Yager
Top Flugaction aus Deutschland
Spiele wie Wing Commander, X-Wing und Starlancer erhielten in den 90er Jahren nicht nur hohe Wertungen der Presse, sondern waren auch kommerziell erfolgreich. Nachdem die Wing Commander-Serie jedoch so gut wie eingestellt wurde, wurde es auch ruhig um das Science-Fiction-Genre.
Nach jahrelanger Arbeit wird Yager vorrausichtlich am 9. Mai endlich erscheinen. Jedoch handelt es sich bei dem Titel nicht um einen gewöhnlichen Weltraumshooter, schließlich spielt er nicht im Weltraum, sondern auf der Erde. Einen passenden Begriff für dieses Genre zu finden, ist also schwer.
Ende des 21. Jahrhunderts, ein Held wie er im Buche steht. Magnus Tide ist nicht nur ein cooler Kerl, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, er ist auch noch ein ausgezeichneter Pilot. Doch durch einen Fehler verliert er seinen Job und sein Schiff. Dazu beendet seine Freundin auch noch die Beziehung, da ihre Karriere durch seinen Fehler zerstört wurde. Doch natürlich bemüht sich Magnus wieder im Sitz eines Gleiters platz zu nehmen und spart sich die Reparatur seines Schiffes zusammen um bei den Freelancern auf eine neue Chance zu hoffen. Seine Exfreundin ist jedoch dort ebenfalls als Kommunikationsoffizierin eingestellt und Magnus versucht sie natürlich zurück zu gewinnen.
Im Vordergrund steht jedoch der Konflikt zwischen den Proteus und der DST. Magnus, der zu den Proteus gehört, spielt dabei eine tragende Rolle. Er kämpft sich nämlich vom kleinen Freelancer zum erfolgreichen Piloten.
Die Story wird dabei nicht nur in den wunderbar gelungenen Videosequenzen erzählt, die in Spielgrafik gehalten sind, sondern eher im Spiel selbst. So kommt es, dass ihr mit eurem Trainer gerade an Drohnen übt, während plötzlich Piraten angreifen und ihr den Angriff zurück halten müsst. Dabei kommt euer Trainer in Schwierigkeiten und ihr müsst ihm natürlich sofort helfen. Auch wenn ihr ihn nicht rettet, geht die Mission weiter, nur eure Statistik verschlechtert sich. Nachdem der Angriff erfolgreich abgewehrt wurde, folgt sofort der Gegenangriff auf ein nahegelegenes U-Boot.
Dies passiert in einer einzigen Mission, die nur durch ein paar kurze Zwischensequenzen unterbrochen wird. Jederzeit ist man live dabei.
Vieles wird auch über Funk abgesprochen. Dabei seht ihr euren Gesprächspartner links in einem kleinen Fenster. Ob Freund oder Feind, jeder will euch seine persönliche Botschaft mitteilen.
Die Story ist sicherlich ein Prunkstück von Yager. Die spannende Geschichte mit und um Magnus Tide könnte genauso gut aus einem Roman stammen. Da kommt es nicht von ungefähr, dass es auch ein Buch zum Spiel gibt.
Die 23 Missionen sind Abwechslungsreicher denn je. Ihr schwingt euch nämlich nicht immer in euer Schiff, die Sagittarius, sondern auch mal in einen Geschützturm. Auch sonst sind die Missionen grundverschieden und bieten viel Abwechslung. So müsst ihr einen alten Zug vor Angreifern beschützen, an der Bar eines Freundes den Geschützturm testen, ein kleines Rennen gegen einen befreundeten Mechaniker gewinnen und gigantische Großangriffe starten.
In manchen Missionen solltet ihr euch mit eurem Schiff ruhig verhalten und von einem bestimmten Abstand Flagstellungen markieren. Hierbei solltet ihr natürlich besser nicht auffallen, falls ihr jedoch entdeckt werdet, startet kurzerhand ein großes Gefecht. Es gibt immer mehrere Wege die Missionen zu beenden. Ob ihr nun leise und vorsichtig vorgeht oder mit der Brechstange angreift; dies liegt ganz allein in eurer Hand.
