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Wie oft haben wir das schon erlebt – ein noch Monate, wenn nicht gar Jahre auf sich wartender Titel wird im Vorfeld dermaßen in den Himmel gelobt, dass kein Zweifel mehr an der gottgleichen Qualität der voreilig aufs Podest gehobenen Softwarekreation besteht: Erwartungsvolle Spieler saugen jeden Informationstropfen heißhungrig auf, Spiele-Redakteure verbringen Nächte um Nächte mit Recherchen und Artikeln und die Marketing-Strategen der großen Publisher investieren Unsummen in Werbung und Kampagnen. Und schließlich ist er da, der Tag auf den alle gewartet haben: RELEASE-DAY!!!! – und dann? Oftmals breite Ernüchterung und massig Enttäuschung unter den Spielern, sowie entschuldigende Berichte der Spiele-Redakteure („Ähh – in der Testversion sah das alles noch gaaaanz anders aus, ehrlich!“). Gladius ist eines der wenigen, erfrischend anderen Beispiele - um nicht zu sagen das genaue Gegenteil: Ohne großen Rummel und ohne übertriebene Erwartungen zu wecken, schlich sich ein echter Überraschungshit in die Händlerregale. Warum dem so ist und ob ihr der richtige Spielertyp seid, um Gladius in vollen Zügen genießen zu können, das erfahrt ihr natürlich in unserem Masterreview zu LucasArts monumentalem Taktik-RPG. Die vier Gebiete Die Welt von Gladius ist in vier abgeschlossene Gebiete aufgeteilt: Nordagh – das Reich der Barbaren, Imperia – die Heimat der römisch inspirierten Kämpfer, die nördlichen Steppen – eine unwirtliche Graslandschaft und das Südviertel – ein lebensfeindliches Wüstengebiet. Jedes dieser Gebiete könnt ihr erst verlassen und in das nächste vorrücken, wenn ihr die jeweilige Meisterschaft (dazu später mehr) des Gebietes gewonnen habt. Innerhalb eines Gebietes bewegt ihr euch zumeist auf der übersichtlichen Gebietskarte vorwärts: Die Gebietskarte In fixer und relativ weit entfernter Kameraposition dirigiert ihr euren Hauptcharakter über Wege, durch Wälder und Steppen um so die verschiedenen Städte und Ansiedlungen zu erreichen. Neben den sporadisch eingestreuten Zufallsbegegnungen und einigen Händlern sowie wortkargen Nicht-Spielercharakter ist dies aber auch der einzige Zweck der Gebietskarte, die zudem nicht gerade sehr groß ausgefallen ist. Insgesamt wäre bei diesem Gameplay-Teil wohl mehr in Punkto Präsentation und Spieltiefe herauszuholen gewesen. Da es sich dabei im wesentlichen nur um eine Möglichkeit handelt, andere Städte aufzusuchen, bleibt dies aber für das eigentliche Gameplay verschmerzbar. Die Städte und Ansiedlungen Sobald ihr auf der Gebietskarte in die Nähe einer Stadt oder einer Ansiedlung kommt, könnt ihr diese betreten. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Städte von Gladius bestehen im wesentlichen nur aus einzelnen Menüs um die verschiedenen Dienste (z.B. Händler, Rekrutierung) in Anspruch zu nehmen, bzw. die lokale Arena für verschiedene Kämpfe aufzusuchen. Eine wie auch immer als „begehbar“ zu bezeichnende Innenwelt der Städte wird euch nicht geboten. Auch hier bleibt eingangs schon anzumerken, dass eine schickere Präsentation und eine eigene Stadt-Innenwelt durchaus kein Fehler gewesen wären, auch wenn die Menuführung in den Städten sehr übersichtlich und intuitiv bedienbar ist. Die Arenen Jede Ansiedelung in der Welt von Gladius besitzt ihre eigene, ganz charakteristische Arena, in welcher die unterschiedlichen Kämpfe ausgetragen werden. Auch hier begrüßt euch eingangs ein übersichtliches Menü-Gamplay. Bevor ihr euch auf dem schicken, in vollständigem 3D umgesetzten Kampfplatz beweisen dürft, gilt es zuerst den Kampf eurer Wahl auszusuchen. So