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Return to Castle Wolfenstein: Tides of War  
» Autor: Christian Kellner
» Datum: 21.07.2003
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Durchwachsener Shooter mit interessantem Multiplayer.

Viele mögen sich vielleicht noch an die „good old days“ der Spielindustrie erinnern: 11 Jahre ist es mittlerweile her, als sich ein eine kleine, mehr oder weniger, unbekannte Softwareschmiede für das damals innovativste Produkt modernen Gameplays verantwortlich zeigte: dem ersten First-Person Shooter der Computergeschichte. Die Rede ist von ID Software bzw. ihrem Jahrhundertspiel Castle Wolfenstein. Vor einiger Zeit erhielt das mittlerweile in die Jahre gekommene Spiel einen PC-Nachfolger, welcher nun auch als nicht lokalisierte Xbox-Portierung erhältlich ist: Da der Vorgänger im wichtigen deutschen Markt indiziert ist, sah man gleich von einer Veröffentlichung des neuen Titels in deutschen Landen ab.

Jaja, gute Storys sind rar
Ihr seid B.J. Blazkowicz, ein Army Ranger in Diensten der OSA (Office of Secret Actions). Eure Aufgabe ist es, die Pläne des SS-Oberkommandanten Heinrich Himmler über den Haufen zu werfen, indem ihr zuerst simple Sabotage- und Infiltrations-Aufgaben übernehmt: Was zunächst wie eine simple 08/15-WW2-Story beginnt, entwickelt sich schnell zu einem an den Haaren herbei gezogenen Plot: Ihr erfahrt, dass Heinrich Himmler mithilfe seiner treuen Untergebenen einen alten germanischen Fürsten zu beschwören versucht, um mit dessen Hilfe (und der von unzähligen Dark Knights und einer ganzen Armee von Untoten) das Siegesglück zu Gunsten der Achsenmächte im Jahre 1943 AD zu verändern. Aha. Ok. Mag sein, dass die Story von Doom und/oder die von Quake 3 ähnlich nutzlos und dem reinen Selbstzweck des stupiden Dauerfeuers dienen, aber SO einen Schmafu habe ich noch selten als Backgroundstory in einem Computerspiel zu verfolgen gehabt (ok, TETRIS ist wohl eine der wenigen Ausnahmen).

Schtzngrbn ( (c) Jandl )
Ich denke mir aber: Egal, ein Shooter soll Spaß machen, die Story ist Nebensache, rein ins Gemetzel. Was zuerst auffällt ist die lobenswerterweise fast 1:1 übernommene Steuerung von Halo, welches ein gutes Spiel mit dem Controller ermöglicht. Die Grafik wirkt zweckdienlich, ist zwar nicht sonderlich hübsch und detailliert, was aber im Eifer des Gefechtes nicht auffällt. Leider wurde sie aber nur 1:1 vom PC übernommen, wobei hier gewiss ein paar Verbesserungen drin gewesen wären (vor allem, da die PC-Fassung schon länger zurückliegt)… dass es die Quake 3 Engine auch besser kann, wird oft genug mit anderen Spielen bewiesen.

Der Missionsaufbau wurde, abgesehen von der 1. Mission, auch komplett vom PC-Vorbild übernommen, ebenso wie alle Soundeffekte. Lasche Reine-Geld-Macherei-Portierung? Mitnichten: Ein paar Features sind dann glücklicherweise doch Xbox-exklusiv: So ist es jetzt möglich per Splitscreen an einer Konsole das Spiel kooperativ durchzuzocken (doch kann man hier nicht speichern), per System-Link schlagt ihr euch zu mehrt die Schädel ein und Xbox Live wird natürlich auch unterstützt. Gott sei Dank möchte man meinen…

