Konsequente Fortsetzung mit altbekannten Schwächen in der Kampagne und einem Top-Notch-Multiplayer-Modus.Halo als Keil in der Community: Von den einen abgöttisch ob dessen Atmosphäre und Gameplay geliebt, von den anderen wegen des repetitiven Missions- und Leveldesigns gehasst. Für
Halo 2 versprach
Bungie Besserung und schwor, aus alten Fehlern gelernt zu haben. Außerdem sollte die Xbox Live-Implementierung alles bisher Gesehene locker an die Wand spielen. Unser
Master-Review wird nun Aufschluss geben.
Der Masterchief gibt sich die Ehre……und hat sich wieder einmal keiner geringeren Aufgabe verschrieben, als die Erde vor der Allianz zu bewahren. Nach der Zerstörung des Rings aus
Halo ist kaum eine Stunde vergangen,
» Aug’ in Aug’ mit dem Bösen. |
als die Aliens erneut angreifen und euer Schiff, die
Cairo Station, mitten in einer feierlichen Medaillenvergabe unter Zugzwang setzen. Zeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Mit dabei ist selbstverständlich eure neue Uniform - sozusagen
Masterchief v2 - welche nicht nur hübscher aussieht und die Umgebung kräftig widerspiegeln kann, sondern auch
Neuerungen am HUD inkludiert. Neben diversen optischen Verbesserungen ist unter anderem auch eure Lebensenergieanzeige den Rationalisierungsmaßnahmen zum Opfer gefallen: Neigt sich das Schild dem Ende zu, heißt es Deckung suchen - mehr als drei bis fünf Treffer verträgt der gute Spartaner nicht. Als kleine Wiedergutmachung regeneriert sich eure zweite Haut aber immerhin ein wenig schneller.
Die zweite große Änderung betrifft ebenfalls eure Lebenserwartung, allerdings nur indirekt:
Kleinere Waffen wie
Needler,
Plasma Rifles oder die neuen
SMGs der Menschen dürfen nun
beidhändig getragen werden, mag heißen: Inflationärer Munitionsverbrauch und sich rasch lichtende Gegnerhorden. Als besonders effektiv haben sich übrigens Kombinationen aus verschiedenen Alienwaffen erwiesen. Der einzige Nachteil dabei ist - klarerweise - die fehlende freie Hand zum Werfen von Granaten. So wird also…
Geballert bis die Schwarte kracht! Halo 2 gibt - ebenso wie sein Vorgänger - nicht sonderlich viel auf Inhalt außerhalb des eng gesteckten Rahmens der
Daueraction. Selbst die Story im eigentlich interessanten
» Ein Angriffsgeschwader macht sich bereit. |
Halo-Universum geht dabei ziemlich unter - aber ein Shooter will es nun mal nicht anders: Geschossen wird in allen Lebenslagen und in jeder nur erdenklichen Form. Alleine auf der Streif im Zuge einer Infiltrierungsmission, zusammen im Team mit einem Haufen Marines sowie an Bord von Fahrzeugen: Es vergehen keine zehn Spiel-Sekunden ohne Feuergefechte. Grandios unterstützt wird das
Nonstop-Geballere hierbei von der hervorragenden Physik: Die
lizenzierte Havok-Engine lässt die Muskeln spielen und bietet atemberaubende
Post-Granatwurf-Eindrücke inklusive zerberstenden Fahrzeugen, herumfliegenden Wrackteilen und tonnenweise in stratosphärische Höhen katapultierte Grunts.
Woot! Untermalt wird das Gemetzel von einem mehr als
bombastischen Soundtrack und einem direktionalen Soundgewitter, das Spielerherzen höher schlagen lässt. In derartigen Situationen kommt man einfach nicht darum herum,
Halo 2 tief in sein Herz zu schließen und für einen baldigen Release von
Halo 3 zu beten.
