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True Crime: Streets of L.A.

» Autor: Christian Schauflinger
» Datum: 06.12.2003
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Cineastische Cop-Action mit coolem Hauptcharakter, abwechslungsreichen Missionen, ausgetüfteltem Upgrade-System und exzellentem West-Coast-Rap–Soundtrack - leider mit ein paar graphischen Einbussen und wenig Langzeitmotivation.

„Hmmm? – Ihr wollt wissen wer ich bin? Nun, was solls... Mein Name in Kang – Nick Kang und ich bin ein Bulle beim L.A.P.D.... Nun ja, besser gesagt, ich WAR ein Bulle beim L.A.P.D. - bis zu meiner Suspendierung. Tja, sieht so aus als ob dem Commissioner meine Art die Dinge anzupacken nicht so ganz zugesagt hat, aber – Hey – die Stadt der Engel ist alles andere als ein seelig ruhiges Pflaster und wer nicht nach der Devise „Live an let die“ handelt, der gerät schneller unter die Räder, als er sich hinter das Steuer seines schicken Sportwagens setzten kann. Aber was erzähle ich das euch – ihr wißt sicher selber was sich auf den dreckigen Strassen unserer Stadt Tag für Tag abspielt! Nun ja, nicht schlecht überrascht war ich dann aber, als die Chefin der Elite Operations Division – kurz EOD - anrief und mir einen Vorschlag machte: Ich sollte doch ihrer Organisation beitreten – wo mich angeblich weit weniger Sesselfurzer und Bleistiftbürokraten bei der Polizeiarbeit behindern würden. Ich zögerte also nicht lange und sagte zu – Hauptsache ich konnte so schnell als möglich wieder raus auf die Strassen meiner geliebten Stadt – „Hit the road, Nick!“ – Was dann aber geschah .... das war sogar für mich eine haarige Angelegenheit. Aber seht selbst....“ (Nicolas Kang Wilson, E.O.D, Los Angeles, Dec.2003)

In True Crime: Streets of L.A übernehmt Ihr – wie ihr euch sicher schon gedacht habt - die Rolle des unkonventionellen und in seinen Methoden nicht zimperlichen Nick Kang (Übrigens, vielen Dank für deine einleitenden Worte, Nick) und säubert L.A. von allerlei zwielichtigen Unterweltangehörigen. Der erste Blick aufs grundlegende Gameplay scheint einen Vergleich mit Rockstars GTA-Reihe durchaus nahezulegen: Euch steht eine ganze, frei befahrbare Großstadt als Tummelplatz zur Verfügung, welche mittels unterschiedlichen fahrbaren Untersätzen, jederzeit aber auch zu Fuß, erforscht werden darf. Missionsbasiert erledigt ihr verschiedene Aufträge, schießt und prügelt auch durch die Gegner und schreitet Stück für Stück in der Story voran. True Crime bringt aber jede Menge Erweiterungen und frische Ideen ins „Drive&Shoot-Genre“ und unterscheidet sich in wesentlichen Punkten doch maßgelblich von Rockstars Kreationen. Wenn Ihr wissen wollt, was True Crime für willige Hobby-Cops zu bieten hat, müßt ihr nur unser Master-Review lesen....

Von Cops und ihren Erlebnissen...
True Crime erzählt eine klassische Cop-Geschichte, ganz im Stile großen Action Kinos: Die Unterwelt von L.A. wird vom organisierten Verbrechen regiert – Chinesische Triaden, die russische Mafia, korrupte Generäle und ebensolche Polizisten geben sich ein Stelldichein. Bestechung, Mord, Erpressung, Geldwäsche und andere Lieblichkeiten aus dem Poesie-Album von Al Capone gehören zur Tagesordnung – und mittendrin unser ebenso charismatischer wie rauhbeiniger Alterego Nick, der nicht nur den bösen Jungs gehörig in die Suppe zu spucken, sondern auch noch das Schicksal seines verschwundenen und der Korruption verdächtigten Vaters aufzuklären und dessen Weste reinzuwaschen versucht. Präsentiert wird das Ganze in missionseinleitenden In-Game Cutscenes, welche die Story vorantreiben und vor allem durch exzellente Kameraführung - gelegentliche und gut plazierte Bullet-Time Effekte inklusive - und witzige Dialoge punkten können. Gänzlich unverständlich – weil vollkommen deplaziert – muten dagegen einige Missionen an, bei denen es gilt dem mysteriösen Triaden-Boss „Ancient Wu“ auf die Spur zu kommen. In diesen (glücklicherweise auf einen kleinen Story-Teil beschränkten) Missionen müßt ihr euch Zombies, Feuerdämonen und abschließend einem feuerspeienden Drachen gegenüberstellen. (Falls ihr nun am geistigen Zustand eures Reviewers zu zweifelt beginnt – Ich garantiere ich leide unter keinen Verwirrungszuständen!). Welcher Dämon die Storyschreiber von Luxoflux wohl bei diesen Abschnitten geritten hat, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. (Zur Erinnerung: Der Titel heißt „TRUE (!!) Crime“)