Singleplayer, du warst schon mal besser
Leider kam der Singleplayer viel zu kurz: Schon auf dem PC bemängelten viele Spieler die zu linearen Missionen. Einen Shooter darauf anzulegen einfach nur durchrennen zu können ohne eine Abzweigung nehmen zu müssen? Das konnte schon Serious Sam ziemlich gut, leider ging dabei aber auch die Spieltiefe flöten: Viel mehr als eure MP40 auf Dauerfeuer zu stellen und alles nieder zu ballern, was sich bewegt ist wirklich nicht. Die paar Rätsel à la „Lege Schalter X um, um Tür Y zu öffnen“ machen auch kein zweites Morrowind daraus. Gut, gut… ihr wollt Action? Die gibt’s hier zu genüge! Ihr wollt Abwechslung? Hmmmm. Ihr wollt auch mal den rechten Zeigefinger vom Trigger nehmen? Nope, ist nicht. Viel besser sieht’s da schon mit der Multiplayer Unterstützung aus: Team-Deathmatch und Team-Objective. Team-Deathmatch dürfte klar sein, hier gilt: je mehr Tote auf der anderen Seite, desto besser. Team Objective bringt wohl eine größere taktische Komponente ins (Online-)Spiel: Das angreifende Team muss z.B. ein deutsches U-Boot zerstören, die Achsenmächte müssen dies verhindern. Oder: Die Nazis müssen geheime Dokumente der Alliierten stehlen und dann per Funkgerät an die Zentrale in Berlin durchgeben. Dies ist eindeutig als „Herz“ des Spiels zu sehen, denn sobald die (zugegebenermaßen) recht lange Einspielzeit vorbei ist, und man Maps und Objectives intus hat steht dem stundenlangen Online-Spaß nichts im Wege… eine gute Anbindung des Hosts vorausgesetzt, denn ähnlich wie bei Unreal Championship neigt das Spiel zu Lags, welche insbesondere auf „nicht-mitteleuropäischen“ Servern vermehrt und verstärkt auftreten. Dies lässt ein koordiniertes Spiel mit den Kameraden natürlich nicht mehr zu hundert Prozent zu.


Grafik
Zweckmäßig, nicht außergewöhnlich hübsch, nicht abgrundtief hässlich. Effekte (insbesondere der Flammenwerfer) sind ganz hübsch anzusehen, bei den Texturen war jedoch augenscheinlich Schmalhans Küchenmeister: Mehr als ein „Ganz nett“ wird die Grafik aber Im Endeffekt niemandem entlocken können. Glücklicherweise geht zumindest im Singleplayer Modus alles ruckfrei von statten, während der Co-op in heftigen Gefechten zeitweise ins Stocken gerät.

Sound
Die WW2-Atmosphäre wird gut rübergebracht, die Soundeffekte wirken niemals deplatziert und die Musik passt auch meist gut zum Spielgeschehen. Besonders lustig anzuhören sind die Stimmen der Nazis, welche zwar in englisch gesprochen werden, aber einen extrem witzigen deutschen Akzent aufweisen. Manchmal werden auch einfach beide Sprachen in einen Topf geworfen, wobei Schlagworte meist in deutsch, der Rest des Satzes meist in englisch gesprochen wird. Schnell! Schnell! Hurry, we must get to XXX

Spielspaß Solo
Wie schon oben erwähnt gehört der Singleplayermodus von Return to Castle Wolfenstein leider nur zur Durchschnittsware: Zu linear ist der Levelaufbau, zu stupid das Gameplay. Zocker, die also öfters mal alleine vor der Konsole sitzen und kein Xbox-Live Konto auf ihrer Platte schlummern haben, sollten sich den Kauf also ein paar mal überlegen. Probespielen ist jedoch niemals fehl am Platz :)

Spielspaß Multi
Sicher das Kernstück des Spiels: Mit ausgefeilten Multiplayermodi, einem interessanten Klassensystem, dem Co-op-Modus und der System-Link-Option macht das Spiel in Sachen Multiplayer einiges her und darf sich ohne weiteres als eines der besten Online-Games bezeichnen. Vor allem jedoch deswegen, da im Shootersektor außer Soldier of Fortune 2 noch keine richtige Konkurrenz herangezüchtet wurde. Mal schauen ob sich die RtCW-Community nach dem Halo 2-Release Anfang nächsten Jahres schlagartig reduzieren wird. Ich gehe auf jeden Fall davon aus ;)
Pro
Multiplayer
Langzeitmotivation durch interessante Spielmodi
Eingängige Steuerung
Gutes WW2-Ambiente
Contra
Mauer Singleplayer
Kein Speichern im Co-op
Veraltete Grafik
Fazit
Ungeschlagene FPS-Multiplayer-Perle, für Alleinzocker allerdings nur mäßig interessant: Hier gibt’s sicher bessere Alternativen (Halo, Medal of Honor). Anspielen müssen das Spiel zumindest einmal die Leute, welche öfters mal zu mehrt vor der Konsole oder Xbox Live sitzen. Grafikbäume reisst’s leider auch keine aus, für zünftigen Party-Spass ist allerdings genügend gesorgt!