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Amped 2  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 02.12.2003
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Hart, härter, Amped 2 … Trotz teilweise harschem Schwierigkeitsgrad weiß der neue Snowboard Titel aus dem Hause Microsoft zu überzeugen.

Viele Winter mussten Snowboard-Fans warten, bis Amped 2 endlich seinen Weg in die Läden dieser Welt fand. Grund genug für uns, den Nachfolger des Joypad-verschleissenden Vorgängers Amped zu testen.

Sportspiele…
…sind eigentlich alles andere als mein Lieblingsgenre (hat da jemand Top Spin gesagt?). Gewisse Parallelen zum grandiosen Tennistitel aus dem Hause P&M Developement sind dennoch zu erkennen: Gut aussehende Screens, voller Xbox-Live Support und Realismus pur. Doch auch hier waren Bedenken angebracht: Der Vorgänger war teilweise verdammt schwer und vermieste vielen Spielern durch unfaire Aufgaben die Freude am Zocken. Wird es Teil 2 besser machen?

Create A Rider
Wie aus unzähligen Sport,- Simluations- undTrendsport-Titeln bekannt dürft ihr zu Beginn des Karrieremodus euer ganz persönliches Aussehen festlegen. Eingestellt wird beginnend von Art und Farbe der Boots bis hin zu Farbe und Schnitt des Haupthaares beinahe alles. Auch das Board bleibt nicht verschont, aus unzähligen lizenzierten Boards und Snow-Skates (!!!) wählt ihr euren Favoriten. Danach geht’s auch schon ab auf die Piste, auf der zunächst Ernüchterung einkehrt: Die Grafik wurde wohl nur einem rudimentären Facelifting unterzogen, von einem Grafikfeuerwerk wie beim Kollegen SSX3 kann keine Rede sein. Dennoch kann das Programm mit hübschen Glitzereffekten und leichtem „Flankerln“ auf bestimmten Bergen optisch verfeinert. Hier wäre aber trotzdem sicherlich mehr drin gewesen.. Nichtsdestotrotz stürzen wir uns gleich den Berg hinunter und erledigen dabei auch gleich ein paar…

Aufgaben und Ziele
Diese werden euch auf jedem der zahlreichen Berge separat gestellt, mag heißen: Habt ihr auf dem Idiotenhügel zu Beginn noch keine großen Probleme, den dreistufigen Highscore zu knacken, so dürft ihr euch dabei in späteren Levels ruhig die Zähne ausbeißen. Generell werdet ihr auf jedem Berg vor folgende Aufgaben gestellt: Es gilt einen Highscore zu knacken (3-stufig), Punkte in der Medienwertung zu sammeln (3-stufig, wobei ihr eure Tricks bei den auf der Strecke verstreuten Mediensymbolen zeigt), 5 Gaps zu überwinden (Sprünge & Rails an speziell markierten Punkten), 5 definierte Tricks zu zeigen (welche ihr jederzeit im Menü nachsehen könnt) und, wie schon aus dem Vorgänger bekannt, 8 Schneemänner zu finden und niederzufahren. Habt ihr euch erfolgreich durch einige der Aufgaben geschlagen, gibt’s als Belohnung Stat-Punkte für euren Boarder (die ihr auf Talente wie „Balance“ und „Spin“ aufteilt), Punkte für die Weltrangliste und neue Modi, die in Zukunft auf dem jeweiligen Berg zur Verfügung stehen. So müsst ihr z.B. gegen einen „Pro“ antreten und dessen Trickwertungen übertrumpfen oder ihr werdet zu einem Fotoshooting eingeladen, bei dem ihr einer bestimmten Strecke folgen müsst. Sponsoren wiederum wollen immer ganz bestimmte Tricks sehen, um euch das eine oder andere Gimmick zukommen zu lassen. Ziel des Spiels ist es, die Nummer 1 zu werden. No na net ;). Seid ihr in der Snowboarder Hierarchie durch Siege aufgestiegen und in der Weltrangliste vorgerückt schaltet ihr neue Berge frei, dürft an Events teilnehmen und werdet mit Tonnen an freispielbaren Videos bestens unterhalten.

