Gelungene Weltraum-Action in knallbunter Optik, der es etwas an Umfang fehlt.Kaum ein Genre hat in den letzten Jahren so viel an Bedeutung verloren wie das der Weltraumsimulationen-/Shooter. Gehörten diese vor geraumer Zeit mit Wing Commander, X-Wing oder Freespace zu einem gut bedienten Spieltypen, findet man heute kaum noch gelungene Vertreter dieser Spielegattung in den Regalen – ganz zu schweigen davon, dass Games dieser Art auf Konsolen ohnehin nie einen guten Stand hatten. Diesen Missständen will Square-Enix nun mit
Project Sylpheed entgegen wirken. Ob ihnen dies gelungen ist, steht wie immer im
Master-Review.
Krieg im KosmosDie Hintergrundgeschichte zu
Project Sylpheed ist schnell erzählt: Die Erdenstreitkräfte TERRA liegen im Clinch mit den
aufsässigen Rebellenkämpfern der ADAN, welche den Frieden
» Margras und Katana kämpfen auf verschiedenen Seiten. |
bedrohen. Der Spieler schlüpft in die Rolle des jungen Kampfpiloten
Katana, welcher zusammen mit seiner Freundin Ellen auf der Seite der Erde zahlreiche hitzige Weltraumgefechte vor sich hat. So weit, so gut. Doch Square-Enix wäre nicht Square-Enix, wenn sie diese an sich recht unspektakuläre Geschichte nicht mit einem großen Knall erzählen würden.
Dieser entsteht mittels etlicher Rendersequenzen, welche die Geschichte zwischen den
16 Kampagnen-Missionen durch spektakuläre Raumschlachten, zahlreiche Charaktere und viel animetypischen Herzschmerz sehr ansehnlich machen. Vor allem das Verhältnis zwischen
Katana und seinem den ADAN-Truppen hörigen Freund
Margras sorgt hier für einige spannende Momente in den Tiefen des Alls. Wer jedoch fiese Außerirdische vom Schlage der Katzenmonster Kilrathi oder bösen Shivaner aus Freespace erwartet, wird enttäuscht – lediglich Menschen wollen sich in
Project Sylpheed gegenseitig ans Leder.
Bunt, bunter, SylpheedDirekt ins Auge sticht der selbst für japanische Verhältnisse
extrem bunte Stil des Spiels, welcher beim Raumschiff- und Laser-Waffen-Design seinen Anfang nimmt, sich über die vielfarbigen Frisuren der Charaktere
fortsetzt und im knallbunten Universum mit seinen zahlreichen Gasnebeln noch lange kein Ende nimmt. Sowohl die Zwischensequenzen als auch die Ingamegrafik fackeln ein extremes Farbfeuerwerk ab, was leider nicht immer der Übersicht zu Gute kommt.
Rein optisch weiß der Titel dennoch zu gefallen. Die Rendersequenzen besitzen zwar nicht das Format eines
Final Fantasy-Titels, können sich aber dennoch mehr als nur sehen lassen. Die Ingamegrafik besticht durch etliche Jäger, Kreuzer und große Schlachtschiffe gleichzeitig auf dem Bildschirm und weiß vor allem in punkto Effekten zu punkten: gigantische Laserstrahlen, Schweife ziehende Raketen und bombastische Explosionen erfreuen hier im Verbund mit passenden Soundeffekten die Sinne. Die Geschmäcker spalten wird hingegen die Musikuntermalung. Diese macht nämlich vorwiegend Gebrauch von dudeligen Japano-Klängen, welche westliche Gehörgänge ziemlich schnell nerven können. Auch trüben eine instabile Framerate und zu große (aber immerhin äußerst nützliche) HUD-Anzeigen den technisch ansonsten guten Gesamteindruck.
Jäger, Bomber, SchlachtschiffeSpielerisch gibt sich
Project Sypheed wie man es von einem Weltraumtitel erwartet. Mittels Analogsticks navigiert man sein Schiff durch die Tiefen des Alls, weicht feindlichem Beschuss aus und feuert seinerseits etliche Raketen
» Der Grafikstil ist extrem bunt. |
, MG-Salven und Strahlen in Richtung Gegner. Diese gibt es in vielen verschiedenen Formen (und passend zum Grafikstil auch Farben): Wenige Jäger sind vor allem im Kampf gegen kleine Schiffe eine Bedrohung, während schwere Bomber zwar leicht abzuschießen sind, allerdings für Kreuzer und Flaggschiffe eine große Bedrohung darstellen. Die größeren Brocken bilden Kreuzer, Schlachtschiffe und Träger, welche nicht nur neue Jäger ins Gefecht schicken sondern auch durch ihre massiven Strahlenwaffen und dicken Panzerungen zur echten Bedrohung avancieren. Das Ganze
spielt sich sehr actionreich, driftet allerdings nicht komplett ins Arcade-Genre ab, so dass gewisse Simulationsgrundlagen erhalten bleiben.
Der Spieler selbst hingegen kann
nur auf einen einzigen Typ Raumjäger zurückgreifen. Dieser lässt sich zwischen den Missionen allerdings
individuell bewaffnen, so dass man ihn auf verschiedene Kampfsituationen wie das Vernichten von schweren Kreuzern oder Abfangen von Bombern optimieren kann. Insgesamt stehen dem Spieler dazu vier Waffenslots zur Verfügung, die mit allerlei Raketentypen, Laserwaffen, Maschinenegewehren, Bomben oder nützlichen Tools wie Schildverstärkern oder Reparaturrobotorn bestückt werden können. Anfangs stehen einem aber nur ein paar der etlichen Waffen zur Verfügung. Der Rest muss mittels
in Missionen verdienten Punkte freigeschaltet werden.
Abwechslungsreiche Missionen und geringer UmfangDie Steuerung wirkt auf den ersten Blick etwas überladen, bietet sie doch zahlreiche Möglichkeiten zum Navigieren, Einstellen von
» Zahlreiche Sequenzen erzählen die Story. |
Waffen, Durchschalten von Zielen und Befehligen von Wingmen. Wer allerdings das
umfangreiche Tutorial spielt, wird sich schnell in die Tricks und Kniffe des interstellaren Kämpfens einfinden.
Drei verschiedene Schwierigkeitsgrade sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch Profis einer angemessenen Herausforderung gegenüber gestellt werden. Ebenfalls punkten kann
Project Sylpheed beim
Missionsdesign. Hier wird Abwechslung groß geschrieben, so dass man neben „schieß alles ab“-Aufträgen auch zahlreiche Beschütz-Aktionen durchführen muss. Besonders beeindruckend sind groß angelegte Raumschlachten mit mehreren Schlachtschiffen auf beiden Seiten und zahlreichen Jäger – hier kommt echtes Weltraum-Kriegs-Feeling auf.
Weniger beeindruckend ist hingegen der Umfang. Gerade einmal
rund zehn Stunden wird man brauchen, um den Titel durchzuspielen. Motivation für einen erneuten Durchgang bietet hier nur das Freischalten weiterer Waffen und sammeln aller Medallien für besondere Verdienste. Auch fehlt dem Titel ein Mehrspieler-Modus, welcher für Spielzeit über die Solo-Kampagne hinaus hätte sorgen können.