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Red Faction 2  
» Autor: Christian Krammer
» Datum: 09.06.2003
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Als ich Red Faction 2 angespielt habe, war mein erster Eindruck "Naja, haut mich jetzt nicht wirklich um". Keine Angst, es wird mit der Zeit aber besser, wobei die Spaßkurve aber immer wieder auf und ab geht. Trotzdem, und das hat mich doch ein wenig verwundert, kommt man von dem Spiel nur schwer weg, bis man es dann ziemlich schnell durchgespielt hat.
Nun aber im Detail zum Spiel. Du bist Alias, ein nanoverstärkter Supersoldat, der Mitglied einer Spezialeinheit ist, die sich der Red Faction angeschlossen hat, um nun gegen das Commonwealth zu kämpfen und Kanzler Sopot zu stürzen. Sopot hat diese Supersoldaten als Schutz für sich erschaffen, bekam es dann aber mit der Angst zu tun und so verfolgt er diese nun bis aufs Blut, mit dem Ziel, alle auszulöschen.
In der oben angesprochenen Spezialeinheit finden sich noch fünf weitere Soldaten, jeder mit seinem eigenen Spezialfähigkeiten. Diese werden dich im Laufe des Spieles bei verschiedenen Mission unterstützen und und hilfreich zur Seite stehen.
Gerade das ist, was den Reiz von Red Faction 2 ausmacht, nämlich das Gefühl zu haben, Teil einer Spezialeinheit zu sein, die sich den Weg durch Massen an Gegner bahnt. Einmal kämpft man an der Seite von "Repta", einem Arnold Schwarzenegger Verschnitt mit einem Hang zu schweren Waffen, das andere Mal agiert "Quill" im Verborgenen, indem Sie Gegner per Scharzschützengewehr ausschaltet und einem so das Leben leichter macht. Leider sind diese Missionen, wo man an der Seite seiner Teammitglieder kämpft, eher selten, und die Interaktion beschränkt sich auf die Einblendung des Funkverkehrs.
Ist man jedoch alleine unterwegs, so verliert das Spiel sehr schnell an Reiz, da es nicht sehr viel Abwechslung gibt. Einen Raum betreten, alle Gegner killen, vielleicht noch eine neue Waffe aufheben und weiter zum nächsten Raum. Sicher hat auch das seinen Reiz, hebt Red Faction 2 jetzt aber nicht sonderlich von anderen Shootern ab.

Ein paar Ideen hat das Spiel jedoch zu bieten, um nicht im FPS-Einheitsbrei unterzugehen. Zum einen wäre hier die "Geomod"-Eingine zu erwähnen, die man schon aus Teil 1 kennt. Damit kann man an bestimmten Stellen seinem Zerstörungstrieb freien Lauf lassen und herzhaft Wände und Decken einreißen. Meistens bringt das dem Spielgeschehen selbst jedoch nichts und ist nur nettes Beiwerk. Manchmal muss man sich aber den Weg durch eine Wand bahnen, da eine Tür verschlossen oder der Weg sonst irgendwie versperrt. Für mich ist die Geomod-Engine jetzt nicht DAS innovative Feature, wegen dem man sich Red Faction 2 unbedingt kaufen müsste, da das Spiel, wie auch jeder andere FPS, auch ohne auskommen würde.
Die zweite, gute Idee des Spieles, die es von anderen abhebt, sind die Fahrzeuge. Größtenteils muss man sich in diesen Fahrzeuge selbst um das Verteidigen und um das Steuern kümmern, wie z.B. in einem Mini-U-Boot oder einem Kampfanzug. Das Steuern eines solchen Kampfanzuges macht bei weitem am meisten Spaß, da man zum einen unbegrenzt Munition hat und zum anderen im Vergleich zu seinen Gegner fast unverwundbar ist. Ein paar Salven aus der Minigun oder eine Rakete vor den Latz geknallt und schon ist auch der stärkste Gegner dahin. Trotzdem sollte man einen Blick, wenn auch nur einen kleinen, auf die Energieanzeige haben, denn ist diese auf Null, ist man trotz der Übermächtigkeit dahin.
Zum anderen Teil steuert "Shrike", welcher auch Mitglied des oben angesprochenen Teams ist, die Fahrzeuge, und man braucht sich nur um das Ballern zu kümmern. Auch hier braucht man sich nicht viel Sorgen um Gesundheit oder Munition machen. Einmal darf man als Schütze in einem Panzer alles umnieten, was herumläuft, das andere Mal begibt man sich in die Kanzel eines Kampfschiffes und holt andere Schiffe per MG oder Raketen vom Himmel. Diese Teile des Spieles haben mir bei weitem am meisten Spaß gemacht, da sie so herrlich unkompliziert sind und man sich voll aufs Feuern aus allen Rohren konzentrieren kann.