Genauso verschieden wie die Missionen sind auch die Landschaften. Es gibt drei Landschaftstypen, in denen verschiedene Völker leben, die verschieden auf euch reagieren. In der blühenden "Free Trade Zone" arbeiten meist freie Händler, die kaum böses im Sinn haben. Das triste "Bitterfeld" ist meist von Piraten bewohnt und das verschneite "DST-Territorium" wird von Gegner bewohnt. In den jeweiligen Landschaften unterscheiden sich auch die Witterungen und natürlich auch die Tageszeiten. Leider verändern sich diese nicht individuell sondern sind vorgegeben, grafisch imposant sind sie aber allemal.
Die Steuerung ist etwas anders, als in herkömmlichen Spielen dieses Genres. Es gibt zwei verschiedene Flugmodi, die auch taktische Finessen ins Spiel einbringen. Zum einen ist da der Hover-Modus. Hier fliegt ihr jederzeit auf der Stelle und mit dem rechten Stick könnt ihr Gas geben. Die Steuerung erinnert ein wenig an einen Ego-Shooter. Wenn ihr bestimmte Ziele genau treffen oder euch „anschleichen“ wollt, ist dieser Modus genau richtig. Wenn ihr in den Einstellungen die Steuerung auf „Hello Chief“ stellt (eine kleine Anspielung) ähnelt sie Halo sehr.
Wenn ihr nun auf den rechten Stick drückt wechselt ihr in den Jet-Modus. Nun seid ihr jederzeit auf höchstem Tempo und könnt das ganze ein wenig drosseln. Jetzt stehen Verfolgungsjagden und weiteren gewagten Manövern nichts mehr im Wege.
Mit dem rechten Trigger oder der A-Taste könnt ihr dann eure Waffe abdrücken, mit der Y-Taste wechselt ihr die Waffen, mit der X-Taste könnt ihr Zoomen um bestimmte Gegner auf großen Abstand besser aufs Korn zu nehmen und die B-Taste dient zum anvisieren eines Gegners, damit ihr ihn nicht so schnell aus den Augen verliert.
Auch sonst ist die Yager-Steuerung intuitiv und schnell erlernbar. Spätestens nach einer halben Stunde gibt es keine Probleme mehr, was daran liegen dürfte, dass die ersten Missionen als Tutorial aufgebaut sind. So wird man zum Einstieg in die Steuerung eingeführt, indem man eine Schiffskalibrierung durchführt. Die weiteren Feinheiten des Schiffes werden dann auf dem Trainingsgelände mit dem Trainer durchgegangen.
Der Einstieg ins Spiel ist also schnell gefunden, jedoch ist besonders der Schwierigkeitsgrad eine Sache für sich. Leider beisst man sich an bestimmten Missionen geradezu die Zähne aus. Eine Speicherfunktion ist leider nicht enthalten und die selten gesetzten Checkpoints sind dann auch noch mit zwei bis drei Credits begrenzt.
Aber auch sonst ist es schwer, die kniffeligen, meist kleinen Gegner in Schacht zu halten, die nebenbei auch noch über eine sehr gute KI verfügen. Erprobte Spieler werden sicherlich die Aufgaben nach mehreren Versuchen meistern können, Anfänger hingegen werden spätestens ab der siebten Mission ein paar mal ins Gamepad beißen. Wenn es dann nach vielen Versuchen doch endlich gelingt, ist die Freude jedoch umso größer.
Um den Schwierigkeitsgrad jedoch noch etwas zu mildern haben die Entwickler auch Stationen ins Spiel eingebaut, an denen man sein beschädigtes Schiff wieder reparieren lassen kann. Vor größeren Kämpfen sollte man die Landschaft nach diesen Stationen absuchen, denn sie werden immens wichtig sein.
