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Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 04.12.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Ordentliche Minispiel-Sammlung mit bekannten Helden, die allerdings unter einigen Schwächen leidet.

Verkehrte Welt
Hätte man zu Mega-Drive-Zeiten einem knallharten Sega-Fan prophezeit, dass im Jahre 2007 ein Spiel auf einer Nintendo-Konsole erscheint, in dem Sonic zusammen mit Mario an den Olympischen Spielen teilnimmt,
» Auf die Plätze ...
hätte dieser das Gespräch wohl vorzeitig mit einem Tritt in die Weichteile des Propheten beendet. Heute, 2007, ist die Schlacht Sega vs. Nintendo längst geschlagen – und wie sie ausgegangen ist wissen wir alle: Sega stellt keine eigenen Konsolen mehr her, hat sich aber zu einem erfolgreichen Third-Party-Entwickler gemausert und Nintendo regiert die Konsolen-Welt mit der Wii und dem Nintendo DS.

Kreischende Kinderscharen belagern die DS- und Wii-Regale einschlägig bekannter Elektronik-Ketten und sogar Senioren stehen plötzlich im Fokus millionenverschlingender Marketing-Aktionen. Die Videospiel-Welt hat sich seit Erscheinen der Wii verändert – und somit natürlich auch die Spiele. Das Zauberwort heißt seit rund einem halben Jahr "Casual Games" und in genau diese Kerbe schlägt auch Segas neuestes Werk Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen. Der Titel präsentiert sich als Minispiel-Sammlung, die sehr an den Klassiker Summer Games aus dem Jahre 1984 erinnert.

20 Mal Olympische Spiele für zu Hause
Insgesamt gibt es 20 Hauptdisziplinen zu bestreiten, welche entweder alleine oder mit bis zu drei Mitspielern angegangen werden können. Darüber hinaus warten diverse Bonus-Minispiele sowie Traumlevels, welche an die
» Yoshi verliert gegen Dr. Robotnik ...
Sonic- und Mario-Universen angelehnt sind. Zirka zwei Drittel der Disziplinen stehen zu Beginn des Titels zur Auswahl – der Rest muss freigespielt werden. Ärgerlich für alle, die sich den Titel ausschließlich für Mehrspieler-Partien zulegen wollen: Das Freischalten muss im Solo-Modus erfolgen und ist vor allem in den späteren Levels nicht ganz frustfrei.

Die Games lassen sich entweder einzeln oder als Zirkelwettbewerb bestreiten. Im Einzelspiel bestimmt nur eine Disziplin über Sieger und Verlierer. Im Zirkel müssen mehrere Disziplinen nacheinander gespielt werden, um Punkte zu sammeln und schlussendlich einen Gesamtsieger zu küren. Für Solisten hält der Titel darüber hinaus noch allerlei Herausforderungen bereit. Jeder der insgesamt 16 spielbaren Charaktere aus Sonic- und Mario-Spielen muss dabei sechs Disziplinen mit bestimmten Voraussetzungen erfüllen. Die Charaktere unterscheiden sich übrigens leicht in punkto Geschwindigkeit, Kraft und Technik voneinander und haben in unterschiedlichen Disziplinen kleinere Vor- und Nachteile.

Laufen, Springen, Schwimmen, Rudern
Die einzelnen Mini-Spiele decken wie bereits erwähnt 20 der gängigsten Sommerspiele-Disziplinen ab. Laufen, Springen, Schwimmen, Werfen und Sportarten wie Tischtennis, Fechten, Rudern und
» In voller Montur ins Wasser.
Schießen gehören unter anderem zum Repertoire. Dabei werden vom Spieler vor allem zwei Dinge gefordert: Ausdauer und gutes Timing. In den meisten Spielen muss zunächst Geschwindigkeit aufgebaut werden, um schnell zu laufen – beispiesweise bei Wettrennen oder dem Anlaufen beim Weitsprung sowie Speerwerfen. Dazu bewegt man die Wiimote und das Nunchuck abwechselnd hoch und runter – je schneller, desto besser.

Timing kommt immer dann ins Spiel, wenn abgesprungen oder beispielsweise ein Speer geworfen werden muss. Hier sollte man möglichst nah vor der Begrenzung die Wiimote nach oben bzw. unten bewegen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Doch Vorsicht: Wer übertritt verliert automatisch! Leider wurden die an sich simplen und eingängigen Spielchen durch zusätzlich erforderte Tastenkombinationen unnötig verkompliziert. So muss man vor dem Start beispielweise den B-Button gedrückt halten, oder beim Speerwerfen vor dem Abwurf A+B. Da diese Kombinationen von Spiel zu Spiel variieren, haben es vor allem Neueinsteiger schwierig, sofort alles richtig zu machen.

