Solide Neuauflage der Colin-Reihe.Colin McRae bestimmt seit jeher das Rally Genre: Kein Titel konnte jemals wirklich ernsthaft am Thron des Codemasters-Aushängeschilds kratzen, kein Rally Spiel weist ein derart „realistisches“ Gameplay auf. Nun wird der Schotte bereits zum vierten Mal neu aufgelegt, ein Teil 5 steht noch in den Sternen, denn wie alle Rally Begeisterten vielleicht wissen: Im nächsten Jahr wird er wahrscheinlich nicht mehr an den Start gehen (können). Die neue Beschränkung auf 2 Fahrer pro Team wirft den ehemaligen Weltmeister höchstwahrscheinlich aus dem Zirkus, man darf also gespannt sein, was die Zukunft bringt.
Colin McRae Rally 3.5……wäre aber wohl eher die korrekte Bezeichnung für diesen Titel gewesen: Man fühlt sich sofort in ein leicht modifiziertes CMR3 zurückversetzt: Ähnliche Menüstruktur, ähnliche Modi, ähnliches Ähnliches. Die Änderungen zu Teil 1 stecken im Detail: Statt nur auf die 4WD der aktuellen WRC (+ Bonusfahrzeuge) zurückgreifen zu können, wird jetzt beim Start des Karrieremodus gefragt, in welcher Klasse man den gerne antreten möchte. Neben den bekannten 300PS Fahrzeugen aus Teil 3, finden sich nun auch gesondert die 2WD-Kompagneros (z.B. der Golf) und die guten alten und berühmtberüchtigten „Klasse B“-Wagen… hochgezüchtete PS-Monster (wie den bekannten Audi S1), welche mit Leistungen jenseits der 500PS und einem nicht straßentauglichen Fahrverhalten das Können eines jeden Zockers aufs Äußerste beanspruchen. Es ist nun auch endlich wieder möglich den Karrieremodus mit dem Auto seiner Wahl zu beginnen, bei CMR3 war man noch auf den (damaligen) Colin-Arbeitgeber Ford und dessen Focus beschränkt.
Do it yourselfDesweiteren ist es nun auch wieder möglich, allfällige Reparaturen zwischen den einzelnen Wertungsprüfungen selbst durchzuführen. Dieses Manko aus Teil 3 (in CMR2 war das ganze noch möglich) wurde also ausgebessert und das Spiel dadurch um eine kleine taktische Funktion reicher. Ein weiteres Novum sind die sogenannten „Test-Fahrten“: So werden technische Neuerungen, wie zum Beispiel neue Reifen, härtere Stoßdämpfer oder ein neues Fahrwerk nun nicht mehr automatisch nach dem erfolgreichen Abschluss einer Rally freigeschalten: Nein, man muss sich diese Gimmicks erst hart verdienen: Auf eigens dafür konstruierten Strecken müssen die jeweiligen Accessoires ausgetestet werden, es gilt zum Beispiel beim allerersten Stoßdämpfer-Update, die Stoßdämpfer über ein gewisses Maß hin zu strapazieren (im hügeligen Finnland eigentlich kein Problem ;) ), eine tickende Uhr sitzt euch dabei allerdings ständig im Nacken und achtet darauf, dass ihr für eure Tests auch ja nicht zu lange benötigt. Habt ihr es geschafft, dürft ihr beim Setup für die nächste Rally euren Boliden mit der neuen Technik ausrüsten. Das Setup dürft ihr übrigens weiterhin so verwenden, wie bereits aus den alten CMRs bekannt: Ihr informiert euch über Straßenbelag, Kurvenlastigkeit und Wetter der nächsten Etappen und dürft dementsprechend neue Reifen aufsetzen, die Übersetzung ändern oder die Fahrwerkshöhe an die rauen Bedingungen anpassen. Hier lässt das Programm keine Features missen.
