» userrankings.com Master-Review «
Link: http://userrankings.com/spiel/5/masterreview.html
Tom Clancy's Splinter Cell  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 08.08.2003
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Solide Umsetzung von Ubi Soft, mit einem großem Bonus und ein paar kleineren Ärgernissen: Splinter Cell, das einzige 3rd Person Stealth/Action-Spiel für den GameCube überzeugt.

Endlich: Ubi Soft präsentiert Tom Clancy’s Splinter Cell für den GameCube.
Wo viel Licht, da auch viel Schatten...
Das Warten hat sich für Besitzer der Nintendo-Konsole einerseits bezahlt gemacht, andererseits sind mir aber auch einige Dinge negativ aufgefallen. Wie sich das im Gesamtbild niederschlägt, lest ihr in diesem Review.

Auch ein Geheimagent braucht seinen Urlaub...
Gleich nach der Sprachauswahl startet Ubi Soft mit einem völlig neuen Intro die Geschichte von Splinter Cell. Zwei Agenten des US-Geheimdienstes sind in Georgien einer unglaublichen Sache auf der Spur. Diese führt sie in einen unterirdischen Militärkomplex, wo sie verdächtige Vorgänge beobachten. Durch eine Unachtsamkeit werden die Wachen auf sie aufmerksam. Eine wilde Verfolgungsjagd, ganz im James Bond-Stil, durch eine Winterlandschaft beginnt... und endet für die beiden Agenten nicht gut: sie werden geschnappt.
Cut zu einem Boot in der Karibik. Sam Fisher frönt seinem Hobby und taucht ab in die phantastische Welt des Ozeans. Er genießt auf hoher See, gemeinsam mit seiner Tochter, die angenehmen Seiten des Lebens. Plötzlich verdunkelt sich der Himmel und ein Stealth-U-Boot taucht neben dem kleinen Schiff auf. Sam wird um Hilfe bei einer streng geheimen Mission gebeten. Als ob er eine Wahl hätte... Sam wird ins Hauptquartier gebracht, wo das Einsatztraining beginnt.
Dieses wunderbar in Szene gesetzte Intro hat mich gleich überrascht.Es gefällt mir ausgezeichnet und wirkt wie ein Spielfilm. Da ich die Xbox-Version schon seit Weihnachten mein Eigen nennen darf, war ich erst mal komplett verwundert. Hatte ich das Intro übersehen? Wie kann das sein? Das geht nicht mit rechten Dingen zu! Mitnichten, das Intro ist nämlich speziell für die GameCube-Version als Zuckerl gedacht. Da sich Ubi Soft länger Zeit nehmen konnte, um das Spiel raus zu bringen, haben Sie auch gleich ein paar neue Cut-Scenes mit auf die Disc gepackt.

Ein gutes Training ist der halbe Erfolg
Zuerst wählt ihr den Schwierigkeitsgrad: es gibt die Auswahlmöglichkeit „Normal“ und „Hard“. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es mehr Gegner bzw. diese sind schwerer zu überlisten. Wenn Splinter Cell zum ersten Mal gestartet wird, müsst ihr alias Sam Fisher zuerst das Trainingslager überstehen. Hier erfahrt ihr die Basics, die einen guten Geheimagenten ausmachen. Nebenbei lernt ihr auch die Grundlagen der Steuerung, Umgang mit der Kamera-Perspektive und das OPSAT kennen. Der Operations-Satellite-Link ermöglicht euch, sämtliche Ausrüstungsgegenstände, Waffen und wichtige Informationen zu benützen. Darüber hinaus stellt das kleine Implantat in eurem Hals auch die Kommunikation mit eurem Vorgesetzen Lambert bzw. mit anderen Charakteren her. Lambert führt euch so in die Mission ein und gibt nützliche Hinweise, wie ihr das Training erfolgreich absolvieren könnt. Das Training endet mit der Königsdisziplin aller Elitekämpfer: der Stealth-Action. Ihr müsst immer unsichtbar und lautlos sein, den Gegner dort treffen wo er am verwundbarsten ist und eiskalt eure Mission durchziehen. Am Ende seid ihr bestens auf die knapp 10 Levels des Spiels vorbereitet.

Das Schweizer Taschenmesser unter den Agenten
Sam Fisher ist nämlich nicht irgendein Agent, er ist ein Agent der Third Echelon Gruppe, einer Geheimorganisation in der Geheimorganisation NSA. Die NSA ist die National Security Agency und damit die letzte beste Verteidigung der USA gegenüber Terroristen und anderen weniger angenehmen Zeitgenossen. Da die beiden Agenten in Georgien verschollen sind, greift die NSA auf ihre Spezialeinheiten zurück, um die Sache aufzuklären. Diese so genannten „Splinter Cells“ sind besonders gut ausgebildete Ein-Mann-Armeen. Diese Agenten müssen völlig auf sich alleine gestellt, die Drecksarbeit für die NSA erledigen. Ihr habt es sicher schon erraten: Sam Fisher ist so eine Ein-Mann-Armee, eine Splinter Cell.