Doch um in diesem enthusiasmierten und superlativen Umfeld die traurige Realität nicht aus den Augen zu verlieren: Wo viel Licht ist, ist bekanntermaßen auch viel Schatten. Und auch davon hat
Halo 2 leider mehr als erwartet. Angenommen, die Verantwortlichen bei
Bungie hätten die Community aktiver in die Entwicklung von Teil 2 miteinbezogen - was wäre an erster Stelle der
To-Do-for-Part-Two-Liste gestanden? Höchstwahrscheinlich die radikale Auslöschung repetitiven Gameplays und eine optische Gleichberechtigung für Außen- und Innenlevels. Weder noch ist tatsächlich passiert, und so finden sich auch in
Halo 2 leider all zu viele Missionen, die nach dem Schema
Bibliothek aus Teil 1 aufgebaut sind und den Spieler am psychischen Gesundheitszustand einiger Entwickler und Entscheidungsträger bei Bungie zweifeln lassen sollten. Die
Innenmissionen sind zäh zu spielen, langweilig anzusehen und wiederholen sich derartig oft, dass man irgendwann meint, tatsächlich vor einem
Halo 1.5 zu sitzen; keine Diskussion darüber, dass diese Levelabschnitte nach einem fulminanten
Warthog-Gefecht oftmals sehr ernüchternd sind und dem Spieler
quälende Minuten auf der Suche nach dem Ausgang bescheren. Der Spielspaß wird dadurch in den Keller getrieben, angekettet und so lange bei Wasser und Brot zwangsernährt, bis die Erlösung in Form eines neuen Abschnitts naht. So etwas muss einfach nicht sein: Themenverfehlung, Bungie; nicht genügend, setzen.
Die Ringwelt als ErlöserKomplett konträr sind hingegen die äußerst gelungenen Außenmissionen positioniert. In bester
Halo-Tradition werden diese entweder per pedes oder in Fahrzeugen bestritten und
» Die Physik-Engine kann sich wahrlich sehen lassen. |
bringen den Spielspaß sowohl auf der Erde als auch auf der Ringwelt nach den öden Innenmissionen wieder richtig in die Gänge.
Das ist es, was den Flair von Halo ursächlich ausmacht. Dabei kann man sich auch über eine
rundum erneuerte optische Erscheinung freuen: Mehr Details, polygonreichere Modelle, größere Landschaften - die übrigens ohne Ladezeiten auskommen - und allerfeinstes Bumpmapping verwöhnen das Auge. Gänzlich frei von Mankos ist die Grafik aber dennoch nicht: So werdet ihr vor allem in den sehenswerten Zwischensequenzen das eine oder andere Mal den schon aus
The Chronicles of Riddick bekannten Effekt des
plötzlichen Aufploppens von Details wieder finden, was ebenso wie vereinzelt auftauchende Pop-Ups sehr unschön anzusehen ist.
Habt ihr die Kampagne durch - wofür man auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden
acht bis zehn Stunden veranschlagen muss - oder seid ihr generell mehr der Mehrspieler-Fanatiker, steht euch mit
Halo 2 natürlich das Paradies offen: Online geht auf den mit bis zu 16 Spielern gefüllten Servern dermaßen die Post ab, dass es ein wahrer Quell an Freude ist. Das Programm lässt euch dabei die Qual der Wahl: Aus
elf verschiedenen Karten (eine gilt es in der Kampagne zusätzlich frei zu spielen, weitere sollen in Zukunft als Download-Content folgen) und
unzähligen Spielmodi wie Capture the Flag, King of the Hill oder Deathmatch gilt es seinen Favoriten zu finden und gegebenenfalls an die eigenen Bedürfnisse oder die der Mitspieler anzupassen. Bei Start des Servers dürfen prinzipiell alle Parameter beeinflusst werden: Spielzeit, Start-Waffen, Fahrzeuge, Extras, Punktelimit, Spieleranzahl, Teams, verfügbare Waffen und so weiter… Das Spielgeschehen läuft dabei
überwiegend lagfrei ab und bietet hervorragende Sprachqualität.
Zwei Punkte gilt es aber trotz
Beinahe-Perfektion dennoch zu bekritteln. Erstens:
Nur Spieler, die sich in unmittelbarer Nähe zu eurem Aufenthaltsort befinden, hören euch auch. Abhilfe schafft hier nur der Druck auf die weiße Taste, was in der Hitze des Gefechts aber meistens untergeht. Und zweitens: Die Art und Weise, Server zu joinen. Es ist nicht mehr möglich, sich seinen Server nach bestimmten Kriterien selbst zu suchen. Ihr bemüht vielmehr die so genannte
Spielevermittlung, welche nur rudimentäre Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stellt und euch keinen tatsächlichen Einfluss auf den zu joinenden Server verschafft. Darüber hinaus nimmt dies meist eine längere Zeitspanne in Anspruch - Wartezeiten von mehreren Minuten sind beileibe keine Seltenheit. Sehr gut gelöst ist allerdings die Option, als
Gruppe von Server zu Server zu wandern. So verliert ihr eure Mitspieler nie aus den Augen.
