Überzeugende Bauernsimulation mit viel Inhalt und schwacher Grafik.
Ein Bett im Kornfeld ... Mit dem Wort "ackern", was eigentlich pflügen bedeutet, wird umgangssprachlich meistens sehr anstrengende Arbeit beschrieben. Wer sich allerdings nicht die Finger schmutzig machen will, kann seit SNES-Zeiten mit der
» Im Spiel gibt es massenhaft Dialoge. |
Harvest Moon-Reihe virtuell ackern, indem er sich um einen Bauernhof kümmert, Tiere aufzieht und Rüben pflanzt.
Magical Melody, welches eigentlich für den Gamecube geplant war und in den USA und Japan sogar noch für den Würfel erschien, spielt sich nicht anders als die Vorgängertitel. Neu ist zu Beginn lediglich die Tatsache, dass ihr
eines von vier Grundstücken für eure Farm aussuchen müsst – je nach Standort gibt es gewisse (Platz-)Vorteile. So habt ihr beispielsweise am Meer den meisten Grund, dafür aber auch den unfruchtbarsten. Am See dagegen ist der Boden sehr fruchtbar, dafür herrscht Platzmangel.
Diesmal wohnt in eurer Nähe ein direkter Konkurrent, der euch mit seiner Farm übertrumpfen will. Als Hintergrund dazu dient abermals
eine ziemlich an den Haaren herbeigezogene Story um die altbekannte Erntegöttin: Die heilige Beschützerin hatte die Nase voll von den Menschen, die einfach die Existenz der Göttin vergaßen und so ist sie zu Stein erstarrt.
Um sie zu retten müsst ihr 50 Musiknoten einsammeln, die sich in Zauberinstrumente verwandeln, die mit ihrem Konzert den Versteinerungsfluch aufheben sollen.
Old Mac Donald had a farm … Um die Musiknoten zu erhalten müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden – das System errinert ein wenig an die Achievements der
Xbox 360. So gibt es beispielsweise eine Note für das erste Mal, an dem ihr Ware
» Beim Angeln kann man entspannen. |
zvon eurem Bauernhof versendet oder ehn Sake in der Bar kauft. Die Story ist nichtsdestotrotz eher Nebensache – das Hauptaugenmerk beim Spiel liegt nach wie vor beim Aufbau und der Pflege einer funktionierenden Farm sowie dem Gründen einer Familie.
Das eigentliche Gameplay bleibt somit wie gehabt: Ihr sät, gießt und erntet Früchte und Gemüse, züchtet und hegt verschiedene Tiere, um aus deren Erzeugnissen Geld zu machen, flirtet mit Mädels, nehmt an Dorffesten teil und vieles mehr. Die
Harvest Moon-typische Mixtur aus Simulation und RPG-Anteilen klappt nach wie vor – wenn man denn eher eine gemütlichere Spielerlaune besitzt. Wie jeder Titel der Reihe ist auch
Magical Melody ein sehr ruhiges, langsames Spiel ohne viel Action.
Zudem wiederholen sich viele, viele Arbeitsschritte im Laufe eines Harvest Moon-Lebens, so dass nach einer Weile eine gewisse Monotonie vorherrscht. Was also ungeduldigere Spieler schnell Langeweile eintreibt, gibt anderen ein gutes Gefühl von Beständigkeit.
Harvest Moon Magical Melody ist also kein Produkt für jedermann – wer sich aber darauf einläßt, entdeckt mehr Komplexität, als die Oberfläche erahnen läßt.
Bauer sucht Frau! So verändert sich das Antlitz des Dorfes im Laufe der Zeit – Leute wandern ab oder lassen sich mit ihren Geschäften nieder.
Dies beeinflußt ihr indirekt mit eurer Arbeit. Versendet ihr zum Beispiel viel Erz aus den Bergwerken, so kann es sein,
» Die Erntegöttin ist zu Stein erstarrt. |
dass sich irgendwann ein Schmied niederlässt. Neben der Ortschaft gibt es zudem diverse Höhlen, einen See und Berge zum Erkunden.
Auf den regelmässig stattfindenden Dorffesten könnt ihr euch zudem in verschiedenen Minispielen messen oder neue Bekanntschaften machen. Habt ihr ein Mädel zu eurer Freundin gemacht, ist es nur noch ein kurzer Weg zur Hochzeit und den ersten Kindern - "Die Sims" lassen grüßen!
Die Steuerung in
Magical Melody geht recht gut von der Hand, allerdings benutzt das Spiel keines der bekannten Wii-Features so wirklich.
Man kann zwar mit Schüttelbewegungen zum Beispiel die Hacke benutzen, allerdings funktioniert das nicht besonders gut, so dass man diese Arbeiten eher mit einem Knopfdruck erledigt. Toll für Kenner der Reihe ist die Neuerung, vom Hauptmenü aus – welches man mit der C-Taste erreicht – auf Knopfdruck gleich ins Bett gehen zu können, statt erst mühsam wieder zum Haus laufen zu müssen.
Schaffe, schaffe, Häusle baue! Mit der Zeit wird euer Hof immer größer und ihr müsst ausbauen und eventuell Grund nachkaufen.
Das Spiel – beziehungsweise das virtuelle Leben – bleibt dabei ständig frei bestimmbar. Der große Umfang hält einen dabei ewig bei Laune.
» In verschiedenen Minispielen stellt ihr euch eurem Rivalen. |
Nervig ist allerdings, dass manche Dialoge sich bei bestimmten Ereignissen dauernd wiederholen.
Die Grafik geht dabei nicht über Gamecube-Niveau hinaus. Ok, das Spiel IST eigentlich ein Gamecube-Titel – allerdings wusste der Vorgänger, der ebenfalls auf dem Würfel entwickelt wurde, grafisch besser zu gefallen.
Harvest Moon: A wonderful Life wirkte detaillierter und stilistisch ansprechender. Auch der kindische Japano-Look der Reihe ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Nichtsdestotrotz erfüllt die Optik ihren Zweck und nach einer Weile sieht man darüber hinweg, da die Stärken des Titels ganz klar in anderen Bereichen liegen.
Die Soundeffekte im Spiel sind durch die Bank sehr gelungen und authentisch, die Hintergrundmelodien bleiben im Ohr. Sprachausgabe gibt es keine, eigene Lieder abspielen bleibt euch verwehrt. Der Bildschirmtext ist in fünf Sprachen - darunter Deutsch - wählbar.
Manche Menueinträge wurden allerdings nicht übersetzt, so dass man beispielsweise seine Besitztümer unter "Belongings" findet. Wer denkt, dass wir Europäer einen Vorteil in der Wii-Version haben, die im Rest der Welt nicht erschienen ist, der irrt. In der Gamecube-Version konnte man nämlich wählen, ob die Spielfigur ein Mann oder eine Frau sein soll. Diese Wahl fällt bei unserer Europa-Wii-Version weg: Ihr spielt einen Kerl, basta! Armes, altes Europa ...