Mein Schaaaaaaatz...
Spiele zu Kinofilmen sind Müll! Dieses Vorurteil galt lange Zeit als ungeschriebenes Gesetz der Videospiel-Industrie. Das es auch anders geht, bewies EA spätestens mit der Umsetzung des zweiten Herr der Ringe-Films "Die Zwei Türme". Das Spiel war in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: Zum Einen konnte es durch atemberaubende Grafik und Bombast-Sound die Atmosphäre des Films perfekt einfangen - Zum Anderen trieb es den Spieler mit knackigem Schwierigkeitsgrad und unfair verteilten Speicherpunkten an den Rand des Nervenzusammenbruchs.
Dementsprechend gespannt war ich, als "Die Rückkehr des Königs" ins Laufwerk meiner PS2 wanderte: Haben die Jungs von EA aus ihren Fehlern gelernt?
Metzeln in Mittel-Erde
"Die Rückkehr des Königs" beginnt dort, wo "Die Zwei Türme" endet: In Helm's Klamm kämpfen Menschen und Elben einen aussichtslosen Kampf gegen Sarumans Uruk-hai. Gandalf wendet das Blatt, als er Eomers Rohirrim in die Schlacht führt.
Sofort fällt auf, daß EA die Stärken des Vorgängers beibehalten und konsequent ausgebaut hat. Die cineastische Präsentation, untermalt mit Howard Shores Original-Soundtrack, versetzen den Spieler sofort zurück nach Mittel-Erde. Die Überblendungen von Film- und Spiel-Szenen sind einfach nur atemberaubend.
In der Tutorial-Mission wird man gleich auf zwei Neuerungen aufmerksam: Es gibt nun sogenannte "Aktions-Punkte", die durch leuchtende Kreise markiert sind. Dort lassen sich zum Beispiel Katapulte auslösen, Speere werfen oder Seile erklimmen. Die zweite Neuerung ist die Anzahl der spielbaren Charaktere. Neben Aragorn, Legolas und Gimli kann man diesmal auch mit Gandalf, Sam und Frodo in die Schlacht ziehen. Hat man das Game durchgespielt werden noch drei weitere Charaktere freigeschaltet.
Drei Wege zum Sieg
Eine weitere Neuerung: Das Spiel ist gegenüber dem Vorgänger nicht nur umfangreicher, sondern auch weniger linear. So kann man die einzelnen Handlungsstränge unabhängig von einander durchspielen. Der "Pfad des Zauberers" führt Gandalf nach Isengard und schließlich nach Minas Tirith. Im "Pfad des Königs" holen sich Aragorn, Legolas und Gimli untote Unterstützung und kämpfen sich bis vor das Schwarze Tor Mordors. Der "Pfad der Hobbits" führt Frodo und Sam aus Osgiliath bis zu den Feuern des Schicksalsbergs. Nach dem Durchspielen hat man die Möglichkeit, jeden Level nochmal mit einem beliebigen Charakter zu wiederholen. Mir persönlich ist das Spiel noch immer etwas zu kurz, aber dafür gibt es keine Durchhänger in Handlung und Spielablauf. Immerhin kann man zwei "Bonuslevel" freischalten...
Für jeden getöteten Gegner bekommt man Erfahrungspunkte, die man zwischen den Levels für die Entwicklung seines Charakters ausgeben kann. So kann man sich mit verschiedene Schlag-Kombos, stärkeren Pfeilen oder mehr Lebensenergie aufrüsten. Neu ist hier, daß man einige Dinge nicht nur für den entsprechenden Charakter, sondern gleich für die ganze Gemeinschaft kaufen kann. Diese eingekauften Goodies sind dann automatisch verfügbar, sobald man die entsprechende Stufe erreicht hat.
Während man im Spiel voran kommt, werden auch kleine Extras (Concept Arts, Interviews mit den Darstellern,...) freigeschaltet. Wer also immer schon mal wissen wollte, was Ian McKellen zum Thema "Videospiele" zu sagen hat, wird sicher auf seine Kosten kommen...
Ein Spiel sie zu knechten
Leider hat "Die Rückkehr des Königs" auch einige Schwachpunkte des Vorgängers übernommen. Die Speicherpunkte sind zwar etwas sinnvoller gesetzt, aber noch immer nicht optimal. Das Gameplay läuft zwar jederzeit flüssig, ist aber oft äußerst hektisch und unübersichtlich. So kann es passieren, daß man in einem Pulk von Feinden steckt und seine Spielfigur nicht mehr sehen kann. Noch ärgerlicher ist es, wenn Explosionen, Staub und Geröll den Blick auf die Spielfigur versperren und man eigentlich nur mehr zusehen kann, wie der Energiebalken immer kleiner wird. Diese unfairen Stellen trüben nicht nur den Gesamteindruck, sondern sorgen auch für den einen oder anderen Frustmoment.
Der Schwierigkeitsgrad ist ebenfalls etwas eigenartig. Während die ersten paar Missionen wirklich hammerhart sind, scheint das Spiel im späteren Verlauf immer leichter zu werden. Der Endgegner ist ehrlich gesagt ein Witz für jeden erfahrenen Spieler.
Die Gemeinschaft des Rings
Eine der sinnvollsten und spaßigsten Neuerungen ist der Multiplayer-Modus. Hier hat man die Möglichkeit, das Spiel kooperativ mit einem Freund durchzuspielen. Dadurch wird das Monster-Metzeln zwar etwas erleichtert, allerdings hat man auch nur die gleiche Anzahl an Heiltränken wie im Singleplayer-Modus zur Verfügung.
Fazit:
Wer den Vorgänger mochte, kann bedenkenlos zuschlagen. Das Game erfindet das Rad nicht neu, bietet aber genug sinnvolle Neuerungen um einen Kauf zu rechtfertigen. Herr der Ringe-Neulinge können ebenfalls mit einem Kauf liebäugeln, sollten aber ein wenig Frust-Bereitschaft aufbringen. Trotz einiger Schwächen ist "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" ein überdurchschnittlich gutes (wenn auch etwas kurzes) Actionspiel, das die Atmosphäre des Films hervorragend einfängt.
+ Positiv:
Atemberaubende Präsentation und hervorragender Sound
Sinnvolle Neuerungen
Flüssiges Gameplay
Koop-Multiplayer
- Negativ
Stellenweise hektisch, unübersichtlich und unfair
Noch immer zu kurz
Stark schwankender Schwierigkeitsgrad