Audiovisuell sehr schönes, spielerisch aber recht dürftiges Japano-Rollenspiel mit lahmer Inszenierung.
Xbox 360 als J-RPG-Konsole?War es in der letzten Generation noch die Xbox, die praktisch keine Japano-RPGs aufweisen konnte, ist die Xbox 360 in der aktuellen Generation fleißig dabei, einen soliden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aufzubauen.
» Kitschiges Charakter-Design. |
Das Nach Enchanted Arms und Blue Dragon folgt mit Eternal Sonata nun der dritte Genre-Vertreter. Die Story zeigt sich dabei außergewohnlich. So schlüpft man in die Rolle des polnischen Komponisten Frederic Chopin, welcher auf dem Sterbebett in eine Traumwelt versinkt. Dort muss er zusammen mit Gefährten gegen den bösen Graf Walzer vorgehen, welcher die idyllische Welt mit einer geheimnisvollen Droge überzieht, um sich die Menschen hörig zu machen.
Erzählt wird die Story durch zahlreiche
sehr ruhig und langsam inszenierte Ingame-Sequenzen. Teils kommen auch echte Aufnahmen aus diversen Lebensorten des historischen Vorbildes Chopin zum Einsatz, welche mit biografischen Textzeilen unterlegt sind. Leider wissen weder die Story noch die teils peinlichen Dialoge hier wirklich zu fesseln. Auch der zuckersüße Grafikstil im
technisch einwandfreien Cel-Shading-Look dürfte hier nicht jedermanns Geschmack treffen. Unstreitbar hingegen ist der
grandiose Soundtrack des Titels, welcher mit Originalstücken von Chopin angereichert wurde. Darüber hinaus ist die Möglichkeit von der englischen Sprachausgabe auf die japanische zu wechseln vorbildlich.
Laufen, reden, kämpfenSpielerisch folgt
Eternal Sonata klassischen Japano-RPG-Pfaden. So durchstreift man mit seiner über rund 25 bis 30 Stunden umfassenden Spielverlauf stets wachsenden Party verschiedenste Umgebungen, löst
» Die Kämpfe sind leider sehr anspruchslos. |
kleinere Rätsel, spricht mit NPCs und
bestreitet etliche Kämpfe. Letztere passieren nicht zufällig, sondern nach Berührung eines in der Spielwelt umherstreifenden Feindes. Wie in fast jedem anderen Japano-Rollenspiel wechselt die Ansicht anschließend auf einen Kampfbildschirm.
Bei den zahllosen Fights greift
Eternal Sonata auf eine
Mischung aus rundenbasiertem und in Echtzeit ablaufendem Kampf zurück. Die Kombatanten sind abwechselnd an der Reihe. Sobald eine Spielerfigur dran ist, kann diese einige Sekunden lang frei über das Kampffeld bewegt werden. Der A-Button fungiert hierbei zum Angreifen während Y Spezialfähigkeiten entfesselt. Der X-Button dient darüber hinaus zum Einsetzen von Items. Wird die Spielfigur ihrerseits von Monstern angegriffen, ist der Schaden durch Drücken der B-Taste deutlich reduzierbar.
Monotonie in kitschiger KulisseSo gut wie jede Auseinandersetzung, einschließlich der Bossgegner, lässt sich durch
ein und dieselbe Taktik erfolgreich bestreiten. Zunächst baut man durch normale Attacken genügend Kombopunkte
» Der Cel-Shading-Look weiß zu gefallen. |
auf, welche schließlich in mächtigen Spezialattacken auf den Feind geschleudert werden, bis dieser besiegt ist. Um die eigene Party frisch zu halten, wird ein Charakter zum Heilen abkommandiert. Sollte es dennoch mal brenzlig werden, kommen Items zum Einsatz. Zudem bietet das Kampfsystem einen kleinen Kniff. Je nachdem, ob ein Charakter im Schatten oder Licht steht, sind andere Spezialfähigkeiten einsetzbar. Monster hingegen verwandeln sich je nach Lichtverhältnissen in stärkere oder schwächere Kontrahenten.
Echten Tiefgang vermisst man trotzdem.
Anspruchsvolle Spieler sollten also einen Bogen um
Eternal Sonata machen. Eine deutlich bessere Figur macht der Titel abseits der Kämpfe. Die Dungeons, Städtchen und Ebenen, welche die Helden auf ihrer Reise durchquert, sind dank der eingangs bereits erwähnten Cel-Shading-Optik nicht nur sehr schön anszusehen, sondern auch
optisch sowie inhaltlich abwechslungsreich. Mal kämpft man sich durch eine feuchte Kanalisation, ein anderes Mal hangelt man an tiefen Klippen entlang während wieder ein anderes Mal ein gutes Gedächtnis bei einem umfangreichen Schalter-Rätsel-Dungeon gefordert ist.