sind die Kämpfe in Ligen zusammengefaßt, wobei ihr, um in einer Liga überhaupt antreten zu können, oft bestimmte Voraussetzungen erfüllen müßt, wie beispielsweise bereits gewonnene andere Ligen oder eine bestimmte Publikumspopularität. Die eigentlichen Kämpfe dürft ihr zumeist in beliebiger Reihenfolge absolvieren, wobei für jeden gewonnen Kampf Ligapunkte vergeben werden. Sobald ihr eine gewisse Anzahl dieser Punkte errungen habt, ist die Liga als ganzes gewonnen und ihr könnt ordentliche Geld- und Sachpreise (Rüstungen, Waffen, Items) einheimsen. Sobald ihr genügend lokale Ligen einer Ansiedlung gewonnen habt, dürft ihr auch im Rahmen des ortsansässigen Turniers antreten. Auch hier gilt es eine Reihe von Kämpfen zu absolvieren, um somit zu beweisen, dass ihr den besten Gladiatoren dieser Stadt gewachsen seid. Schlussendlich findet in der größten Ansiedlung jedes Gebietes die lokale Meisterschaft statt, zu der ihr erst nach Absolvieren aller Turniere antreten dürft. Nach dem Gewinn einer Meisterschaft könnt ihr (müsst aber nicht) das aktuelle Gebiet verlassen und in die nächste Region weiterziehen. Die Kämpfe Die einzelnen Kämpfe sind durchwegs sehr abwechslungsreich gestaltet und stellen euch vor sehr unterschiedliche Herausforderungen: Im „Standard-Kampf“ gilt es alle Gegner taktisch klug aus dem Rennen (bzw. der Arena) zu tilgen – wer zuletzt noch zumindest einen Recken auf dem Schlachtfeld stehen hat gewinnt. In den „King-of-the-Hill“ Kämpfen dagegen ist es euer Ziel innerhalb eines gewissen Zeitlimits eine erhobene Position länger als eure Konkurrenten zu halten, während es bei dem Kampftyp „Schaden zufügen“ mit unverwundbaren Kämpfern nur darum geht, dem Gegner möglichst viele Treffer zuzufügen. Für Abwechslung sorgen weitere Aufgabenstellungen, wie das Zerdeppern möglichst vieler Fässer, oder verschiedene Spezialaufgaben, wie das Eliminieren des gegnerischen Anführers. Besonders gefinkelt präsentieren sich die sog. „Ausdauer-Kämpfe“, bei denen ihr eine Serie von Kämpfen unmittelbar hintereinander bestreiten müßt, während Wellen von frischen Gegner auf euch einstürmen. Alles in allem bietet Gladius bereits bei diesen grundlegenden Kampftypen eine Menge Abwechslung und bei weitem mehr als das genreübliche „Haudrauf-bis-zum-letzten-Mann“. Übrigens braucht ihr euch bei den „offiziellen“ Kämpfen in den Arenen nicht um gefallene Kameraden sorgen, da diese unmittelbar nach dem Kampf medizinisch versorgt werden und für den nächsten Einsatz wieder putzmunter auf der Matte stehen. Bei Begegnungen in der freien Wildbahn geht es aber schon des öfteren um Leben und Tod... Vorbereitung ist das halbe Leben Bevor ihr euch in einen der obig beschriebenen Kämpfe stürzt, ist taktische Vorplanung ein absolutes Muss. Ihr könnt vor einem Kampf alle Gegner inkl. deren Attribute, Klassen und Stufen einsehen, und die jeweils am besten geeigneten Mitglieder euer Gladiatorenschule für diesen Kampf auswählen. Dies will wohl überlegt sein, da je nach Mix der Kontrahenten bereits zu diesem Zeitpunkt eine grundlegende Strategie des folgenden Kampfes in euren Köpfen Gestalt annehmen sollte. So kann es sinnvoll sein, eine Gruppe von schwerfälligen Gegner mit Bogenschützen aus der Ferne zu beharken um ihnen dann mit einigen starken Nahkämpfern den Rest zu geben, während vorwiegend wendige und schnelle Gegner eine völlig andere Strategie erfordern. Zudem gilt es meist kampfspezifische Einschränkungen zu beachten: So dürfen in manchen Kämpfen nur männliche oder nur weibliche Krieger antreten, oder es sind spezielle Klassen ausgeschlossen. Neben der optimalen