Guter Sport, schlechter Sport
Abseits der sich alle doch sehr ähnelnden anstrengenden Disziplinen hält das Spiel noch abwechslungsreichere Sportarten parat. Vor allem das Tischtennis-Spiel weiß zu überzeugen und verleiht dem von Wii-Tennis beliebten Spielprinzip
» Das Rudern erfodert Timing und Ausdauer.
weitere Tiefe. So können Bälle nicht einfach nur zurückgeschlagen, sondern gezielt geschmettert, beziehungsweise abgebremst werden. Das Trampolin-Springen hingegen erfordert blitzschnelle Reflexe beim Ausführen vorgegebener Figuren, welche mittels eingeblendeten Button- und Bewegungs-Kombis ausführbar sind.

Doch es gibt auch weniger gelungene Sportarten. So ist vor allem das Fechten mehr Glück als Können und artet oft in wildes Controller-Fuchteln aus. Ebenfalls mau: Das Skeet-Schießen, welches in seiner Aufmachung und Ausführung kaum langweiliger hätte sein können. Hobbyschützen bekommen allerdings im gelungenen Bogenschießen wiederum Gelegenheit, sich spaßfördernd zu betätigen. Auch die vier Traumlevels sorgen für gelungene Abwechslung und laden die Spieler unter anderem zu einem Wettlauf im Mario Kart-Style inklusive Power-Ups und Geschwindigkeits-Boostern ein.

Technisch nur Bronze und ohne Online-Modus
Abseits dem mit 20 Hauptdisziplinen (+ 4 Traumlevels) etwas knapp ausgefallenen Kernstücks von Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen gibt es noch eine Gallerie mit Minispielen, bei
» Die Figuren sind grafisch gelungen.
denen man gleichzeitig noch etwas über die Geschichte der Olympischen Spiele lernen kann. Allerdings ist die Qualität der Minispiele äußerst schlecht ausgefallen und vermögen es nicht lange, an die Konsole zu fesseln.

Technisch bietet Segas neuester Streich ebenfalls nicht viel Grund zur Euphorie. Die Grafik weiß vor allem durch die schick modellierten – aber leider schwach animierten – Polygonfiguren der Protagonisten zu überzeugen. Die Hintergründe mit ihren Zuschauerbänken hingegen befinden sich auf billigstem Niveau. Insgesamt solide, aber nicht besonders gut – selbst für Wii-Verhältnisse. Weitaus schlimmer trifft es hingegen die Ohren der Spieler. Die Hintergrundmusik ist nicht nur öde, sondern nach kurzer Zeit bereits äußerst nervig. Die üblichen Nintendo-Sprachsamples bei den Charakteren und der gelangweilt wirkende Ansager tragen den Rest dazu bei, dass die Soundkulisse in der Unterdurchschnittlichkeit versinkt. Auch online sieht es düster aus: Lediglich Rekorde dürfen per Wi-Fi hochgeladen werden. Gegeneinander über das Internet spielen funktioniert nicht.
Pro
Minispiele im Mehrspieler-Modus spaßig
Schick modellierte Figuren
16 beliebte Charaktere in einem Spiel
Einige wirklich gelungene Disziplinen
Contra
Etwas wenige und teils sehr ähnliche Disziplinen
Viele Spiele müssen zunächst im Solo-Modus freigeschaltet werden
Unspektakuläre Grafik
Nervtötender Sound
Schwache Bonus-Minispiele in der Gallerie
Kein Online-Modus
Fazit
Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen ist ein prinzipiell gelungenes Gameplay-Revival des All-Time-Klassikers Summergames, hat aber mit einigen Problemem zu kämpfen. Die eher durchschnittliche Technik ist da noch am leichtesten zu verkraften. Viel schwerwiegender ist die Tatsache, dass man quasi zum eher langweiligen und teils frustrierenden Solo-Modus gezwungen wird, um alle Disziplinen für den Mehrspieler-Durchgänge freizuschalten. Da der Titel ganz klar auf spaßige Multiplayer-Partien ausgelegt ist und viele Käufer wohl auch hauptsächlich an diesem interessiert sind, eine nicht zu unterschätzende Spielspaß-Bremse. Auch in punkto Umfang hätte man mehr aus dem Spiel herausholen können. Viele der gerade einmal 20 Disziplinen sind sich zu ähnlich. Die oft unnötig komplizierten Bedienungs-Muster hätten ebenfalls einfacher ausfallen können. Zudem darf man heutzutage erwarten, dass solcherlei Spiele einen Online-Modus bieten. Was bleibt ist eine ordentliche Minispiel-Sammlung mit Macken, die hinter ihrem Potenzial zurückbleibt. Sonic- und/oder Mario-Fans greifen ohnehin zu, während alle anderen die Mankos vor dem Kauf im Hinterkopf behalten sollten.