Bombastisches Sequel: Epic zieht die Schrauben nochmals deutlich an.
Bigger, badder, more badass!2006 erschien mit
Gears of War ein technisch wie auch spielerisch beeindruckender Shooter für die Xbox 360.
Epic Games gelang die
perfekte Inszenierung der hauseigenen Unreal-Grafikengine, welche in unzähligen Spielen anderer Hersteller seither zum Einsatz kam. Doch auch in Sachen Gameplay entwickelte sich
Gears of War zu einer Art Nordstern: Die
Mischung aus Ballern und In-Deckung-Gehen findet man heute in fast allen Action-Titeln. Natürlich war der erste Teil nicht frei von Bugs und Kritikpunkten - Schwächen gab es ebenso. Was aber noch viel schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass für die Fortsetzung eine derart hohe Erwartungshaltung geschaffen wurde.
Das Setting von
Gears of War 2 ist sechs Monate nach den Ereignissen des ersten Teils angesiedelt. Die Locust schienen weitgehend zurück gedrängt worden zu sein, doch nach Monaten des Friedens werden die Städte Tollen und Montevado jedoch Opfer von
mysteriösen Anschlägen aus dem Untergrund. Das Team von Marcus Fenix erhält den Auftrag die Lage zu sondieren, als die letzte Bastion der Menschheit im Jacinto Plateau ins Fadenkreuz des Gegners gerät. Um den Untergang von Jacinto zu abzuwenden starten die COGs eine große Konteroffensive. Die Menschen wollen nicht länger Opfer sein, sondern den Krieg in den Untergrund, in das Territorium des Gegners, tragen.
Oh yeah, oh yes, whoohoo, nice. In
Gears of War 2 geht es erneut direkt und hart zur Sache. Aber auch abseits der Stärken hat sich im Sequel einiges getan.
Deutlich spürbar sind die zahlreichen Verbesserungen, welche die Probleme
» Kettensägen-Duelle sind der letzte Schrei auf Sera. |
des ersten Teils adressieren. Nicht nur ist die Kampagne länger ausgefallen, auch beim Pacing der Handlung gelang
Epic eine viel
bessere Balance aus Adrenalin-geladener Action und ruhigeren Momenten, welche die Atmosphäre so richtig aufladen. Klar, die Story erreicht keine Tiefen wie
GTA IV oder
MGS 4, aber immerhin wird versucht den "Kratzprotzen", die Testosteron pissen, ein wenig emotionales Leben einzuhauchen.
Kraftausdrücke, derbste Witze und viele Kerl-Sprüche pflastern dem Spieler die Ohren ordentlich zu. Dies ist jedoch konsistent, wenn man sich die Bodybuilder-Physique der Protagonisten Marcus Fenix und Dominic Santiago vor Augen führt.
Doch bleibt auch Raum für smarte Passagen, in denen konstant Zweifel geschürt wird. So ist es im "Nebel des Krieges" nicht so klar, warum Menschen und Locust diesen Konflikt führen. Mehr als einmal kommt die Frage auf, ob man überhaupt für die richtige Seite bzw. den gerechten Zweck kämpft. Ein weiteres zartes Pflänzchen und zugleich das größte Story-Vehikel ist das Gefühl der Bedrängnis rund um Doms verschollene Frau Maria.
Take cover or die! An der grundlegenden Spielmechanik wurde wenig geändert - warum auch, wenn die Zahnräder doch wie geschmiert laufen? Einzig die
nervigen Fahrzeugmissionen hätten deutlich mehr Feinschliff vertragen.
» Der Locust wird NIE mehr Kreuzbeschwerden haben. |
Das Arsenal an Waffen ist vielfältig, allerdings können die COG-Soldaten immer nur maximal vier verschiedene tragen, daher gibt es auch entsprechend viele Kategorien. Mit dem Steuerkreuz kann man die einzelnen Waffenklassen - Granaten, Faustfeuerwaffe, Sekundär/Spezial- sowie Hauptwumme - direkt anwählen. Neu mit dabei ist z.B. ein Flammenwerfer, der den Locust ordentlich Dampf unter dem Allerwertesten macht.
