Nach der kommerziell sehr erfolgreichen und auch überraschend guten Filmumsetzung von "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme" schob Entwickler und Publisher Electronic Arts Ende 2003 kurz vor dem dritten Kino-Ereignis folgerichtig eine spielbare Variante des dritten Films "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" nach, um die Kassen erneut klingeln zu lassen und die trotz aller Qualität deutliche Kritik am Vorgänger vergessen zu machen.
Die Story knüpft dabei wie im Film direkt an die Geschehnisse des zweiten Teils an: Die Schlacht von Helms Klamm wurde mit Hilfe Gandalfs und der zurückgekehrten Reiter Rohans gewonnen, die Schergen Sarumans besiegt. Nun versucht der dunkle Herrscher Sauron, das letzte freie Königreich der Menschen, Gondor, und dessen Hauptstadt Minas Tirith zu vernichten, während sich die beiden Hobbits Frodo und Sam zusammen mit ihrem Führer Gollum unaufhaltsam dem Schicksalsberg nähern, um den machtgebenden Ring Saurons zu zerstören.
Um Frodo und Sam Zeit zu verschaffen, wartet auf die Gefährten um Aragorn, Legolas, Gimli und Gandalf nun die größte Schlacht dieses Zeitalters - und die Rückkehr des Königs steht kurz bevor...
Ist schon die Story im Spiel beinahe 1:1 aus dem Film übernommen (inklusive Ergänzungen aus der Ende 2004 erscheinenden "Special Extended Edition"), kann man dies auch von der detaillierten und fast immer sauberen 3D-Grafik behaupten.
Natürlich ist es der Optik anzumerken, dass man ein Spiel und nicht den Film vor den Augen hat; nichtsdestotrotz wurde die Engine des Vorgängers gehörig aufpoliert - die Animationen der Protagonisten wirken realistischer, Umgebung und Charaktere wurden noch detaillierter gestaltet und die zahlreichen Licht- und Staubeffekte können sich fast mit denen des Films messen. Auch der schon beim Vorgänger beeindruckende Übergang von Filmsequenzen zur Spielegrafik ist in "Die Rückkehr des Königs" erneut zu bewundern.
Dezent enttäuschend mag auf den ersten Blick die Größe der Spielfiguren auffallen, die im Vergleich zu "Die zwei Türme" deutlich kleiner wirken, doch die dadurch bessere Übersicht und die schon beschriebenen, superben Animationen gleichen dieses Defizit locker wieder aus.
Auch Soundkulisse und Musikuntermalung wurden nahezu hundertprozentig vom Film übernommen. So freut sich der Spieler nicht nur über die Original-Sprecher sowie die grandiosen Kompositionen von Howard Shore, ebenso beeindrucken die bombastischen Soundeffekte in den Schlachten - vom Geklirre der Waffen, dem Dröhnen der orkischen Horden und den Rufen respektive Schreien der vielen Figuren auf dem Bildschirm ist absolut jedes soundtechnische Element des Films enthalten, weshalb "Die Rückkehr des Königs" auf der Playstation 2 in Sachen Soundqualität neue Maßstäbe setzt.
Wie der Vorgänger ist auch der dritte "Herr der Ringe"-Teil ein klassisches Hack'n Slay mit diversen Rollenspiel-Elementen. Demnach konzentriert sich der Spieler in den insgesamt 15 Missionen (13 reguläre und 2 Bonus-Level) darauf, die gigantischen Gegner-Scharen durch wildes Button-Gehämmere in Schach zu halten, egal ob als weißer Zauberer Gandalf, Hobbit Sam oder einer der drei übrig gebliebenen Gefährten Aragorn, Legolas und Gimli, welche bereits in "Die zwei Türme" zur Verfügung standen. Hat man das Spiel einmal durchgespielt, warten auch noch vier weitere aus dem Film bekannte Charaktere darauf, sich durch Ork-Horden schlachten zu können.
