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Tetris Worlds Live

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 22.11.2003
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Tetris auf der Xbox – ist das möglich?

Als Tetris 1985 in Russland erfunden wurde, ahnte wohl niemand, welchen weltweiten Siegeszug es in den nachfolgenden Jahren antreten würde. Nicht ganz unschuldig daran war natürlich auch Nintendo, das 1989 zusammen mit seinem Gameboy Tetris auslieferte und so in die Wohnzimmer der Massen brachte.

Da anscheinend die Meinung vorherrscht, dass es jede Konsole ihre Version von Tetris haben muss, schickte sich THQ im Oktober vorigen Jahres an, diesen Mangel auf allen NextGen Konsolen, darunter auch auf der Xbox, zu beseitigen. Vorerst nur offline spielbar, wurde knapp ein Jahr darauf eine Xbox Live Variante nachgelegt, sodass nun endlich jeder Tetris-Anhänger seine jahrelang antrainierten Fahigkeiten gegen andere Spieler aus aller Welt messen kann.

Tetris aufpoliert
Um die Umsetzung von Tetris ein wenig zeitgemäßer zu machen, wurde dieser Version unter anderem auch eine Story verpasst, die im Intro (ja, auch Tetris muss heutzutage ein Intro haben) enthüllt wird, welche man jedoch getrost vernachlässigen kann.
Um die Story nicht ganz in den Hintergrund treten zu lassen, wurde dem Spiel auch ein sogenannter „Story Mode“ spendiert. Man fragt sich zwar vielleicht „Hä, Tetris und Story?“ doch bevor man drüber nachdenken kann, sieht man schnell, dass sich hier der Einzelspieler-Modus hinter Tetris verbirgt, wo man sich verschiedene Welten und auch seinen „Tetrinauten“ auswählen kann, mit dem man sich aufmacht, die Welt zu retten. Im Klartext heißt das einfach, hintereinander die verschiedenen Spielmodi mit steigendem Schwierigkeitsgrad zu durchlaufen.

Neben der Story wurden natürlich auch versucht, Grafik und Sound den heutigen Standards anzupassen. Besonders auffällig sind hier die durchaus nett gemachten Hintergründe, die sich ja nach Spielmodus und Level anders präsentieren. Da muss man schon mal aufpassen, nicht abgelenkt zu werden. Es kann auch mal passieren, dass der Hintergrund ein wenig in den Vordergrund tritt, und Blätter durch das Bild wirbeln oder Regen die Sicht ein wenig stört. Tetris würde zwar auch ohne „Update“ ziemlich gut zurecht kommen, aber man sieht, dass die Entwickler versucht haben, nicht nur eine 1:1 Umsetzung abzuliefern, sondern sich auch ein wenig Gedanken zu machen.

