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Tony Hawk's Underground  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 18.02.2004
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Solide Neuauflage des besten Skatespiels aller Zeiten… Schönheitsfehler inklusive.

Titel: Tony Hawk’s Reihe
Entwickler: Neversoft
Publisher: Activision
Anzahl der Spiele: 5 (THPS, THPS2, THPS3, THPS4, THUG)
Plattformen: PlayStation, Nintendo64, Dreamcast, PlayStation2, Gamecube, Xbox, PC, MAC, Gameboy Color, Gameboy Advance, N-Gage, Handy.

So liest sich die Geschichte eines der erfolgreichsten Franchises in der Spieleindustrie: 20 Millionen abgesetzte Einheiten auf unzähligen Plattformen. Nun schickt Neversoft den guten Tony in die fünfte Runde… aber halt… war da nicht noch was?

Go underground!
Nicht umsonst trägt der neueste Spross kein „Pro Skater“ mehr im Titel: Underground ist in. Ihr startet also eure Skaterkarriere nicht mehr mit einem der Profis, sondern mit einem von euch selbst erstellten (Create-A-)Skater! Gleich zu Beginn stehen euch dafür Tausende von Klamotten, Schuhen, Frisuren & Tätowierungen zur Verfügung; ihr bestimmt Größe und Fettleibigkeit eures persönlichen Protagonisten; ihr gebt ihm einen Namen; und ihr versucht die Nummer 1 im Skatezirkus zu werden. Da kommen einiges an Knochenarbeit auf euch zu, vom Nobody zum Superstar, 15 Minuten Ruhm gegen Weltmeister-Bekanntheit. Darf ich mich vorstellen? Hermez ist mein Name und ich hau euch alle in die Pfanne! Natürlich stehen auch die bekannten Skater aus Teil 4 + einige Neuzugänge zur Verfügung, seid hier jedoch daran gebunden, diese Spieler nicht im Karrieremodus einsetzen zu können, sprich: im Multiplayer, im eigenen Park oder im Free Run, bei dem ihr euch die Maps in aller Ruhe zu Gemüte führen könnt.

Der steinige Weg
Ganz im Gegensatz zu den Vorgängern werden euch die verschiedenen Skate-Locations nun nicht mehr einfach unkommentiert zur Verfügung gestellt. Vielmehr wird eure ganze Karriere in Form einer Geschichte erzählt: Angefangen bei der Entdeckung eures Talents in New Jersey bis hin zum Dasein als King of Decks werdet ihr an acht verschiedenen Standorten verweilen - einen Bonuslevel gilt es frei zu spielen. Dabei seid ihr dann selbstverständlich nicht mehr an bestimmte Tricks bekannter Stars gebunden: In Create-A-Trick könnt ihr euch nach Belieben austoben und eure eigenen Tricks erstellen. Sogar euer Deck könnt ihr individuell gestalten. PS2-exklusiv hingegen ist das Feature euer eigenes Gesicht auf euren Skater zu pappen: Ein e-mail mit 2 Fotos eures Kopfes an faces@thugonline.com reichen aus und kurz darauf steht euer Kopf-Modell auf dem THUG-Server zum Download bereit. Ebenfalls PS2-exklusiv ist die Online-Anbindung, doch dazu später mehr.

Skaten alleine ist öde…
… und deswegen geht’s in THUG auch manchmal zu Fuß oder mit dem Auto weiter. Gleich eines vorweg: Beide Features sind nur bedingt geeignet, den Spielspaß zu erhöhen. Ist das Laufen mit dem Deck in der Hand noch einigermaßen sinnvoll in das Spielgeschehen integriert (so gibt es bestimmte Tricks, die ihr im Laufen anwenden könnt und Lauf-Skate-Combos lassen sich auch durchführen) so kann man dies vom Auto fahren weniger behaupten: Schlechte Fahrdynamik und unrealistisches Handling tragen ihr übriges dazu bei, dieses Feature beim nächsten Tony nicht mehr sehen zu wollen. Gemeinsam ist den beiden Spielerweiterungen, dass die Steuerung, ganz im Gegensatz zum wieder einmal extrem gelungenen Skate-Part, komplett vermurkst wurde. Geht das Laufen und Springen nach einer bestimmten Eingewöhnungsphase doch einigermaßen locker von der Hand (Action-Adventure Niveau erreicht es dennoch nicht einmal ansatzweise), so ist das Fahren mit einem Fahrzeug der 1A-Steuerungs-Super-GAU, no further explanations necessary.

