Frischer Mix aus genialer Optik und fesselnder Atmosphäre, mit jedoch einigen spielerischen Mängeln ausgestattetDas die Vielzahl europäischer Spieler eher auf westlich angehauchte Spiele steht, dürfte wohl kein Staatsgeheimnis mehr sein. Das Gleiche gilt allerdings auch für die japanische Spielergemeinschaft, sie zieht fast gewohnheitsbedingt einen einheimischen Titel eher einem Westlichen vor. Als ob diese Geschichte kein Ende nehmen sollte, hat Publisher Sega in Zusammenarbeit mit From Software das Action-Adventure Otogi, welches einen gänzlich asiatischen Hintergrund aufweist, hierzulande im September veröffentlicht. Ob dieser Titel lohnenswert ist oder nicht, könnt ihr nun im folgenden Review erfahren.
Begebenheiten Nachdem ein Zusammenleben eintausend Jahre lang friedlich vonstatten ging und alles im Einklang miteinander lebte, wurde eines Tages das Siegel, das für die Aufrechterhaltung der Welt diente, vollkommen zerbrochen. Damit verbunden, sollte das Ende jeden Lebens und allen Ruhmes in Kraft treten. Daraufhin zogen riesige Wolkenansammlungen am Himmel zusammen, um das Land in ewige Dunkelheit einzuhüllen.
In dieser Form etwa wird die Hintergrundstory von Otogi erzählt. Von diesem Zeitpunkt an übernehmt ihr die Rolle des nicht mehr ganz lebendigen Raikoh, einem energiestrotzenden, untoten Schwertkämpfer, der nicht nur Rache geschworen hat sondern jedes mit dem Unheil verbundene Wesen im altertümlichen Japan zu verbannen versucht.
Die Welt von Otogi Der japanische Titelname steht nicht nur für das altertümliche Japan sondern ebenfalls für geballte und knallharte Action. Nachdem ihr euch erst durch einige Menüs und Einstellungen durchkämpfen müsst, präsentiert sich vor jedem einzelnen Level eine kleine Instruktion, die genaue Zielangaben und Gegnerbeschreibungen der nächsten Stage bereithält, denn es geht doch nichts über ein paar wichtige Infos, bevor ihr euch den Gegebenheiten des Spiels stellt. Ziel der meisten Abschnitte ist es, größere Gebäude zu zerstören, Gegnerhorden geschickt zu eliminieren oder sich riesigen Endgegnern gegenüberzustellen.
Im Spielbetrieb angekommen, bietet Otogi insgesamt 25 verschiedene Level, die teilweise vom Umfang stark begrenzt ausgefallen sind. Aus diesem Grund habt ihr daher alles recht schnell erkundet und findet euch sehr einsteigerfreundlich, fast zu schnell richtig zurecht. Die Umgebungen sind interaktiv gestaltet, so dass fast alles zerstört werden kann, was sich einem in den Weg stellt. Unser Held Raikoh hat solche Kraft, dass er sogar riesige Gebäude oder Kristalle zum Einsturz bringen kann. Dies erweist sich nicht nur optisch als grandios sondern hier und da springen dadurch ein paar zusätzliche Extras, die sich innerhalb der Objekte befinden, heraus. Jedoch sieht das Zusammenbrechen der Gebäude oder Objekte manchmal sehr unrealistisch aus, jedoch spielt die Geschichte von Otogi auch in einer absolut fiktiven Welt, so dass sich dieses Manko vielleicht dadurch erklären lässt.
Ein großer Pluspunkt ist neben der angesprochenen Levelumgebung das Design der Stages und die damit verbundene Atmosphäre. So kämpft ihr zwar in einer weitestgehend ruhigen Spielwelt, diese erweist sich dennoch manchmal als unbekannt und sehr gefährlich. Dafür verantwortlich sind auch verschiedene Gegnerarten, die nicht nur in ihrer Vielzahl überzeugen sondern teilweise auch voller Fantasie kreiert worden sind und durch ihre Darstellung für den einen oder andern Schreckensmoment sorgen.