Zusammenstellung des Kampfteams ist auch die Startaufstellung oft von entscheidender Bedeutung. Auf einer 2D-Übersichtskarte könnt ihr die Arena und die Startpositionen der Gegner einsehen und die eigenen Kämpfer entsprechend klug plazieren und deren Start-Blickrichtung auswählen. In Summe sehr übersichtlich gelöst, auch wenn die Höhe des jeweiligen Startpunktes leider nicht ersichtlich ist. Dies ist besonders deshalb störend, da sich Höhenunterschiede (z.B. Angriffe von oben) sehr stark auf die Stärke und Trefferwahrscheinlichkeit auswirken und ihr aufgrund der fehlenden Anzeige in der Aufstellungskarte schon mal mitten in einer taktisch sehr ungünstigen Grube landet. Zug um Zug – Schlag um Schlag Genretypisch wird abwechselnd gezogen, wobei eine in der Ebene frei drehbare Kamera, sowie eine lobenswerte Hitpoint-Anzeige aller Charaktere (auch der Gegner) sowohl Überblick als auch taktische Planung der nächsten Schritte gezielt unterstützen. Euch steht eine breite Palette an Spezialfertigkeiten, Combos, magischen Attacken, Stärkungsskills und ähnliches zur Verfügung, die ihr in einem intuitiven Menu auswählt. Natürlich sind die verfügbaren Fertigkeiten abhängig vom Charakter und dessen bisheriger Entwicklung. Sobald ihr eine Fertigkeit ausgewählt habt, dürft ihr mittels linkem Stick entweder den Gegner anvisieren (bei Angriffsskillls) aber auch euren Charakter in der Arena zu einer anderen Position dirigieren. Die Auswahl der unterschiedlichen Fertigkeiten ist dabei mehr als beeindruckend: Unzählige Angriffsvarianten, wie Kettenangriffe, Mehrfelderangriffe, verschiedene Fernangriffe und besonders effektive Powerschläge (mein persönlicher Favorit ist der im Namen schon alles sagende „Überkopfspalter“ ) reihen sich nahtlos in Reihen von Spezialattacken zur Schwächung des Gegners (Beinattacken, Schildspalter, Betäuben, etc.). Gruppenfertigkeiten (z.B. alle Teammitglieder motivieren, Gruppenangriffe) sind ebenso zu finden wie magische Talente, Heilungs- und Attributverbesserungstalente und passive Kampffertigkeiten (z.B. Ausweichen, Gegenangriff bei gescheitertem Angriff des Gegners, etc.). Als äußerst praktisch für Fernkämpfer hat sich zudem die Fertigkeit „Gebiet decken“ erwiesen. Ihr legt ein gewisses Areal fest, das der Kämpfer decken soll. Jeder Gegner, welcher im nächsten Zug innerhalb dieses Gebietes vorrückt, wird daraufhin aus der Ferne automatisch beharkt. Auf diese Weise lassen sich anstürmende Gegnerhorden bereits zu handlichen Mengen reduzieren, bevor eure gestählten Nahkämpfer eingreifen. Wie ihr seht, bietet bereits die Auswahl des jeweiligen Talentes und die Kombination verschiedener Kämpfer eine Unmenge an taktischen Möglichkeiten. Zu bedenken ist allerdings, dass der Einsatz von Fertigkeiten meist Aktionspunkte verbraucht, wobei machtvollere Attacken und Skills entsprechend mehr dieser begehrten Arena-Währung verbrauchen, während pro Runde nur ein Punkt regeneriert wird. Die taktisch kluge Vorausplanung bzw. das Aufsparen von Punkten für den wirklich vernichtenden Finalschlag will daher wohl überlegt sein. Auf Wunsch mit einer Brise Geschicklichkeit Sobald ihr eure Aktion mittels A-Taste bestätigt habt, wird diese ausgeführt, wobei nur die Standard-Attacken selbstständig ablaufen. Bei den meisten Combos und Spezialattacken folgt ein kleines Geschicklichkeitsspiel, bei dem es in verschiedenen Varianten gilt, möglichst schnell und genau bestimmte Buttons in der richtigen Reihenfolge zu drücken oder – der Vergleich sei mir verziehen – ähnlich wie in vielen Golfspielen eine schnell laufende Markierung innerhalb eines bestimmten