Evolution statt Revolution: Konamis Klassenprimus stagniert auf hohem Niveau.
Who's the king? Kaum ein Duell führt in Zockerkreisen zu einer derart starken Lagerbildung wie die jährliche Auseinandersetzung um den Fußballthron. Wie jedes Jahr schicken dabei
EA mit der
FIFA-Reihe und
Konami mit
Pro Evolution Soccer gewichtige Argumente ins Rennen. Die neueste Auflage letzterer Reihe weckt schon mit einer kleinen Namensänderung Hoffnung auf spielerische Innovationen. Bei der Konkurrenz schon seit jeher üblich, schmückt sich
PES 2008: Pro Evolution Soccer erstmals mit der Jahreszahl im Titel.
Um es gleich vorweg zu nehmen: dies ist tendenziell als schlechtes Omen zu werten, da
PES 2008 in der vorliegenden PS2-Fassung wie ein jährliches Update mit Minimalverbesserungen daher kommt. Doch erstmal wollen die positiven Aspekte hervor gehoben werden. Zwar hat man im Gegensatz zu den NextGen-Versionen das neue
Schwalben-Feature wegrationalisiert, dafür wartet die PS2-Umsetzung mit dem umfangreicheren Statistik-Part und einem erweiterten Trainingsmodus auf. Dieser ist auch dringend nötig, denn die Basics der Steuerung lassen sich zwar schnell verinnerlichen, komplexere Tricks und Kniffe gehen jedoch erst mit viel Übung flüssig von der Hand.
Hässliches Entlein In Sachen Präsentation gewinnt
Pro Evolution Soccer auch in der vorliegenden Fassung keinen Blumentopf. Optisch bewegt sich der Titel auf Vorjahresniveau, doch immerhin läuft das Geschehen nun
auch » Gleich rappelt's im Karton. |
bei 60Hz stets flüssig und in Summe auch etwas schneller als bisher. Dafür ist die neue Menüführung nicht einfach nur gewöhnungsbedürftig sondern schlicht und ergreifend grauenvoll. Von akustischer Seite her zeigt sich das Entwicklerstudio
Seabass bemüht und wartet mit einer
umfangreichen Tracklist mit Musikstücken verschiedenster Genres auf. Lizenzierte Ohrwürmer werdet ihr jedoch mit Ausnahme des
Kaiser Chiefs-Titelsongs vergeblich suchen.
Während in der UK-Fassung ein neues Kommentatoren-Duo zum Einsatz kommt, müssen Besitzer der hiesigen Umsetzung mit den
berühmt-berüchtigten Sprechern Hansi Küpper und
Rolf Fuß Vorlieb nehmen. Deren Repertoire beschränkt sich im Großen und Ganzen auf die aus den Vorgängern bekannten Sprüche und weiß beständig zu nerven. Leider Gottes ist es auch nicht mehr möglich, alternativ die britischen Experten für die Berichterstattung zu wählen. Auch die Geräuschkulisse wirkt im direkten Vergleich zur
FIFA-Serie äußerst verhalten.
Die inneren Werte zählen Seine Pluspunkte sammelt
PES 2008: Pro Evolution Soccer dann auch nicht bei der Präsentation sondern im eigentlichen Geschehen am Rasen. Die Ballphysik ist über jeden
» C. Ronaldo zieht auf und davon. |
Zweifel erhaben und die Spielzüge erinnern an spannende Auseinandersetzungen am mittwöchlichen Champions League-Abend. Mit ein Garant hierfür ist die abermals
aufpolierte KI. Unter dem Schlagwort
Team Vision finden wir so in etwa die CPU-Fähigkeit, eure erfolgreichen Spielzüge zu analysieren und sich damit darauf einzustellen.
Wer also den Angriff über die Flanken zum Programm erhebt, wird alsbald produktive Gegenmaßnahmen zu spüren bekommen. Den Sieg nach Schema F gibt es somit definitiv nicht mehr. Auch laufen sich eure Kameraden viel klüger frei, so dass ihr in der Offensive immer genügend Anspieloptionen vorfindet. Bei den Spielmodi bildet nach wie vor die Meister-Liga das Rückgrat des Titels. Kleine Neuerungen wie ein
Popularitätsranking für Verein und individuelle Fußballer zeigen Einfluss auf Transferverhandlungen. Dennoch können diese Änderungen nicht darüber hinweg täuschen, dass im Grunde alles beim Alten geblieben ist und dieser Modus nach nur wenigen Saisonen sehr eintönig wird.
Around the World Erstmals mit an Bord befinden sich die
Welt-Tour und der
Community-Modus. Erstere stellt euch vor
insgesamt 100 Missionen, die jeweils einen Sieg unter erschwerenden Zusatzbedingungen fordern. So müsst ihr etwa den Kontrahenten niederringen, ohne dabei ein Abseits zu verursachen. Der Community-Modus hingegen verstärkt den Spielspaßgarant Multiplayer und erlaubt einer
Offline-Community von bis zu 16 Freunden, ihre Duelle anhand detailierter Statistiken zu analysieren. Leider bleibt der Spaß online dank regelmäßiger
gravierender Lags oftmals auf der Strecke
Doch auch diese Neuerungen können nicht über den schwerwiegendsten Mangel hinweg trösten: der
großen Lizenzmisere. Zwar gibt es wie jedes Jahr
winzige Fortschritte auf diesem Gebiet zu verzeichnen, Vereine wie FC Basel sind jedoch bei aller Liebe nicht die Offenbarung im internationalen Fußballkanon. Im Gegenzug fehlt abermals die deutschen Nationalmannschaft. Im englischen Vereinsfußball müssen bei den Lizenzen gar minimale Rückschritte verzeichnet werden. Waren in der Vorjahresfassung noch Arsenal und ManU als einzige Teilnehmer namentlich korrekt vertreten, so firmieren heuer stattdessen die weniger prominenten Mannschaften aus Tottenham und Newcastle unter der richtigen Bezeichnung. Zum Glück berührt dies nicht die Namen der Spieler und eine kurze Änderung im
umfangreichen Editor verschafft schnelle Abhilfe.