In-Deckung-Gehen ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil des Gameplays.
Fast alles lässt sich als Deckung verwenden, man kann auch einfach wild "um die Ecke" ballern. Im Normalfall wird jedoch mit dem L-Trigger gezielt, um mit dem Fadenkreuz den Gegner anzuvisieren und dann mit dem R-Trigger den Abzug zu betätigen.
Munition ist kein Thema, da man sich einerseits bei Gefallenen bedienen darf und andererseits scheinen die COGs nicht gerade sorfgfältig mit ihrer Munition umzugehen, denn es liegen überall zahlreiche Items verstreut herum. Wer's lieber knackiger hat, kann aus vier Schwierigkeitsgraden wählen, wobei ersterer ein Spaziergang ist, letzterer aber knochenhart ausfällt.
Destroyed beauty Grafisch brennt Produzent und Lead Designer Cliff Bleszinski erneut ein
Bombast-Feuerwerk ab. Detailverbesserungen sind zwar oftmals erst auf den zweiten Blick sichtbar, jedoch wurden kleinere Unschönheiten wie nachladende Texturen
» Platz für Pinups muss sein. |
nicht ganz ausgemerzt. Doch dies ist Suderei auf aller höchstem Niveau. Die Levels von
Gears of War 2 wirken dank
perfektem Einsatz von Beleuchtung plastischer als je zuvor. Auch bei der Gestaltung der Level wurde viel mehr auf Abwechslung und sogar
spürbar mehr Farbe gesetzt. Auch hier wirkt sich das Pacing der Handlung direkt aus, die Mischung aus Mega-Action und ruhigen Momente, in denen die gespenstische Atmosphäre auf einen so richtig wirken kann, ist gut balanciert.
Bereits im ersten Teil war die Musik und die Soundkulisse erstklassig und daran hat man auch nichts geändert. Epische Kompositionen begleiten einen auf Schritt und Tritt und
passen sich dynamisch der aktuellen Situation an. So gibt es ruhigere Passagen, die bei Feindkontakt nahtlos in Rhythmus-geladene Symphonien übergehen. Allgemein ist das Sounddesign hervorragend ausgefallen und sorgt für ausgeprägten Raumklang. Vom Nachladen der Waffe bis zum Mark-und-Bein-erschütternden Geräusch eines Kettensägen-Duells passt einfach alles. Dazu kommt eine zwar völlig übertriebene aber dennoch gute Performance der Synchronsprecher.
So much fun, killing with my gun Die Kampagne wird Solo-Gamer für zwölf bis 15 Stunden beschäftigen und diesmal kann man auch
zu zweit eine Ko-op-Session (lokal via Splitscreen oder online via Xbox LIVE) bestreiten.
» Jetzt auch in Farbe: Bunte Action! |
Besonders klever: Jeder Spieler darf sich einen
eigenen Schwierigkeitsgrad wählen. So kommen sowohl fortgeschrittene als auch weniger erfahrene Zocker auf ihre Kosten. Die Levels sind auch speziell für Ko-op ausgelegt und wahrscheinlich macht
Gears of War 2 zu zweit auch am meisten Spaß. Neu mit von der Partie ist auch ein Horde-Modus, in dem sich fünf Kämpfer gemeinsam durch Wellen von Gegnern schnetzeln müssen.
Online-Zocker kommen in den Genuss von acht Modi und neuerdings geht es auf den Maps bis zu zehn Spieler zur Sache. Im Spiel ist auch ein Code enthalten, der
dem Erstkäufer ermöglicht, sich fünf bereits vorhandene Maps mit Verbesserungen runter zu laden. Im Prinzip bleibt das Gameplay ähnlich wie beim Vorgänger, nur kleine Details wie
Freunde wieder zu beleben oder Gegner als Schutzschild (geschmackvoll als "Meat Shield" bezeichnet) zu benutzen wurden hinzugefügt. Ganz frei von Lags und kleinerem Schluckauf bleibt das Spielgeschehen zwar nicht, dennoch ist der Mehrspieler-Part ganz klar ein Highlight und wird für lange lange Zeit Spieler von den Fernseher bannen.