Bereiches mittels Tastendruck zu stoppen. So einfach und wenig aufregend sich dies nun auch anhören mag, nach ein wenig Einspielzeit machen diese Minigames durchaus Laune und sorgen für mehr Interaktion zwischen Spieler und Spiel, auch wenn einige Taktik-Puristen ob dieses Action-Elementes vielleicht die Nase rümpfen werden. Je akkurater ihr diese Einlagen meistert, desto mehr Schaden richtet der Angriff an. Es lohnt sich also durchaus diese kleinen Minigames sorgfältig zu üben, um in den Arenen bestehen zu können. Wer dieser Minigames müde wird, oder ein Taktik-RPG lieber ohne Action-Einlagen spielen will, der kann diese jederzeit im Optionsmenu ausschalten. Nutze deine Umgebung und deine Position! Bereits ab der Startaufstellung machen sich Umgebungsvorteile bemerkbar: Angriffe von erhöhter Position sind weitaus wirkungsvoller, als wenn ihr Gegner aus Gruben heraus angreifen müßt. Ebenso sind Angriffe von der Seite oder gar von hinten – insbesondere wenn euer Gegner in dieser Runde gerade mit Verteidigung eines anderen Angriffes beschäftigt ist – sehr viel durchschlagskräftiger als Frontalattacken. Zudem sind diese Positionsvorteile auch noch sehr gut mit den Charakterklassen und Fertigkeiten integriert: So können beispielsweise Banditen eine spezielle Fertigkeit „Angriff von hinten“ erlernen, welche den Schaden bei derart heimtückischen Attacken nochmals verdoppelt. Auch in diesem Bereich offenbart Gladius eine unglaubliche Anzahl an taktischen Möglichkeiten, die für abwechslungsreiche und tiefgängige Kämpfe sorgen. Gewinne das Publikum für dich! Für besonders effektiv ausgeführte Attacken und Spezialmoves aber auch für spezielle „Beeindrucken - Fertigkeiten“ (z.B. Gegner verhöhnen, pfeifende Pfeile für das Publikum abpfeffern, etc.) werden eurer Gruppe Zähler in der Publikumsgunst gutgeschrieben. Sobald diese eine gewisse Marke überschreiten, wird dem ganzen Team ein besonderer Bonus im Kampf zuteil, wie zum Beispiel verbesserte Initiative oder mehr Schaden. Dadurch kommt eine gewisse selbstverstärkende Komponente ins Spiel, da das Team auf der Gewinnerstrasse dadurch nochmals einen Bonus erhält, was aber durchaus im Sinne der Entwickler zu sein scheint: Vom Publikum angefeuert zu werden, lässt eure Recken über sich hinauswachsen und noch besser agieren. Weiters offenbart die Publikumsgunst einen amüsanten Einblick in die ansonsten durchwegs clever agierende Gegner-KI: So kann es des öfteren vorkommen, dass ein oder zwei hoffnungslos auf verlorenem Posten stehende gegnerische Bogenschützen ohne Chance auf einen Gewinn des Kampfes verzweifelt einen „pfeifenden Pfeil“ nach dem anderen in den Himmel jagen um die Gunst des Publikums wieder zu gewinnen und dabei gänzlich auf den eigentlichen Kampf vergessen (während eure gepanzerten Gladiatoren beginnen aufzuräumen). Beinahe bemitleidenswert, die armen Gesellen.... Bringe die Götter auf deine Seite! Auch Magie kommt bei Gladius nicht zu kurz und wird im Spiel als „Verbundenheit“ bezeichnet, da Magie immer mit der Macht einer der Gottheiten verbunden ist. So könnt ihr durch entsprechende Wahl spezieller Verbundenheitswaffen, -items und –rüstungen euren Kämpfer einer speziellen Gottheit (Erde, Feuer, Wasser, Luft) widmen. Für jeden Treffer erhaltet ihr spezielle Verbundenheitspunkte, die hernach für besonders wirkungsvolle göttlich unterstützte Angriffe verwendet werden können. Neben dieser Art der Magie gibt es aber spezielle magische Klassen (Priester, Schamanen, Beschwörer, Hexen), die über eigene Fertigkeiten zur Gewinnung von Verbundenheitspunkten verfügen – was meist durch den Raub