In Control
Die Steuerung erweist sich dabei als äußerst gut umgesetzt, mit einer Ausnahme: die Grabs werden genre-untypisch nicht mehr mit Tastenkombinationen ausgelöst, sondern finden mithilfe des rechten Ministicks Anwendung. Wirkt anfangs aus Gewohnheitsgründen noch relativ unbeholfen, geht aber bald in Fleisch und Blut über. Die Tricks an sich gehen einfach von der Hand: Mit dem linken Ministick bestimmt ihr Drehungsgeschwindigkeit und –richtung, während ihr in der Luft seid, die Schulertasten dienen, in Verbindung mit dem rechten Ministick, im Lauf des Spiels als „Trickerweiterungsrepertoire“. Neu hinzugekommen ist „Steez“: Das sind Style-Punkte, die bei besonders schönen und sauber durchgeführten Sprüngen das Punktekonto sprengen. Dazu müsst ihr nichts anderes tun, als beim Absprung den linken Ministick nicht ganz bis zum Anschlag durchzudrücken. Das Resultat sind langsam ausgeführte Moves, für die ihr Extra-Punkte bekommt. Doch Vorsicht: Müsst ihr vor dem Landen noch kurze Anpassungsmanöver in der Gegenrichtung durchführen, verschwinden die Punkte oft schneller als sie gekommen sind. Hier gilt es also, langsam und bedächtig vorzugehen, denn ein sauberer, stylisher 360 bringt mithilfe dieses Systems oft mehr Punkte als ein schnell durchgeführter 1080! Als weitere Neuerung im Snowboard-Genre darf Amped 2 mit so genannten Snow Skates aufwarten: Einfach ausgedrückt sind das verkürzte Boards ohne Halterung… sozusagen ein Skateboard im Schnee. Diese dürft ihr aber leider nicht willkürlich einsetzen und sind auf speziell markierte Läufe beschränkt. Der Vorteil: Ihr dürft in der Luft auch einmal das Board loslassen und mit den blanken Boots ein paar Pirouetten drehen. Nice! Ebenfalls vorhanden sind natürlich wieder Combos verschiedener Natur „Jump+Rail+Jump+etc.“, diesmal jedoch mit einer entscheidenden Verbesserung: So genannte Butterslides ermöglichen euch es, ähnlich dem Manual oder dem Revert in der Tony Hawk’s-Reihe, verschiedene Moves auch über längere Strecken hin zu verbinden. Dieser wird mit einer schnellen Down-Up oder Up-Down Bewegung des linken Ministicks kurz vor dem Landen ausgeführt und hilft über so manche Halfpipe-Durststrecke hinweg.

Muzak!
An der Musik wurde wieder mal nicht gespart: Sage und schreibe 300 Tracks aus den Sparten Indie, Punk, DnB, HipHop und Rock verwöhnen eure Ohren. Bei Nichtgefallen der in zufälliger Reihenfolge abgespielten Songs drückt ihr einfach die weiße Taste und hüpft schnurstracks zum nächsten Track, egal ob ihr nun gerade auf der Piste seid oder im Hauptmenü… so sollte es immer sein. Auf Wunsch dürft ihr auch eure eigene Songliste basteln und/oder gleich alle Tracks, die einer bestimmten Sparte angehören, streichen. Es darf also auch zu „Indie only“ gecruist werden. Styl-o-matic. Das Geschehen auf der Strecke wird auch mit ein paar feinen Samples unterstriche, die jedoch allesamt ein wenig repetitiv wirken und auf Dauer nerven (insbesonders die Kommentare anderer Boarder). Auch die Stöhn- und Schmerzschreie wurden woanders schon einmal besser gehört.