Von Episoden und Missionen....
Die Story von True Crime ist in sieben Haupt-Episoden und vier alternative Episoden eingeteilt. Eine Episode dient dabei gleichsam als mehr oder weniger abgeschlossene „Mini-Story“ innerhalb des gesamten Plots und setzt sich zumeist aus bis zu 10 einzelnen Missionen zusammen. Die wahre Action spielt sich natürlich innerhalb der einzelnen Missionen ab, deren Abwechslungsreichtum eine der großen Stärken des Titels darstellt. Neben reinen „Erreiche den Ziel mit oder ohne Zeitlimit“-Missionen, gilt es Verfolgungsjagden (sowohl als Jäger, als auch als Flüchtender) zu absolvieren oder ein andermal unauffällig die Wagen der bösen Jungs zu beschatten. Natürlich fehlen klassische Gunfights ebensowenig in der Missionspalette wie knallharte Martial-Arts Gefechte. Sogar an Stealth-Missionen dürft ihr euch wagen und versuchen dem Lieblingsagenten von Third Echelon (Sam?) mal zu zeigen, wer nun wirklich der „Walking Shadow“ ist.

Als Besonderheit von True Crime in Bezug auf das übergeordnete Missions-Korsett ist zu nennen, dass ihr auch in der Story-Line fortfahren könnt, wenn ihr eine Mission mal nicht schaffen solltet. Zwar müßt ihr danach die Konsequenzen eures Scheiterns tragen, so bleiben u.U. die restlichen Missionen einer Episode vorerst verwehrt und ihr werdet auf Streife strafversetzt, oder ihr müßt eine alternative Mission spielen. Ein Festhängen an einer besonders kniffligen Stelle ist aber keine Tragödie, da an anderer Stelle fortgesetzt werden kann. Ein sehr löbliches Feature, welches gerade Neulinge des Genres vor Frustmomenten bewahren wird. Zudem wird nach jeder Mission automatisch gespeichert, was gemeinsam mit der Aufteilung in relativ kleine Story-Häppchen pro Mission, Frustmomente der Marke „Fahre x mal durch die halbe Stadt um dann wiederum x Mal am Zielort ins Gras zu beißen“ gänzlich vermeidet.

Von der niemals schlafenden Unterwelt...
Neben den Story-Missionen könnt ihr euch aber auch der Aufklärung der über Polizeifunk durchgegebenen Zufallsverbrechen widmen, wobei verschiedenste Gesetzesübertretungen zu ahnden sind. Mal geht es darum einen Streit zwischen Eheleuten zu schlichten, mal eine Strassenschlägerei zu befrieden, mal einen flüchtigen Sträfling zu verfolgen oder einen durchgeknallten Stuntmen aufzuhalten, der mit seiner PS-starken Karosse die öffentliche Sicherheit gefährdet. Ein Zufallsverbrechen dreht sich sogar darum einen gestohlenen Laster aufzuhalten, der Videospiele von Activision transportiert – natürlich mit so wenig Schaden wie möglich. Neben einer kleinen Auszeit und Abwechslung vom Storystrang dienen die Zufallsverbrechen aber auch zur einfachen Gewinnung von Belohnungspunkten, welche ihr – wie wir später noch erfahren werden – für die Verbesserung von Nicks fahrerischen, schußtechnischen und kämpferischen Fertigkeiten benötigt.