Den absoluten kreativen Höhepunkt innerhalb des Spiels stellen die Endgegner in Otogi dar. Diese könnten tatsächlich fast aus einem Fantasieroman entsprungen sein, denn der Spieler trifft hierbei auf Übermonster wie einen gigantischen Riesentintenfisch oder zuglangen Tausendfüssler, die nicht nur grafisch die Muskeln der XBox spielen lassen sondern euch auch im Kampf einiges abverlangen. Hier offenbart sich ebenfalls ein weiteres Manko, denn teilweise sind die Endgegnerkämpfe unfair und senken regelrecht die Motivation. Doch beweist ihr hier gerade Eifer und drängt auf das Weiterkommen im Spiel, belohnt euch dieser Titel mit vielen grafisch imposanten Abschnitten und umwerfend schön dargestellten Echtzeitkämpfen.
Das Kampfsystem Da sich der Hauptteil des Spiels um das Besiegen der fremdartigen Monsterkreationen dreht, ist natürlich die Beherrschung der Charakter-Steuerung für den Erfolg ausschlaggebend. So könnt ihr euch mit dem normalen Schlag, der zusätzlich weitere Combo-Möglichkeiten ermöglicht, gegen die zahlreichen japanisch angehauchten Monster durchsetzen. Des weiteren könnt ihr durch den starken Schlag oder mit Einbringung verschiedenster Zaubersprüche, die lästigen Monster zur Strecke bringen. Damit man auch zu jeder Zeit Herr der Situation ist, kann durch die 2-fache Betätigung des Sprungknopfes ein Doppelsprung ausgelöst werden, dieser ist häufig wichtig, um an lebenserhaltene Extras oder spielentscheidende Objekte zu gelangen. Die Aktionsmöglichkeiten rundet eine Art Boost ab, der in Kombination mit der Angriffstaste stärkere Schläge ermöglicht.
Kleine RPG-Einlage gefällig? Als kleiner Rollenspielzusatz bietet der Titel nach Absolvieren jeder Stage eine Kaufmöglichkeit von schlagkräftigeren Waffen, neuen Zaubersprüchen oder verschiedenen Accessoires. Als Zahlungsmittel gelten hierbei Goldmünzen, die nach jeder Gegnervollstreckung zur Verfügung stehen. Die neuen Zaubersprüche können abhängig vom Magievorrat durch Aufladen innerhalb des Spiels vollzogen werden und füllen teilweise den Bildschirm mit opulenten Licht- und Blitzeffekten.
Grafik Die gesamte Darstellung in Otogi ist wirklich einzigartig. Neben den toll gestylten Artworks zu Beginn jeder Stage, können die verschiedenen Gegnermodelle absolut überzeugen. Solch detaillierte Gegner-Kreationen und effektstrotzende Endgegner hat wohl kaum ein anderes XBox-Spiel zu bieten. Darüber hinaus sehen die Landschaften mit ihren Bäumen, Kristallen, Felsen und Hügeln einfach toll aus und die authentischen Wassereffekte sind bisher unerreicht. Zudem lassen die bildschirmfüllenden Lichtspielereien, farbenfrohen Partikeleffekte, riesigen Explosionen und realistischen Schattenwürfe keine grafischen Wünsche mehr offen.
Sound Die Hintergrundmusik im Style von asiatisch traditioneller Musik fügt sich sehr gut ein und bietet dem europäischen Ohr eine teilweise schräge aber dennoch einmalige Klangkulisse. Im Effektbereich befinden sich japanische Trommeln und andere Toninstrumente, die perfekt auf die Vorkommnisse innerhalb des Spielverlaufs abgestimmt worden sind. So schafft Otogi soundtechnisch einiges an Atmosphäre und beweist hier ebenfalls seine besondere Eigenheit.
Spielspaß Solo Das Action-Adventure lässt sich ausschließlich im Solo-Modus spielen und überzeugt zumindest anfänglich durch seine grafischen Vorzüge. Weniger erfahrene Spielernaturen werden sich nach den häufig auftretenden Frustmomenten fragen, ob es weiterhin Sinn macht, hier am Ball zu bleiben. So richtet sich das Spiel aufgrund des teilweise happigen Schwierigkeitsgrades ganz klar an den erfahrenen Spielertyp, da es neben hohen Anforderungen auch mehrere unfairen Stelle bereithält. Die Motivationskurve kann von Stage zu Stage steigen oder fallen, da die Entwickler in Sachen Levelkonzipierung und langfristigen Spielspaß weniger feinfühlig zu Werke gegangen sind - hier hätte From Software sicher mehr rausholen können.
Spielspaß Multi Im Spiel ist kein Multiplayer-Modus enthalten.