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Patapon

» Autor: Wolfgang Radax
» Datum: 12.03.2008
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Einzigartiger Genre-Mix, der nur knapp am Wertungsolymp vorbeischrammt.

Mixery Raw Deluxe
Man nehme einen Schuss PaRappa the Rapper, eine Brise LocoRoco, vermenge dies mit einer Portion Echtzeit-Strategie und serviere es in einem düster-niedlichen Steinzeit-Setting. Preisfrage:
» Diese Tiere sind leichte Beute für die Patapons.
Was kommt dabei raus? Vor einem Jahr hätten die meisten von uns wohl noch mit "Zwangseinweisung für den Spieledesigner" geantwortet. Nun aber wagt sich Sony mit dieser kühnen Mixtur auf die PSP und hat bereits in Japan und den USA die Herzen der Zocker im Sturm erobert. Mag das Art-Design auf den ersten Blick Erinnerungen an LocoRoco wecken, so bleiben die Ähnlichkeiten nur bei Äußerlichkeiten und der Menüführung aufrecht.

Das Spielprinzip ist grundverschieden zum quietschvergnügten Knuddelklassiker. In Patapon übernehmt ihr nämlich als Gottheit die Führung über die namensgebenden Patapons. Diese "Augenfüßler" führt ihr gegen ihre Rivalen, die Zigotons, in den Kampf. Für den besonderen Schub Innovation sorgt hierbei das Steuerungskonzept. Anstelle einer direkten Point & Click-Steuerung erhalten eure Untertanen ihre Kommandos als Trommelrhythmen. Diese vier Tastenschläge langen Button-Kombinationen müssen taktgerecht zu einem vorgegebenen Vier-Viertel-Rhythmus eingegeben werden. Zu Beginn stehen lediglich Befehle für Vorwärtsmarschieren und Angreifen zur Verfügung, im weiteren Verlauf des Spieles gesellen sich jedoch Instruktionen für Rückzug, Verteidigung, das Beschwören von Elementarwundern etc. hinzu.

Aller Anfang ...
Die ersten der insgesamt über 30 Missionen dienen vorrangig der Gewöhnung an Steuerung und Spielprinzip und verlangen nicht viel strategische Überlegung. Das ist auch gut so, denn das taktgerechte Eingeben
» Gegen das Katapult haben die Zigotons keine Chance.
der Trommelkommandos über die vier Buttons der PSP erfordert zu Beginn einiges an Übung. Mit der Zeit erzielen jedoch auch arhythmische Zeitgenossen wie meine Wenigkeit passable Ergebnisse. Spätestens wenn die Steuerung ins Blut übergegangen ist und lange fehlerfreie Kombinationen gut von der Hand gehen, hat man dann auch mehr Zeit, sich auf das detailverliebte Kampfgeschehen am Bildschirm zu konzentrieren. Da ziehen eure Schützlinge schon mal gegen Festungsanlagen in den Krieg oder liefern sich mit Katapulten heiße Auseinandersetzungen.

Die Missionen selbst bieten einiges an Abwechslung. Jagdmissionen schicken eure Untertanen auf die Suche nach Rohstoff- und Geld-spendender Beute, Kampfmissionen bieten eine direkte Konfrontation mit den Zigoton-Armeen und Boss-Stages hetzen die niedlichen Winzlinge in eine Begegnung mit überdimensionalen Kreaturen. Dabei heimst ihr auch immer wieder seltene Waffen ein, die zur Aufrüstung eurer Truppe dienen. Mit weiterem Spielfortschritt wird schließlich die richtige strategische Wahl von Einheiten und deren Ausrüstung zu einem integralen Bestandteil eures Erfolges innerhalb der Stages.

Backe, backe Kuchen
Vor dem Bestreiten eines Levels dürft ihr dabei drei verschiedene Patapon-Arten wählen, von denen je nach Einheitentyp drei oder sechs Winzlinge ins Geschehen eingreifen. Ob Bogenschützen, Speerwerfer
» Auch Zahlenfreaks werden in Patapon gut bedient.
oder keulenschwingende Nahkampfkolosse losziehen, beeinflusst euren strategischen Spielraum entscheidend. Die Kämpfer stehen euch jedoch nicht frei zur Verfügung, sondern müssen unter Einsatz von Geld und Rohstoffen erschaffen werden. Umso seltener die dabei verwendeten Rohstoffe vorkommen, umso stärker gerät die kreierte Einheit.