Von den Freuden hinter dem Lenkrad....
Natürlich ist Allrounder Nick Kang auch ein Meister hinter dem Lenkrad und so steuert ihr euer Gefährt schon nach kurzer Eingewöhnungszeit gekonnt durch die riesige und vielfach authentisch nachgebildete kalifornische Metropole. Selbstredend könnt ihr bei der schweißtreibenden Polizeiarbeit auf die Strassenverkehrsordnung nur wenig Rücksicht nehmen - Ihr prescht über rote Ampeln, driftet mittels Handbremse gekonnt um enge Kurven und drückt das Gaspedal auch auf der Gegenfahrbahn so richtig durch. Kollateralschäden an braven Verkehrsteilnehmern und allerlei Umgebungsobjekten wie Verkehrsschildern, Zäunen und dgl. sind dabei natürlich nicht auszuschließen und bieten immerhin die Möglichkeit das ordentliche Schadensmodell der Fahrzeuge und die vielfach zerstörbare Umgebung zu bewundern. Allzuoft solltet ihr aber keine Frontalcrashes riskieren, da selbst eure Karre irgendwann beginnt in Flammen aufzugehen – und dann wird es Zeit schleunigst auszusteigen und sich auf die Suche nach einem neuen fahrbaren Untersatz machen. In bester GTA-Manier könnt ihr jedes Fahrzeug versuchen aufzuhalten und zu beschlagnahmen, auch wenn deren Besitzer sich oft nicht gerade begeistert von dieser Aktion zeigen. Aber der Kampf gegen das Verbrechen erfordert eben seine Opfer...

Folgende Typen von Fahrmissionen müßt ihr absolvieren:
Ziel erreichen - Free Ride: In diesen Missionen müßt ihr lediglich ein als grüner Punkt auf der Karte markiertes Ziel erreichen. Da ihr dafür beliebig lange benötigen dürft, laden diese Missionen natürlich auch dazu ein, mal so richtig relaxed durch L.A. zu cruisen, Zufallsverbrechen aufzuklären oder verschiedene „Service-Betriebe“ anzufahren: In Werkstätten laßt ihr eure Gefährt reparieren, Apotheken regenerieren eure Gesundheit und in Parkhäusern könnt ihr euren fahrbaren Untersatz gegen ein anderes freigespieltes PS-Monster austauschen. Daneben stehen euch auch verschiedene Locations zur Verfügung, wo ihr eure Schieß-, Fahr- und Kampfkünste perfektionieren könnt.

Ziel unter Zeitdruck erreichen: Bei diesen Missionen geht es weniger entspannt zur Sache. Innerhalb eines bestimmten Zeitlimits müßt ihr ein vorgegebenes Ziel erreichen, um die Mission erfolgreich zu absolvieren. Die Zeitlimits sind aber eher großzügig bemessen und stellen geübte Joypad-Raser vor keine größeren Probleme. Auch die Orientierung fällt dank der übersichtlichen Mini-Map sehr leicht, so dass ihr Nick oftmals bereits beim ersten Anlauf ans Ziel bringen könnt.

Fahrzeuge stoppen: Eure Aufgabe ist es, ein flüchtendes Fahrzeug aufzuhalten, was zumeist durch einfaches Draufballern inkl. Auto-Aiming keine größeren Probleme verursacht. Feinspitze schalten allerdings in den alternativen Feuermodus, in welchem die Zeit kurzfristig verlangsamt wird und ihr manuell zielen dürft. Plazierte Reifenschüsse oder Treffer am Benzintank beschleunigen natürlich den Niedergang eures Kontrahenten.

Fahrzeuge beschatten: Manchmal ist es notwendig, dass ihr ein Fahrzeug unauffällig verfolgt, um herauszubekommen, wohin es die bösen Jungs und Mädels verschlägt. Dazu habt ihr einen praktischen Abstands-Meter zur Verfügung, der euch anzeigt, ob ihr zu nahe dran seid, oder ob ihr schon Gefahr läuft den Verfolgten aus den Augen zu verlieren. Kommt ihr eurem Gegner dabei zu oft zu nahe, ist die Mission ebenso gescheitert, wie wenn ihr mehrmals zurückfällt. Insgesamt fordern diese Missionen gelegentlich auch geübte Fahrer – vor allem wenn die Zielfahrzeuge häufig die Geschwindigkeit wechseln und plötzlich abbiegen.

