. Nicht selten kann man blind auf die Kugeln bolzen und es wird eine Kugel fallen. Snooker eignet sich einfach besser, denn hier muss man die Spielzüge schon etwas im Voraus planen, man muss durch Effet (Drall) die Ablage der weißen Kugel schon im Voraus planen und die Ablage so vorbereiten, dass auch der Folgestoß zum Erfolg führt. Das ist nicht immer sehr einfach, bringt aber besonders große Spannung auf. Dieses gewisse Etwas fehlt dem Pool fast gänzlich.


Online-Gaming über Xbox Live
Der Aufbau der Live-Funktion geht in Ordnung. Neben dem Live Aware (eingeloggt sein und offline spielen) bietet die Live-Funktion leider nur Pool-Billard (also 8er- und 9er-Ball) - Snooker. Ranglisten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Über die Optimatch-Variante haben sich nach 3 Tagen Ausprobieren zu verschiedenen Zeiten keine Gegner finden lassen. Die Absprache mit Freunden ist daher fast unumgänglich. Ob das Spiel technisch im Netz gut läuft, kann ich daher nicht beurteilen.


Meine Wertung
Für Einsteiger ist Pool sicherlich die besser geeignete Variante, denn Snooker bedarf einer gewissen Einarbeitungszeit. Da Pool jedoch vom Spiel her nicht taktisch genug ist und so weder ausreichend Tiefgang noch Motivation bietet, ist Snooker schlichtweg die bessere Wahl. Auch wenn "World Championship Snooker 2004" nicht in allen Belangen perfekt ist (z.B. denke man da an die für ein paar Sekunden aussetzende Sprachübertragung), so ist es doch die bessere Wahl und übertrifft "Pool 2004" um Längen. Da "World Championship Pool" Woche um Woche verschoben wurde hatte ich gehofft, dass JALECO ein paar Haken des Konkurrenzproduktes von CODEMASTERS ausbügeln wurde. Leider Fehlanzeige. Dafür haben sie den Aufbau von Menü, Shop-System, Steuerung sowie Live-Modus einfallslos kopiert. Warum haben sie dann nicht auch daran gedacht, die anschauliche Grafik mitzuübernehmen und somit dieses Spiel spielenswerter zu gestalten?! Ich kann keine Empfehlung aussprechen, wer dennoch an der Thematik Interesse hat, ist mit "WCS Snooker 2004" besser beraten. Das ist mittlerweile für durchschnittlich 20.00 EUR bei Ebay zu haben.