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Voodoo Vince

» Autor: Christian Krammer
» Datum: 02.11.2003
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Voodoo-Zauberei mit spielerischen Schwächen.

So eine Voodoo-Puppe hat es heutzutage schon schwer. Gerade eben noch das drittliebste Folterindustrie, im nächsten Moment schon die Rettung der Welt in der Hand – wer hätte das gedacht?
Doch nun ganz langsam und von Anfang an. Madame Charmaine ist eine Voodoo-Hohepristerin mit einem kleinen aber feinen Voodoo-Geschäft mitten in der Stadt. Sie ist darauf bedacht, den Bedürftigen dieser Welt zu helfen, ihre Zauberkräfte sind aber auch nicht zu verachten – allen voran nicht ihr besonders starkes Zombiepulver. Das weiß auch der Bösewicht „der unergründliche Kosmo“ sehr gut und so schickt er seine Schläger los, um dieses Pulver zu stehlen und, wer würde schon auf diese vollkommen an den Haaren herbeigezogene Idee kommen, die Welt damit zu erobern. Trotz des Versuches, die Schergen des Bösen aufzuhalten, wird Madame überwältigt und gleich mit eingepackt.
Die Bösewichte haben jedoch nicht mit der drittbesten Voodoo-Puppe in Madame Charmains Reservoir namens Vince gerechnet, die durch das Zombiepulver zum Leben erwacht und fortan ihren Gegnern möglichst viel Schmerz zufügt – wie sich das für eine Voodoo-Puppe gehört.

Springen, laufen, erkunden...
Wie euch sicher nicht entgangen ist, handelt es sich bei Voodoo Vince um ein waschechtes Jump’n’Run, vereint es jedoch auch viele Elemente eines Action-Adventures in sich.
Die meiste Zeit verbringt man genretypisch damit, umher zu laufen, neue Gegenden zu erkunden, höhere Ebenen mit zünftigen Sprungeinlagen zu erreichen und kleine Rätsel zu lösen. Dazu muss man meistens irgendwelche Gegenstände innerhalb des Levels umhertragen oder einer bestimmten Person bringen.
Soweit also nicht viel neues, findet man im Spiel jedoch auch zahlreiche Einlagen, die man schon fast als Mini-Games ansehen könnte, ohne deren erfolgreichen Abschluss man jedoch nicht weiterkommt. So darf man Vince einmal eine Wäscheleine hinunter steuern (was einer Seilbahn ähnelt), um dabei möglichst viele Goodies einzusammeln, sich hinter ein Mini-Flugzeug klemmen und Hindernissen ausweichen oder sich aber auch ein zünftiges Hovercraft-Rennen liefern, wo man natürlich möglichst als Sieger hervorgehen sollte. Besonders gefallen hat mir hier der Ritt auf dem Rücken einer Ratte, der Teil des Kampfes mit einem Zwischengegner ist.
Auch bei den Spielabschnitten zeigt sich Voodoo Vince sehr abwechslungsreich und so beginnt mein seine Reise in einem lauschigen Städchen, kämpft sich in ein unterirdisches Höhlensystem vor und besucht auch mal eine Gruftenstadt. Auf diesem Wege trifft man auf zahlreiche lustige Gesellen wie einen Wissenschaftler, der einer Schildkröte zum Verwechseln ähnlich sieht, einem Koch, der Vince am liebsten selbst in die Pfanne hauen würde (dann aber doch Krappen-Gumbo auf den Tisch zaubert) oder eine liebe, nette Aufziehpuppe, die dann aber doch nicht ganz so nett ist, wie es den Anschein hat.
Am Ende jedes Spielabschnittes findet man einen Zwischengegner, der aber mit der richtigen Taktik kein zu großes Problem sein sollte. Oft sind diese aber eher nervig wie auflockernd, da man immer wieder ein bestimmtes Muster wiederholen muss.

Darfs ein wenig Abwechslung sein?
Trotz der sich auf den ersten Blick bietenden Vielfalt hat man immer irgendwie das Gefühl, es passt alles nicht so recht zusammen und es kommt einem vor, als wie wenn die Entwickler wahnsinnig viele Ideen hatten, dann aber nicht fähig waren, diese zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen. Hat man einen Abschnitt hinter sich gelassen, findet man sich in einem komplett anderen wieder, wo man irgendwie keinen so rechten Zusammenhang finden kann - außer vielleicht, dass irgendwie alles mit Voodoo zu tun - was aber auch nicht immer der Fall ist.
Man würde nun meinen, dass Abwechslung einem Spiel gut tut, doch wenn dies so weit geht, dass das Spiel keine Einheit zu bilden scheint, fragt man sich dann schon mal „für was das Ganze?“.
Das Spiel ist sehr linear aufgebaut und hat man einen Abschnitt beendet, folgt sogleich der nächste. An bestimmten Stellen ist es jedoch möglich, per Zug jeden beliebigen Abschnitt nochmals anzuwählen. Der Sinn dahinter hat sich mir leider bis jetzt noch nicht gezeigt.

