Grandioses Strategie-Rollenspiel für Hardcore-Gamer mit veralteter Grafik aber enormen Tiefgang.
O Translation, where art though?Als einer der größten Klassiker der Strategie-Rollenspiele gilt nach wie vor
Final Fantasy Tactics: The War of the Lions, welches im Jahre 1994 auf der PlayStation erschien. Im Zuge des derzeitigen Square-Enix'schen Portierungswahns bot sich eine
Neuauflage in Form einer PSP-Version natürlich geradezu perfekt an. Im Spiel schlüpft man in die Rolle eines Adeligen, der zusammen mit seinen Brüdern in den Krieg gegen finstere Rebellen zieht. Mord, Kidnapping, Überfälle und Aufstände überziehen nämlich seit Monaten das Land. Erzählt wird die sehr politisch angehauchte Geschichte in zahlreichen Ingame-Sequenzen mit Hilfe guter Dialoge und Charaktere. Neu hinzugekommen sind
sehr schicke Rendersequenzen im Gemälde-Stil, die sehr gut zum restlichen Design des Spiels passen.
Doch eine Warnung an alle, deren Englisch nicht all zu gefestigt ist: Sämtliche Dialog-Texte sind nicht nur auf Englisch sondern obendrein noch in einem sehr gekünstelten Stil gehalten, was das Verständnis obendrein erschwert. Grundlegende Kenntnisse der Sprache reichen somit zwar aus, das eigentliche Spiel zu zocken sowie die Menüs und Waffen-, Skill- und Charakterbeschreibungen zu verstehen, zum Verständnis der Story und umfangreichen Dialoge werden allerdings
tiefgehende Sprachkenntnisse gefordert.
Komplex und forderndSpielerisch wartet
Final Fantasy Tactics: The War of the Lions mit reinrassiger Strategie-Rollenspiel-Kost auf. Auf einer Weltkarte reist man mit seiner Party von Ort zu Ort und schlägt an diesen
» Die neuen Rendersequenzen sind äußerst schick. |
diverse Schlachten. Storyrelevante Scharmützel werden vorwiegend durch
Ingame-Sequenzen eingeläutet und auch während des Kampfes kommt es oft zum verbalen Schlagabtausch zwischen den Fraktionen. Die klein gehaltenen, in Rechtecke aufgeteilten Schlachtfelder lassen meistens 12 bis 15 Helden, Schurken und/oder Monster gegeneinander antreten und bieten allerlei taktischen Finessen. So spielen sowohl die Beschaffenheit der Landschaft, das Wetter als auch Höhenunterschiede eine tragende taktische Rolle und lassen sich für die eigenen Zwecke gebrauchen.
Gekämpft wird rundenbasiert. Dabei sind Spieler- und Gegnerphase nicht voneinander getrennt sondern die Einheiten beider Fraktionen kommen gemischt zum Zug. Ist eine Figur an der Reihe darf diese in beliebiger Reihenfolge ziehen und eine Aktion ausführen. Als Aktionen zählen beispielsweise Angriffe, Spezialattacken, Zaubersprüche oder der Einsatz eines Items. Die Missionsziele beschränken sich meistens auf der Vernichten aller Feinde. Hin und wieder gilt es jedoch nur bestimmte Ziele auszuschalten oder einen Charakter zu schützen. Dass die Missionen dennoch sehr interessant sind, wird durch den guten Aufbau der einzelnen Maps sowie die Platzierung der Gegner erreicht. Etliche Feindtypen zusätzlich sorgen für Abwechslung und lassen nie Langeweile aufkommen.
Gold, Erfahrung und BerufeNatürlich sammeln die Charaktere durch das Kämpfen reichhaltig Erfahrungspunkte und Gold. Letzteres wandert vornehmlich in bessere Ausrüstung, welche bei Händlern in Städten erworben werden kann.
