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Shin Megami Tensei: Persona 3  
» Autor: Amir-Oliver Tabba
» Datum: 04.04.2008
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Taktisch forderndes J-RPG mit Horror-Setting und einer interessanten Geschichte.

Die Geisterstunde beginnt
Ein Doppelleben zu führen stellt eine große Herausforderung dar, besonders wenn man sich im normalen Alltag als gewöhnlicher Schüler herumplagt und nachts als Geisterjäger
» Hier erscheint gerade ein Persona.
umherstreift. Das klingt skurril – aber haargenauso läuft Shin Megami Tensei: Persona 3 ab. In diesem düsteren japanischen RPG übernimmt man die Rolle eines wortkargen und profillosen Schülers, der über ungeheure geistige Kräfte verfügt. Denn er kann Dämonen, sogenannte Persona, beschwören, die ihm im Kampf gegen seine Feinde, die Shadows, weiterhelfen.

Um Punkt Mitternacht beginnt nämlich die „Dark Hour“, in der merkwürdige Dinge geschehen. Jeder der um diese Zeit nicht zuhause ist, begibt sich in große Gefahr. Denn die Shadows rauben normalen Menschen ihre Gedanken und sperren sie in Särge. Dadurch werden diese Personen quasi zu lebenden Leichen. Nur der Held sowie ein paar andere Auserwählte können diesen bösen Wesen Einhalt gebieten, weil ihre Persona sie vor den Gegnern schützen. Damit keine weiteren Menschen mehr Gefahr laufen Opfer der Shadows zu werden, versuchen die jungen Helden das Mysterium bezüglich der „Dark Hour“ zu lösen.

Ein Alptraum
Im Gegensatz zu anderen J-RPGs gibt es in Persona 3 nur einen einzigen zufallsgenerierten Dungeon, welcher jedoch über mehrere Ebenen verfügt. Diesen gilt es regelmäßig nach
» Nur wer die Schwächen der Feinde ausnützt kann gewinnen.
Monstern sowie Schatztruhen abzusuchen, um seine Charaktere zu trainieren, wodurch diese immer mächtigere Persona beschwören können. Damit das Untersuchen der Umgebung nicht zur Qual wird, verzichteten die Entwickler auf jegliche Zufallskämpfe - jeder Gegner ist also auf der Karte ersichtlich.

In den rundenbasierten Duellen steuert man den eigenen Hauptcharakter, während die Gefährten nur indirekt kontrolliert werden. Jene verfügen über einstellbare Verhaltensmuster und erledigen ihren Job zumeist ordentlich, dennoch wäre es besser gewesen, alle Gruppenmitglieder selber zu befehligen. Neben dem klassischen Angriffskommando stehen auch Persona-Spezialfähigkeiten zur Verfügung, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Taktisches Vorgehen ist in den Duellen nämlich oberste Pflicht. Nur das Ausnützen von Schwächen und der richtige Einsatz von Skills führen zum Sieg. Kassieren die Gegner kritische Treffer oder Schaden durch Ausnutzen ihre Anfälligkeiten, werden diese bewusstlos, wodurch der eigene Charakter nochmals attackieren kann.

Biologie, Mathematik und Dämonenbeschwörung
Außerhalb des Dungeons gehen alle Gruppenmitglieder ihrem alltäglichen Leben als Schüler nach. So müssen sie an Unterrichtsstunden teilnehmen, simple Gespräche
» Schon wieder eine Standpauke.
führen, soziale Kontakte pflegen und andere kleine Tätigkeiten erledigen. Allerdings läuft dieser Spielabschnitt zum Großteil automatisch ab und bietet nur wenige Auswahlmöglichkeiten an. Im weiteren Spielverlauf bremst der Schulalltag das Tempo von Persona 3 etwas aus, weil man sich anstatt den Kämpfen zu widmen unwichtige Konversationen tätigt – welche eigentlich für Abwechselung sorgen sollten. Nach Absolvierung des Tages geht es immer um Punkt Mitternacht ab in Dungeon, wo spannende Duelle auf die Helden warten.

Grafisch ist das Game ein zweischneidiges Schwert. Außerhalb der Kämpfe wirken die Umgebungen zwar recht ansehnlich und offerieren kleinere Details, die Ebenen im Dungeon sind jedoch sehr trist sind. Kein Wunder, schließlich können bei einem zufallsgeneriertem Schauplatz keine außergewöhnlichen Blickfänge integriert werden. Ansonsten wartet das Spiel mit beachtenswerten Anime-Figuren und skurrilen Feinden auf, die jedem Horrorspiel Ehre machen. Gelegentlich treiben sehr schöne animierte Videosequenzen die interessante Geschichte voran und lassen die richtige Atmosphäre aufkommen. Beim Sound erwarten den Spieler flotte Rock- und Rapmelodien sowie ruhige Orgelmusik. Zu Beginn wirkt die Musikuntermalung variantenreich, lässt mit der Zeit jedoch die nötige Abwechselung vermissen. Dafür wissen die englischen Synchronsprecher vollständig zu überzeugen, die den jeweiligen Figuren wirklich Charakter verleihen. Um Persona 3 allerdings genießen zu können, bedarf es solider Englischkenntnisse, denn das Spiel wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt.
Pro
Schöne Anime-Sequenzen
Skurriles Horror-Setting
Taktische Kämpfe
Interessante Mischung aus RPG und Alltagssimulation
Beeindruckende englische Synchronisation
Günstiger Preis
Contra
Schulalltag wird mit der Zeit monoton
Nur ein zufallsgenerierter Dungeon
Teilweise triste Umgebungen
Keine deutsche Übersetzung
Fazit
Shin Megami Tensei: Persona 3 ist ein skurriles Horror-RPG, welches mit taktischen Kämpfen aufwartet und deshalb Fans des Genres zu motivieren weiß. Einige Spieler werden sich an den tristen Umgebungen des zufallsgenerierten Dungeons stören und eine gewisse Abwechselung vermissen, dies gleichen die Duelle, die interessante Geschichte sowie das ungewöhnliche Gegnerdesign jedoch aus. Neben dem Untersuchen des geheimnisvollen Schauplatzes und dem Ausfechten fordernder Schlachten gilt es auch den Alltag eines gewöhnlichen Schülers zu bestehen. So müssen soziale Kontakte gepflegt, Unterrichtsstunden absolviert und andere Aktivitäten getätigt werden. Anfangs wirken diese amüsant sowie interessant, bringen sie doch eine frische Brise ins Spielgeschehen. Doch mit der Zeit beginnen die großteils automatisch ablaufenden Tätigkeiten zu langweilen und man wünscht sich wieder in den Dungeon zurück, um weitere Kämpfe zu bestreiten. Wer über solide Englischkenntnisse verfügt und keine Abneigung gegen das skurrile Horror-Setting hat, wird mit einem atmosphärischen Rollenspiel sowie taktischen Duellen zum günstigen Preis belohnt.