Auf der Strecke…… sieht’s dann schon wieder anders aus: Auch wenn die Programmierer darauf bestehen, die Grafik SEI verbessert worden, den Vergleich mit ähnlich neuen Titeln in der Xbox-Racing-Abteilung hält es einfach nicht stand. Zu grobpixelig, zu monoton wirkt das ganze Setting, hier herrscht Hausmannskost vor. Die Fahrzeuge selbst sind jedoch ein Augenschmaus. Äußerst detailverliebt kümmerten sich wahrscheinlich ganze Scharen um die Boliden, das fantastische Schadensmodell (bekannt aus CMR3 und DTM) wurde noch mal aufgewertet und bietet somit das beste Rund-ums-Auto-Erlebnis in der Spielewelt. Selten haben zerborstene Windschutzscheiben realistischer ausgesehen, und eine verdreckte, durch einen Crash eingedrückte Tür sieht hier immer noch am besten aus. Fulminant! Das Gameplay selbst wurde nur dezent erweitert. Trotzdem bietet es immer noch den realistischsten Einblick ins Rally-Leben, Wagenhandling und Witterungsverhältnisse wurden noch nie so „echt“ in Szene gesetzt, jeder Wagen „fühlt“ sich komplett anders an. Oft kann es einige Zeit dauern um sich von einem Impreza WRX auf einen Golf „herunterzugewöhnen“… wie im richtigen Leben ;)
StreckenvariationenDas Streckendesign ist ähnlich wie das Schadensmodell nicht kritikfähig: Perfekt in Szene gesetzte Rally-Kurse rund um den Globus, doch jetzt kommt das ABER: Hier wurde dreist geklaut! Und zwar von CMR3!!! Insbesondere die GB-Rally durfte anscheinend von der Arbeit der CMR3-Designer profitieren, hier wurden oft ganze Streckenteile 1:1 kopiert. Für einen Vollpreis-Titel eine Frechheit, doch Gott sei Dank hält sich das ganze in Grenzen, und so darf man glücklicherweis auch über unbekanntes Terrain heizen… Und das macht Spaß, wie schon immer bei Colin McRae.
LIVE?Manch einer wundert sich zurecht, warum auf der Packung des Xbox-CMR4 ein Live-Balken abgebildet ist. Der Live-Balken soll dem Kunden zeigen: „Hey, HALLO! Mit diesem Spiel hier kannst du online gegen andere Leute zocken und ihnen so richtig in den A**** treten!!!“. Aber Online-Highscores sind definitiv noch kein Grund einen Live-Balken auf die Packung zu stempeln. Man darf gerade einmal die jeweilig erzielten Bestzeiten für jede WP auf einen Xbox Live Server hochladen, gegeneinander spielen ist nicht, denn das geht nur vor dem heimischen Fernseher: Im Splitscreen und mit bis zu 4 Spielern gleichzeitig oder hintereinander.
GrafikStreckengrafik, Zuschauer PFUI, Autos HUI. Eine Heiss-/Kaltdusche ist das bei CMR4: Mal lacht man über die hässliche Grafik beim Überlandfahren in Australien nur um vor lauter Lachen in den nächsten Baum zu knallen und das geniale Automodell in schönster deformierter Pracht zu erleben. Hier ist es schwer eine objektive Wertung zu vergeben, denn den direkten Vergleich zum anstehenden Xbox Live Kracher RSC2 hält es nicht stand, das wäre ein Kampf „David mit Augenbinde gegen Goliath mit BFG9000 ( (c) Doom )“. Auf der anderen Seite: Ein besseres Wagen- und Schadensmodell gibt es derzeit nicht.
Sound1A. Toller Motorensound, keine nervige Musik während der Rennen. Hier gibt es nichts zu beanstanden.
Spielspaß SoloImmer noch hitverdächtig: Es macht einfach Spaß, mit 160 in der Cockpitperspektive neben dem Abgrund zu heizen, während dir der Copilot die nächsten Kurven ins Ohr brüllt. Einfach nur genial.
Spielspaß MultiSoviel das Spiel im Singleplayer Spaß macht, im Multiplayer kann ich dem ganzen nichts abgewinnen. Gegen Ghosts zu fahren macht einfach nie soviel Fun wie der direkte Kampf Mann gegen Mann. Einige Zocker werden dem Spielen zu Viert vielleicht etwas abgewinnen können, ich kann es nicht,