Schattenexistenz
Zwei Besonderheiten unterscheiden Splinter Cell vom Rest der meisten Spiele in dem Agentengenre. Erstens: das gesamte Spiel basiert auf der Interaktion zwischen Licht und Schatten. Rechts unten ist eine kleine Anzeige, die euch ständig über die „Sichtbarkeit“ von Sam Fisher informiert. Ist sie im linken Bereich, dann seid ihr komplett von Dunkelheit umhüllt, für Gegner praktisch unsichtbar. Steht sie dagegen ganz rechts, dann steht ihr wie ein Super-Star im Rampenlicht, weithin sichtbar für alle Gegner. Splinter Cell ist ganz auf diesem Spielprinzip aufgebaut. Spieler lernen schnell, dass es sich auszahlt die längeren Wege zu gehen, wenn man nur unerkannt im Dunkeln Gegner überlisten kann. Weiters ist auch die Grafik ganz dem Gegensatz von Licht und Schatten gewidmet. Alle Figuren und Gegenstände werfen Schatten, spiegeln sich im Mondschein etc. Das Level-Design nimmt besonders Rücksicht darauf: so könnt ihr Gegner bereits am vorauseilenden Schatten erkennen, bevor sie noch um die Ecke ins Blickfeld kommen oder aber ihr werdet durch Licht geblendet. Es gibt auch grafische Leckerbissen, wie etwa im Licht tanzende Schmetterlinge, die geniale Schattenspiele an die Wand werfen. Manchmal ist es aber auch so dunkel, dass ihr überhaupt nichts erkennen könnt. Sam Fisher hat eigens dafür ein Nachtsichtgerät dabei. Wenn ihr dieses anwendet, dann wird das gesamte Spielgeschehen wie durch einen Restlichtverstärker in Schwarz/Weiß abgebildet. Ihr seht zwar im Dunkeln besser, dafür werdet ihr aber auch von Licht mehr geblendet. Falls es einmal gar nicht anders geht, könnt ihr auch auf die Wärme-Anzeige wechseln. Hier seht ihr dann alle Wärmequellen um euch herum und könnt z.B. Menschen leichter ausmachen. Diese beiden Ansichten müsst ihr oft wählen, wenn ihr im Spiel weiterkommen wollt. Das macht aber auch den Reiz von Splinter Cell aus. Ihr müsst immer aufpassen, ob ihr sichtbar seid, gleichzeitig müsst ihr eure Karten geschickt ausspielen und mit Hilfe von Nachtsichtgerät und Wärme-Anzeige Aufgaben und Rätsel lösen.

Schleich Dich!
Wenn ihr euch durch die Levels pirscht, dann lernt ihr ganz schnell, dass es aber auch noch einer weiterer Agenten-Tugend bedarf: nämlich des Schleichens. Ihr seid vielleicht unsichtbar für eine Wache, aber hören kann sie euch dennoch. Mittels des analogen Sticks bewegt ihr Sam Fisher entweder im Laufschritt oder auf Zehenspitzen durch die Levels. Seid ihr zu laut, werdet ihr gnadenlos bestraft. Im geringsten Fall heißt das, eine Wache wird auf aufmerksam und versucht euch aus eurem Versteck zu locken. Im schlimmsten Fall wird ein Alarm ausgelöst und das kann die ganze Mission gefährden (pro Level darf nur eine gewisse Anzahl von Alarmen ausgelöst werden, bevor die Mission scheitert). Ihr bewegt euch also im Schatten und schleicht um die Ecken, damit euch auch ja niemand entdeckt. Genial integriert ist hier die Musik. Ihr „hört“ richtig, wie sich eine Wache erschrickt, wenn ihr zu laut seid. Der Soundtrack wechselt dann in eine Adrenalin-geladene Variante. Erst wenn die Gefahr wieder vorbei ist, wechselt das Spiel auf die gelungene Hintergrund-Musik zurück. Das Ganze setzt sich auch bei den Geräuschen fort: zerschießt ihr z.B. eine Lampe, damit ihr weniger sichtbar seid, dann liegen Glasscherben herum, die dann ein verräterisches Geräusch verursachen, wenn ihr zu schnell darüber lauft.

