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Master-Review:   » drucken    » versenden

Killzone 2

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 30.01.2009
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Killzone 2 ist endlich gelandet und erfüllt nicht nur die technischen Erwartungen voll und ganz.

Killzone 2005 vs. Killzone 2009
Killzone 2 – kaum ein Name ist in der Videospiel-Industrie mit soviel Hoffnung, Spott, Hype und Herunterreden zugleich gesegnet beziehungsweise gestraft wie Sonys potenzieller Vorzeige-Shooter. Alles begann auf der E3 im Jahre 2005, wo ein spektakulärer Trailer zum Nachfolger des PS2-Shooters gezeigt wurde. Als wenige Stunden später herauskam, dass es sich nur um einen Render-Trailer mit "gefakten" Ingame-Szenen handelte, war das Geschrei groß.

Bis heute wird aktuelles Ingame-Material mit dem damaligen Trailer verglichen und hitzig diskutiert, inwiefern Entwickler Guerilla Games sein hochgestecktes Ziel erreichen konnte. Alle Fans dürfen aufatmen und den Neidern und Zweiflern den Finger zeigen. Natürlich werden Texturqualität und Detailreichtum des Rendertrailers nicht erreicht, aber Killzone 2 sieht verdammt gut aus. Dank der überragenden Special- und Licht-Effekte sogar deutlich lebendiger und stylisher als im besagten Trailer.

Next-Gen hat begonnen
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Killzone 2 das bis dato schönste, beeindruckendste und optisch spektakulärste Spiel ist, das eine Videospiel-Plattform jemals abspielen durfte. Selbst
» Auf Helghan ist die Hölle los!
hinter einem Koloss wie Crysis muss sich Guerilla Games Werk nicht verstecken, während im Konsolensektor kein anderer Titel auch nur annähernd an die hier gebotene Grafik-Qualität heranreicht. Die Heerschar von Programmierern sowie die lange Entwicklungszeit haben sich diesbezüglich definitiv ausgezahlt.

Vom Art-Design über den Detailreichtum bis hin zur technischen Umsetzung stimmt hier einfach alles. Seien es die beeindruckenden, teils extrem weitläufigen Levels, die grandiosen Effekte (Licht, Schatten, Rauch, Explosionen, etc.) oder die besten Ragdoll-Animationen aller Zeiten: Killzone 2 lässt die Kinnlade dauerhaft nach unten klappen und den Spieler nach Luft ringen. Das alles stets flüssig, ohne Popups, Tearing oder sonstige Mankos. Schwächelnde Texturen muss man mit der Lupe suchen. Einzige, selten auffallende Schwäche stellen einige Flimmerschatten dar, die vor allem in Zwischensequenzen zu sehen sind. Kurzum: Man könnte seitenweise über die grafische Großartigkeit von Killzone 2 berichten, doch fassen wir es zusammen: Es sieht einfach bombastisch aus.

Space Nazis must die!
Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt: Nachdem die abtrünnigen Helghast unter Diktator Visari in Killzone und Killzone Liberation die ISA-Truppen angriffen, schlagen diese nun zurück. Eine Invasion
» Der Krieg zwischen ISA und Helghast fordert viele Opfer.
des Heimatplaneten Helghan soll dem Übel ein für allemal ein Ende setzen. Templar, der Held aus Teil 1 und dem PSP-Ableger Liberation, ist mittlerweile zum Colonel aufgestiegen und gibt das Kämpfen am Boden an andere Soldaten ab. Einer von diesen ist Sgt. Tomas "Sev" Sevchenko, in dessen Rolle der Spieler schlüpft. Charakterwechsel wie im ersten Teil gibt es nicht mehr in Killzone 2 – wohl aber Treffen mit weiteren alten Bekannten.

Erzählt wird die Invasions-Geschichte durch zahlreiche sehr gelungene Ingame-Zwischensequenzen und natürlich während des Spielverlaufs mittels Fluch-lastigen Dialogen zwischen den Soldaten. Letztere hätten durchaus ein wenig unprolliger mit mehr wert auf echten Charakter bei den Soldaten ausfallen dürfen, was diese weniger austauschbar gemacht hätte. Andererseits baut der Titel so eine typische "Hirn raus, Magazin rein"-Atmosphäre auf, wie man sie aus typischen Ballerfilmen kennt. Passend dazu gibt es natürlich allerlei Bombast-Sound und eine filmreife, pompöse Musikuntermalung.

