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Top Spin

» Autor: Christian Kellner
» Datum: 12.11.2003
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Game, Set & Match: Top Spin. Wie ein Tennisspiel einen Nichtsportler überzeugte.

Die folgende Darstellung ist extrem überzogen und entspricht keinesfalls der Realität. Ähnlichkeiten mit existierenden Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig. All rights reserved, baby

“Tennis, bäääääh”, dachte ich mir, als ätsch mir das druckfrische Top Spin-Test-Exemplar in die schweißnassen Hände drückt. „Aber, aber… ich hätte doch viiiiiiiiiiel lieber Rainbow S…“. Doch weiter komme ich nicht, mit einem vernichtenden Blick bekundet mir ätsch seine Verachtung gegenüber meiner Undankbarkeit und wohl oder übel muss ich meinen Weg antreten. Den Weg zur Läuterung, wie ich später erfahren werde.

Tennis? WTF?
Trotz meiner überzeugten Einstellung als Konsolen- und RL-Sportmuffel, führte doch keine Weg an Top Spin vorbei: zu lecker sahen die Screens aus, zu verlockend war der Gedanke, meinem sportlosen Gamer-Dasein mit einem hübschen Einstiegstitel ein kournakovisches Ende zu bereiten. Bedenken waren trotzdem nicht unangebracht: Tennis ist im TV eine langweilige Angelegenheit: Spieler A trifft auf Spieler B, beide schlagen sich wie Idioten kleine gelbe Filzbälle um die Ohren, gezählt wird mit Love, Fifteen, Thirty, Forty, Deuce und Advantage, ab und zu zerlegt es einen der Spieler bei dem Versuch einen unhaltbaren 500 km/h Smash retournieren zu wollen und enden tut das ganze ebenso abstrus, wie es begonnen hatte: Mit einer seltsamen Zählweise 6:3, 6:1 und 7:6. Tennis ist ein seltsamer Sport. Umso seltsamer, dass so etwas auf dem heimischen TV mit angeschlossener Xbox überhaupt Spaß machen kann.

Vom Nobody zum Superstar
Den geneigten Spieler wird’s wohl zuerst einmal in den Karrieremodus verschlagen. Weise gewählt, denn Top Spin ist alles andere als eine einfache Hau-Drauf-Partie! Zunächst geht’s ans Namen und Spielfigur auswählen, wo euch beinahe unendliche Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Wollt ihr einen schwulen Ex-Matrosen mit gebrochener Nase und Tätowierung am Arsch? So soll es sein. Oder darf es doch eine 2,30m große Frau mit 130kg Lebendgewicht und Körbchengröße Triple-D sein? Auch das ist kein Problem. Gott sei dank sind mir solche Personen in natura noch nicht begegnet *schauder*. Flugs die Menüs weitergeklickt dürft ihr weiters festlegen, woher euer Spieler kommt, welche Klamotten er zu Beginn besitzt und seine Grundfertigkeiten auswählen (z.B.: Techniker oder „Bumm-Bumm-Becker“), alles ist erlaubt. Habt ihr euer Alter Ego zusammengestöpselt, darf es auch schon losgehen: Auf der vor euch liegenden Weltkarte dürft ihr frisch gewaschene Hosen und Shirts einkaufen gehen, euch im Salon verschönern lassen und natürlich auch Tennis spielen. Schließlich ist das hier keine „Sim“ulation, oder doch?

My name is Nobody, and who are you?
Auf drei verschiedene Art und Weisen könnt ihr zum ersten Mal den heiligen Rasen betreten: Ihr könnt euch gleich ins Geschehen stürzen und an einem der unzähligen „Pro“-Turnier teilnehmen, welche alle mit 15,000$ dotiert sind. Nicht schlecht für Anfänger-Tennis. Ihr könntet auch schnurstracks zu einem der lizenzierten Sponsoren (z.B. Adidas, Oakley oder Prince) laufen und ihm eure Dienste als zukünftiger Weltmeister anbieten, was dieser zwar mit einem lauten Lachen quittieren wird aber euch dann doch einen Vertrag anbietet. Und als dritte und letzte Option steht euch nach das Training zur Verfügung: Hier könnt ihr verteilt auf die 4 Fähigkeiten (Rückhand, Vorhand, Volley und Aufschlag) insgesamt 14 Punkte, erworben durch intensives Training, verteilen. Sind die ersten beiden Pünktchen pro Fähigkeit noch leicht ergattert, so geht’s nachher zuweilen rabiater zur Sache, hier wird euch einiges abverlangt, und zwar nicht nur Nerven, sondern auch bares Cash, …