Eine große Portion Stealth mit einem Schuss Action
Das Spiel bietet meistens mehrere Lösungswege an. Manchmal könnt ihr Gegner sehr einfach mit einer Waffe eliminieren. Da kann es aber passieren, dass ihr Munition verbraucht, die ihr später noch benötigt. Außerdem ist es immer lauter einen Gegner nieder zu schiessen. Für echte Splinter Cells ist das aber viel zu primitiv: wer wirklich gut sein will, wird sich an Gegner heranschleichen und diese ohne Gewalt unschädlich machen. Allerdings dürft ihr die betäubten Gegner nicht weithin sichtbar herum liegen lassen. Da heißt es anpacken und die Gegner an einem dunklen Plätzchen verstecken; sie könnten ja von einer Patrouille entdeckt werden. Ihr könnt in dem Spiel viele Gegenstände aufheben, benutzen oder wegtragen. Manchmal müsst ihr das auch tun um Alarmen zu entgehen. Selbst ganze Level-Abschnitte können auf verschiedenen Wegen gelöst werden. Entweder ihr attackiert Gegner in Rambo-Manier und holt euch so meist eine blutige Nase oder ihr gebraucht eure kleinen grauen Zellen und umgeht Gegner und Gefahren wo es nur geht. Manche Levels müssen strategisch angegangen werden, damit nicht die Munition knapp wird. Mir selbst ist es mehr als einmal passiert, dass ich gerade mit der sprichwörtlichen letzten Kugel durchkam. Ihr habt neben den Waffen auch Ausrüstung, die euch bei eurem Stealth-Vorgehen unterstützt. So könnt ihr mittels eines Kabels unter den Türen hindurch den nächsten Raum auf Gefahren abchecken oder mit etwas Geschick auch die Tür nur ein klein wenig öffnen. Mit einem Dietrich lassen sich verschlossene Türen öffnen. Ihr könnt euch an den Wänden entlang schleichen, damit ihr um Ecken blicken könnt. Nicht zu vergessen: eurer Nachtsichtgerät und die Wärme-Anzeige lässen euch auch auf den ersten Blick Unscheinbares entdecken. Wenn ihr behutsam vorgeht und alles abcheckt, dann belohnt euch Splinter Cell nicht nur damit, dass ihr die Levels besteht – ihr könnt z.B. witzige Dialoge zwischen Wachen belauschen, Geheimnisse ausforschen oder einfach lustige Dinge anstellen. Es zahlt sich immer aus, die Levels genauer zu erforschen.

Extras!!!
Ein paar ganz besondere Leckerbissen, die man nicht bei jedem Spiel findet sind die Extras von Splinter Cell: neben dem neuen Intro-Movie, das einem Kurzspielfilm in nichts an Dramatik nachsteht, glänzt das Spiel auch mit einem Making-Of-Film und einem absoluten Novum: ein Interview (!) mit der Spielfigur Sam Fisher! Die Extras sind sehr gut gemacht, witzig und man schaut sie sich gerne mehrmals an. Vor allem das neue Intro verrät mehr über Sam Fishers Persönlichkeit.

Special 1: Game Boy Advance
Schließt man den GBA an den GameCube an, so fungiert der GBA als ferngesteuerte Verlängerung für das OPSAT (mit dem Sam seine Umgebung auf einer Radar-ähnlichen Mini-Landkarte betrachten kann). Weiters kann er sich Zugang zu Computern und Waffen verschaffen. Zusätzlich gibt es ein besonderes Zuckerl in der Form von einer neuen Waffe: die exklusiv mit dem GBA verwendbare Haftmine (Sticky Bomb).
Aber es geht noch weiter: durch erfolgreiches Beenden der GameCube-Version werden außerdem fünf exklusive Level für das GBA-Splinter Cell Spiel freigeschaltet. Dafür braucht man aber dann auch das GBA-Modul von Splinter Cell!

Special 2: Unterschiede zur Xbox-Version
Dieses Special ist für alle jene als kleine Entscheidungshilfe gedacht, die sich zwischen der Xbox-Version oder der GameCube-Version entscheiden können.

Was mir an der GameCube-Version besser gefällt:
Neue Cut-Scenes
Umfangreicheres Intro
Bessere SaveGame-Verwaltung (mehr Speicherplätze, Quick-Load)
Kleine Dinge wurden überarbeitet, die das Spiel flüssiger spielbar machen
Das Spiel wirkt etwas ausgereifter, die Entwickler konnten einiges nachbessern
GBA Connectivity und Zusatzlevel für das Splinter Cell Spiel auf dem GBA

Was mir an der Xbox-Version besser gefällt:
Levels sind etwas länger/größer ausgefallen
Sensationelle Lichteffekte (Eye Candy!)
Bessere Texturen
Gelungene Steuerung (mehr Buttons als am GC-Controller)
Höherer Schwierigkeitsgrad
Zusätzlicher Level (Kola Cell) mittels Xbox Live herunterladbar