Dies führt immer wieder dazu, dass ihr die Jagdmissionen und Boss-Stages wiederholt in Angriff nehmt, um das Budget aufzubessern. Ärgerlich erscheint hierbei jedoch, dass ihr im Laufe des Spiels an Stellen geratet, die diese Wiederholungen beinahe erzwingen, da der Schwierigkeitsgrad sprunghaft ansteigt. Dies streckt zwar die Spieldauer, welche in jedem Fall jenseits der Zwölfstundenmarke liegt, dämpft aber gleichzeitig auch schon mal die Freude am Zocken. Seltsamerweise werdet ihr euch jedoch immer wieder dabei ertappen, dass gerade diese repetitiven Elemente zu einem nicht zu unterschätzenden Suchtfaktor werden. Um die eigene Armee zu verbessern und seltene Waffen zu erhalten, opfert man so manche Stunde auf der Beutejagd oder im Kampf gegen in jedem Durchgang stärker werdende Bossmonster.

Abwechslung groß geschrieben
Als ob die unterschiedlichen Missionstypen, die verschiedenen Einheiten und das Streben nach einer schlagkräftigen Truppe nicht schon für genug Abwechslung sorgen würden, stoßen aufmerksame Zocker immer wieder
» Dem dicken Boss geht es an den Kragen.
auf Side Quests, die abseits des Handlungsstrangs ordentlich Schwung ins Spiel bringen. Neben seltenen Items können hierbei auch Minispiele errungen werden, die das Vorankommen erheblich erleichtern. Diese ebenfalls Rhythmus-basierten Zerstreuungen erlauben das Umwandeln von gängigen in seltenere Rohstoffe und tragen so zum Feinschliff eurer Truppe bei. All dies sorgt dafür, dass das Spiel auch nach dem ersten Durchgang noch viel Spaß bereitet.

Von technischer Seite lässt sich Patapon nichts zu Schulden kommen. Die Ladezeiten bewegen sich in einem annehmbaren Rahmen und die Grafik lässt die Handschrift des LocoRoco-Entwicklerteams deutlich erkennen. Zwar fällt das Ambiente insgesamt düsterer und erwachsener aus, ein gewisser Knuddelfaktor ist den kleinen Patapons jedoch nicht abzusprechen. Mit fortschreitender Spieldauer wachsen euch die Winzlinge zunehmend ans Herz und jeder gefallene Recke wird mit Wehmut beklagt. Auch in Sachen Sound überzeugt der Titel vollends. Für den Großteil der Musikbegleitung tragt ihr durch die Trommelrhythmen selbst Verantwortung, doch auch die Melodien und Soundeffekte wissen zu gefallen.
Pro
Einzigartiges Spielprinzip
Geniales Art-Design
Hoher Wiederspielwert
Enormes Suchtpotenzial
Äußerst abwechslungsreich
Contra
Phasenweise frustrierend und repetitiv
Lernkurve teils steil
Fazit
Die endgültige Entscheidung über die Punktezahl fiel mir schon lange nicht mehr so schwer. Das Suchtpotenzial, die liebevolle grafische Gestaltung und das innovative Spielprinzip sprächen eindeutig für die Höchstnote, die immer wieder aufkeimenden Frustmomente erheben dagegen jedoch ein lautes Veto. Insgesamt erscheint der Schwierigkeitsgrad nicht perfekt ausbalanciert und so seht ihr euch zwangsweisem Aufleveln durch wiederholtes Spielen der immer selben Stages gegenüber. Das repräsentiert jedoch auch schon den einzigen, jedoch einen bedeutenden Mangel. Abgesehen davon macht Patapon alles richtig. Ein überraschend reichhaltiges Spielprinzip, welches durchaus das Prädikat mutig verdient, versteckt sich in knuddeliger Aufmachung und sorgt dafür, dass ihr fußwippend und kopfnickend Level um Level in Angriff nehmt. Auch die Spieldauer fällt positiv auf und da der Titel auch beim zweiten Durchgang für Experimentierdrang sorgt, ist das Preis-Leistungsverhältnis als hervorragend zu bezeichnen. Zocker mit einem Hang zum Außergewöhnlichen müssen hier einfach zugreifen. Auch absolute Nichtmusikalität gilt nicht als Ausrede, wie ich selbst eindrucksvoll demonstriert habe. Einzig ein wenig Geduld gilt es mitzubringen, um die ersten Frustmomente zu überstehen. Spätestens dann haben einen die Patapons in ihren Bann gezogen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Sony Computer E...
Entwickler
Sony Computer E...
Website
-
Release
22. Februar 2008
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User-Bewertung
90
3 Bewertungen
0 Reviews
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