Wunderschönes Japano-Rollenspiel für Fortgeschrittene, die nicht vor Auflevel-Orgien zurückschrecken.Nachdem vor kurzem der erste Teil der
Valkyrie Profile-Reihe in Form einer PSP-Portierung auch endlich den Weg nach Europa gefunden hat, ließen sich die Entwickler nicht lumpen und spendierten auch dem Prequel namens
Valkyrie Profile 2: Silmeria eine Anpassung für den PAL-Markt. Wir haben uns den Nachfolger zum genialen Erstling angeschaut und verraten im
Master-Review, ob die hohen Standards der Serie auch auf der PlayStation 2 gehalten werden.
Abtrünnige Wallküre Valkyrie Profile 2: Silmeria findet
vor den Ereignissen des ersten Teils statt und bildet somit ein Prequel. Statt in die Rolle von
Lenneth schlüpft der Spieler in die ihrer
» Grafisch begeistert Valkyrie Profile 2. |
Schwester
Silmeria. Im Gegensatz zu
Lenneth hält
Silmeria allerdings nicht viel von den Göttern und ihrer Aufgabe als Erwählerin der Gefallenen und wendet sich von Göttervater
Odin ab, um den Menschen zu dienen. Schutz und Tarnung sucht sie dabei im Körper der jungen Prinzessin
Alicia, welche zu ihrem Vater König
Barbadoss zurückkehren will.
Dort angekommen muss sie allerdings feststellen, dass der einst gütige König dem Wahnsinn verfallen ist und mit Hilfe eines magischen Artefaktes einen Krieg gegen die Götter anzetteln will. Höchste Zeit also, mit einer schlagkräftigen Gruppe getreuer Krieger und
Silmerias verbliebener Einherijar - gefallene Krieger, deren Seelen an der Seite der Wallküren kämpfen, bevor sie ins heilige Midgar geschickt werden – den
Weltfrieden zu retten.
Wunderschöne SilmeriaWie es sich für eine von Square-Enix produziertes Spiel gehört, wird beim Erzählen der Geschichte viel Wert auf eine hochwertige Inszenierung gelegt. Neben einigen
wunderschönenen Render-Sequenzen sorgen hier
» Das Charakterdesign ist sehr gelungen. |
vor allem die Szenen in
Spielgrafik für eine dichte Atmosphäre. Professionelle englische Sprecher hauchen den Figuren dabei Leben ein, während die Grafik-Engine dank etlicher Details, hochwertiger Texturen und einem
fantastischen Design ihre Muskeln spielen lässt. Hinzu gesellt sich ein atmosphärischer Soundtrack. Lediglich PS2-typisches
Kantenflimmern trübt den ansonsten überragenden optischen Eindruck des Spiels.
Der Levelaufbau hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert. Nach wie vor bewegt man seine Spielfigur
seitlich über den Bildschirm. Lediglich an fest vorgegebenen Positionen kann man nach hinten oder vorne gehen. Trotz 3D-Grafik bleibt die eigentliche Level-Architektur also zweidimensional. Dabei haben die Entwickler auch wieder
Sprung- und Rätselpassagen eingebaut.
Silmeria kann wie ihre Schwester
Lenneth Feinde per Kristall lähmen. Neu ist die Möglichkeit, mit paralysierten Feinden durch erneuten Beschuss die Position zu wechseln. So gelangt die Spielfigur an höher gelegene Orte oder über Abgründe. Reisen zwischen verschiedenen Orten passieren
per Auswahl auf einer Übersichtskarte – freies Fliegen wie im ersten Teil sowie ein Zeitlimit gibt es nicht mehr.
Überarbeitetes KampfsystemBerührt man einen der umherwandernden Feinde, kommt es automatisch zum Kampf. Hier wechselt das Spiel in eine
3D-Ansicht. Im Gegensatz zum Vorgänger stehen sich Heldengruppe und Monster nicht
» Die Kämpfe machen nach wie vor viel Spaß. |
direkt gegenüber und kommen rundenweise zum Schlag. Stattdessen darf man sich
frei in begrenzten 3D-Arealen bewegen. Erst wenn man in die Reichweite eines Feindes gelangt, kann dieser attackiert werden, beziehungsweise attackiert dieser die Spielerparty. Von hinten beharkte Feinde schlagen dabei immer zuletzt. Fortan geht es dann wie im Vorgänger reihum zur Sache. Jedem der vier Charaktere ist dabei eine Taste zugewiesen, welche ihn attackieren lässt. Ist ein Gegner besiegt, wird das Kampfgebiet weiter durchforstet bis der Anführer der Feinde geschlagen ist.
