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Hunter: The Reckoning - Redeemer

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 20.02.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Untotenhatz, die alleine schnell ermüdet, im Multiplayer aber zur Spielspaßgranate avanciert.

Vor 10 Jahren wurden ihre Eltern im kleinen Städtchen Ashcroft getötet - Von ihrem eigenen Teddybär, der sich durch Dämonen in ein riesiges Monstrum verwandelte. Sie selbst wurde von den Huntern, einer Gruppe übersinnlich begabter Untotenjäger, gerettet. Jetzt ist Kaylie Winter nach hartem Training selbst dieser Gruppe beigetreten, um dem unheiligen Gesindel entgegen zu treten. Und dazu wird sie bald Gelegenheit bekommen. Denn wieder steht das, mittlerweile durch eine große Firma industrialisierte, Ashcroft kurz vor einer Invasion der Untoten.

Hack & Slay ohne Itemsammeln?
Hunter: The Reckoning - Redeemer basiert wie sein Vorgänger auf dem gleichnamigen Pen & Paper Rollenspiel. Wer jetzt jedoch auch im Spiel komplexe Charakterstatistiken und
» Die Grafik ist hübsch
ausschweifende Dialoge erwartet, wird enttäuscht. Das Game ist ein reines Hack'n'Slay. Es gibt nicht einmal ein richtiges Inventar, geschweige denn viele verschiedene Ausrüstungsgegenstände. Jeder Hunter verfügt lediglich über eine Standart-Schusswaffe mit unendlich Munition, sowie eine Nahkampfwaffe. Darüber hinaus gibt es Sekundärwaffen, die überall in den Leveln verstreut sind, aber nur über begrenzte Munition verfügen.
Ein Hack'n'Slay ohne Itemsammeln? Kann das denn überhaupt Spaß machen? Ist wildes Leichenfleddern nicht das Herzstück und Motivationsschub für jedes Spiel dieses Genres? Zugegeben, ein entsprechendes System hätte aus Hunter: The Reckoning - Redeemer und auch dem Vorgänger viel mehr machen können - warum das Spiel aber dennoch viel Spaß macht...lestselbst:

Die Qual der Wahl
Bevor man sich ins Gefecht stürzt, steht natürlich die obligatorische Charakterwahl an. Bis zu vier Spieler können an einer Konsole spielen, was auch den Hauptreiz des Spiels ausmacht.
» Diese Elitesoldaten kämpfen mit MGs

Zur Auswahl stehen fünf verschiedene Charaktere mit ihren individuellen Stärken und Schwächen. Der Biker "Avenger" ist der Mann fürs Grobe. Mit seiner Streitaxt spaltet er zuverlässig jeden noch so harten Zombiekopf und dank seiner hohen Widerstandkraft hält er auch größeren Wellen untoter Taugenichtse stand. Sollte er mal nicht an vorderster Front kämpfen packt er seine Schrotflinte aus.
Die kesse "Martyr" hingegen verlässt sich eher auf ihre Geschicklichkeit und weicht gegnerischen Attacken blitzschnell aus, während sie die Gegner aus der Entfernung mit zwei Pistolen beharkt. Kommen ihr die Fieslinge doch einmal zu nahe, zückt sie zwei Dolche um den Widersachern mit jenen den Garaus zu machen.
Der gealterte Priester "Judge" weiß vor allem durch starke Offensiv- und Defensivmagie zu überzeugen und heilt angeschlagene Teamkameraden. Für den Fernkampf führt er stets eine Armbrust mit sich, während er im Nahkampf mit einem kreuzförmigen Schwert die Gegner aufschlitzt. Die hilfsbereite "Defender" bildet eine gute Balance zwischen allen oben genannten Charakteren und tritt mit einer Kombination aus Schwert und Revolver gegen die dunklen Kräfte an. Neu im Kader ist die süße Kaylie Winter mit dem Spitznamen "Redeemer". Mit ihrem riesigen Breitschwert dezimiert sie zuverlässig Gegnerhorden, während sie auf die Entfernung eine Pistole für sich sprechen lässt. Zudem verfügt jeder Hunter über vier verschiedene Zaubersprüche, die von verheerenden Angriffszaubern, über Heilzauber bis hin zu schützenden Defensivzaubern reichen.
Des weiteren gibt es zwei versteckte Charaktere, die erst freigespielt werden müssen. Darüber hinaus lassen sich sogar die einzelnen Widersacher der Hunter freispielen und übernehmen. Wer also schon immer mal als Zombie selbst auf Zombiejagd gehen wollte, kann dies nun tun. Allerdings sollte diese Option eher als lustige Dreingabe gesehen werden, da manche Levels mit diesen "Bonuscharakteren" nicht durchspielbar sind. Doch vor allem im Mehrspielermodus sorgen die verwesten Kameraden für allerlei Lacher.