Am Skaten an sich hat sich aber Gott sei Dank nicht allzu viel verändert: Die Tricks gehen immer noch schnell von der Hand und das Spielgefühl verdient wie schon bei den Vorgängern Höchstnoten. Von THPS4 wurde hingegen das weggelassene Zeitlimit übernommen, das euch genügend Freiraum zum Erforschen des Gebietes verschafft. Ebenfalls wieder mit dabei sind die Aufträge von Passanten, an denen ihr euch gleich danach versuchen könnt. Habt ihr eine bestimmte Anzahl an Zielen erfüllt geht es nach Wunsch auch gleich zur nächsten Location, die allesamt sehr abwechslungsreich und unterschiedlich gestaltet sind: Von New Jersey nach Hawaii, von San Diego nach Moskau wird das ganze Spektrum an detaillierten Skate-Umgebungen abgedeckt.

Create A Park
Habt ihr das Hauptprogramm durch oder wollt ihr ein bisschen die Fantasie spielen lassen, steht euch mit dem Create-A-Park Feature ein mächtiges Tool zur Verfügung euren persönlichen Traumpark zu erstellen. Dieser wurde im Gegensatz zu den Vorgängern noch einmal gehörig aufgebohrt und bietet nun Einstellungen en masse: So dürft ihr nicht nur festlegen, ob gerade die Sonne scheint oder schon die Nacht hereingebrochen ist, nein: Ihr könnt auch eigene Ziele festlegen (z.B. das allseits bekannte SKATE-Buchstaben-Sammeln) oder gleich einen ganzen Parcours basteln, der in einer bestimmten Zeit zu absolvieren ist. Alle Maps lassen sich durch kleine Anpassungen übrigens auch problemlos in den Multiplayer integrieren. Besonders nett ist das neue Rail-Tool, welches euch durch zwei Klicks ermöglicht, bestimmte Stellen im Park durch Rails zu verbinden. Schnell, effizient und äußerst witzig (oder habt ihr schon einmal probiert ein Spinnennetz mit Rails nachzubauen? ;) ).

Multiplayer und Online Hatz
Wie schon erwähnt bietet THUG PS2-exklusiv einen Online-Modus, der sogar einige spezielle (und nur online anwählbare!) Spielmodi ermöglicht. Genannt seien hier Goal-Attack und Capture the Flag. Es ist auch möglich, eigene Tricks, Parks oder gar den eigenen Skater (!) hochzuladen. Oflline gibt sich das Spiel aber natürlich auch keine Blöße: Alle bereits aus den Vorgängern bekannten Multiplayer-Modi sind auch hier wieder vertreten: Graffiti, King of the Hill, Combo Mambo, Trick Attack usw.. Neu hinzugekommen ist der so genannte „Firefight“, der hier ein wenig aus dem Rahmen fällt. Es gilt den Gegner mit Feuerbällen (Super Mario Pro Skater? ;) ) niederzustrecken. Macht für eine bestimmte Zeit auch einen Mordsspaß, wird nach dem verflogenen „Reiz des Neuen“ allerdings recht schnell langweilig, weswegen man wohl wieder auf altbewährte Modi zurückgreift.

Muzak
Die Musikuntermalung ist bereits im Vorfeld zu jedem TH-Release ein heiß diskutiertes Thema: Die Qualität der Songs steht aber zweifelsfrei immer außer Frage. Auch diesmal hat sich Neversoft selbst übertroffen und gezählte 80 Songs auf die Disc gepresst, mehr als jemals zuvor. Lustigerweise finden sich sogar KISS-Nummern im Sortiment, ebenso wie Jane’s Addiction und Social Distortion. Ungeliebte Songs könnt ihr wie eh und je von der Wiedergabe ausschließen und euch somit eine persönliche Songlist basteln. Die Xbox-Version unterstützt selbstverständlich eigene Songlists.


