Killzone 2 ist endlich gelandet und erfüllt nicht nur die technischen Erwartungen voll und ganz.
Killzone 2005 vs. Killzone 2009Killzone 2 – kaum ein Name ist in der Videospiel-Industrie mit soviel Hoffnung, Spott, Hype und Herunterreden zugleich gesegnet beziehungsweise gestraft wie Sonys potenzieller Vorzeige-Shooter. Alles begann auf der E3 im Jahre 2005, wo ein spektakulärer Trailer zum Nachfolger des PS2-Shooters gezeigt wurde. Als wenige Stunden später herauskam, dass es sich nur um einen Render-Trailer mit "gefakten" Ingame-Szenen handelte, war das Geschrei groß.
Bis heute wird aktuelles Ingame-Material mit dem damaligen Trailer verglichen und hitzig diskutiert, inwiefern Entwickler Guerilla Games sein hochgestecktes Ziel erreichen konnte. Alle Fans dürfen aufatmen und den Neidern und Zweiflern den Finger zeigen. Natürlich werden Texturqualität und Detailreichtum des Rendertrailers nicht erreicht, aber
Killzone 2 sieht verdammt gut aus. Dank der überragenden Special- und Licht-Effekte sogar deutlich lebendiger und stylisher als im besagten Trailer.
Next-Gen hat begonnenEs ist nicht übertrieben zu sagen, dass
Killzone 2 das bis dato
schönste, beeindruckendste und optisch spektakulärste Spiel ist, das eine Videospiel-Plattform jemals abspielen durfte. Selbst
» Auf Helghan ist die Hölle los! |
hinter einem Koloss wie
Crysis muss sich Guerilla Games Werk nicht verstecken, während im Konsolensektor kein anderer Titel auch nur annähernd an die hier gebotene Grafik-Qualität heranreicht. Die Heerschar von Programmierern sowie die lange Entwicklungszeit haben sich diesbezüglich definitiv ausgezahlt.
Vom Art-Design über den Detailreichtum bis hin zur technischen Umsetzung stimmt hier einfach alles. Seien es die beeindruckenden, teils extrem weitläufigen Levels, die grandiosen Effekte (Licht, Schatten, Rauch, Explosionen, etc.) oder die besten Ragdoll-Animationen aller Zeiten:
Killzone 2 lässt die Kinnlade dauerhaft nach unten klappen und den Spieler nach Luft ringen. Das alles stets flüssig, ohne Popups, Tearing oder sonstige Mankos. Schwächelnde Texturen muss man mit der Lupe suchen. Einzige, selten auffallende Schwäche stellen einige Flimmerschatten dar, die vor allem in Zwischensequenzen zu sehen sind. Kurzum: Man könnte seitenweise über die grafische Großartigkeit von
Killzone 2 berichten, doch fassen wir es zusammen: Es sieht einfach bombastisch aus.
Space Nazis must die!Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt: Nachdem die abtrünnigen Helghast unter Diktator Visari in
Killzone und
Killzone Liberation die ISA-Truppen angriffen, schlagen diese nun zurück. Eine Invasion
» Der Krieg zwischen ISA und Helghast fordert viele Opfer. |
des Heimatplaneten Helghan soll dem Übel ein für allemal ein Ende setzen. Templar, der Held aus Teil 1 und dem PSP-Ableger Liberation, ist mittlerweile zum Colonel aufgestiegen und gibt das Kämpfen am Boden an andere Soldaten ab. Einer von diesen ist Sgt. Tomas "Sev" Sevchenko, in dessen Rolle der Spieler schlüpft.
Charakterwechsel wie im ersten Teil gibt es nicht mehr in
Killzone 2 – wohl aber Treffen mit weiteren alten Bekannten.