Flucht: Sogar einem Ausnahmebullen wie Nick kann es schon mal passieren, dass sich die Rollen vertauschen und es besser ist, möglichst schnell Fersengeld zu geben. In den Flucht-Missionen müßt ihr eure Verfolger abschütteln, die zumeist ebenfalls hervorragende Fahrer sind. Gar nicht mal so leicht – durch konsequentes Hackenschlagen und Dauerbleifuß ohne Kompromisse aber auch zu schaffen.

Von Kugeln und Kanonen....
Kein Cop ohne seine Kanone! Auch Nick ist ein wahrer Meister im Umgang mit den verschiedensten Schießprügeln – von einfachen Revolvern, über Pumpguns und Gewehre bis zu Maschinenpistolen ist alles vertreten, was die Mitglieder der National Rifle Association wohl im Wohnzimmer hängen haben. Im normalen Schußmodus greift euch dabei ein Auto-Aiming System unter die waffenölverschmierten Arme, so dass ihr euch ganz auf die eigentliche Action in der Third-Person konzentrieren könnt. Ziel-Experten wechseln wiederum in den alternativen Feuermodus und visieren einzelne Körperpartien der Gegner an. Dadurch sind sowohl gezielte Neutralisierungsschüsse möglich, die euren Gegner möglichst human außer Gefecht setzen, als auch hinterhältige Headshots die naturgemäß kein nachträgliches Verhören erlauben. Neben Nicks Standard-Pistolen könnt ihr aber auch die Waffen befriedeter Gegner aufnehmen - was Nick sehr stylisch mit dem Fuß (!) durchführt – und mit diesen meist schlagkräftigeren Wummen auf Verbrecherjagd gehen. Ist die Munition dieser Schießprügel allerdings aufgebraucht, muß Nick wieder mit seinen beiden eigenen Ballermännern vorlieb nehmen. Generell sind das zeitlich wohlüberlegte Nachladen der Waffe, sowie das Abwarten selbiger Tätigkeiten beim Gegner – um dann aus seiner Deckung hervorzuhechten – wesentliche Bestandteile vieler Gunfights und bringen eine Brise Taktik ins Dauerfeuerspektakel.

Beinahe schon ein Muß in Action-Spielen sind SlowMotion/Bullet-Time Effekte und so bietet auch True Crime diese Feature. So könnt ihr stilvoll nach allen Seiten hechten und dabei eure Widersacher mit Zeitlupenkugeln durchsieben. Das Ganze erinnert sehr verdächtig an den legendären Bullet-Dodge - den Berufskollege Max Payne so virtuos beherrscht – erreicht aber nicht ganz dessen Klasse und spielerische Perfektion.

Von der Kunst der wohlplazierten Handkante...
Dass unser lieber Nick neben Scharfschützenqualitäten und Stuntdriver-Skills auch unbewaffnet eine „Lethal Weapon“ ist, davon könnt ihr euch im Zuge der unzähligen Beat ´em Up – Missionen überzeugen. Meist geht es gegen mehrere Gegner zur Sache, die ihr mit High- und Low-Kicks, Schlägen und Würfen nach allen Regeln der Martial-Arts vermöbeln dürft. Habt ihr eine gewisse Anzahl an Schlägen ausgeteilt, ist euer Gegner für kurze Zeit benommen und ihr könnt einen von verschiedenen Finishing-Moves draufsetzten. Diese Moves sind sehr schön und geschmeidig animiert in Szene gesetzt und lassen sich durch richtiges Drücken von verschiedenen Tasten-Sequenzen auszulösen. Leider fallen die Standard-Kampfbewegungen dagegen optisch etwas zurück und wirken teilweise etwas eckig und steif. Keinen Anlass für Unkenrufe bietet dagegen das vielfältige und beinahe ausnahmslos zerstörbare Interieur der Kampflocations. In der Hitze des Gefechtes gehen schon mal Dampfrohre, Tische, Stühle, Lampen, Kisten und ganze Küchenblöcke zu Bruch. Letztere bieten sich fortan - dank lodernder Flammen - auch herrlich dazu an, eure Gegner mit einem gekonnten Wurf ins Feuer zu befördern.
Die meisten Kämpfe in True Crime lassen sich (wer sich unbedingt den Spielspaß rauben möchte!) durch simples Button-Smashing - viele, viele Lowkicks nacheinander hauen fast jeden Gegner um – sehr einfach gewinnen. Sehr viel stylischer ist es jedoch, sich die Möglichkeiten des Kampfsystems genau einzuprägen und seinen Gegner zu zeigen, was Nick so alles aus dem Hand- oder Fußgelenk schütteln kann. So lassen sich filmreife Fights inszenieren, in denen ihr zuerst gekonnt Kicks und Schläge austeilt, eine donnernde Tiger-Claw als Finishing-Move nachsetzt und sobald eure Gegner am Boden liegt noch einen Elbow-Drop hinterherschickt. Tja, wo Nick hinlangt – da wächst so schnell kein Gras mehr...

