Die Zeiten als man beim Begriff „LEGO“ ausschließlich an kleine bunte Steinchen dachte, sind lange vorbei, denn moderne Kinderzimmer werden auch von einigen anderen Produkten der weltbekannten Marke bevölkert. Besonders beliebt sind dabei schon seit Jahren die mächtigen Bionicle-Figuren, denen sogar ein eigener Film auf DVD und Video gewidmet wurde. Passend zum Verkaufsstart von Bionicle: Die Maske des Lichts versorgte Electronic Arts die junge Kundschaft außerdem mit einem für alle aktuellen Plattformen erscheinenden Videospiel, in dem jeder Kenner seinen persönlichen Lieblings-Plastikhelden in virtueller Pracht zu Gesicht bekommt.
Pohatu, Bohrok-Kal, Kini-Nui, Lewa Nuva ... Hä?
Die vielen fremdartigen Kunstbegriff aus dem Bionicle-Universum werden so manchen Neuling wahrscheinlich ziemlich verwirren, aber spätestens nach dem freiwilligen Inspizieren des eingebauten Mata Nui-Führers mit Bildern und kleinen Infotexten ist man bestens für das Abenteuer gerüstet.
In den einzelnen Wahi (=Levels) übernimmt der Spieler nacheinander die Kontrolle über die verschiedenen geheimnisvollen Toa. Diese jeweils einem Element zugeordneten roboterähnlichen Krieger gelten als wohlwollende Hüter der tropischen Insel Mata Nui und beschützen die dazugehörigen friedliebenden Bewohner (Matoran) vor den finsteren Schergen des bösen Makuta. Auf der Suche nach dem legendären siebten Toa, dem Meister des Lichts, müssen die Helden ihre jeweiligen Fähigkeiten unter Beweis stellen.
Tiefe Tümpel, glatte Gletscher und kräftige Kerle
Allen Toa gemeinsam sind einige grundsätzliche Fertigkeiten wie etwa das Ausführen von (Doppel)Sprüngen oder die Möglichkeit, einen leuchtenden Energieschild um die jeweilige Figur zu errichten. Dieser temporäre Schutz versorgt die magischen Stäbe der Hauptcharaktere außerdem mit der für Schuss-Attacken benötigten „Munition“. Je nach Situation entzieht man diese Energie entweder im Stillstand der Umgebung (wofür etwas mehr Zeit benötigt wird) oder fängt durch das richtige Timing die energiegeladenen Angriffe der von Makuta verdorbenen Tierwelt ab. Gezielte Treffer können nicht nur lästige Widersacher vernichten, sondern öffnen manchmal auch verschlossene Tore oder befreien die putzigen Matoran aus magischen Gefängnissen. Die kleinen Maskenträger revanchieren sich wiederum durch das Aktivieren von diversen Maschinen und ermöglichen dem Helden so das Vordringen in spätere Level-Abschnitte.
Im Laufe des Spiels gilt es dann, die individuellen Bewegungen der sechs Toa bzw. ihrer verbesserten Nuva-Formen zu nutzen: Während Gali, das einzige weibliche Mitglied der Truppe, wie ein Fisch durchs Wasser flitzt, verfügt der (im wahrsten Sinne des Wortes) coole Kopaka über ein futuristisches Snowboard, mit dem er zum Beispiel auf der Flucht vor einem riesigen Felsbrocken verschneite Berge hinabdüst. Onua besitzt dagegen beeindruckende Kräfte zum Verschieben von Steinen, und Lewa gleitet als Toa der Lüfte durch die lianenbewachsenen Baumwipfel seiner dschungelartigen Heimat.
Neben dem Lösen von simpelsten Schalterrätsel, dem Sammeln der versteckten Matoran und dem gelegentlichen Bekämpfen zäher Obermotze steht dabei vor allem das Finden von so genannten Lichtsteinen im Mittelpunkt. Diese weißen Klunker liegen aber sowieso fast immer offen sichtbar herum, so dass selbst weniger gewissenhafte Entdecker problemlos genug Steine auftreiben können, um dadurch ein paar einigermaßen nette Extras wie Konzeptzeichnungen und einen Film-Trailer freizuschalten.
Figuren im originalgetreuen LEGO-Stil und glucksende Ureinwohner
Die Optik des Spiels erweist sich als etwas zwiespältige Mischung aus hübsch animierten LEGO-Charakteren, deren Einzelteile man wie im echten Leben erkennen kann, und überwiegend ziemlich langweiligen Umgebungen mit für heutige Verhältnisse allerhöchstens durchschnittlichen, oft verwaschenen Texturen und zu wenigen interessanten Details. Auch die ansatzweise gelungenen Zwischensequenzen mit professionellen deutschen Sprechern und einige bunte Lichteffekte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Technik von Bionicle – The Game sich im Vergleich mit der Konkurrenz nicht ganz auf dem neusten Stand befindet.
Der Soundtrack protzt zwar mit Dolby Surround Pro Logic II-Support und hört sich anfangs recht spannend an, leidet aber nach einer Weile an mangelndem Abwechslungsreichtum und nervenden Soundeffekten bei Angriffen oder Sprüngen. Nur die lustigen Quietschgeräusche der kleinen Matoran-Leutchen sind ab und zu für ein halbherziges Lächeln gut.
Für Kids okay, für den Rest gilt: Finger weg
Noch bedauerlicher ist jedoch der niedrige Spielspaß-Faktor, denn während sich die Beschreibungen eigentlich recht abwechslungsreich anhören, wird Bionicle trotzdem wohl höchstens eingefleischte Fans der Vorlage längere Zeit an den Controller fesseln. Schuld daran sind vor allem der insgesamt zu simple Ablauf (einfachste Hüpfeinlagen, Mini-Rätsel etc.) und der fast schon lächerliche Umfang. So hindern uns praktisch nur die teils schwammige Steuerung und die widerspenstige Kameraperspektive mit eingeschränkter Kontrolle daran, in Lichtgeschwindigkeit bis zum Endgegner zu gelangen. Doch selbst so kann man ohne Weiteres in drei bis vier Stunden das gesamte Spiel „erforschen“ (das ausgiebige Begutachten aller Extras und Hintergrundinformationen miteingeschlossen). Sehr junge Spieler werden vielleicht vorrübergehend Freude an vernünftigen Ideen wie den rasanten Snowboard-Einlagen haben, aber alle anderen sollten ihr Geld lieber in bessere Games investieren.
So, jetzt muss ich mir nur noch überlegen was ich mit dem exklusiven Toa-Stab aus der Verpackung des Spiels anfange. Hey, Kinder! Mögt ihr Bionicle? Für fünf Euro gehört das Teil euch ;)
Anmerkung: Diesen Test findet ihr auch bei GameCaptain.de –> Keine Sorge: Ich habe ihn nicht geklaut, sondern ganz allein geschrieben ;)
Christina