Dass die Entwickler aber durchaus auch gute Ideen hatten, zeigt der generell sehr gelungene Humor im Spiel. Man findet sich des öfteren mit einem Lächeln auf den Lippen vor dem Fernseher wieder, woraus ab und zu auch mal ein Lacher werden kann. Leider gibt es aber auch Momente, wo man sich wünscht, den vermeintlichen Witz verpasst zu haben. Diese Momente scheinen irgendwie mit den Zwischensequenzen verbunden zu sein, wo sich der Oberbösewicht „der unergründliche Kosmo“ zu Wort meldet. Hier wurde leider etwas zu tief in den Witze-Topf gegriffen. Hat Vince jedoch das Sagen, sieht die Sache schon ganz anders aus und beinahe jeder Gag ist ein Treffer. Was hier aber ein wenig nervt ist, dass sich die Sprüche wiederholen, wenn man zum 10. Mal gestorben ist und wiedermal den Satz „Afterlive was really short“ hört.

Ein wenig mehr Abwechlung hätte sich das Entwicklungsteam jedoch bei den Gegner leisten können. Das Design ist hier durchaus gut, doch hätten ein paar Gegnertypen mehr dem Spiel ganz gut getan. Trotzdem reicht die Palette der Widersacher von böswilligen Krokodilen über rotierende Maulwürfe bis hin zu fiesen Kobolden.
Generell nehmen die Gegner im Spiel einen eher geringen Stellenwert ein, da man diese ohne Mühe hinter sich lassen kann und diese ohnehin wieder da sind, wenn man den Abschnitt noch einmal betritt oder ein Leben verloren hat. Der einzige Sinn, der sich für mich in den Gegnern zeigt ist, die eigene Gesundheit aufzufrischen – doch umgekert würde diese ohne Gegner auch nicht schrumpfen und so fragt man sich nach dem tieferen Sinn dahinter.
Hat man dann doch einmal Lust, einen Widersacher zu plätten und es auch erfolgreich getan, hinterlässt dieser diverse einsammelbare Perlen in verschiedener Farben, die z.B. die Spezialattacke-Leiste füllen.

Kontrolle ist alles
Möchte man sich oben genannten Gegner jedoch trotzdem mal entledigen, hat Vince einige Attacken parat. Zum einen wäre da der Standardangriff in Form eines Schlages und zum anderen eine Drehattacke, die auch schnell hintereinander ausgeführt werden kann, um den Gegnern keine Zeit zum Luftholen zu lassen. Daneben gibt es noch den obligatorischen Sprungangriff, wo man sich mit voller Wucht auf den Gegner wirft.
Um größere Gegneransammlungen möglichst effektiv aus dem Weg zu räumen, hat Vince Spezialattacken auf Lager, von denen man sich im Laufe des Spieles viele verschiedene aneignet und die allesamt diverse Foltermethoden wiederspiegeln. So wird Vince in eine „eiserne Jungfrau“ eingespannt, zerteilt die Monster per Kettensäge oder fügt den Feinden Voodoo-Puppen-typisch per Nadeln höllischen Schmerz zu. Diese Spezialangriffe sind alle sehr nett anzusehen, doch wären sich nicht da, würde man sie auch nicht weiter vermissen. Man freut sich zwar, wenn man eine neuen gefunden hat, doch kommt man auch ganz gut zurecht, wenn man sie nicht einsetzt. Einzig und allein in einem Spielabschnitt wird man nicht sehr weit kommen, wenn man sie nicht einsetzt.
Daneben findet man in den Levels auch noch Zombiepulver, wobei sich die Gesundheitsanzeige um einen Punkt vergrößert, wenn man 100 davon sein Eigen nennt. Natürlich sind auch noch Herzen verstreut, die einem ein zusätzliches Leben geben – wobei wir bei einem weiteren Punkt wären, bei dem ich den Sinn nicht so ganz verstanden habe. Mithilfe der Leben kann man zwar bei gewissen Punkten mitten in einem Level wieder beginnen, doch stirbt man meist beim Kampf mit einem Zwischengegner, wo man nach dem Tode sowieso weitermachen kann. Natürlich sind die Leben eine Erleichterung, doch offenbart sich diese nicht sosehr, wie in anderen Spielen. Vielleicht spricht das aber auch für den guten Aufbau der Levels und generell des Spieles.