Während ihr euch in den meisten Standard-Fights ob des relativ einfachen Schwierigkeitsgrades also mehr auf Optik und stilvolle Kombos konzentrieren könnt, nötigen euch die Bossgegner dagegen wirklich alles ab. Diese sind wahre Meister im Blocken und haben auch den einen oder anderen vernichtenden Powerschlag im Repertoire. Diese Kämpfe sind alles andere als leicht und werden auch Beat ´em Up – Veteranen einige Versuche abnötigen.

Vom Anschleichen und Ausschalten...
„Let´s do it Ninja-style“ ... Selbst Rauhbein Nick Kang weis, wann es Zeit für leisere Töne und unauffälliges Vorgehen ist. So müßt ihr euch in bester Sam-Fisher-Manier durch einige Missionen schleichen und eure Gegner möglichst leise außer Gefecht setzten. Tretet ihr dabei auch herumliegende Glasscherben oder ähnliches ist dies natürlich dem unauffälligen Vorgehen nicht gerade förderlich und die bösen Jungs beginnen mißtrauisch zu werden. Werdet ihr entdeckt, ist die Mission gescheitert und ihr macht euch wieder von Vorne auf den Weg. Neben Betäubungsschlägen (guter Cop) und Genickbrechern (böser, böser Cop!) steht Nick in den Schleichmissionen auch noch eine Betäubungspistole – allerdings nur mit ein paar Schuß Munition – zur Verfügung. Splinter-Cell-gestählten Spionen werden die Stealth-Missionen in True Crime ob des eher einfachen Schwierigkeitsgrades wohl keine Probleme bereiten – eine willkommene Abwechslung vom „Volle-Kanne-drauf“-Gameplay bleibt aber allemal.

Von guten und bösen Cops....
Cops sind schliesslich auch nur Menschen und so gibt es wohl oder übel neben jenen die sich „To protect and to serve“ auf die schußsichere Weste sticken lassen, auch Naturen die eher nach der Devise „Dead to Rights“ agieren. So habt ihr in True Crime auch die Wahl Nick entweder als braven Gesetzeshüter zu entwickeln oder euch auf die dunkle Seite der Polizei zu schlagen. Good Cops versuchen ihre Gegner mit nicht-tödlichen Argumenten außer Gefecht zu setzen und schonen selbstredend auch das Leben unschuldiger Passanten oder Geiseln. Bad Cops dagegen lassen ihrem Hang zur Gewalt freien Lauf: Headshots, das Überfahren von Fußgängern oder das Erschießen von Geiseln führen euch unaufhaltsam näher zur bösen Seite. Eine Punkteanzeige gibt dabei jederzeit Aufschluß über den Saldo eurer guten und schlechten Taten. Ab einer gewissen Bad-Cop-Reputation wird das Leben aber wahrlich nicht leichter: Bürger beginnen sich gegen euch zu organisieren, Polizeikollegen wollen euch ans Leder und schlußendlich rücken auch noch Spezialeinheiten aus, um euch das Handwerk zu legen. Da hilft nur mehr ruhiges, besonnenes Verhalten und einige gute Taten um wieder näher in die Good-Cop Region zu rutschen. Insgesamt wird das Spiel als Bad Cop um einiges schwerer – vor allem da ihr weniger Belohnungspunkte für den Ausbau euerer Fertigkeiten erhaltet.

