Konsequente Fortsetzung macht beste Laune auf ein spektakuläres Trilogie-Finale.
Das ganz große Kinoerlebnis Mass Effect war in 2007 eines der erfolgreichsten Action-RPGs für Konsolen. Xbox 360-Besitzer kamen in den Genuss einer beeindruckenden Mischung aus der
prachtvollen Optik eines Films wie
2001 A Space Odyssey gepaart mit RPG-Elementen sowie einer geballten Ladung Action eines Third Person Shooters. Publisher
Microsoft Game Studios und Hersteller
BioWare durften sich über Verkaufszahlen jenseits der zwei Millionen freuen. Allen voran hat das Spiel aber vor allem eines erreicht: Fans haben schon sehnsüchtig auf das nächste Installment der auf drei Teile ausgelegten Serie gewartet.
Knapp zwei Jahren nach dem Release des Erstlings erschien vor kurzem der zweite Teil der
Mass Effect-Trilogie vom neuen Publisher
EA. Die Entwickler von
BioWare haben sich viel vom Feedback der Spieler zu Herzen genommen.
Die zahlreichen kleinen technischen Schnitzer wie etwa Popups und langsam nachladende Texturen wurden alle ausgemerzt. Viele Leute empfanden das Aufleveln der Waffen und Skills in Teil 1 als zu kompliziert, daher haben die Entwickler in einer gewagten Entscheidung dieses Feature ersatzlos gestrichen. Aus Sicht von RPG-Fans zwar ein Verlust, aber für die Masse der Gamer wahrscheinlich eher ein Plus, da es nur wenige wirklich ausgenutzt haben.
Ein waschechtes Sequel Die auf zwei randvollen Discs ausgelieferte und auf gut 30 bis 40 Stunden ausgelegte Story knüpft zwei Jahre nach den Ereignissen aus Teil 1 an. Das alte Raumschiff, die Normandy SR1, wurde von einem unidentifizierten
» Explosive Munition heißt nicht umsonst so. |
Gegner zerstört und Shepard musste lange Zeit in einem Labor zusammen geflickt werden. Die Entwickler nutzten dies geschickt, um einen
Charakterimport (falls ein durchgespieltes Savegame vorhanden ist) aus dem Vorgänger sowie
Änderungen an dem Aussehen oder der Charakterklasse des Protagonisten zu ermöglichen. Wer völlig frisch anfängt, beantwortet ein paar kurze Fragen zu Ereignissen aus der Vergangenheit, die grundsätzliche Parameter vorbelegen und somit Auswirkungen auf die Entwicklung der Story haben.
Shepard arbeitet fortan für die
Cerberus-Organisation, die unter der Federführung eines anonymen Krösus steht, welcher in Holokonferenzen nur mit Pseudonym in Erscheinung tritt. Der
Illusive Man bleibt stets eine mysteriöse Figur, die zumindest vorgibt nur im besten Interesse der Menschheit zu handeln. Shepard traut ihm jedoch nicht weiter über den Weg, als er einen Holoprojektor werfen kann.
Die Vertrauensfrage ist erneut ein zentrales Thema in
Mass Effect 2. Immerhin hat sich in den letzten beiden Jahren viel verändert: Die Menschen haben die Kontrolle über den Council in der Citadel-Weltraumstadt übernommen und vielen Aliens schmeckt die neuen Machtverteilung im Weltall gar nicht.
Wanted: Team members for suicide mission Vereinfacht gesagt dreht sich in der Story von
Mass Effect 2 alles um das Auffinden der einzelnen Charaktere und das Zusammenstellen einer Truppe für die ganz große letzte Mission, von der keiner weiß ob man je zurückkehren wird.
Zuerst müssen also alle
zehn Kandidaten für die Selbstmordmission aufgegabelt werden. Hierzu düst Shepard in der Normandy SR2 durch die Galaxis und besucht allerlei exotische Orte, um die potentiellen Crewmitglieder ausfindig zu machen. Nachdem sie eingesammelt wurden, melden sich diese schnell mit Bedingungen oder Wünschen zu Wort. Um die
Loyalität der Charaktere zu erwerben, müssen danach vielfältigste Aufgaben gemeistert werden.