Es gibt zwar keinen einstellbaren Schwierigkeitsgrad, aber dies übernimmt das Spiel für euch. Falls ihr keine Probleme mit den Gegnern habt und kaum Energie verliert, erhöht sich der Schwierigkeitsgrad, sodass ihr wieder gefordert werdet. Falls ihr jedoch mit Mühe und Not die nächste Mission erreicht, wird das Spiel wieder einfacher. Dies ist eine wirklich nette Idee, die in der Praxis leider nicht ganz so funktioniert wie sie sollte.
Etwas ganz besonderes ist Magnus' Schiff, die Sagittarius. Am Anfang nur mit einem einfachen Laser bestückt, wird sie im späteren Spielverlauf zu einem gut ausgerüsteten Kampfschiff. Dazu tragen auch die freundlich gestimmten Bewohner bei. So kann es vorkommen, dass ihr zufällig beobachtet, wie eine Horde Luftpiraten gerade einen wehrlosen Mechaniker angreift. Natürlich wird er gerettet und zum Dank bekommt ihr ein kleines Upgrade für euer Schiff. Diese Submissions sind in manchen Levels versteckt. Es ist aber nicht Pflicht diese mit Erfolg zu beenden.
Als Waffen gibt es neben dem Standartlaser unter anderem noch Raketen, eine Railgun, Maschinengewehre und einen Flammenwerfer für euere Sagittarius. Insgesamt sind 13 verschiedene Waffen verfügbar. Des weiteren gibt es für das etwas langsame Schiff auch Boosts, die es auf ein unglaubliches Tempo bringen. Diese Boosts sind entweder im Level verteilt oder von Anfang an in begrenzter Zahl auf eurem Schiff.
Ihr könnt übrigens aus drei verschiedenen Perspektiven ins Spielgeschehen eingreifen. Die Cockpitsicht vermittelt das beste Spielgefühl. So könnt ihr Spiegelungen an der Windschutzscheibe erkennen und falls ihr einen bösen Treffer hinnehmen musstet, sogar Einschusslöcher.
Dazu gibt es noch eine Vollbildperspektive, die das komplette Cockpit weglässt und somit mehr Übersicht verleiht.
Als drittes und letztes gibt es die Außenperspektive, mit der es am besten Möglich ist Abstände abzuschätzen und gefährliche Manöver zu fliegen.
Die Grafik ist eine wirkliche Augenweide und gehört zum besten was jemals durch die Xbox auf dem Fernseher flimmerte. Da ist es noch beachtlicher, dass dies eine deutsche Firma auf die Beine gestellt hat, die wohl nicht die finanziellen Möglichkeiten einer amerikanischen oder japanischen Firma hat.
Die weitläufige Landschaften, die ihr mit einer enormen Weitsicht beobachten dürft, werden mit einer enorm hohen Zahl an Polygonen dargestellt. Das ganze wird durch extrem scharfe Texturen noch einmal getoppt. Die Lichteffekte, die zu jeder Tageszeit einen anderen Reiz besitzen, sind unglaublich gut dargestellt. Die Schiffe und Fahrzeuge strotzen nur so mit Details. Das Wasser ist sicherlich eins der besten, was verwöhnte Xbox-Spieleraugen beobachten durften. Fulminante Explosionen und weitere optische Effekte machen das grafische Bild perfekt. An Yager muss sich die Konkurrenz erst einmal messen.
Die Entwickler haben es zum Glück geschafft, dass Spiel flüssig auf 30 Frames pro Sekunde. Jedoch kann es bei besonders heiklen Situation mit vielen Explosionen auch mal zu Rucklern kommen. Diese beeinträchtigen aber nicht wirklich das Spielgeschehen, wären aber vielleicht auch zu unterbinden gewesen.
Die Musik gehört ebenfalls zur phantastischen Präsentation von Yager. Fulminanter Orchester-Sound in wilden Kämpfen und ruhige Geiger vor dem Kampf. Die Musik passt sich immer dem Spielverlauf an. Das ganze präsentiert sich in wunderbarem Dolby Digital 5.1 Sound.