Modi im Überfluss
Auch den Spielmodi, die es zuhauf gibt, kann man gewisse Überlegungen, die sicher hineingeflossen sind, nicht absprechen. So gibt es neben dem Ur-Tetris, wo es wie nicht anders zu erwarten darum geht, möglichst schnell möglichst viele Reihen abzubauen, weitere Modi, die ich nun kurz umreißen werde:
Square Tetris: Die Regeln bei Square-Tetris sind dieselben wie die von Tetris: Reihen löschen. Zusätzlich können Sie aus herabfallenden Tetriminos reine und Combo-Quadrate bilden. Reihen, die gelöscht werden und ein 4x4 Quadrat enthalten, bringen einen sehr hohen Bonus. Auch ein T-Spin , der ein Zeilenlöschen mit sich bringt, veranlasst bestimmte Blöcke in der Matrix zu einem „Avalanche“. Sobald die Tetriminos aus der Matrix herausragen, ist das Spiel vorbei (Originaltext aus dem Handbuch).
Hä? Bitte? Tetris ist doch an sich ein so einfaches Spiel. Muss man es denn soweit treiben, dass man als normal gebildeter Mensch mit Matura nicht einmal die Regeln einer Tetris-Variante versteht?
Cascade Tetris: Hier lässt die „Gravity“ die einzelnen Tetriminos in die unteren Reihen fallen. Verursacht das eine Räumung einer unteren Reihe, wurde eine „Cascade“ erzeugt. Je mehr man davon schafft, desto höher ist der Bonus.
Sticky Tetris: Hier muss man sich durch das sogenannte „Garbage” (Geröll) kämpfen um mithilfe der Multiminos (ach so, die!) die Bodenzeilen aufzulösen. Wenn ein Stück „Locked Down“ ist oder eine Zeile gelöscht wird, fallen Blöcke unterschiedlicher Farbe hinunter. Treffen nun Blöcke gleicher Farbe aufeinander und besteht dieser Block dazu noch aus mind. 25 Teilen, wird dieser „Polymino“ gelöscht.
Hot-Line Tetris: Mithilfe der Tetriminos und Multiminos müssen die Hot-Lines in der Matrix (auch davon ist hier die Rede) gelöscht werden. Je höher die Reihe, desto höher der Bonus.
Fusion Tetris: In diesem Modus gilt es, die “Atom Blocks” mit den “Fusion Block” zu verbinden, der im Geröll (das kennen wir doch schon) liegt. Wird nun eine Zeile mit einem Atomblock gelöscht, wird die „Gravity“ für die darüber liegenden Blöcke aktiviert. Die Atomblöcke einer gelöschten Reihe verschwinden jedoch nicht.

Um die einzelnen Modi zu verstehen, sollte man schon an der Tetris-Universität studiert haben. Wer nicht die Zeit dazu hat, für den gibt es zum Glück jedoch ein Glossar, das die Begriffe erklärt, mit denen in der Anleitung ungeniert herumgeworfen wird. Ganz abgesehen davon kommt man auch ganz gut zurecht, wenn man einfach mal jeden Modus anspielt und einfach ausprobiert, was passiert. So findet man schnell seine Lieblings-Spielart heraus und versteht auch, um was es geht.

Neben dem Story-Modus gibt es auch noch den „Arcade Modes“, in dem man gezielt aussuchen kann, auf welche Art und mit wie vielen Spielern (bis zu 4 sind möglich) man den Titel bestreiten möchte. Im Grunde genommen präsentiert sich hier also der Multiplayer-Modus, jedenfalls offline. Dass in Tetris Worlds Live jedoch noch mehr steckt, zeigt der Xbox Live Modus.

Zeige der Welt, aus welchem Tetris-Holz du geschnitzt bist
Eine wirkliche Innovation im Spiel ist der Xbox Live Modus. Anstatt sich nur vor dem heimischen Fernseher heiße Duelle liefern zu können, ist dies nun mit Spielern aus aller Welt möglich. Wer sich länger mit dem Spiel beschäftigen möchte und über einen Breitbandanschluss verfügt, wird hier seine wahre Erfüllung finden.
Xbox Live typisch gibt es hier die Auswahl zwischen „Schnell ins Spiel“ und „Optimatch“, wobei einem bei der ersten Option ohne lange zu fackeln ein gerade laufendes Spiel vorgeschlagen wird, in das man einsteigen kann. Beim „Optimatch“ darf man wählen, welchen Spielart man bevorzugt, gegen wieviele Spieler man spielen möchte und auch, in welchem Level man beginnen möchte. Wird ein Spiel mit den ausgewählten Parametern gefunden, kann man sogleich einsteigen und zeigen, wie gut man wirklich ist. Wenn die Partie, die man sich ausgesucht hat, gerade läuft, kommt man in eine Art Lobby, wo man darauf warten kann, bis es zuende ist und man loslegen kann.
Natürlich kann man auch sein eigenes Spiel anlegen und darauf warten, dass sich andere Spieler aus aller Welt dazu aufgefordert fühlen, beizutreten. Auch hier kann man nach Herzenswunsch das „wie und was“ festlegen, sprich Anzahl der Spieler oder Spielart.