Ist man zu Fuß unterwegs, was den Großteil des Spieles ausmacht, hat man die Auswahl aus vielen verschiedenen Waffen, angefangen von einer Pistole, von der man auch 2, also eine pro Hand verwenden kann und dem Spiel einen "coolen" John Woo Touch gibt, bis hin zu Pumpgun und schwerer. Eine richtig ausgefallene Waffe ist mir aber nicht untergekommen. Die größe Durchschlagskraft hat natürlich der Raketenwerfer, den man relativ spät in Spiel erhält, mit dem es aber ein leichtes ist, zähe Zwischen- oder Endgegner zu plätten.
Nahezu jede Waffe hat dann noch einen alternativen Feuermodus, den man mit dem linken Schalter auslösen kann. Beim Strumgewehr kann man entweder nur eine Salve loslassen oder durchgängig schießen, bis einem die Munition ausgeht, beim Scharfschützengeweht kann zwischen normalen und dem Schießen der Zielfernrohr wählen. Auch hier kann man sagen, dass der alternative Feuermodus der Waffen ein nettes Feature ist, man aber auch ohne auskommen würde dann man meist sowieso nur einen davon verwendet.
Auch hat man die Auswahl zwischen verschiedenen Granaten, die ich persönlich aber sehr selten verwendet habe, da z.B. einer der Waffen einen eingebauten Grantenwerfer hat, den man mit dem linken Schalter leichter betätigt, als umständlich die Y-Taste drücken zu müssen.

Zum Levendesign gibt es auch nicht groß etwas zu sagen. Da Red Faction 2 in einem Zukunftsszenario spielt, sind auch die Levels dementsprechend und reichen von Militärbasen bis zu Straßen in einer Stadt über geheimen Unterwasserstationen.
Eingebettet in diese Levels sind verschiedene Mission, die es mit unterschiedlichen Zielen zu bewältigen gibt. Einmal muss man eine bestimmte Person eliminieren, das andere Mal eine Brücke in die Luft sprengen. Je nachdem, wie geschickt man vorgeht, kann man auch zusätzliche Aufträge absolvieren, durch die man bestimmte Extras freischaltet, die man im Hauptmenü auswählen kann. Auch sollte man eher vorsichtig sein und zuerst denken, bevor man schießt, um keine Zivilisten zu treffen, denn dadurch wird das sog. "Karma" schlechter - so zumindest steht es im Handbuch. Auf was das Karma wirklich Einfluss hat, konnte ich leider nicht heraußfinden.
Da ich gerade beim Handbuch bin. Wie auch bei vielen anderen Spielen dieser Art kommt man auch sehr gut zurecht, wenn man keinen einzigen Blick hinein wirft. Möchte man aber einmal ein paar weiterführende Informationen haben, so ist man mit dem Handbuch von Red Faction 2 gut beraten.
Die Story wird durch Zwischensequenzen in Ingame-Grafik weitererzählt und man wird es nicht sehr schwer haben, dieser zu folgen. Man sieht aber, dass sich die Entwickler hier Mühe gegeben haben, um Red Faction 2 auch einen "Sinn" zu geben.

Der Schwierigkeitsgrad des Spieles ist angemessen und es gibt nie unfaire Stellen, wo man nicht weiterkommt oder das Spiel unverhältnismäßig oft neue laden müsste. Im Verlauf des ganzen Spieles bin ich vielleicht 3-4 Mal gestorben, und da aber auch nur in Zwischenkämpfen mit besonders schweren Gegnern. Dies mag natürlich auch daran liegen, dass ich das Spiel in der Stufe "einfach" durchgespielt habe, um euch möglichst schnell einen Eindruck über das Spiel bieten zu können.
Ist man auf der Suche nach einer Herausforderung, so wird man in den Stufen "mittel" und "schwierig" aber sicher fündig und wird länger als ich brauchen, um vor dem Endgegner zu stehen.

Die Steuerung orientiert sich größenteils an anderen Shootern, wobei es jedoch einige Abweichungen gibt. Gesteuert wird mit den linken Ministick, umschauen kann man sich mit dem rechten. Den primären Feuermodus löst man mit den rechten Schalter und den sekundären mit den linken Schalter aus. Granaten werden mit dem Y-Knopf geworfen, das meiner Meinung nach nicht optimal ist, aber natürlich beliebig geändert werden kann. Die Waffe wechselt man mit X und B und mit A interagiert man mit der Umgebung (Türen öffnen usw.). Zu guter letzt kann man per Druck auf den rechten Ministick springen. Da man aber wie gesagt die Tasten beliebig belegen kann, sollte jeder seine optimales Spielgefühl erhalten.