Grafik
Die Tony Hawk’s Reihe stand noch nie für fantastische Grafik und realistische Schattenberechnung. Dafür versteht sie sich umso besser darauf zweckmäßige Optik aufs Bild zu zaubern und lockt insbesondere auf Xbox und Gamecube mit satten Farben.

Sound
Nuttin’ to add. Einmal mehr erweist sich die Auswahl der Songs als sehr heterogen und bietet mittlerweile für wirklich jeden Spieler die passende Musik. Nichtsdestotrotz muss ich hier erwähnen, dass niemals auch nur ein einziger Tony-Teil an die Songauswahl aus Teil 2 herankommt, der meiner Meinung nach genre- und plattformübergreifend das beste Stück Spiele-Sampler darstellt: Millencolin (No Cigars!), Lagwagon (May 16!), Rage Against The Machine (Guerilla Radio!), Bad Religion (You!). THUG macht musikalisch vieles gut, THPS2 war perfekt, aber das liegt natürlich im Auge (bzw. im Ohr) des Betrachters.

Spielspaß Solo
Das Spiel weiß zu motivieren und lockt immer wieder vor die PlayStation. Die wenigen Gameplay-Schnitzer wie das Off-the-Board-Feature und das Auto fahren wirken sich zwar negativ auf das Spielerlebnis aus, allerdings beschränkt sich der Großteil des Spiels immer noch aufs Skaten, und das ist genau das, was die Tony Hawk’s-Reihe eben ausmacht. Gott sei Dank wurde dieser Part ebenso gelungen umgesetzt wie schon bei den Vorgängern auch. Davon abgesehen bietet THUG einmal mehr ein fantastisches Spielerlebnis und weiß durch Create-A-Trick/Skater/Park/Deck tage- und wochenlang zu unterhalten.

Spielspaß Multi
THUG bleibt für mich primär ein Singleplayer-Spiel, auch wenn die Multiplayer-Modi eigentlich keine Wünsche mehr offenlassen. Das Offline-Spiel mit Freunden gefällt durchaus, der Online-Part kann allerdings weniger überzeugen. Das Spiel lebt eigentlich davon, dem Gegner so richtig ins Gesicht zu lachen, wenn man ihn mal wieder über den Haufen gefahren hat ;) und genau diese Komponente fehlt beim Online-Spiel. Leider wird auch das Headset nicht unterstützt, eine sinnvolle Kommunikation ist somit nur per USB-Keyboard möglich, was dem Spielspaß auch eher abträglich ist.
Pro
Es ist und bleibt Neversoft’s Tony Hawk’s
Grandioses Gameplay
Riesige Level
Mächtige Editoren (Create-A-Park/Skater/Trick/Deck)
Gelungene Musikuntermalung
Hohe Langzeitmotivation
Contra
Zweckmäßige Grafik
Designschnitzer: Off-the-Board und Autofahren
Keine Headset-Unterstützung
Online-Anbindung PS2-exklusiv
Fazit
Tony Hawk’s Underground ist ein würdiger Vertreter der Tony Hawk’s-Reihe, daran ändern auch die beiden Designschnitzer nichts, die dem Programm allerdings den „Pflichtkauf“ verwehrt haben. Das Spiel ist außerdem nicht mehr so linear aufgebaut und bietet dem Spieler abseits des Hauptprogramms unzählige Möglichkeiten sich kreativ auszutoben, was Langzeitmotivation garantiert. Besonders beeindruckt hat mich der mächtige Create-A-Park-Editor, deren ausgiebige Nutzung eigentlich nur durch den verfügbaren Speicherplatz auf der Memory-Card eingeschränkt wird, die natürlich nicht allzu viele Parks aufnehmen kann. Abgesehen davon sollte sich jeder Fan der Vorgänger THUG sofort zulegen, allen Neueinsteigern würde ich zuerst einmal zu den älteren Teilen raten, insbesondere natürlich zu meinen Alllzeit-Favoriten THPS2 (irgendeine Konsole MÜSST ihr ja haben, für die der zweite Teil umgesetzt wurde ;) nochmal zum mitschreiben: Dreamcast, Nintendo64. PC, MAC, Xbox (THPS2x); die beiden GB-Umsetzungen mal außen vorgelassen).