Alles beim Alten...
Nach dem optisch sehr gelungen Intro, einer Mischung aus Spiel- und Filmszenen, und einem kleinen Einführungsgespräch in Spielgrafik, geht es auch schon los. Wer den ersten Teil bereits gespielt hat, wird
» Umzingelt!
sich auch im Nachfolger sofort zurecht finden. Am Anfang jeden Levels wird durch ein schnödes Textfenster das Ziel der aktuellen Mission angezeigt. Meistens gilt es nur, sich durch alle Gegner zu kloppen und den Ausgang zu finden. Hin und wieder muss man verbündete Einheiten oder Unschuldige vor den heranrückenden Untotenhorden schützen, oder diverse Ziele innerhalb des Levels mittels Sprengstoff dem Erdboden gleich machen.
Die Steuerung ist unverändert geblieben und auch grafisch stellt sich ein Deja-vu-Erlebnis ein. Mit dem linken Analogstick lässt sich der eigene Charakter bewegen, während der rechte zum Zielen dient. So ist es möglich, gleichzeitig an den oberen Bildschirmrand zu laufen, während man nach unten schießt. Auch schnelle Ausweichmanöver wie Hechtrollen lassen sich mittels geschickter Tastenkombinationen erlernen. Mittels der rechten Controllertaste führt euer virtuelles Alter Ego einen Angriff mit der gewählten Waffe aus, während ihn ein Druck auf den linken Button springen lässt. Die restlichen Buttons dienen zur Auswahl der Waffen und Zaubersprüche. Die Steuerung ist leicht zu erlernen und so sind auch schon nach wenigen Minuten die ersten Zombies in ihre Bestandteile zerlegt worden. Dass bei solchen Effekten nicht an virtuellem Blut gespart wurde, fällt direkt ins Auge, weshalb das Spiel für Kinder nicht unbedingt geeignet ist. Insgesamt sind die Levels sehr linear ausgefallen, so dass sich der Spieler ganz aufs Abschlachten der untoten Massen konzentrieren kann. Viele der Gegner sind bereits aus dem Vorgänger bekannt. So sorgen Totenschädel mit Spinnenbeinen durch ihre verheerenden Kamikazeattacken immer noch für Angst und Schrecken unter den Spieler, während die harmlosen Zombies eher durch herumfliegende Körperteile nach wuchtigen Treffern auffallen, statt durch ihre Fähigkeiten im Nahkampf. Aber auch viele neue Kreationen aus der Unterwelt werden den Spieler auf Trab halten. Besonders gelungen sind einige Endgegner. So verwandelt sich ein harmlos aussehender Nikolaus in ein groteskes Monster: Statt einem Bart hat dieses mehrere Mäuler und den Geschenkesack, aus dem offensichtlich Kinderbeine und -arme herausragen, schwingt er als riesige Keule.
Unterbrochen wird der schnelle Spielfluß ab und zu durch undurchsichtiges Leveldesign. Manchmal ist es nicht ganz klar, wohin man denn nun gehen muss, oder worin denn nun die eigentliche Aufgabe besteht. Das liegt meistens auch an den schlechten Missionsbeschreibungen, die oft nicht ganz eindeutig sind. Glücklicherweise halten sich solche Patzer in Grenzen.
Überall herumliegende Sekundärwaffen können nach wie vor vom Protagonisten aufgehoben werden. Hier gilt ebenfalls das aus dem Vorgänger bekannte Arsenal - Schrotflinten, Schnellfeuergewehre, Flammenwerfer, Kettensäge und Raketenwerfer - plus einige neue Waffen, wie zum Beispiel die äußerst effektive Minigun. Diese lichtet Gegnerreihen schneller als ein kanadischer Holzfällertrupp die nordamerikanischen Forstbestände.
Ebenfalls wieder mit von der Partie: die Glyphen. Dies sind in den Boden gebrannte heilige Zeichen, an denen sich jeder Hunter seinen Lebens- oder Überzeugungsvorrat (Mana) wieder aufladen, oder vorübergehend spezielle Fähigkeiten wie erhöhte Schnelligkeit, Extrarüstung oder unendlich Munition für die Sekundärwaffe ergattern kann.