Die Steuerung orientiert sich größtenteils an anderen Genrevertretern. Vince läuft per linkem Ministick, ändert die Blickrichtung per rechtem, gesprungen wird mit der A-Taste, wobei zweimaliges drücken einen Doppelsprung auslöst, geschlagen wird mit X, die Drehattacke löst man mit B aus und gelegentlich kann man mit Y verschiedene Gegenstände aufheben, die man zur Lösung der Rätsel benötigt. Auch die Schultertasten sind belegt und so setzt man mit dem rechten die Kamera zurück, schwebt mit dem linken und betätigt man beide gleichzeitig, setzt man oben genannten Spezielangriff ein.
Generell ist die Steuerung sehr genau und man hat nie große Mühe, auch dort zu landen, wo man hinspringen wollte. Dabei behilflich ist auch ein kleiner Schatten, der einem zeigt, wo man landen wird. Auch die Kameraführung ist sehr gut gelöst und man verliert nahezu nie den Überblick – wenn doch, kann man die Kamera ohnehin manuell bewegen.


Grafik
Diese ist eher unspektakulär, jedoch durchaus solide und schön anzusehen mit einigen schönen Effekte wie etwa Hitzeflimmern bei Fackeln. Die Themen der Levels sind sehr unterschiedlich und größtenteils liebevoll gestaltet. Die Texturen könnten öfters etwas schärfer und feinpixeliger sein, doch fällt dies nicht besonders negativ auf.
Wie schon bei so vielen anderen Spielen vermisse ich auch hier einen 16:9 Modus.

Sound
Dieser gehört zu den Glanzpunkten des Spieles. Besonders die Musik ist hier sehr positiv hervorzuheben. Jeder Abschnitt hat seine eigene musikalische Untermalung und passt perfekt zur Atmosphäre des Spieles. Was jedoch nervt ist der musikalische Begleitung des Ladebildschirmes. Man wünscht sich schon nach kurzer Zeit, diese ausschalten zu können.
Auch die Soundeffekte sind sehr nett anzuhören und passen und zu den einzelnen Charakteren bzw. Monstern. Das Spiel ist in Englisch gehalten, bietet jedoch deutsche Untertitel.
Der Sound tönt dank Dolby Digital auch aus den hinteren Boxen, wenn diese jedoch auch eher mit Musik als wie mit Soundeffekten zu tun haben.

Spielspaß Solo
Irgendwie wollte bei mir kein so rechter Spielspaß aufkommen und ich musste mich des öfteren eher durch die Levels quälen, anstatt Spaß zu haben. Voodoo Vince bietet ohne Frage einige gute Ideen, doch gibt es keinen wirklichen roten Faden, der sich durchs Spiel zieht und es gelingt auch nicht, sich irgendwie besonders hervorzuheben und etwas zu bieten, dass das Spiel zu etwas besonderem machen würde.
Man läuft durch die Levels, springt dort eine Plattform hinauf, löst hier an ein paar Rätsel, plättet dort ein paar Gegner und das war’s dann schon. Sicher lockern die Zwischeneinlagen das Geschehen ein wenig auf, doch sieht man auch diesen ein wenig an, dass versucht wurde, krampfhaft Abwechslung ins Spiel zu bringen.

Spielspaß Multi
Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.
Pro
Guter Humor
Nette Zwischeneinlagen
Tolle Musik
Präzise Steuerung
Contra
Spiel wirkt nicht aus einem Guss
Gute Ideen, schlecht umgesetzt
Lange Ladezeiten
Man kann Zwischensequenzen nicht abbrechen
Viele Elemente die nutzlos erscheinen und es auch sind
“Roter Faden“ fehlt
Spielspaß kommt nur schwer auf
Fazit
War ich am Anfang gar nicht motiviert, mich ein wenig länger mit dem Spiel zu beschäftigen, gab es auch durchaus Moment, wo ich richtig Lust hatte, weiter zu spielen. An Ideenreichtum mangelt es Voodoo Vince nicht, auch der Humor stimmt, doch darf man als Entwickler dabei auch nicht darauf vergessen, das Ganze zu einem tollen Paket zu schnüren, das hinten und vorne aus einem Guss wirkt und Spaß macht – und genau das wurde beim Spiel größtenteils versäumt.
Man hat mit Voodoo Vince zwar ein durchaus solides Jump’n’Run vor sich, das besonders Liebhabern dieses Genres sicher auch Spaß-Momente bescheren wird, doch hat man damit nicht so viel am Hut, sollte man eher die Finger davon lassen. Generell ist aber zu sagen, dass man sich das Teil vorher besser ausleihen sollte um zu sehen, ob es den eigenen Geschmack trifft. Ein blinder Kauf ist keinem zu raten.
Infos
Erhältlich für
Genre
Jump'n'Run
Publisher
Microsoft Game ...
Entwickler
Beep Industries
Website
www.xbox.com/de...
Release
17. Oktober 2003
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User-Bewertung
85
5 Bewertungen
1 Review
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