Erzählt wird die Invasions-Geschichte durch
zahlreiche sehr gelungene Ingame-Zwischensequenzen und natürlich während des Spielverlaufs mittels Fluch-lastigen Dialogen zwischen den Soldaten. Letztere hätten durchaus ein wenig unprolliger mit mehr wert auf echten Charakter bei den Soldaten ausfallen dürfen, was diese weniger austauschbar gemacht hätte. Andererseits baut der Titel so eine typische "Hirn raus, Magazin rein"-Atmosphäre auf, wie man sie aus typischen Ballerfilmen kennt. Passend dazu gibt es natürlich
allerlei Bombast-Sound und eine filmreife, pompöse Musikuntermalung.
Innen schön, wie außenGlücklicherweise ist Killzone 2 viel mehr als beeindruckend dargestellter digitaler Schall und Rauch. Auch das Gameplay weiß zu überzeugen. Die mit rund sechs bis acht Stunden leider etwas knapp ausgefallene Kampagne fesselt
» Bedrohlicher denn je: Die Helghast. |
von der ersten bis zur letzten Sekunde und
bietet die spektakulärsten Feuergefechte, die man je in einem Ego-Shooter bestaunen durfte. Auch hier greift die mittlerweile ausreichend beschworene Technik voll und ganz. Feinde laufen, schießen und sterben nicht nur einfach, sie hechten geschickt von Deckung zu Deckung, schlagen Rollen, legen sich auf den Boden, ziehen sich zurück, flankieren den Spieler, stürzen tödlich getroffen über Treppengeländer, werden durch Fenster geschleudert oder stressen den Spieler gut gedeckt durch Blindfeuer.
Der
Detailreichtum ist hierbei unglaublich: Teilweise werden Helghast-Soldaten durch Druckwellen an Wände geschleudert, verlieren ihre Helme, rappeln sich auf, schütteln sich kurz und schlagen den verdutzt dreinschauenden Spieler mit einem gekonnten Nahkampfangriff nieder, um anschließend über dessen Leichnam gebeugt Triumpf-Posen loszuwerden. Das Ganze funktioniert übrigens komplett dynamisch, ganz ohne gescriptete Ereignisse. Letztere kommen natürlich dennoch zum Einsatz – beispielsweise dann, wenn ein Panzer durch eine Wand bricht oder feindliche Verstärkungen per Lufttransport anrücken. Natürlich werden bei solch heftigen Auseinandersetzungen auch die Umgebungen arg in Mitleidenschaft gezogen. So bersten Fensterscheiben, Gastanks und Fässer gehen in Luft auf und Deckungen bröseln unter heftigem Feuer dahin.
Lediglich die KI verbündeter Truppen will hier nicht so ganz reinpassen. Viel zu oft rennen diese wie aufgescheuchte Hühner ins Feindesfeuer oder die Schusslinie des Spielers.
Abwechslungsreiches DauergeballerAbseits der unglaublich packenden Feuergefechte bietet
Killzone 2 auch
allerlei Abwechslung. Diese wird vor allem durch die verschiedenen Feindtypen mit jeweils eigenen Taktiken sowie das superbe Leveldesign erreicht.
» Nicht alles Gute kommt von oben. |
So kämpft man sich in der Hauptstadt von Helghan durch enge Seitengassen und Häuserschluchten, während im staubigen, weitläufigen Wüstenabschnitten Sniper Jagd auf den Spieler machen. Desweiteren kämpft man sich unter anderem durch finstere Fabrikanlagen, über einen fahrenden Zug und eine schwer befestigte Brücke.
Dabei stehen einem nicht nur
unterschiedlichste Helghast-Soldaten im Weg, sondern auch fliegende Kampfdrohnen, Panzer, MG- und Flaknester sowie einige Bosse und Spezialgegner wie schwer gepanzerterte Maschinengewehr-Truppen. Gerade bei letzteren lässt
Killzone 2 dann auch voll seine Videospiel-Seite raushängen. So muss man den fetten Kolossen erst auf den Kopf schießen bis sie sich umdrehen, um anschließend ihre Rückenkanister zur Explosion zu bringen. Selbstredend steht einem für all das ein
umfangreiches Waffen-Arsenal zur Verfügung, welches von der einfachen Pistole über diverse Sturm- und Maschinengewehre, Bolzenschießer und Blitzkanone bis hin zum Raketenwerfer reicht. Die Zweitfeuerfunktionen aus dem Vorgänger sind allerdings der Schere zum Opfer gefallen – außerdem darf man nur noch eine Hauptwaffe und Pistole sowie einige Handgranaten mit sich herumschleppen.