...und etwas frischer Wind
Überarbeitet wurde das Charaktersystem. Dieses ist zwar immer noch recht minimalistisch gehalten, wurde jedoch im Gegensatz zum Vorgänger verbessert. Jeder Hunter kann nun in drei
» Das Feuerschwert richtet viel Schaden an
Kategorien aufsteigen: Nahkampf, Fernkampf und Überzeugung (Magie). Erfahrungspunkte in den einzelnen Bereichen bekommt man durch einfaches Benutzen entsprechender Waffen. Wer viele Gegner im Nahkampf niedermäht, steigt hier schnell an Stufen auf, während der versierte Schütze durch ständiges Ballern in selbiger Kategorie an Leveln gewinnt. Je höher der Level, desto stärker die Attacken mit den Waffen dieser Kategorie. Dies ermöglicht das Spezialisieren auf einen Bereich, was besonders im Multiplayermodus für Abwechslung sorgt. Der von Natur aus stabil gebaute "Avenger" wird in den meisten Fällen wohl darauf erpicht sein, seine Nahkampffähigkeiten auszubauen, während die schnelle "Martyr" vor allem im Fernkampf ihre Stärken aufweist. Der mit besonders starken Angriffs- und Heilzaubern gesegnte "Judge" sollte diese so oft wie möglich nutzen, um hier an Stärke zu gewinnen. Natürlich bleibt das ganze jedem Spieler selbst überlassen. Wer will kann auch aus der schwächlichen "Martyr" eine Kampfmaschine machen und diese im Nahkampf einsetzen.
Ebenfalls überarbeitet wurde der Schwierigkeitsgrad. Während dieser im ersten Teil des öfteren jenseits der Schmerzgrenze verlief und die Spieler mit überstarken Endgegnern und unfairen Stellen in den Wahnsinn trieb, geht es im Sequel eher seicht zu. Man hat fast das Gefühl, dass etwas zu viel Schärfe aus dem Spiel genommen wurde, da sich die "Continues" auf dem Spielerkonto nur so ansammeln und kaum Gebrauch finden. Hier hätte etwas mehr Feintuning gut getan.


Grafik
Grafisch hat sich kaum was verändert. Die alte Engine leistet aber immer noch gute Dienste und weiß vor allem bei Wassereffekten zu überzeugen. Ebenso erfreuen viele Zauber- und Waffeneffekte das Spielerauge und brennen, vor allem auf den hohen Stufen, ein wahres Effektfeuerwerk ab. Auch die Animationen der Helden und ihrer Kontrahenten sind gelungen. Sämtliche Locations sind, passend zum Szenario, in sehr düsteren, graubraunen Farben. Gelegentliche Slowdowns bei übermäßigem Zaubereinsatz verschiedener Hunter fallen negativ ins Gewicht.

Sound
Der Sound kann mit der gelungenen Grafik nicht mithalten. Der Soundtrack passt sich den Spielsitationen zwar an, ist insgesamt aber viel zu lasch und öde. Eine richtige Qual für die Ohren ist jedoch die deutsche Sprachausgabe, die obendrein nicht einmal lippensynchron ist! Am besten man schaltet seine XBox vorher im Sprachmenü auf ?Englisch? um. Positiv hingegen sind die knalligen Waffensounds sowie einige Zaubereffekte.
Außerdem unterstützt das Spiel In-Game-Dolby Digital. Allerdings wird hier mit Effekten gegeizt.

