Genial inszeniertes Adventure mit einer atmosphärischen Präsentation, aber schwierigen Kopfnüssen.
Der Absturz eines Helden Das Leben besteht nur aus Lug und Trug – zumindest für den frischgebackenen Anwalt
Apollo Justice. Dieser versucht in seinem ersten Fall die Unschuld eines Mandanten zu beweisen, welcher des Mordes an einem zwielichtigen Pokerspieler
» Apollo ist ein energischer junger Anwalt. |
beschuldigt wird. Keine leichte Aufgabe für den Jungspund, denn sein Klient ist alles andere als mitteilsam und verbirgt ein großes Geheimnis. Wie konnte dieser einst ehrbare Bürger so tief fallen und mit solch verwerflichen Vorwürfen konfrontiert werden? Ist es dem unerfahrenen, aber beherzten
Apollo möglich, den Kopf seines Mandanten noch aus der Schlinge ziehen oder befindet das Gericht
Phoenix Wright – den ehemaligen Staranwalt – des Mordes für schuldig?
Das aus dem Hause
Capcom stammende
Apollo Justice: Ace Attorney stellt den Neuanfang der beliebten
Phoenix Wright-Reihe dar und schließt ein paar Jahre nach den Geschehnissen von Teil 3 an. Der namensgebende Titelheld
Apollo muss in diesem Adventure
vier schwierige Kriminalfälle lösen, um seine Mandanten vor dem Gefängnis zu bewahren. Dabei gilt es an den Tatorten Beweise zu sichern, Zeugen zu befragen und Kreuzverhöre zu tätigen, um das verworrene Netz aus Lügen und Intrigen zu entwirren und somit den wahren Täter ans Licht zu bringen. Obwohl alle vier Episoden des Spiels auf den ersten Blick unabhängig voneinander wirken, ergeben sie zusammen ein unvorstellbares Gesamtbild, dessen Lösung den Spieler für ca. 30 Stunden an den Handheld fesseln wird.
Die Suche nach der Wahrheit Die Steuerung des im
Anime-Stil gehaltenen Abenteuerspiels kann sowohl per
Stylus als auch klassischer Tastensteuerung bestritten werden. Nur in wenigen Minispielen – die keinerlei Geschicklichkeit oder besonderen Aufwands bedürfen –
» Die Zeugenaussagen enthalten stets Widersprüche. |
kommt die Touchpen zwingend zum Einsatz. So kann der Spieler manche Gegenstände in seinem Inventar auf Fingerabdrücke oder Blutspuren überprüfen. Um z.B. Abdrücke zu sichern trägt man das benötige Pulver durch einfaches Antippen auf dem Touchscreen auf und pustet anschließend ins Mikrofon des DS, wodurch der entsprechende Beweis sichtbar wird.
Bevor es in den Gerichtssaal geht, gilt es zuerst ausgiebige Untersuchungen durchzuführen, in denen der Spieler Beweise und entscheidende Informationen sammelt, die für das Voranschreiten der Geschichte unbedingt notwendig sind. Bei Gericht muss
Apollo alles geben und die Zeugenaussagen genau unter die Lupe nehmen und Widersprüche aufdecken. Das Lösen der teils
knackigen Rätsel erfordert viel Geduld und Freude am Lesen, denn es gibt
zahlreiche Gespräche in Textform zu verfolgen. Die spannenden, teils dramatischen Dialoge wurden zum Glück sehr gut ins Deutsche übersetzt und geizen wahrlich nicht mit geschickt platzierten Witzen.
Einspruch! Das Spielkonzept beruht genauso wie die Vorgänger auf dem
Trial & Error-Prinzip. So müssen alle Beweise zum richtigen Zeitpunkt vorgelegt werden, ansonsten folgt sofort die Rüge des Richters. Begeht man zu viele Fehler, bricht der Mann in der
» Alle Tatorte müssen genau untersucht werden. |
schwarzen Robe vor Verärgerung sogar den Fall ab, wodurch ein Neuladen des letzten Speicherpunktes erforderlich ist. Obwohl dieses Konzept bei einzelnen schweren Rätseln etwas demotivieren kann, gleicht das Game dies durch seine Stärken wieder aus. So punktet es stets durch seine
genial inszenierte Geschichte und
völlig überzeichnete Charaktere, welche man nicht so schnell vergisst. Außerdem motiviert jedes gelöste Rätsel zum Weiterspielen und erzeugt einen enormen Suchtfaktor.
Zur beeindruckenden Atmosphäre des Spiels trägt auch der gelungene Soundtrack bei, der die jeweilige Situation stets passend unterlegt. Manche Melodien kamen schon in den Vorgängern vor und sind wahre Ohrwürmer, vor allem die dramatischen Stücke wissen zu begeistern. Auch die deutschen Sprachfetzen während den Verhandlungen, wie z.B. Einspruch oder Moment mal, tragen viel zum Charme des Abenteuers bei. Grafisch reißt das 2D-Spiel zwar keine Bäume aus, wartet aber mit liebevoll gestalteten Umgebungen sowie Figuren auf, die einem noch lange im Gedächtnis verbleiben. Vor allem die verschiedenen Animationen der sehr
skurrilen Charaktere lassen die Gerichtssimulation zu einem unvergesslichen Abenteuer werden.