Doch besonders bei den Sprechern hat sich THQ selbst übertroffen. Genauso wie für eine Synchronisierung eines Top Hollywood-Films wurden die Sprecher sorgfältig ausgewählt und passen immer zu den jeweiligen Personen. Besonders Magnus Tide sprüht nur so voll Wortwitz und frische. Leider können aber auf Dauer die Kommentare der Luftpiraten nerven, denn Sätze wie „Wir kriegen die Freelancer-Ratte“ oder „Ich pinkel auf dein Grab“ hört man in manchen Missionen im Drei-Minuten-Takt. Dies ist jedoch nur ein kleiner Minuspunkt in Sachen Sound, sonst zeigt sich Yager dort von seiner besten Seite. Spieler, die der englischen Sprache mächtig sind, sollten auch einmal ihre Konsole auf Englisch stellen, denn diese Synchronisierung ist ebenfalls spitze und hat einen ganz eigenen Charm.
Auch der Langzeitspaß ist gesichert. Profis werden einige Zeit brauchen um die 23 extrem langen Missionen zu bestehen. Eine genaue Zeit dabei fest zu legen ist schwer, aber bis zu 30 Stunden dürfte man schon beschäftigt sein. Wenn es dann endlich geschafft ist, reizen die Statistikpunkte. Jede von euch absolvierte Mission wird nämlich mit Sternen prämiert. Wenn zum Beispiel eure Trefferquote oder eure übrig gebliebende Gesundheit besonders hoch war, werdet ihr dafür mit Sternen belohnt. Wer besonders viele Sterne ergattert, darf sich auf Extras freuen.
Diese Extras werden in der Schiffsdatenbank angezeigt. In dieser Datenbank könnt ihr alles zu eurem Schiff oder zu den Schiffen der Gegner erfahren, falls ihr erfolgreich in den Missionen seid. Die Entwickler haben sich sehr viel Mühe bei dieser Datenbank gemacht. Ihr könnt die Schiffe von allen Seiten aus bewundern. Die Beschreibungen sind jedes Mal sehr genau und Besonderheiten des jeweiligen Schiffes werden mit viel Witz aufgeführt.
Einen Multiplayer-Modus sowie Xbox Live unterstützt Yager leider nicht. Hoffen wir, dass uns diese Feature in einem möglichen Nachfolger begegnen wird.
Pro: Wunderbare Technik
Super Synchronisierung
Spannende Story
Sehr abwechslungreich
Contra: teilweise mörderisch schwer
gelegentliches Ruckeln
Eigene Meinung:
"Whooow. Yager rockt!" Das waren so ungefähr meine ersten Worte, die ich nach 10 Minuten Spielspaß über Yager loswerden konnte und auch jetzt reizt mich das Spiel weiter.
Die ausgezeichnete Grafik, der super Sound und die klasse Sprecher machen das Spiel technisch fast perfekt. Wenn auch noch die leichten Slowdowns aus dem Spiel wären, würde ich Yager sogar das grafisch beste Spiel nennen, dass die Xbox bisher gesehen hat.
Doch der Schwierigkeitsgrad ist wohl der größte Kritikpunkt am Spiel. Nur mit vielen Versuchen und Erforschungtouren lassen sich manche Missionen lösen. Erprobte Spieler werden sicherlich irgendwann den Abspann bewundern dürfen, doch für Anfänger wird dies ein wirklicher Kampf.
Wer jedoch viel Abwechslung will und dies noch mit einer wunderbaren Story und sympatischen Charakteren, der darf sofort zuschlagen.
Das Xbox Live nicht dabei ist, genauso wie ein Multiplayer-Modus, ist natürlich schade. Für die Entwickler war aber besonders der Einzelspielerpart wichtig und auch in der PC-Version, die ein paar Monate später erscheint, wird der Multiplayer keine große Rolle spielen.
Ich kann jedem Fan von Wing Commander Yager nur ans Herz legen. Denn wie gesagt Yager rockt.