Das Spiel ist komplett in Deutsch und wie nicht anders zu erwarten gibt es keine "Bluteffekte" und die Gegner bleiben nach dem Ableben nicht am Boden liegen, sondern verschwinden. Das ist nicht besonders schlimm, da ein Shooter meiner Meinung nach auch ohne ganz gut auskommt.
Da auch die Sprachausgabe in Deutsch ist, passen meist die Lippenbewegungen nicht zusammen und der Mund bewegt sich noch, wenn niemand mehr spricht oder umgekehrt. Die Sprecher sind zwar angemessen, können aber nicht vollends begeistern.


Grafik
Ganz nett, aber nicht gerade eine Augenweide. Besonders die Modelle könnten etwas mehr Detail vertragen und sehen sehr kantig aus. Auch die Texturen könnten etwas hochauflösender und detailierter sein. Legt man sehr viel Wert auf gute Grafik, so wird man hier eher enttäuscht.
Insgesamt kann man aber zufrieden sein und wird "zweckmäßige" Grafik vorfinden. Auch eine 16:9 Unterstützung wird man leider vergeblich suchen.

Sound
Die Gegner- und Waffensounds sind gutes Mittelmaß, heben sich aber nicht irgendwie besonders hervor. Sie fügen sich aber gut ins Spielgeschehen ein und passen zum Thema des Spieles.
Negativ hervorzuheben ist die fehlende Dolby Digital Unterstützung im Spiel, welche besonders in einem FPS sehr wichtig ist. Die Zwischensequenzen wiederum können damit aufwarten.

Spielspaß Solo
Besonders viel Spaß macht das Steuern der Fahrzeuge und das damit verbundene, hemmungslose Ballern. Das macht aber leider den Rest des Spieles, wo man zu Fuß unterwegs ist, nicht wett. Spielt man gerne FPS, so wird man nicht enttäuscht, ein wenig mehr Innovation hätte ich mir aber schon gewünscht. Angesichts der Masse an Spielen dieser Art hat es Red Faction 2 leider sehr schwer sich abzuheben und zu sagen "Kauf mich, ich habe es verdient". Nichtsdestotrotz wird gute Ballerkost geboten, die Freunden dieses Genres einige unterhaltsame Stunden bescheren wird.

Spielspaß Multi
Hier finden sich die üblichen Modi wieder, also Deathmatch, Team Deathmatch und Capture the Flag. Ansonsten gibt es noch die Modi "Bagman" (Finde eine Tasche und behalte sie möglichst lange), "Arena" (rundenbasiertes Deathmatch) und "Regime".
Angesichts der großen Anzahl an Waffen und der eher abwechlungsreichen Levels wird man hier mit seinen Freunden sicher die eine oder andere unterhaltsame Stunde verbringen können.
Pro
Steuerbare Fahrzeuge
Zerstörbare Levelteile durch die Geomod-Engine
Kämpfen an der Seite eines Teams
Große Anzahl an Waffen mit alternativen Feuermodi
"Ich spiele nur noch diesen einen Level"
Contra
Fehlende Innovation
Hebt sich nur geringfügig von anderen Spielen ab
Kurze Spielzeit
Team-Aspekt wurde zu wenig ausgenutzt
Grafik könnte besser sein
Spielspaß schwankt sehr und stellt sich nie so richtig ein
Fazit
Was mir an Red Faction 2 gefehlt hat, ist die Innovation. Es bietet nicht viel, was nicht andere zuvor schon besser gemacht hätten. Einzig die Fahrzeuge und die Geomod-Engine heben das Spiel ein wenig aus dem Einheitsbrei herauß, wobei letzteres eher nettes Beiwerk als wie sinnvoles Feature ist.
Muss man einfach jedes FPS haben, so wird man auch bei diesem Spiel Spaß haben und den Kauf nicht bereuen. Sucht man jedoch etwas neues, anderes, so sollte man eher zu anderen Vertretern dieses Genres greifen, von denen es auf der Xbox doch einige gibt.
Gerade aber durch die Fahrzeuge wird der Eine oder Andere viel Spaß haben, da man hier nach herzenslust Ballern kann und sich nicht viele Sorgen um Gesundheit oder Munition machen muss. Leider sind diese Momente eher selten und schnell wird man wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Auch die Idee, den Spieler Teil eines Teams sein und an dessen Seiten spiele zu lassen, ist sehr nett, jedoch aber leider zu wenig konsequent umgesetzt. Man hätte hier sehr viel mehr darauß machen können, was aber leider versäumt wurde.