dieser Punkte von anderen Kämpfern bewerkstelligt wird. Selbstredend verfügen diese magische Klassen auch über ein jeweils eigenes Repertoire an magischen Skills von Elementarangriffen über Heilungszauber bis hin zur Beschwörung von Kreaturen. Von Klassen und deren Beziehungen... In Gladius werdet ihr auf ca. 20 spielbare Charakterklassen treffen, die in drei Hauptgruppen und drei Nebengruppen eingeteilt sind. Die Hauptgruppen umfassen die Bereiche „Schwere Kämpfer“ (richtige Haudrauf-Typen wie beispielsweise Oger, Zenturios, Samniten und Zyklopen), „mittlere Kämpfer“ (Allrounder wie Barbaren, Legionäre und Helden) sowie „leichte Kämpfer“ (schnelle, aber verwundbare Typen wie Banditen, Sekutoren und Derwische). Bereits an dieser beispielhaften Auswahl wird ersichtlich, dass Gladius die Wege herkömmlicher Charakterklassen ein gutes Stück hinter sich lässt, und sinnvoll mit dem Background-Setting abgestimmte Typen bietet. Der Clou an den drei Hauptklassen besteht dabei in ihren gegenseitigen Vor/Nachteilbeziehungen nach dem Stein-Schere-Papier Prinzip: Schwere Kämpfer besitzen Vorteile über mittlere Kampfklassen, mittlere Kämpfer besiegen leichte Kampfklassen eher und leichte Kämpfer schlußendlich tänzeln gewandt um die schwerfälligen Typen herum und treffen diese leichter. Natürlich sind dies keine absoluten Vorteile und immer in Zusammenhang mit Positionsvorteilen, Publikumsgunst, Spezialfertigkeiten und allen anderen taktischen Faktoren des Kampfes zu sehen. Zur Abrundung des Klassenprogramms bietet Gladius zudem die drei Nebengruppen „Unterstützung“ (Fernkämpfer wie Bogenschützen und Speerträger), „Arkanisch“ (magische Klassen wie Priester, Hexen, Beschwörer und Schamanen), sowie einen reichen Fundus an Bestien aller Tierstämme (Bären, Wölfe, Tiger, Rieseninsekten, etc.), die weitere unzählige taktische Möglichkeiten in das Gameplay einbringen. Stufe um Stufe – Bis zur Perfektion! Was wäre ein RPG ohne Erfahrungspunkte? Richtig: Kein RPG! So werden auch in Gladius für absolvierte Kämpfe Erfahrungspunkte auf dem Konto eines jeden Gladiators gutgeschrieben, wobei die in einem Kampf nicht teilnehmenden Krieger (wahrscheinlich durch „learning by watching“) ebenfalls mit einigen dieser ersehnten Zählern belohnt werden – durchaus keine schlechte Idee, da somit auch weniger oft eingesetzte Gladiatoren nicht auf der Strecke bleiben und in späteren Kämpfen noch mithalten können. Sobald die nächste Levelgrenze erreicht ist, dürft ihr erhaltene Fertigkeitspunkte in neue Spezialmanöver investieren oder diese auch für später aufsparen um einige der mächtigen Moves zu erlernen. Die Auswahl der pro Charakterklasse verfügbaren Spezialtalente ist dabei mehr als beeindruckend. Um die 30-40 unterschiedliche Talente sind pro Klasse (!!) verfügbar – Da fällt die Wahl nicht leicht und will gut überlegt sein, da im Zuge des Spieles nicht alle Talente erkauft werden können und Spezialisierung meist effektiver ist als einen mittelmäßigen Alles-Nur-Halb-Könner zu kreieren. Neben den Talenten kann das RPG-System von Gladius den erfahrenen Rollenspieler aber auch mit unzähligen Basiseigenschaften von Stärke und Geschick über Präzision und Abwehr bis zu Schnelligkeit und Initiative locken. Leider sind diese beim Levelaufstieg nicht manuell justierbar, sondern werden automatisch vom Spiel gesteigert. Etwas schade, aber andererseits ist mit den restlichen „Management-Aufgaben“ noch mehr als genug für euch zu tun und zudem bleiben die Charaktere dadurch in ihren Basiseigenschaften das ganze Spiel hinweg ausgewogen. Es ist also nicht möglich einen schwerfälligen