Das Ganze läuft nicht in Echzeit ab, sondern quasi rundenbasiert. Die Gegner bewegen sich nur dann, wenn sich die Heldengruppe rührt. Man kann also jederzeit anhalten und das Schlachtfeld in Ruhe überblicken, um Feinden gekonnt per
Dash-Manöver in den Rücken zu fallen. Außerdem ist es möglich, seine Vierer-Gruppe aufzuteilen, um Feinde von mehreren Seiten zu flankieren, was sich aufgrund der etwas fummeligen Bedienung aber als recht schwierig entpuppt. Was zunächst etwas verwirrend wirkt, entfaltet schnell zusätzliche taktische Tiefe. So lassen sich einzelne Konkurrenten umgehen, um gezielt den Anführer auszuschalten und den Kampf somit frühzeitig zu beenden.
Siegelsteine und komplexes Skill-SystemUm weiteren Tiefgang ins Spiel zu bringen, haben die Entwickler das
Skill-System überarbeitet und sogenannte
Siegelsteine ins Spiel integriert. Letztere sind magische Artefakte, welche
» Zahlreiche Ingame-Sequenzen erzählen die Story. |
Statuswerte und Fähigkeiten von Heldengruppe und Monstern positiv oder negativ beeinflussen. Sowohl Gegner als auch die Helden können Siegelsteine tragen. Außerdem lassen sich diese Steine auf Podesten ablegen, was wiederum Bereichseffekte auslöst. Der Clou bei den magischen Artefakten: Sie können nicht aus Dungeons mitgenommen werden. Statt dessen müssen sie in Quellen platziert werden, um sie an anderer Stelle (also weiter entfernten Dungeons) aus selbigen zurückzugewinnen.
Beim Skill-System gilt es Ausrüstungen so miteinander zu kombinieren, so dass versteckte Talente entdeckt werden. Wurde ein Talent enthüllt, kann es durch Kämpfe aufgelevelt und schlussendlich erlernt sowie dem Charakter zur aktiven Nutzung zugewiesen werden. Ebenfalls wichtig ist das Schmieden geheimer Items bei Händlern. Im Gegensatz zu den frei käuflichen Waffen und Rüstungen muss man zum Erlangen besonders mächtiger Items zunächst Stammkunde werden und sich schlussendlich Items schmieden lassen. Ersteres geschieht einfach durch exzessives Kaufen bei ein und demselben Händler, während das Erstellen neuer Items bestimmte Baumaterialen vorrausetzt. Diese werden in erster Linie natürlich ebenfalls durch Kämpf ergattert.
Harter Brocken und Power-LevelingObwohl das Kampfsystem an sich sehr gelungen ist und flotte Fights gegen die KI-Gegner zulässt, findet sich der größte Kritikpunkt des Spiels gerade in diesen Auseinandersetzungen wieder. So zeigt sich
» In Dörfern wird Ausrüstung nachgestockt. |
der
Schwierigkeitsgrad von
Valkyrie Profile 2: Silmeria eindeutig
zu hoch. Was Profis und Auflevel-Süchtige erfreut, wird viele Normal-Zocker schnell abschrecken und eventuell sogar die Lust am sonst so überragenden Spiel verlieren lassen. Ohne
Power-Leveling ist nämlich ab spätestens Kapitel 3 von 7 kaum mehr ein Stich zu machen.
Dementsprechend umfangreich gestaltet sich allerdings auch die Spielzeit. Rund
40 bis 50 Stunden wird man benötigen, um den Abspann über den Schirm flimmern zu sehen. Bedenkt man zudem, dass der Titel eine UVP von unter 40 Euro trägt, ergibt sich somit ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis – und das bei einer sehr hochwertigen technischen Inszenierung. Ein alternatives Ende oder unterschiedliche Schwierigkeitsgrade wie im ersten Teil sucht man allerdings vergebens, so dass sich der Wiederspielwert in Grenzen hält.