Doch selbstverständlich dürft ihr euch nicht nur online den Granatwerfer um den virtuellen Schädel hauen: Wie schon aus Teil 1 bekannt, könnt ihr die
Kampagne kooperativ bestreiten, eine 16-Spieler-System-Link Partie eröffnen oder drei gute Freunde um euch scharen, um im Splitscreen die Klingen zu wetzen. Die Modi sind dabei offline dieselben wie über Xbox Live.
GrafikDie Optik ist grundsolide und in den zahlreichen Außenarealen sogar ausgesprochen hübsch anzusehen. Die Vegetation auf
Halo, scharfe Texturen, ein authentisches Physiksystem, tolle Waffenmodelle und natürlich wirkende Charaktere beziehungsweise NPCs schlagen definitiv auf der Positivseite zu Buche. Weniger gut gefallen einmal mehr die Innenlevels, die an Einfallsreichtum höchstens von 95% aller anderen Spiele übertroffen werden. Selten bekommt man als Spieler eine derart lieblos herunterprogrammierte Klötzchen-Optik als Highend-Produkt verkauft. Auch die Pop-Ups hätte man in der finalen Phase vielleicht noch ein wenig dezimieren können.
SoundLauscher aufgestellt, hier gibt’s Balsam für die Hörkanäle. Wuchtige Soundeffekte paaren sich
Oscar-verdächtigen Symphonien. Das Resultat? Eine musikalische Kulisse, die wahrlich einer der Höhepunkte des Spiels und immer Herr der Lage ist. Die Musik - meistens Chöre und Streichorchester - wirkt niemals aufgesetzt sondern jederzeit zur Situation passend und im Zusammenspiel mit den hervorragenden direktionalen Effekten präsentieren sich die Lautsprecher als zentrales Element und definitiv Spielspaß-fördernd. Schon alleine die Erkennungsmelodie im Intro wäre der Kauf der Soundtrack-CD wert!
Spielspaß SoloEine kalt-heiße Dusche, die Kampagne. Freut man sich, endlich wieder einmal in einem
Warthog sitzend, Massen an Gegnern ins virtuelle Jenseits zu befördern, macht einem das Programm mit dem Laden einer Innenmission einen gewaltigen, fetten, roten Strich durch die Rechnung - da bleibt kein Auge trocken. Und ohne zuviel von der Story zu verraten (worauf der Schreiber im Zuge dieses Reviews extra geachtet hatte): Auch das erneute Auftauchen der super-nervigen
Flood - meistens im kongenialen Duo mit den Innenmissionen - ist alles andere als erfrischende Abwechslung. Im Grunde genommen präsentiert sich der zweite Streich als eine konsequente Fortsetzung sowohl bestehender Qualitäten als auch bestehender Designschnitzer. Habt ihr
Halo geliebt, werdet ihr auch den zweiten Teil lieben (Gerücht: Es soll doch tatsächlich Spieler geben, denen die
Bibliothek gefallen hat) und vice versa. Dem gegenüber stehen die fantastischen Außenmissionen, die soviel Spaß machen, dass es schon an Abartigkeit grenzt. Eine kalt-heiße Dusche, die Kampagne.
Spielspaß MultiDer Multiplayerpart ist der elementare Bestandteil des Spiels und bietet dem Spieler Spaß und Spannung bis zum Abwinken. Kernstück bleibt selbstverständlich der Xbox Live Modus, der mit unzähligen Einstellungs- und Adjustiermöglichkeiten lockt und Spielspaß auf Monate hinaus garantieren wird - denn nicht jeder hat vier Konsolen und vier TVs zuhause herumstehen, um ein ähnlich abgefahrenes 16-Mann Match zu veranstalten, wie dies online möglich ist. Dies ist der Teil an
Halo 2, der den Kaufgrund schlechthin darstellt. Dies ist der Teil an
Halo 2, der Xbox Live zur Pflicht anstatt zur Kür macht. Dies ist der Teil an
Halo 2, der es zu einem Pflichtkauf aufwertet und einem guten, aber ein wenig zu heterogenen Shooter die Xbox-Shooter-Krone aufsetzt. Lediglich die bereits weiter oben erwähnte Sprachfunktionspolitik und die
Spielevermittlung stoßen ein wenig sauer auf.