Live & Local
Hier stehen die gängigen Spielmodi zur Verfügung. So dürft ihr gemeinsam einfach nur so zum Spaß den Berg runterheizen, den besten Trick küren oder die Gesamtwertung als Bemessungsgrundlage für die Qualität der Abfahrten heranziehen ;). Download Content soll in Zukunft ebenso zur Verfügung stehen wie der bereits vollständig integrierte XSN-Support, in denen ihr Meisterschaften erstellt und gegen andere Boarder antretet. Besonders lustig dürfte der „Ghost“-Modus sein: hier werden, ähnlich wie in Project Gotham Racing 2, besonders gute Abfahrten auf den Servern gespeichert und dürfen dann daheim auf dem eigenen Fernseher nachempfunden werden. Lokal spielt das ganze natürlich in einer anderen Liga: Splitscreen wird zwar unterstützt, entwickelt jedoch niemals sein volles Potenzial, v.a. im Vergleich zur Live-Variante, die noch dazu lagfrei und mit guter Sprachqualität aufwarten kann. Ebenfalls unterstützt werden System-Link-Sessions, so ihr also genügend Freunde mit Xbox und Amped 2 besitzt -> auf zur nächsten LAN ;).


Grafik
Sicherlich kein Burner, aber dennoch hübsch anzusehen. Insbesondere der „Schneeglitzereffekt“ auf einigen Strecken ist wirklich schön gemacht und flüssig läuft’s auch. Was will man also mehr?!?

Sound
Eine gigantische Songauswahl mit Perlen aus fast allen Genres, Flächenbombardement könnte man auch dazu sagen ;) Hier findet wohl jeder seine persönlichen Lieblinge. Der Streckensound ist auch nicht zu verachten, allerdings wiederholen sich einige Kommentar so oft, dass man am liebsten abdrehen würde. Detail Am Rande: In der vorliegenden Test-Version waren noch einige Sprachsamples auf englisch, in der Retail-Version sollten diese Fehler allerdings bereits ausgebügelt sein.

Spielspaß Solo
Schwer, aber motivierend. Insbesondere die Foto-Shootings erweisen sich als wahre Frustgaranten, hier darf man schon mit 30-40 Versuchen rechnen, bis die Ideallinie endlich einmal zu einhundert Prozent erwischt wird. Dennoch macht das Spiel Spaß ohne Ende, vor allem aufgrund der vielen Aufgaben und dem hübschen Streckendesign (Neuseeland -> Alltime-Favourite).

Spielspaß Multi
Multiplayer habens natürlich wieder einmal besser ;) Im direkten Duell gegen Freunde oder andere Live-Besitzer macht das ganze noch einmal soviel Spaß, Schadenfreude beim Auf-die-Fresse-fliegen inkludiert ;)
Pro
Umfangreiche Songbibliothek
Realistisches Spielgefühl
Umfangreicher Singleplayer
Großartige Onlineanbindung und unzählige Multiplayer-Varianten
Contra
Teilweise recht schwer
Grafik könnte besser sein
Fazit
Wahrlich ein Knüller-Spiel, sowohl im Singleplayer als auch im Multiplayer äußerst umfangreich. Für Langzeitmotivation ist auf jeden Fall gesorgt, auch Live ist das Spiel durchwegs gut besucht und bietet Spaß für Stunden. Einziges, aber größtes Manko, ist nach wie vor der hohe Schwierigkeitsgrad, bestimmte Strecken müssen einfach nur stur auswendig gelernt werden um auch nur ansatzweise erfolgreich zu sehen. Wer sich also durch einen harschen Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lässt, kann bedenkenlos zugreifen. Der Rest sollte zumindest einmal probespielen, der erste Berg ist ja noch relativ einfach. Auch Arcade-Freaks sollten den Titel nicht blind kaufen, hier herrscht (größtenteils) Herr Realismus!