Innen schön, wie außen
Glücklicherweise ist Killzone 2 viel mehr als beeindruckend dargestellter digitaler Schall und Rauch. Auch das Gameplay weiß zu überzeugen. Die mit rund sechs bis acht Stunden leider etwas knapp ausgefallene Kampagne fesselt
» Bedrohlicher denn je: Die Helghast.
von der ersten bis zur letzten Sekunde und bietet die spektakulärsten Feuergefechte, die man je in einem Ego-Shooter bestaunen durfte. Auch hier greift die mittlerweile ausreichend beschworene Technik voll und ganz. Feinde laufen, schießen und sterben nicht nur einfach, sie hechten geschickt von Deckung zu Deckung, schlagen Rollen, legen sich auf den Boden, ziehen sich zurück, flankieren den Spieler, stürzen tödlich getroffen über Treppengeländer, werden durch Fenster geschleudert oder stressen den Spieler gut gedeckt durch Blindfeuer.

Der Detailreichtum ist hierbei unglaublich: Teilweise werden Helghast-Soldaten durch Druckwellen an Wände geschleudert, verlieren ihre Helme, rappeln sich auf, schütteln sich kurz und schlagen den verdutzt dreinschauenden Spieler mit einem gekonnten Nahkampfangriff nieder, um anschließend über dessen Leichnam gebeugt Triumpf-Posen loszuwerden. Das Ganze funktioniert übrigens komplett dynamisch, ganz ohne gescriptete Ereignisse. Letztere kommen natürlich dennoch zum Einsatz – beispielsweise dann, wenn ein Panzer durch eine Wand bricht oder feindliche Verstärkungen per Lufttransport anrücken. Natürlich werden bei solch heftigen Auseinandersetzungen auch die Umgebungen arg in Mitleidenschaft gezogen. So bersten Fensterscheiben, Gastanks und Fässer gehen in Luft auf und Deckungen bröseln unter heftigem Feuer dahin. Lediglich die KI verbündeter Truppen will hier nicht so ganz reinpassen. Viel zu oft rennen diese wie aufgescheuchte Hühner ins Feindesfeuer oder die Schusslinie des Spielers.

Abwechslungsreiches Dauergeballer
Abseits der unglaublich packenden Feuergefechte bietet Killzone 2 auch allerlei Abwechslung. Diese wird vor allem durch die verschiedenen Feindtypen mit jeweils eigenen Taktiken sowie das superbe Leveldesign erreicht.
» Nicht alles Gute kommt von oben.
So kämpft man sich in der Hauptstadt von Helghan durch enge Seitengassen und Häuserschluchten, während im staubigen, weitläufigen Wüstenabschnitten Sniper Jagd auf den Spieler machen. Desweiteren kämpft man sich unter anderem durch finstere Fabrikanlagen, über einen fahrenden Zug und eine schwer befestigte Brücke.

Dabei stehen einem nicht nur unterschiedlichste Helghast-Soldaten im Weg, sondern auch fliegende Kampfdrohnen, Panzer, MG- und Flaknester sowie einige Bosse und Spezialgegner wie schwer gepanzerterte Maschinengewehr-Truppen. Gerade bei letzteren lässt Killzone 2 dann auch voll seine Videospiel-Seite raushängen. So muss man den fetten Kolossen erst auf den Kopf schießen bis sie sich umdrehen, um anschließend ihre Rückenkanister zur Explosion zu bringen. Selbstredend steht einem für all das ein umfangreiches Waffen-Arsenal zur Verfügung, welches von der einfachen Pistole über diverse Sturm- und Maschinengewehre, Bolzenschießer und Blitzkanone bis hin zum Raketenwerfer reicht. Die Zweitfeuerfunktionen aus dem Vorgänger sind allerdings der Schere zum Opfer gefallen – außerdem darf man nur noch eine Hauptwaffe und Pistole sowie einige Handgranaten mit sich herumschleppen.

Gewichtiger Shooter
In Sachen Bedienung lehnt sich Killzone 2 an Shooter-Standards. Laufen, springen, zielen, schießen, nachladen, Waffen wechseln – alles geschieht intuitiv und präzise. Allerdings fällt Killzone 2 etwas träger aus als andere Ego-Shooter,
» Die Action ist einfach bombastisch.
was jedoch nicht negativ aufgefasst werden sollte. Stattdessen wirkt das Ganze deutlich realistischer und "gewichtiger" als bei der Konkurrenz, wenn man sich in Deckung wuchtet, den Rückschlag der Waffen spürt oder die grandiosen Nachladeanimationen bestaunt.

Ein Gameplay-Novum im Spiel ist das Deckungssystem. Dieses funktioniert ähnlich wie bei Tom Clancy's Rainbow Six: Vegas, nur, dass der Titel beim In-Deckung-Gehen die Perspektive nicht in die Third-Person-Ansicht wechselt. Wie gehabt kann man sich anschließend aus der Deckung hervor lehnen, um zu feuern, oder an dieser entlang schleichen. Übrigens darf in Killzone 2 erstmals auf Knopfdruck auch hinter stationären Geschützen in Deckung gegangen werden – ein längst überfälliges Feature im Shooter-Bereich. Features, von denen man vor allem in den letzteren Levels und den beiden höheren von den insgesamt vier Schwierigkeitsgraden exzessiven Gebrauch machen sollte, wenn man überleben will.

