Ordentliche Minispiel-Sammlung mit bekannten Helden, die allerdings unter einigen Schwächen leidet.
Verkehrte WeltHätte man zu Mega-Drive-Zeiten einem knallharten Sega-Fan prophezeit, dass im Jahre 2007 ein Spiel auf einer Nintendo-Konsole erscheint, in dem Sonic zusammen mit Mario an den Olympischen Spielen teilnimmt,
hätte dieser das Gespräch wohl vorzeitig mit einem Tritt in die Weichteile des Propheten beendet. Heute, 2007, ist die Schlacht Sega vs. Nintendo längst geschlagen – und wie sie ausgegangen ist wissen wir alle: Sega stellt keine eigenen Konsolen mehr her, hat sich aber zu einem erfolgreichen Third-Party-Entwickler gemausert und Nintendo regiert die Konsolen-Welt mit der Wii und dem Nintendo DS.
Kreischende Kinderscharen belagern die DS- und Wii-Regale einschlägig bekannter Elektronik-Ketten und sogar Senioren stehen plötzlich im Fokus millionenverschlingender Marketing-Aktionen. Die
Videospiel-Welt hat sich seit Erscheinen der Wii verändert – und somit natürlich auch die Spiele. Das Zauberwort heißt seit rund einem halben Jahr "Casual Games" und in genau diese Kerbe schlägt auch Segas neuestes Werk
Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen. Der Titel präsentiert sich als Minispiel-Sammlung, die sehr an den Klassiker Summer Games aus dem Jahre 1984 erinnert.
20 Mal Olympische Spiele für zu HauseInsgesamt gibt es 20 Hauptdisziplinen zu bestreiten, welche entweder alleine oder mit bis zu drei Mitspielern angegangen werden können. Darüber hinaus warten diverse Bonus-Minispiele sowie Traumlevels, welche an die
» Yoshi verliert gegen Dr. Robotnik ... |
Sonic- und Mario-Universen angelehnt sind. Zirka zwei Drittel der Disziplinen stehen zu Beginn des Titels zur Auswahl –
der Rest muss freigespielt werden. Ärgerlich für alle, die sich den Titel ausschließlich für Mehrspieler-Partien zulegen wollen: Das Freischalten muss im Solo-Modus erfolgen und ist vor allem in den späteren Levels nicht ganz frustfrei.
Die Games lassen sich entweder einzeln oder als Zirkelwettbewerb bestreiten. Im Einzelspiel bestimmt nur eine Disziplin über Sieger und Verlierer. Im Zirkel müssen mehrere Disziplinen nacheinander gespielt werden, um Punkte zu sammeln und schlussendlich einen Gesamtsieger zu küren. Für Solisten hält der Titel darüber hinaus noch allerlei Herausforderungen bereit. Jeder der insgesamt
16 spielbaren Charaktere aus Sonic- und Mario-Spielen muss dabei sechs Disziplinen mit bestimmten Voraussetzungen erfüllen. Die Charaktere unterscheiden sich übrigens leicht in punkto Geschwindigkeit, Kraft und Technik voneinander und haben in unterschiedlichen Disziplinen kleinere Vor- und Nachteile.
Laufen, Springen, Schwimmen, RudernDie einzelnen Mini-Spiele decken wie bereits erwähnt 20 der gängigsten Sommerspiele-Disziplinen ab. Laufen, Springen, Schwimmen, Werfen und Sportarten wie Tischtennis, Fechten, Rudern und
» In voller Montur ins Wasser. |
Schießen gehören unter anderem zum Repertoire. Dabei werden vom Spieler vor allem zwei Dinge gefordert:
Ausdauer und gutes Timing. In den meisten Spielen muss zunächst Geschwindigkeit aufgebaut werden, um schnell zu laufen – beispiesweise bei Wettrennen oder dem Anlaufen beim Weitsprung sowie Speerwerfen. Dazu bewegt man die Wiimote und das Nunchuck abwechselnd hoch und runter – je schneller, desto besser.
Timing kommt immer dann ins Spiel, wenn abgesprungen oder beispielsweise ein Speer geworfen werden muss. Hier sollte man möglichst nah vor der Begrenzung die Wiimote nach oben bzw. unten bewegen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Doch Vorsicht: Wer übertritt verliert automatisch! Leider wurden die an sich simplen und eingängigen Spielchen durch
zusätzlich erforderte Tastenkombinationen unnötig verkompliziert. So muss man vor dem Start beispielweise den B-Button gedrückt halten, oder beim Speerwerfen vor dem Abwurf A+B. Da diese Kombinationen von Spiel zu Spiel variieren, haben es vor allem Neueinsteiger schwierig, sofort alles richtig zu machen.
Guter Sport, schlechter SportAbseits der sich alle doch sehr ähnelnden anstrengenden Disziplinen hält das Spiel noch abwechslungsreichere Sportarten parat. Vor allem das Tischtennis-Spiel weiß zu überzeugen und verleiht dem von Wii-Tennis beliebten Spielprinzip
» Das Rudern erfodert Timing und Ausdauer. |
weitere Tiefe. So können Bälle nicht einfach nur zurückgeschlagen, sondern gezielt geschmettert, beziehungsweise abgebremst werden. Das Trampolin-Springen hingegen erfordert blitzschnelle Reflexe beim Ausführen vorgegebener Figuren, welche mittels eingeblendeten Button- und Bewegungs-Kombis ausführbar sind.
Doch
es gibt auch weniger gelungene Sportarten. So ist vor allem das Fechten mehr Glück als Können und artet oft in wildes Controller-Fuchteln aus. Ebenfalls mau: Das Skeet-Schießen, welches in seiner Aufmachung und Ausführung kaum langweiliger hätte sein können. Hobbyschützen bekommen allerdings im
gelungenen Bogenschießen wiederum Gelegenheit, sich spaßfördernd zu betätigen. Auch die
vier Traumlevels sorgen für gelungene Abwechslung und laden die Spieler unter anderem zu einem Wettlauf im Mario Kart-Style inklusive Power-Ups und Geschwindigkeits-Boostern ein.
Technisch nur Bronze und ohne Online-ModusAbseits dem mit 20 Hauptdisziplinen (+ 4 Traumlevels)
etwas knapp ausgefallenen Kernstücks von
Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen gibt es noch eine Gallerie mit Minispielen, bei
» Die Figuren sind grafisch gelungen. |
denen man gleichzeitig noch etwas über die Geschichte der Olympischen Spiele lernen kann. Allerdings ist die Qualität der Minispiele äußerst schlecht ausgefallen und vermögen es nicht lange, an die Konsole zu fesseln.
Technisch bietet Segas neuester Streich ebenfalls nicht viel Grund zur Euphorie. Die Grafik weiß vor allem durch die schick modellierten – aber leider schwach animierten – Polygonfiguren der Protagonisten zu überzeugen. Die Hintergründe mit ihren Zuschauerbänken hingegen befinden sich auf billigstem Niveau.
Insgesamt solide, aber nicht besonders gut – selbst für Wii-Verhältnisse. Weitaus schlimmer trifft es hingegen die Ohren der Spieler. Die Hintergrundmusik ist nicht nur öde, sondern nach kurzer Zeit bereits äußerst nervig. Die üblichen Nintendo-Sprachsamples bei den Charakteren und der gelangweilt wirkende Ansager tragen den Rest dazu bei, dass die
Soundkulisse in der Unterdurchschnittlichkeit versinkt. Auch online sieht es düster aus: Lediglich Rekorde dürfen per Wi-Fi hochgeladen werden. Gegeneinander über das Internet spielen funktioniert nicht.