Burnout 2: Point of Impact
Mit 230 Km/h in den Bus
Mit Burnout erschien vor knapp einem halben Jahr ein sehr guter Arcade-Raser, der aber mit seinem knackigen Schwierigkeitsgrad zu kämpfen hatte. Nun brachte Acclaim bereits den Nachfolger auf den Markt, bei dem sich die Entwickler die Kritik zu Herzen genommen haben und einige Verbesserungen einfließen ließen.
Nach dem erfolgreichen Abschluss des ungewöhnlichen Fahrlehrgangs Offensive Driving 101, bei dem man praktische Dinge wie Driften, dichtes Überholen und Highspeed-Geisterfahren lernt, schaltet man die Gameplay-Modi Championchip, Single Race, Time Attack und Crash frei. Erfolgreiche Verkehrsrowdys erhalten im Laufe des Spiels noch Pursuit und Custom Series Championchip.
Kernstück ist selbstverständlich die Meisterschaft, in der 15 verschiedene Grand Pries gefahren werden müssen. Abwechselnd werden vier verschiedene Rennarten ausgetragen: ein Standard-Grand Prix, bei dem gegen 3 andere Hobby-Bleifüße auf drei bis sechs Strecken gefahren wird und ein Face Off-Rennen gegen einen Spezialboliden, den man sich nach dem Sieg in die eigene Garage stellen darf. Das Nächste ist ein Point2Point-Race auf einer offenen Strecke und zu guter Letzt folgt dann noch eine Verfolgungsjagd, bei der der Spieler in die Rolle einer Highway-Streife schlüpft und einen verkehrsregelmissachtenden Raser zehnmal rammen muss, um ihn innerhalb einer vorgegebenen Streckenlänge verhaften zu können. Auch hier erweitert sich der Fuhrpark um das Fahrzeug des Besiegten. Diese Rennen haben alle eins gemeinsam: sie finden im öffentlich Straßenverkehr statt.
Dies bildet die äußerst unterhaltsame Grundlage für spektakuläre Unfälle, halsbrecherische Überholmanöver und sonstiges regelwidriges Verkehrsverhalten. Dass die harmlosen Verkehrsteilnehmer kein hirnloses Beiwerk sind, merkt man sehr schnell: sie hupen wütend, wenn man sie schneidet, blenden das Fernlicht auf, wenn man auf sie zu rast und versuchen, durch Vollbremsungen und hektischen Ausweichmanövern den rasenden Irren auszuweichen. Diese Unfallverhütungsmaßnahmen gelingen allerdings nicht immer; so kommt es, dass bei Unachtsamkeit und häufiges Benutzen der falschen Straßenseite Unfälle unvermeidbar sind. Diese passieren im Vergleich zum ersten Teil deutlich weniger und ist fast immer Schuld des Spielers. Um den Spielfluss nicht allzu stark aufzuhalten, wurde gezielt darauf verzichtet, an unübersichtlichen Stellen Gegenverkehr zu platzieren. Zudem fällt nach einiger Spielzeit auf, dass an vielen Stellen grundsätzlich immer wieder bestimmte Fahrzeuge auftauchen, so dass man mit etwas Erfahrung recht zügig durch den Verkehr kommt.
Single Race und Time Attack bieten Altbekanntes, der Crash-Modus hingegen ist neu und nicht mit Perwoll gewaschen. Hier darf man dass tun, wovon der gestresste Autofahrer von heute sicherlich schon öfters geträumt hat, wenn er vor einer roten Ampel stand: Mit Vollgas in eine vielbefahrene Kreuzung rasen und eine möglichst spektakuläre Massenkarambolage verursachen, damit der Versicherung so richtig die Augen tränen. Auf 15 Kreuzungen und Highways muss der Spieler durch geschicktes Crashen eine Kettenreaktion auslösen, um mit horrenden Schadenssummen in die Highscore-Tabelle aufgenommen zu werden und eine Medallie einzuheimsen. Der Unfallablauf wird ab dem ersten Kontakt mit einem anderen Fahrzeug aus verschiedenen Kameraperspektiven und mit wechselnden Zeitlupengeschwindigkeiten dargestellt. Nach dem Ablauf einer festen Zeit wird abgerechnet. Mit einem Hubschrauber überfliegt man die Szenerie und kann anhand eingeblendeter Schadenssummen erkennen, wieviel Schaden jedes Fahrzeug erlitten hat.