Die Missionen von
Mass Effect 2 sind dabei in
mundgerechte Häppchen unterteilt. Zuerst reist Shepard zur entsprechenden Location, um diese gründlich zu erforschen, indem man Hinweisen in Gesprächen nachgeht. Dabei können auch Gegenstände/Fähigkeiten gefunden oder bei Händlern gekauft werden, um etwa die Normandy SR2 aufzurüsten. Danach folgen eine oder mehre rund eine Viertelstunde lange
Third Person Action-Szenen, die stark auf Waffeneinsatz und Deckungsgameplay setzen.
Zahlreiche Cutscenes und Dialoge lockern die Actioneinlagen von Zeit zu Zeit auf. Ebenso gibt es Minigames, die sich allerdings oft auf das Einsammeln von Goodies beschränken. So muss z.B. unter Zeitdruck ein Safe geknackt oder eine Firewall gehackt werden.
Wenn Luft brennt, entsteht viel heiße Luft Bei jeder Mission sind zwei Mitstreiter auswählbar. Die stark
vereinfachte Skill-Auswahl wird mittels verdienter Punkte vorgenommen. Ist eine Eigenschaft ausgereizt, so kommt noch als Extra eine
spezielle Power obendrauf.
» Was führt der Illusive Man im Schilde? |
So können vor allem die biotischen (Telekinese-) Fähigkeiten gestärkt werden, die eine willkommene Abwechslung zur reinen Ballerei darstellen. Die verringerten RPG-Elemente mögen auf den ersten Blick Fans von Rollenspielen abturnen, allerdings spielt
Mass Effect 2 seine Stärken ganz woanders aus - nämlich bei den
Entscheidungen, die sich aus dem Dialogsystem ableiten.
Grundsätzlich darf man in Konversationen zuerst einmal Informationen näher hinterfragen. Hintergründe und Motivationen von Personen werden so besser durchleuchtet. Dazu gibt es auch
harte Entscheidungen, die in zwei Kategorien fallen. Wer dem blauen Paragon-Pfad folgt, erwirbt Punkte als moralischer Held, wohingegen rote Renegade-Punkte auf das Ego-Konto wandern. Sind genug Punkte vorhanden, tun sich bei Konversationen neue Wege auf. Behutsam wurden auch
Interrupts (Quick Time Events) integriert, mit denen Cutscenes in eine neue Richtung gelenkt werden können. Durch Drücken von L- oder R-Trigger löst man Paragon- oder Renegade-Handlungen aus. Manchmal entscheidet Shepard sogar über das Leben oder den Tod von Charakteren.
Was ein Rollenspiel wirklich ausmacht: Entscheidungen Jede Entscheidung beeinflusst die interaktiven Möglichkeiten bei den Teammitgliedern. Oftmals zwingt einen
Mass Effect 2 zur Wahl zwischen zwei Personen, je nachdem auf wessen Seite man sich schlägt,
hat das natürlich Konsequenzen für die Loyalität. Zur Auflockerung darf Shepard erneut den
Schürzenjäger spielen. Je nach Geschlecht stehen verschiedene potenzielle "romance/love interests" zur Auswahl.
BioWare schafft damit eine ganz besondere Atmosphäre, die zwei großartige Dinge zur Folge hat: Jeder Spieler erlebt ein
völlig individuelles Abenteuer und wer nach dem Ende noch weiterspielt, kann ebenso ein
komplett neues Spielerlebnis genießen.
Technisch beweist
BioWare ein durchgehend
beeindruckendes Niveau: Bis auf die langen Ladezeiten und ein paar kleinere Bugs bei der Kollisionsabfrage wurden alle Kritikpunkte aus dem ersten Teil adressiert. Die Grafik trägt viel zur
atemberaubenden Space Opera-Filmatmosphäre bei. Man fühlt sich mittendrin in der
Science Fiction-Optik eines Stanley Kubrick. Allen voran sind die Charaktermodelle mit ihrer
kräftigen Mimik sensationell ausgefallen. Die
extrem vielfältigen Dialoge sind nicht nur gut geschrieben, sondern auch von bekannten Schauspielern hervorragend gesprochen. Auch der
Soundtrack garantiert oft die sprichwörtliche Gänsehaut, wenn man Levels und Locations erkundet.