Vom Werdegang eines E.O.D. Cops...
Obwohl Nick bereits bei Spielbeginn mit eindrucksvollen Fertigkeiten aufwarten kann, ist etwas Training wohl nie verkehrt. So könnt ihr in True Crime die durch gute Cop-Taten verdiente Polizeimarken, welche ihr für jeweils 100 verdiente Belohnungspunkte erhaltet, in den Ausbau und die Verbesserung von Nick´s Fertigkeiten verwenden. Dazu fahrt ihr in einer der „Free-Ride“-Missionen einfach eine der unzähligen Trainingslocations an, wo durch den Einsatz einer Polizeimarke verschiedene Übungen zu absolvieren sind. Bei Bestehen dieser Prüfungen verdient ihr euch so neue Skills. Im Falle eines Mißerfolg ist die eingesetzte Polizeimarke allerdings unwiderruflich verloren. Hier ist also volle Konzentration angesagt um sauer verdienten Marken nicht unnötigerweise zu verschleudern.

Die folgenden Typen von Trainingslocations stehen euch zur Verfügung:
Dojos: In diesen Trainingshallen müßt ihr meist innerhalb eines Zeitlimits eine bestimmte Anzahl von Dummies zur Bruch schlagen, bzw. bestimmte Spezialschläge an diesen anbringen. So verdient ihr euch neue Kampffertigkeiten – wie Bodenangriffe, Angriffe von Hinten – und neue Finishing-Moves.

Schießstände: In bester Lethal-Weapon-Manier müßt ihr hier Pappkameraden auf dem Schießstand zu Klump schießen um neue Waffenfertigkeiten – wie verbesserte Nachladezeiten, ein praktisches Trefferzonenfadenkreuz, Laserpointer und dgl. – freizuschalten.

Teststrecken: Durch gekonntes Absolvieren von Teststrecken – wo ihr beispielsweise möglichst wenig Kegel und Hindernisse umfahren dürft oder bestimmte Spezialmanöver durchführen müßt – könnt ihr Nick´s fahrerische Skills verbessern. So schicke (aber spielerisch sinnlose) Manöver wie der reifenabnutzende Handbremsenstart, aber auch spielerisch gehaltvollere Lenkradkunststücke, wie schnelle Wendungen und das stylische Fahren auf zwei Rädern.

Neben diesen Trainingsstunden, die ihr zu jeder Zeit innerhalb der Free-Ride-Missionen absolvieren dürft, lockt auch das sog. „Bonus-Cruisen“ nach vollständigem Abschluß einer jeden Episode. Dabei dürft ihr jeweils eine von drei Spezial-Trainingslocations anfahren und so in Strassenrennen ein neues Auto freispielen, auf einem Schießtrainingsparcours gegen tennisballwerfende Kampfbots neue Waffen erhalten oder in Martial-Arts Fights zusätzliche Moves erlernen.

Solltet ihr eine dieser Bonus-Trainingseinheiten verbocken´, könnt ihr diese ohne Probleme (und ohne Polizeimarkeneinsatz) beliebig oft wiederholen.

Von den Tücken der Steuerung und der Kamera...
Zu Spielbeginn muß sich der gewillte Hobby-Polizist zuerst einmal mit der etwas überladenen Steuerung anfreunden. Einzelne Buttons sind teilweise situationsabhängig, bzw. modusabhängig mit dermaßen vielen verschiedenen Bedeutungen belegt, dass eingangs etwas Verwirrung am Gamepad herrscht. Beispiel gefällig? Alleine der B-Button ist mit 9 verschiedenen Aktionen belegt: Handbremse (Fahrmodus), Kampfgriff, Waffe werfen, Waffe aufnehmen (Kampfmodus), Waffe aufnehmen, Geisel als Schutzschild verwenden (Schußmodus), tödlicher Angriff (Stealth-Modus), Handschellen anlegen, Zivilisten durchsuchen (normaler Modus; gemeinsam mit Drücken des linken Ministicks). Jede Menge verschiedene Aktionen für einen so kleinen Button! Nach 1-2 Stunden Einspielzeit geht aber auch diese Vielzahl an Möglichkeiten in Fleisch und Blut über und ihr dirigiert Nick ohne größere Probleme durch die Strassen von L.A.