Grafik
Rein äußerlich hat Tetris Worlds Live natürlich nicht mehr viel mit seinem Urvater zu tun und es wurde viel Wert darauf gelegt, ein paar optische Schmankerl zu bieten und die Hardware wenigstens ein bisserl auszureizen. Das Auge freut’s natürlich, doch wirklich nötig wäre es nicht gewesen, da Tetris eines der Spiele ist, wo wirklich nur das Spiel selbst zählt und der Satz „Grafik ist nicht alles“ mehr den je zum Zuge kommt.
Um ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen, gibt es wie schon erwähnt verschiedene Hintergründe, die durchaus nett gemacht sind. Auch das Spielfeld selbst wurde ein wenig aufpoliert, bietet jedoch natürlich noch den selben Inhalt wie vor nahezu 20 Jahren.

Sound
Gäbe es einen Preis für die nervigste Hintergrundmusik in einem Spiel, würde Tetris Worlds Live sicher unter den Top 3 rangieren. Hier findet man eine reichlich komische Mischung aus verschiedenen Musikstilen, die mehr zum Ausschalten als wie zum Anhören verleitet. Die Standardmusik aus dem Ur-Tetris hätte es hier durchaus auch getan, da dort doch der eine oder andere Ohrwurm dabei war, der jedoch nie nervte.
Auch sonst gibt es einige zusätzliche Soundeffekte, die versuchen, dem Spiel ein wenig Pep zu verleihen, wobei auch hier durchaus hätte darauf verzichtet werden können. Einmal säuselt eine Frauenstimme im Hintergrund die Anzahl der Reihe daher, die man gerade gelöscht hat, ein anderes Mal wird einem soundtechnisch mitgeteilt, dass man gerade etwas wahnsinnig tolles vollbracht hat.

Spielspaß Solo
Was soll man schon groß sagen, Tetris halt. Die alternativen Spielmodi bringen zwar Abwechslung ins Spiel, der einzig wahre Modus ist aber noch immer Tetris (ohne mit dem Zusatz „Fusion“, „Cascade“ oder „Sticky“). Wie schon der Urvater weiß auch Tetris Worlds Live einen stundenlang vor den Fernseher zu fesseln, immer auf der Jagd nach einem neuen Highscore oder um noch besser zu werden.

Spielspaß Multi
Egal ob nun zu Hause vor dem Fernseher mit Freunden oder per Xbox Live mit Leuten aus aller Welt, auch hier hat Tetris genug Potential, um sich vor dem Fernseher zu verlieren und Stunden verfliegen zu lassen. Auch hier also nichts, was man nicht schon weiß, wenn man Tetris kennt.
Pro
Tetris bleibt einfach Tetris
Nette Grafik
Zahlreiche Spielmodi
Xbox Live Unterstützung
Contra
Nervige Musik
Braucht man Tetris auf der Xbox?
Schlechte Anleitung
Preis-Leistungs-Verhältnis je nach Spieler-Typ ungenügend
Fazit
Wer unbedingt ein Tetris auf der Xbox braucht, kann angesichts des mit 29,90 Euro doch recht niedrigen Preises durchaus zuschlagen, besonders wenn öfters mal Freunde zu Besuch sind, die nichts gegen eine Partie Tetris einzuwenden haben.
Kann man Xbox Live sein Eigen nennen, reicht es sogar fast für eine Kaufempfehlung, jedoch auch nur, wenn man wirklich Tetris-Fan ist und unbedingt ein Tetris auf der Xbox braucht.
Anderseits bleibt Tetris einfach Tetris und wenn man möchte, findet man 1000 Variante davon auf dem PC, und das auch noch gratis.
Somit muss man selbst entscheiden, wie viel Geld man für einen Tetris-Klon ausgeben möchte. In jedem Fall ist aber zu empfehlen, sich das Spiel vor einem möglichen Kauf auszuleihen, um zu sehen, ob es das Richtige für einen ist.
Infos
Erhältlich für
Genre
Denkspiele
Publisher
THQ
Entwickler
Radical Enterta...
Website
www.thq.de/html...
Release
Erhältlich
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