Spielspaß Solo
Dads sich das Spiel mit seinem Kooperativpart mit bis zu vier Spielern nicht gerade an Solisten richtet, merkt man. Alleine macht die Untotenjagd nicht mal halb soviel Spaß wie mit ein paar Kumpels. Das lineare Leveldesign, die beschränkte Charakterentwicklung, ein vollkommen entfallenes Ausrüstungssystem, sowie die eher aufgesetzt wirkende und vorhersehbare Story fesseln den Spieler nicht lange alleine vor den Fernseher. Wer ausschließlich alleine vor der XBox sitzt, kann dieses Spiel getrost im Händlerregal stehen lassen.

Spielspaß Multi
Während beim einsamen Spielen der Funke nicht überspringt, entfaltet Hunter: The Reckoning im Mehrspielmodus sein volles Potenzial. Ab zwei Spielern macht das Spiel sehr viel Spaß. Dank des unkomplizierten Gameplays und des stark gesenkten Schwierigkeitsgrades finden auch Gelegenheitsspieler einen schnellen einstieg und der Abend mit Freunden entwickelt sich schnell zur blutigen Zombiejagd. Lediglich die Koordination der Spielertruppe fällt schwer, wenn mal wieder der Orientierungssinn in den wenigen etwas komplizierteren Levels verloren gegangen ist.
Allerdings ist auch die Fortsetzung wieder nicht per XBox LIVE! spielbar, was gerade bei solch einem Spiel wünschenswert gewesen wäre.
Pro
Sehr spaßiger Mehrspielermodus
Bis zu vier Spieler an einer Konsole
5 spielbare Charaktere (+2 freispielbare)
Gelungene Grafik
Lustiger Monstermodus
Entschärfter Schwierigkeitsgrad
Contra
Alleine schnell langweilig
Kaum Neuerungen gegenüber dem Vorgänger
Grottenschlechte deutsche Synchronisation
Langweiliger Soundtrack
Vorhersehbare Story
Für Profis zu leicht
Fazit
Leider hat sich auch bei Hunter: The Reckoning - Redeemer das Fortsetzungssyndrom eingeschlichen. Das ganze wirkt eher wie ein alleine lauffähiges Addon zum ersten Teil, als eine weiterentwickelte Fortsetzung. Darüber können auch neue Monster, Waffen und der ein oder andere neue Zauberspruch nicht hinweg täuschen.
Wirklich neu ist lediglich das Aufsteigen in den einzelnen Fähigkeitskategorien, was dem Spiel zwar sehr gut tut und ihm etwas mehr Tiefe verleiht, jedoch keinen Vollpreis rechtfertigt. Ansonsten gibt es nichts Neues, dafür gibt es aber Altbewährtes gut fortgesetzt. Wer den Vorgänger mochte, wird also auch an Hunter: The Reckoning - Redeemer seinen Spaß haben. Der wesentlich leichtere Schwierigkeitsgrad kommt vor allem Gelegenheitsspielern entgegen und macht das Game zum tollen Partyspiel und erfreut jene, die den ersten Teil zwar mochten, ihn aber zu schwer fanden. Hardcorezocker und Veteranen die den ersten Teil durchgespielt haben, werden sich allerdings schnell unterfordert fühlen.Abschließend bleibt zu sagen, dass sich White Wolfs neuestes Spiel viel actionreicher als andere Vertreter des Genres spielt. Gegnerhorden werden reihenweise niedergemäht und manchmal sieht man vor lauter Gegnern kaum noch das eigene Spielermodell. Auch findet ein übermäßiger Gebrauch von Feuerwaffen statt und macht aus dem Hack'n'Slay schnell ein Shot'n'Slay. Das Wechseln in einen Ausrüst-Bildschirm sowie das Handeln mit NPCs fällt ebenfalls vollkommen weg, was nochmals die Spielgeschwindigkeit steigert. Allerdings drückt das wiederum auf die Spielzeit: Mehr als 10 Stunden wird wohl niemand brauchen, um das Ende zu sehen. Dank verschiedener Charaktere und vielen freispielbaren Boni, motiviert das Spiel aber zu einem erneuten Durchspielen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Vivendi Univers...
Entwickler
High Voltage So...
Website
hunterthereckon...
Release
21. November 2003
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