Grafik
Der sensationell gut gelungenen Xbox-Grafik kann Splinter Cell auf dem GameCube nicht ganz das Wasser reichen, dennoch ist die Grafik gut. Das Spiel zwischen Schatten und Licht ist sehr gut eingefangen. Die Reflexionen auf Oberflächen, Licht und Schatten sowie die Bewegungsabläufe sind sehr gut gelungen. Die Möglichkeiten des GameCube werden aber gut genutzt. Die Frame-Rate bleibt auch bei größerer Action solide. Insgesamt wäre aber sicher noch mehr möglich gewesen. Vor allem das weniger gute Anti-Aliasing (Kanten sind pixelig) fällt negativ auf. Hier scheint die Grafik-Power des GameCubes unterlegen. Die Unterschiede zur Xbox-Version habe ich weiter unten im Special 2 genau aufgelistet. Insgesamt hat Splinter Cell eine überdurchschnittliche wenn auch nicht herausragende Grafik, die für das Spiel sehr gut funktioniert.
Besonders überzeugen kann die Kamera-Perspektive, mit der ihr Sam Fisher getrennt von der Blickrichtung steuern könnt. So könnt ihr z.B. nach links laufen, obwohl ihr nach rechts schaut. Sehr gut! Die Kamera sorgt für besten Überblick und bereitet – im Gegensatz zu manch anderen Spielen – keine Kopfschmerzen. Das Zusammenspiel zwischen Steuerung und Kamera ist genial geglückt.

Sound
Musik, Soundtrack und Sound-FX sind sehr gut gelungen. Splinter Cell vermittelt immer eine gelungene Atmosphäre aus Musik, Geräuschkulisse und Voice-Acting. Der Soundtrack des Spiels wurde mittels eines Symphonie-Orchesters eingespielt und das sticht qualitativ besonders heraus. Absolut genial ist das Voice-Acting von Michael Ironside (nicht nur Insidern durch seine Rolle als Lt. Jean Rasczak in Starship Troopers oder als Captain der SeaQuest DSV bekannt). Seine rauchig-kehlige Stimme verleiht Sam Fisher eine humorvolle Note und rundet den Charakter perfekt ab.

Spielspaß Solo
Eine große Anzahl von Gadgets, Waffen und Ausrüstung entzücken den Hobby-Agenten sicherlich. Genial designte Levels, die mit vielen Grafik-Highlights glänzen, können Amateur-Agenten überzeugen. Dass man mit hirnlosem Ballern in Splinter Cell nur bedingt Erfolg hat, wird semi-professionelle Agenten beigeistern. Das gelungene Gameplay rund um Schleichen, Licht und Schatten erfreut Profi-Agenten. Die gelungene Mischung aus Schwierigkeitsgrad, Stealth/Action und Humor überzeugt sogar Möchte-Gern-Agenten wie Captain-Future.
Splinter Cell bietet eine völlig einzigartige Erfahrung mit hoher Spielspaß-Garantie.
Pro
Gelungene Story
Abwechslungsreiches und spannendes Gameplay
Gutes Level-Design
Knackiger Schwierigkeitsgrad
Gute Grafik mit Licht/Schatten-Touch
Guter Soundtrack
GBA Connectivity
Contra
Teilweise gekürzte Levels
Kleinere Steuerungsprobleme
Fazit
Splinter Cell bietet vieles, das man sonst nur in guten Agentenfilmen (oder Tom Clancy-Büchern) sieht: eine glaubwürdige Story, wie sie morgen schon wirklich stattfinden könnte, gute Grafik, genialen Soundtrack, Humor und viel Spielspaß. Da es auf dem GameCube überhaupt kein vergleichbares Spiel gibt, kann ich das Spiel allen uneingeschränkt empfehlen. Splinter Cell ist eines der besten Spiele des Jahres. Einziger Wehrmutstropfen: es ist etwas einfacher und kürzer ausgefallen, als die sensationelle Xbox-Version. Dafür hat sich Ubi Soft aber nicht lumpen lassen und dem Spiel neue Cut-Scenes sowie ein völlig neues Intro verpasst.
Eine kleine persönliche Meinung noch: die GBA-Connectivity ist bei Nintendo ja ein großes Thema, ich bin aber kein Fan davon. Das riecht für mich immer nach Abzocke. Warum kann ich nicht alles vom Spiel sehen, wenn ich nicht den GBA habe bzw. umgekehrt wenn ich zwar einen GBA habe, aber keinen GameCube? Mehr dazu siehe Special 1. Für Splinter Cell ist die Linkfunktion aber sicherlich eine Bereicherung und passt gut in die Umsetzung des Spiels.
Splinter Cell auf dem GameCube: eigentlich ein Pflichtkauf.