Gewichtiger ShooterIn Sachen Bedienung lehnt sich
Killzone 2 an Shooter-Standards. Laufen, springen, zielen, schießen, nachladen, Waffen wechseln – alles geschieht intuitiv und präzise. Allerdings fällt Killzone 2 etwas träger aus als andere Ego-Shooter,
» Die Action ist einfach bombastisch. |
was jedoch nicht negativ aufgefasst werden sollte. Stattdessen
wirkt das Ganze deutlich realistischer und "gewichtiger" als bei der Konkurrenz, wenn man sich in Deckung wuchtet, den Rückschlag der Waffen spürt oder die grandiosen Nachladeanimationen bestaunt.
Ein Gameplay-Novum im Spiel ist das Deckungssystem. Dieses funktioniert ähnlich wie bei
Tom Clancy's Rainbow Six: Vegas, nur, dass der Titel beim In-Deckung-Gehen die Perspektive nicht in die Third-Person-Ansicht wechselt. Wie gehabt kann man sich anschließend aus der Deckung hervor lehnen, um zu feuern, oder an dieser entlang schleichen. Übrigens darf in
Killzone 2 erstmals auf Knopfdruck auch hinter stationären Geschützen in Deckung gegangen werden – ein längst überfälliges Feature im Shooter-Bereich. Features, von denen man vor allem in den letzteren Levels und den beiden höheren von den
insgesamt vier Schwierigkeitsgraden exzessiven Gebrauch machen sollte, wenn man überleben will.
Online-Future-KriegAbseits der Solo-Kampagne bietet
Killzone 2 noch einen
extrem gelungenen Mehrspieler-Part. Auf insgesamt acht Karten zieht man hier in zwei Teams mit beziehungsweise gegen bis zu 31 andere
» Die unterschiedlichen Klassen lassen sich kombinieren. |
Spieler in die Schlacht. Dazu stehen
fünf Spiel-Modi zur Verfügung: vom einfachen Team-Deathmatch, über Beschütze/Töte-Missionen, Punkt- und Objekteroberungen bis hin zum Bombenlegen. Der Clou: Vor Spielstart darf gewählt werden, welche dieser Modi in der jeweiligen Runde vorkommen. Ähnlich wie im Gefechts-Modus von
Resistance 2 wechseln die Missionsziele während des Spielverlaufs dann regelmäßig.
Eine
weitere sehr gelungene Komponente des Mehrspieler-Modus ist das Klassensystem. Dieses beschränkt den Spieler nicht auf die insgesamt sechs Klassen (Sturmsoldat, Ingeneur, Sanitäter, Scharfschütze, Taktiker und Saboteur) sondern lässt ihn diese bis zu einem bestimmten Grad mischen, um beispielsweise als schwer gepanzerter Sanitäter ins Feld zu ziehen. Motivierend: Sämtliche Klassen und Erweiterungen müssen zunächst freigespielt werden, was durch ein Auflevelsystem geschieht. Jeder startet also als einfacher Soldat und bekommt erst nach und nach neue Klassen, Waffen, Fähigkeiten und Optionen wie Clangründungen angeboten. Wer keinen Internetanschluss besitzt darf den Mehrspieler-Modus übrigens auch
mit bis zu 15 Bots offline bestreiten - allerdings können hier nur die Karte sowie die Botanzahl, nicht aber die Spiel-Modi bestimmt werden. Das aus der Solo-Kampagne bekannte Deckungssystem kommt im Mehrspieler-Part aus Spielfluss-Gründen übrigens nicht zum Einsatz.