» Eine typische Schlacht in FF Tactics. |
Auch an diversen Heilutensilien sollte man hier nicht sparen. Wirklich komplex wird es bei der Charaktergestaltung. Das verwendete
Job- und Skillsystem aus
Final Fantasy Tactics: The War of the Lions zählt mit zum Komplexesten und Besten, was das Genre zu bieten hat. Zwischen den Missionen dürfen die Jobs der Charaktere jederzeit gewechselt werden. Allerdings sind für die meisten Berufe bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Ausgangsbasis für jeden Job sind der Chemiker und Knappe. Hat man hier eine bestimmte Stufe erreicht, darf man nächsthöhere Jobs erlernen. Diese wiederum bilden die Grundlagen für noch höher reichende Klassen.
Jeder Job verfügt über einzigartige Fähigkeiten, Beschränkungen in punkto Ausrüstung und natürlich Spezialattacken sowie Zaubersprüche. Durch gesammelte Jobpunkte im jeweiligen Beruf, die es neben den Erfahrungspunkten gibt, können diese erlernt werden. Einmal eingeprägte Fähigkeiten darf die Figur anschließend Slots zuweisen. Auch wenn sie den Beruf wechselt, können Merkmale anderer Jobklassen genutzt werden. Somit sind beliebige Kreuzungen zwischen allen Berufen möglich, so dass beispielsweise ein Krieger erstellbar ist, der ganz nebenbei noch einen guten Heiler abgibt. Dank etlicher unterschiedlicher Fähigkeiten hat man
zahllose Möglichkeiten seine eigene Traumparty zusammenzustellen und diese auf bestimmte Kampfsituationen zuzuschneiden.
Gutes Partymanagement zahlt sich zudem bei Nebenmissionen aus auf welche Gruppenmitglieder entsand werden können. Für eine bestimmte Zeit sind diese dann nämlich nicht verfügbar und müssen durch andere Helden ersetzt werden.
Altes Spiel, alte TechnikSoviel Komplexität fordert natürlich ihren Tribut.
Final Fantasy Tactics: The War of the Lions stellt nicht nur eine hohe Sprachbarriere sondern erfordert auch eine
ordentliche Einarbeitungszeit. Sehr umfangreiche
» Zahlreiche Möglichkeiten bei der Charakter-Gestaltung. |
Tutorials helfen hier gut weiter. Auch der Schwierigkeitsgrad ist alles andere als niedrig angesetzt. Gerade zu Beginn wird man zahlreiche Schlachten verlieren, bis man heraus hat wie die verschiedenen Berufsklassen am besten zusammenarbeiten und diese auf ein gewisses Grundlevel gehievt hat. Glücklicherweise kann man sich nichts dauerhaft verbauen. Ist man zu schwach hilft einfaches Leveln in zufallsgenerierten Kämpfen, die regelmäßig auf der Weltkarte auftauchen.
Technisch hat sich im Vergleich zur PlayStation 1-Version nichts getan. Dies lässt
Final Fantasy Tactics: The War of the Lions gerade neben dem ebenfalls für PSP erschienenen Genre-Kollegen
Jeanne D'Arc richtig alt aussehen. Denn grafisch bietet das Spiel nur
technisch magere 2D-Optik, die allerdings durch ihren knuffigen Stil erfreut. Unverständlich sind allerdings Slowdowns bei vielen Spezialeffekten. Auch lässt die Übersichtlichkeit trotz dreh-, zoom- und neigbarer Kamera oft zu wünschen übrig. Unverändert genial hingegen der Sound. Wunderschöne Stücke, eine sehr gute Sprachausgabe in den Zwischensequenzen sowie solide Soundeffekte bieten einiges für die Ohren. Zusätzliche Inhalte bietet der PSP-Port ebenfalls: Neben
Bonuscharakteren aus anderen
Final Fantasy-Spielen wie
Cloud und
Balthier gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit einem anderen Spieler per Ad-Hoc Koop- und Versus-Missionen zu bestreiten. Eine nette Dreingabe.