Die Level bzw. Missionen sind auf der Übersichtskarte dabei in drei verschiedene Wege respektive Handlungsstränge unerteilt - den Weg des Zauberers, der Hobbits und des Königs. Um die beiden finalen Herausforderungen - die Schlacht vor dem schwarzen Tor Mordors und den Kampf mit Gollum im Inneren des Schicksalsberges - spielen zu können, müssen zunächst alle drei Wege abgeschlossen worden sein, was sich speziell beim Weg der eher schwachen Hobbits als äußerst schwierig erweist. Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad in "Die Rückkehr des Königs" bei einigen Missionen ziemlich hoch - besiegt man den König der Toten oder die Orks auf den Pelennor-Feldern noch mit Leichtigkeit, verlangen die Verteidigung des Innenhofes von Minas Tirith, die Flucht aus Osgiliath und natürlich auch die epische Schlacht vor den Toren Modors alles ab, zumal man bei letztgenannter Mission auch noch stetig auf seine Gefährten achten muss, was sich aufgrund des horrenden Gegenraufkommens als äußerst schwierig erweist.
Hat man einen Level erfolgreich abgeschlossen, wird die eigene Leistung wie schon beim Vorgänger bewertet - je mehr Punkte man am Ende einer Mission bekommt, desto mehr kann man sich von diesen "kaufen"; im Angebot stehen neben stärkerer Rüstung und besseren Waffen je nach Level auch neue Fähigkeiten und Combos, die unter Umständen auch gleich für alle verfügbaren Spielfiguren erworben werden können. Mit Hilfe jener Fähigkeiten ist es im Spiel dann auch eher möglich, eine besser Bewertung abzustauben, da durch diverse Angriffskombinationen und durchschlagskräftigere Moves eine effizientere Zerbreiung der Ork-Massen möglich ist.
Die Steuerung gestaltet sich dabei genre-typisch als äußerst einfach: Mit den vier Standard-Tasten ("Kreis", "Kreuz", "Quadrat", "Dreieck") werden die gegnerischen Truppen ordentlich aufgewühlt, neben einem Block verfügen alle Charaktere auch über einen Fußtritt sowie einen horizontalen und vertikalen Angriff; erfreulicherweise wurde das Stärkeverhältnis zwischen den beiden letztgenannten in "Die Rückkehr des Königs" angeglichen, so dass es manchmal sogar sinnvoller ist, mit einem schwächeren, horizontalen Angriff durch die Ork-Horden zu pflügen, was speziell bei Aragorn äußerst stylisch aussieht. Zusätzlich zu den normalen Befehlen verfügt jede Spielfigur auch noch über einen "Todesstoß", eine Fernattacke sowie eine Spezialfähigkeit, die Combos erleichtert oder die entsprechende Figur unsichtbar macht.
Neben den Bonus-Missionen und -Figuren gibt es für das Durchspielen übrigens auch noch eine ganze Menge anderer Extras, angefangen bei simplen Bildern aus den drei Filmen, über Interviews der Darsteller, bis hin zu den schon aus dem Vorgänger bekannten Cheats, die, hat man das insgesamt als schwer zu bezeichnende Spiel einmal durchgespielt, aber sowieso mehr oder weniger überflüssig sind.
"Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" ist ein hervorragend präsentiertes Spiel, dessen Gameplay absolut süchtig macht und von dem man auch nach mehrmaligem Durchspielen nur schwer loskommt, was allerdings nicht zuletzt auch am etwas mageren Umfang liegen dürfte.
Im Vergleich zum Vorgänger haben die Entwickler auch dank des spaßigen, wenngleich etwas chaotischen, missionstechnisch mit dem Einspieler-Modus identischen Zweispieler-Modus eine deutliche Verbesserung erzielt, ein kleiner Wehrmutstropfen, gleichzeitig aber auch die große Stärke des Spiels, bleibt aber das (zu) simple Gameplay und der Verzicht auf weitere Rollenspiel-Elemente - aber da könnte ja das im November 2004 erscheinende "Der Herr der Ringe - Das dritte Zeitalter" Abhilfe verschaffen.