Samniten (großer, schwerer Schildkämpfer) zu einem leichtfüßigen Bogenschützen „umzuschulen“ Welche Axt darf´s denn sein? Neben dem Level-Aufstieg der Gladiatoren wird euch zumeist die Besorgung und Ausrüstung neuer Waffen, Rüstungen und Items beschäftigen. Auch hier bietet Gladius buchstäblich Tonnen an verschiedenem Kriegsgerät für alle Lebenslagen: Äxte, Schwerter, Speere, Keulen, Kampfhammer, Bögen und Kampfstäbe in unterschiedlichsten Ausprägungen und mit verschiedenen Level- und Klassenbeschränkungen – alle mit ausführlichen Hintergrundinfos und unterschiedlichen Auswirkungen auf die Eigenschaften des tragenden Gladiators. So gilt es ständig abzuwägen, ob ihr größeren Schaden auf Kosten eurer Beweglichkeit und Initiative verursachen wollt, oder doch lieber auf leichteres Gerät mit höheren Angriffsraten und besserer Abwehr setzt. Ähnliche Fragen müßt ihr euch auch bei den unzähligen Rüstungen, Schilden, Helmen und Stirnreifen stellen, zumal es diese oft mit magischen Zusatzeigenschaften zu erwerben gibt – gar nicht zu reden von den bereits angesprochenen Verbundenheiten, die beim Kauf neuer Waffen und Rüstungen natürlich auch bedacht sein wollen. Hier kommt jede Menge „Gladiatoren-Management“ auf euch zu – durch die intuitive Menuführung aber kein wirkliches Problem und vor allem für Jäger-und-Sammler Naturen unter euch ein wahres Item-Vallhalla! Grün, Rot, Braun? Oder Schwarz? Oder ein wenig von allem? Was wären heutige Sportteams ohne individuelle Trikots und Vereinsfarben? Individualität steht auch bei Gladius hoch im Kurs: Ihr könnt jeden Gladiator in Haut- und Haarfarbe, Kleidungs- und Rüstungsfarbe und Stil individuell anpassen und so einen bunten Haufen zusammenstellen – oder ihr setzt eine striktere Kleiderordnung an und stattet alle eure Recken mit einheitlichen Dressen aus. Eine durchgestylte Frühjahrs-Kollektion für eurer Team ist aber nicht nur im modischer Hinsicht eine Notwendigkeit für trendbewußte Gladiatoren-Manager, sondern auch im Kampf eine durchaus sinnvolle Investition: So könnt ihr auf einen Blick eure eigenen Streiter vom Gegnervolk unterscheiden. Neben all diesen Management-Möglichkeiten könnt ihr in einem eigenen Statistik-Menu auch allerhand sinnvolles und weniger sinnvolles Zahlenmaterial zu euren Kämpfern und eurer Gruppe abrufen. Wer immer schon mal wissen wollte welche Entfernung in Meter ein Kämpfer bisher zurückgelegt hat, oder wie viele Wölfe er insgesamt schon in den Raubtierhimmel geschickt habt, der ist hier genau richtig! Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass die eingestreuten Cut-Scenes aber allesamt hervorragend in Szene gesetzt sind und atmosphärische Intermezzi zwischen den schweißtreibenden Kämpfen bieten. Vor allem die Interaktion zwischen den Charakteren kommt sehr gut zur Geltung – alleine bei der ersten Zwischensequenz werden die einzelnen Figuren sehr gut vorgestellt und deren Beziehungen (aber auch Spannungen) untereinander können erahnt werden. Die einzelnen Hauptfiguren werden so sehr authentisch - mit eigenen Motivationen und Persönlichkeiten – präsentiert und heben sich somit positiv von den oft sehr anonymen Helden vieler RPGs ab. Nicht zu unterschätzen in Bezug auf den Wiederspielwert nach dem ersten Durchspielen, ist die Möglichkeit mit dem zweiten Hauptcharakter eine alternative Storyline zu erleben. So kramt man Gladius nach einem halben Jahr gerne noch einmal hervor und kann das grundlegende Spielprinzip im Rahmen einer zweiten Story nochmals erleben – beinahe wie ein bereits im Titel inkludiertes Add-On.
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