Wie so viele Third-Person-Titel hat auch True Crime gelegentlich seine Not mit der automatischen Kameraführung und rückt das Actiongeschehen nicht immer in die beste Perspektive. Zwar lässt sich die Kamera manuell mittels rechtem Ministick nachjustieren – dies geschieht aber relativ träge und kann in hektischen Actionmomenten schon mal für Verwirrung gemäß dem Motto „Verflixt, wohin ist der Bursche den nun gelaufen?“ sorgen. Zudem macht euch eine Doppelbelegung das Leben unnötig schwer, denn der rechte Ministick dient nicht nur der manuellen Kamerajustierung, sondern auch der Auswahl des aktuellen Zieles des Auto-Aiming Systems. Sobald also ein oder mehrere Gegner auf dem Schirm auftauchen, gibt’s keine manuelle Kameranachjustierung mehr. Schade!


Grafik
Graphisch bietet True Crime über weite Strecken gekonnte und solide umgesetzte Qualität: Liebevolle Details, sowohl im riesigen, ca. 240 Quadratmeilen grossen Stadtgebiet von LA, als auch in den Innenszenarien, akzeptable Weitsicht und Schadenmodelle, gelungene Spiegeleffekte und großteils geschmeidige Kampfanimationen. Leider trüben einige Mängel die guten graphischen Ansätze: Unrealistische, sehr krakelige Laufanimationen, massig Clipping-Fehler (schwebende Waffen, Einschußlöcher die mitten in der Luft hängen) und teilweise arg eintönige Texturen an der Grenze zur Einfarbigkeit. Letzteres scheint allerdings aufgrund der gigantischen Ausmaße der Spielwelt, welche ohne erkennbare Ladezeiten erlebbar ist, verständlich und verschmerzbar. Zudem habt ihr kaum Zeit diese Umgebung näher zu betrachten, bei all der Action auf dem heimischen Fernsehschirm!
In Summe bleibt ein durchaus ansprechendes Graphikpaket, welches gelegentliche Highlights (z.B. liebevoll designte und beinahe komplett zerlegbare Innenlevels) bietet, aber zu keiner Zeit mit Referenztiteln wie Splinter-Cell oder Panzer Dragoon Orta mithalten kann.

Sound
Akustisch kann True Crime in jeder Hinsicht überzeugen. Die rein englische Sprachausgabe – eingespielt mit professionellen Sprechern und Schauspielern – könnte ohne weiteres auch aus einem Hollywood-Blockbuster stammen und spart nicht mit coolem Humor und markigen Textpassagen. Kampf- und Umgebungsgeräusche fallen dagegen weder großartig positiv noch negativ auf, und unterstützen die cineastische Action gezielt ohne aufdringlich zu wirken. Das wahre akustische Feuerwerk brennt True Crime aber beim Soundtrack ab. Die versammelte Prominenz der West-Coast Rap und HipHop-Szene gibt sich ein Stelldichein und so begleiten euch auf Schritt und Tritt relaxte oder treibende Grooves und coole Ryhmes. Yo, Brotha – that´s the sound of L.A., yo know? Bei Nacht mit seinem ´69 Muscle Car durch die Stadt zu cruisen, während ein treibender N.E.R.D. – Beat aus den Boxen hämmert verbreitet unglaublichen „Ich bin in L.A. Flair!“. Für Freunde härterer Gangarten finden sich aber auch einige Songs der Schwermetaller Megadeth auf der DVD, bzw. könnt ihr auch euren individuellen Soundtrack inkl. Tracks von der Festplatte zusammenbasteln. Kurz: In Sachen Sound eine rundum gelungene Aufmachung.