Raus auf den Platz!
…welches ihr aber zum Glück ganz easy bei den vorher erwähnten Einstiegsturnieren gewinnen könnt. Hier offenbart sich auch gleich die erste Schwäche des Spiels: Es ist euch nicht gestattet, Anzahl von Sets und Games zu bestimmen. Mag heißen: Ihr spielt generell alle Spiele im Karrieremodus auf 3 Games und 3 Sätze (respektive 2 gewonnene Sätze). Davon lassen wir uns aber zuerst mal nicht beirren und steigen geradeaus im Viertelfinale ein, vor euch liegen also 3 Spiele bis zum ersten Turniersieg, der auf dem Anfängerlevel auch leicht einzusacken ist. Grafik und Sound werden euch zuerst einmal aus den Latschen hauen. Pipifeine Stadionatmosphäre gepaart mit grandiosen Schatteneffekten und einer astreinen Sounduntermalung. Mit DD5.1 glaubt ihr wirklich, in dieser gottverlassenen Halle reales Tennis zu spielen, so gut wurden Aufschlag und Schuhwerkgeräusche noch nie in ein Spiel integriert. Die Steuerung ist recht einfach gehalten: Mit A macht ihr einen sauberen, durchschnittlichen Schlag, B repräsentiert den langsameren und höheren Top Spin, mit X schlagt ihr einen Slice, der etwas schneller und niedriger ist als A und zu guter letzt noch den Lob, den ihr mit Y ausführt. Weiters stehen euch zwei Arten von sogenannten Risikoschlägen zur Verfügung: Den wirklichen R-Hammerschlag, richtig angesetzt beinahe unhaltbar, und einen L-Stoppball, der einen Spieler auf der Grundlinie beinhart austrickst. Beide Varianten sind jedoch risikoreiche Bälle, die öfter Mal ins Netz oder ins Aus gehen.

Sieg!
Habt ihr also den ersten Sieg in der Tasche, gibt’s neben dem obligatorischen Pokal auch Punkte für die Weltrangliste und schnöden Mammon fürs Börsel. Yeah! Die Moneten (hier „Münzen“ genannt, wer zum Teufel übersetzt „Credits“ mit „Münzen“? *schlagaufnkopf*) investiert ihr auch gleich in dringend nötige Fähigkeitspunkte, und den daraus resultierenden Fertigkeiten, welche ihr nach und nach erwerbt (durch Siege und Trainingseinheiten). Durch diese könnt ihr zum Beispiel schneller werden oder Risikoschläge besser durchführen. Desweiteren könnt ihr euren derzeitigen Weltranglistenplatz, eure gewonnenen Pokale, diverse Statistiken im sogenannten „Nexus“ einsehen, sozusagen dem Hauptmenü eures persönlichen Karrieremodus. Im selben Menü könnt ihr auch jederzeit eure Sporttasche plündern, um zu sehen, was euer Sponsor nach bewältigten Sponsorprüfungen so springen lässt, und eure Figur umkleiden. Leider kann man nicht in Unterwäsche spielen (was ich bei meinen beiden Alter Ego’s aber sowieso tunlichst vermeiden würde).

Aufstieg leicht gemacht
Der Karrieremodus selbst ist modular aufgebaut, soll heißen: Habt ihr nicht die benötigten Qualifikationen, um ein höher dotiertes Turnier zu spielen, gibt man euch mit den Worten „Probier’s nächstes Jahr noch mal“ einen Klaps auf den Popo und lässt euch von dannen ziehen. Diese Qualifikationen, um schön langsam vom Nobody zur Legende aufzusteigen, und somit auch an den prestigeträchtigen Grand Slams teilnehmen zu können, sind verschiedener Natur: So bedarf es meistens eines bestimmten Platzes in der Weltrangliste oder dem Erreichen seines ersten Fertigkeitspunktes. Alles in allem ein extrem simplifiziertes Aufstiegsmodell, das aber durchaus zu gefallen weiß (auch wenn bereits nach dem Spielen aller „Pro“-Turniere der erste Platz nicht mehr weit entfernt sein kann… sofern man immer erster geworden ist). Der Schwierigkeitsgrad hingegen ist ein zweischneidiges Schwert (bzw. Schläger): Sind die Turniere der untersten Stufe noch locker mit verbundenen Augen und Kaffeetasse in der linken Hand ohne Satzverlust durchgespielt, so wird in den späteren Matches teilweise recht heftig gekämpft um ja nicht aus dem Turnier zu fliegen. Hier wäre vielleicht noch etwas Feintuning drin gewesen.