Die Grafik von Burnout 2: Point Of Impact ist eine Augenweide. Alle Fahrzeuge, welche real existierenden Autos ähneln, sind sehr detailreich, die herrlichen Lichtspiegelungen auf Fahrzeugen und regennassem Asphalt muss man einfach gesehen haben. Auch die Streckenbebauung glänzt mit Liebe zum Detail und schönen Texturen, sowie sehr guter Weitsicht. Nebel sieht man höchstens dezent am Horizont. Das Geschwindigkeitsgefühl ist sehr gut, so richtig geht die Post aber erst ab, wenn man mit einem der freispielbaren PS-Boliden unterwegs ist. Verschiedene Wetterverhältnisse dürfen auch nicht fehlen, Sonnenuntergang, Nebel, Regen und Schnee bieten genug grafische Abwechslung auf den 32 Strecken. Das Demolieren der Blechlawinen ist sehr detailliert dargestellt und in Szene gesetzt: Autoscheiben bersten, Blech verbeult sich, Reifen, Motorhauben und Stoßstangen fliegen in alle Himmelsrichtungen und Fahrzeuge schleudern meterhoch durch die Luft, während andere Verkehrsteilnehmer mit blockierenden Reifen in die Unfallstelle rutschen. Neben massenweise auftretenden Funkenflug gibt es noch einen schönen Blureffekt zu bewundern.
Für den ultimativen Geschwindigkeitsrausch beherrscht jeder Bolide einen Turboboost, dessen Energieleiste aber zuerst aufgefüllt werden muss. Zu diesem Zweck fährt man auf der falschen Straßenseite, driftet gekonnt um enge Kurven, vollführt möglichst weite Sprünge oder fährt dicht an anderen Verkehrsteilnehmern vorbei. Jede dieser Aktionen füllt die Boostleiste ein Stück auf, sobald sie voll ist, lässt sich der Boost per Knopfdruck aktivieren. Dabei wird der Geschwindigkeitsrausch durch einen coolen Langzieh-Effekt des Bildes optisch ansprechend in Szene gesetzt. Wer mächtig Cohonés besitzt, fährt während der Boostphase auf der Gegenfahrbahn, um den Boost durch Combos zu verlängern. Leider wurden beim Logitech-GT-Force-Lenkrad, ansonsten hatte ich noch nie Probleme mit meinem Lenkrad, der Boost und die Hupe auf ein und dieselbe Taste gelegt. Dies führt dazu, dass man laut hupend durch die Gegend heizt. Eine Möglichkeit zum Ändern der Tastenbelegung wurde von den Programmierern leider hierfür nicht eingebaut.
Die Kollisionsabfrage ist sehr gut und genau ausgefallen, auch wenn die Entwickler den Ecken der Fahrzeuge keine crashauslösende Eigenschaft gegeben haben. Dies fällt besonders dann auf, wenn man schräg auf die Ecke eines Autos zusteuert und dann an dieser abrutscht, ohne dass etwas passiert. Dies stört aber nur anfangs im Crash-Modus, sobald man weis, wohin man zielen muss, kommt man mit dieser Besonderheit ganz gut klar. Der Schwierigkeitsgrad ist größtenteils sehr human, nur manche Gegner verlangen dem Spieler etwas mehr Geschick ab, besonders wenn es darum geht, in einem Grand Prix alle Rennen als Erster zu bestehen.