Online-Future-Krieg
Abseits der Solo-Kampagne bietet Killzone 2 noch einen extrem gelungenen Mehrspieler-Part. Auf insgesamt acht Karten zieht man hier in zwei Teams mit beziehungsweise gegen bis zu 31 andere
» Die unterschiedlichen Klassen lassen sich kombinieren.
Spieler in die Schlacht. Dazu stehen fünf Spiel-Modi zur Verfügung: vom einfachen Team-Deathmatch, über Beschütze/Töte-Missionen, Punkt- und Objekteroberungen bis hin zum Bombenlegen. Der Clou: Vor Spielstart darf gewählt werden, welche dieser Modi in der jeweiligen Runde vorkommen. Ähnlich wie im Gefechts-Modus von Resistance 2 wechseln die Missionsziele während des Spielverlaufs dann regelmäßig.

Eine weitere sehr gelungene Komponente des Mehrspieler-Modus ist das Klassensystem. Dieses beschränkt den Spieler nicht auf die insgesamt sechs Klassen (Sturmsoldat, Ingeneur, Sanitäter, Scharfschütze, Taktiker und Saboteur) sondern lässt ihn diese bis zu einem bestimmten Grad mischen, um beispielsweise als schwer gepanzerter Sanitäter ins Feld zu ziehen. Motivierend: Sämtliche Klassen und Erweiterungen müssen zunächst freigespielt werden, was durch ein Auflevelsystem geschieht. Jeder startet also als einfacher Soldat und bekommt erst nach und nach neue Klassen, Waffen, Fähigkeiten und Optionen wie Clangründungen angeboten. Wer keinen Internetanschluss besitzt darf den Mehrspieler-Modus übrigens auch mit bis zu 15 Bots offline bestreiten - allerdings können hier nur die Karte sowie die Botanzahl, nicht aber die Spiel-Modi bestimmt werden. Das aus der Solo-Kampagne bekannte Deckungssystem kommt im Mehrspieler-Part aus Spielfluss-Gründen übrigens nicht zum Einsatz.
Pro
Schön, schöner, Killzone 2!
Überragender Mehrspieler-Modus mit motivierendem Klassensystem
Nervenaufreibende Kampagne mit superbem Leveldesign
Schlaue Gegner-KI
Offline-Spiele mit Bots
Brachial-pompöse Sounduntermalung
Knalliges Waffenarsenal
Contra
Dümmliche Kameraden
Kampagne hätte länger sein dürfen
Einige Flimmerschatten
Keine sekundären Feuerfunktionen mehr
Fazit
Guerilla Games hat das geschafft, was kaum einer für möglich gehalten hat: Neben der technischen Brillianz bietet Killzone 2 nämlich vor allem eines: Spielspaß! Sei es in der großartigen Solo-Kampagne mit ihrem abwechslungsreichen Level- und Gegnerdesign oder im überragenden Mehrspieler-Part für bis zu 32 Personen. Killzone 2 lässt alle anderen vergleichbaren Spiele alt aussehen und bietet mit seiner brachialen Inszenierung und dramatischen Kämpfen ein einmaliges Spielerlebnis. Dabei erfindet der PS3-exklusvie Ego-Shooter das Genre natürlich nicht neu, bereichert es aber um allerlei feine Details wie das gelungene Deckungssystem oder hervorragende Klassensystem des Mehrspieler-Parts. Auch die hochdynamischen Kämpfe gegen die klug agierenden, unterschiedlichen Gegnertypen suchen ihresgleichen – auch wenn die eigenen Leute meist etwas planlos durch die Gegend irren. Natürlich hätte die Kampagne etwas länger ausfallen dürfen und wer ganz genau hinschaut findet sogar einige wenige schwächelnde Texturen sowie flimmernde Schatten – dem enormen Spielspaß sowie dem bombastischen Gesamteindruck der technischen Inszenierung schaden diese Kleinigkeiten allerdings nicht im Geringsten. Wer sich selbst also für Actionspiele zumindest entfernt interessiert oder als Grafik-Fetischist durchgeht, der muss Killzone 2 einfach kaufen - im Notfall gleich im Bundle mit einer PlayStation 3.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Ego-Shooter
Publisher
SCEE
Entwickler
Guerilla Games
Website
-
Release
27. Februar 2009
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User-Bewertung
90
19 Bewertungen
1 Review
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