Holde Freud im Doppelpack
Wie so oft bei Sporttiteln: Im Singleplayer ist irgendwann die Luft draußen, auch wenn es noch so motivierend ist, seinen Spieler gegen Hingis und Co. ins Rennen zu schicken. Dann hilft nur ein zweites (oder ein drittes und viertes) Gamepad oder Xbox Live. Einfach gesagt: Beide Investitionen lohnen sich zu 1000% für Top Spin. In einem Schaukampf wird eingestellt, ob Doppel oder Einzel gespielt wird und es ist sogar erlaubt, die Anzahl der Games und Sets zu bestimmen. Warum es diese Option nicht in den Karrieremodus geschafft hat, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Ebenso darf aus 8 lizenzierten Sportlern gewählt werden oder, noch besser, man schickt den eigenen, im Karrieremodus erstellten Spieler ins Match. So macht Zocken gegen Top Spin bestückte Freunde Spaß. Der Live-Modus kränkelt aber leider ein bisschen: Abgesehen vom sowieso hervorragenden Gameplay, gibt es des öfteren Lags zu beanstanden („Kommt der Ball oder kommt er nicht“, verdammt, die eidgenössische Leserschaft möge es mir verzeihen, dies ist keine Simulation eines schwytzerischen Tennisspiels) und die Sprachqualität war auch schon mal besser. Trotzdem ist das Spiel auch online eine Granate.


Grafik
Coole Atmosphäre, sehr gute Spieleranimationen, Schleifspuren im Sand und grandiose, „splintercellige“ Schatteneffekte: Top Spin lässt nichts aus, was nicht auch auf einem realen Tennisplatz zu finden wäre. Leider bewegen sich allerdings die Zuschauer ein wenig sehr hölzern (haben wohl Angst, meine Spielerin könnte aus Zorn über den Ballverlust auf die Tribüne springen und die Leute vermöbeln) und die Balljungen ruhen sich leider auch auf ihren Lorbeeren aus… die tun nämlich rein gar nichts außer in der Hocke zu knien und blöd zu schauen.

Sound
So stelle ich mir die Geräuschkulisse in Wimbledon vor: Bei einem langen Break gibt’s frenetischen Applaus, die Ballgeräusche sind bodenbelagsbedingt immer ein Ohrenschmaus und wenn’s mal nicht so klappt mit dem Spiel, fliegt der Schläger krachend auf den Boden. Genial!

Spielspaß Solo
Super motivierend, u.a. auch durch die Generierung eines eigenen Charakters. Viele Turniere, Trainingseinheiten und Sponsor-Herausforderungen locken auch nach dem zehnten Aus im Finale noch vor den Fernseher. Leider hat’s allerdings mit dem Feintuning beim Schwierigkeitsgrad nicht ganz geklappt, der Rest ist allerdings famos.

Spielspaß Multi
Der Multiplayer lässt keine Wünsche offen. Mir persönlich hat’s vor dem TV mit 1-3 Freunden am meisten Spaß gemacht, im Doppel die anderen in Grund und Boden zu „ass“en. Über Xbox Live macht das Spiel ähnlich viel Spaß, leider wird dieser aber durch Lags und schlechte Sprachqualität etwas getrübt.
Pro
Super Grafik
Geniale Soundkulisse
Einfache Steuerung
Hohe Langzeitmotivation im Singleplayer und Multiplayer
Multiplayer zu viert vor einer Glotze ist einfach nicht zu schlagen
Contra
Xbox Live Support wurde etwas verbockt
Steile Schwierigkeitsgradkurve
Fazit
Ein Tennisspiel, das beinahe keine Wünsche offen lässt. Hier kommen sowohl Singleplayer- als auch Multiplayer-Zocker auf ihre Kosten, denn noch nie gab es Tennis so real auf dem TV, ausgenommen DSF-Live-Übertragungen… mittendrin statt nur dabei, gell? Ich kann hier wirklich eine uneingeschränkte Empfehlung an beide Gruppierungen aussprechen, wobei die Mehrspielerfraktion natürlich etwas mehr Langzeitmotivation erwarten darf. Hier darf man einfach nicht lange fackeln, kaufen und Spaß haben…
Infos
Erhältlich für
Genre
Sport
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Power and Magic...
Website
www.xbox.com/de...
Release
31. Oktober 2003
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»  game4game
User-Bewertung
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Features
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