Spielspaß Solo
True Crime ist großes Popcorn-Action-Kino auf der Konsole, keine Frage!. In der Haut von Nick Kang durch LA zu cruisen und die unterschiedlichen und abwechslungsreichen Missionen zu lösen, macht einfach Laune und geht dank des einfach gehaltenen, zumeist gut ausbalancierten Schwierigkeitsgrades leicht und beinahe gänzlich ohne Frustmomente von der Hand – genau das richtige für ein paar entspannte Stunden vor der Xbox nach einem langem Arbeits- oder Schultag. Leider teilt True Crime aber auch eine weitere Eigenschaft mit Hollywoods Zelluloid-Kreationen: Viel zu schnell vorbei! Erfahrene Action-Gamer werden sicherlich nach 10-15 Stunden alle Episoden abgeschlossen und alle 3 möglichen Enden gesehen haben. Bis alle Upgrades erspielt sind, zieht zwar doch noch einige weitere Zeit ins Lande – Langzeitmotivation wird True Crime den meistern Spielern aber leider nur wenig bieten. Nichtsdestotrotz: Solange es dauert, ist es großartig!

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Cineastische und abwechslungsreiche Cop-Action
Extrem cooler und sympathischer Hauptcharakter
240 Quadratmeilen L.A. zu eurer Verfügung
Motivierendes und spielerisch sinnvolles Upgrade-System
Exzellenter West-Coast Soundtrack
Good-Cop oder Bad Cop möglich
Alternative Story-Pfade und Enden
Abwechslungsreiches Kampfsystem
Einfacher Schwierigkeitsgrad
Contra
Einige graphische Mängel
Geringe Spieldauer
Geringe Langzeitmotivation
Etwas überladene, gewöhnungsbedürftige Steuerung
Gelegentliche Kameraprobleme
Unnötiger Story-Stilbruch
Einfacher Schwierigkeitsgrad
Fazit
Die Mannen von Luxoflux haben es geschafft das „Drive&Shoot“-Genre um eine echte Perle zu bereichern: Ein unglaublich cooler und sympathischer Hauptcharakter, eine großteils hollywoodreife Cop-Story rund um Korruption, organisiertes Verbrechen, hochnäsige F.B.I. Agenten, Highspeed-Verfolgungsjagden, stylische Gunfights und knochenbrechende Martial-Arts Scharmützel sind die Ingredienzien dieses Action-Feuerwerks. Durch das motivierende, und spielerisch sinnvoll integrierte Upgrade-System, das tiefgängige Kampsystem und die verzweigende Storyline bringt True Crime sinnvolle Elemente ins Genre und beweist damit, dass es sich in vielen Bereichen durchaus nicht vor dem Genre Primus aus dem Hause Rockstar zu verstecken braucht. Der einfache Schwierigkeitsgrad und das kulante Speichersystem ermöglichen auch Einsteigern und Genre-Neulingen einen leichten Zugang, werden Hardcore-Gamer aber an vielen Stellen heillos unterfordern. Ebenso mag die kurze Spielzeit und die fehlende Langzeitmotivation für viele Spieler ein großes Manko darstellen. Nichtsdestotrotz bietet True Crime erstklassige Action, die sich Freunde von Filmen wie „Lethal Weapon“, „Rush Hour“ oder „Bad Boys“ auf keinen Fall entgehen lassen sollten – True Crime ist definitiv eines der Action-Highlights des Jahres 2003 und sollte in keiner gutsortierten Sammlung fehlen. Für den begehrten Userrankings-Pflichtkauf-Award hat es aber dennoch nicht ganz gereicht. Graphische Mängel, die steile Lernkurve der etwas überladenen Steuerung, unnötige Story-Patzer (Zombies und Dämonen!), sowie die geringe Spielzeit und Langzeitmotivation verwehren True Crime diese Auszeichnung. Trotzdem sollten Action-Spieler sofort zuschlagen, den Händler ihres Vertrauens aufsuchen und für einige Stunden in der Stadt der Engel versinken. Also, was sitzt ihr noch tatenlos vor dem PC? Raus auf die Strassen von LA! - Let´s kick some ass!
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Activision
Entwickler
Luxoflux
Website
www.truecrimela...
Release
07. November 2003
Spiel kaufen
»  Game World
»  game4game
User-Bewertung
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7 Reviews
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