Einmaliges, aber teures Kartenspiel-Vergnügen für die PlayStation 3.
Draw your cardsSony und Wizards of the Coast (Magic the Gathering) beweisen Mut für Neuheiten und bringen mit
The Eye of Judgment ein nie dagewesenes Spielprinzip auf den Markt, welches Konsolen-Zocken, Eyetoy-Spielereien und
» Auf dem TV werden die Karten zum Leben erweckt. |
Trading Card-Game zu einem innovativen Ganzen vereint. Mit Hilfe des neuen
PlayStation Eye - also dem Nachfolger zur Eyetoy-Kamera – erweckt man
ganz normale Karten zu virtuellem Leben und lässt sie auf seinem Fernseher gegeneinander antreten. Doch fangen wir von vorne an.
Die
stolze 100 Euro teure Box kommt mit Starterdeck und Booster-Pack, einem Spielfeld aus Stoff sowie Stativ und dem PlayStation Eye daher. Nachdem die Kamera per USB an die Konsole angeschlossen, das Spielfeld aufgebaut und eine Hand voll einfacher Einstellungen vorgenommen wurden, um die Kamera an die gegebenen Lichtverhälnisse anzupassen und entsprechend auszurichten, sollte man sich zunächst die sehr hilfreichen Tutorial-Videos im Hauptmenü anschauen. Diese erklären den Spielverlauf sehr eingängig und bereiten einen ausreichend auf alles Kommende vor.
Rundenbasiertes KartenlegenZiel des Spiels ist es, fünf des drei mal drei Felder großen Spielplanes mit eigenen Kreaturen zu besetzen.
Der Ablauf einer jeden Runde ist gleich. Zunächst zieht man eine Karte von seinem dreißig Karten umfassenden
» Die Kämpfe der Monster sind schick animiert. |
Deck, anschließend werden zwei Manapunkte gutgeschrieben. Danach können bereits auf dem Feld platzierte Kreaturen aktiviert werden. Mögliche Aktionen sind das Drehen der eigenen Truppen sowie deren Angriffsbefehl. Bewegen können sich die Untertanen jedoch nicht. Außerdem dürfen Zauber gewirkt werden, um beispielsweise seine Truppen zu heilen oder dem Gegner Schaden zuzufügen. Während das Drehen und Angreifens jederzeit möglich ist, erfordern bestimmte Zauberaktionen entsprechende Karten auf der Hand des Spielers, die anschließend abgelegt werden.
Zu guter Letzt besteht noch die Möglichkeit, eine Kreatur auf einem freien Feld in die Schlacht zu schicken. Die Soldaten sind in fünf verschiedenen Elementen (Feuer, Wasser, Erde, Natur und Bionisch) angesiedelt. Jedes Element, außer dem bionischen, ist mit zwei Feldern auf dem Spielfeld vertreten.
Beschwört man Kreaturen auf ihrem "Heimatfeld", erhalten diese einen Lebensenergie-Bonus. Umgekehrt gibt es einen Malus, wenn man sie auf einem entgegengesetzten Element, beispielweise Feuerkreaturen auf Wasser, beschwört. Nachdem diese angegriffen haben, ist der Zug automatisch beendet. Jede Aktion kostet, je nach Zauber oder Kreatur, eine gewisse Anzahl Manapunkte. Solange genug Mana vorhanden ist, dürfen beliebig viele eigene Einheiten aktiviert sowie Zauber gesprochen werden.
Easy to learn ...Was zunächst simpel klingt gewinnt durch die vielen verschiedenen Kreaturen an Tiefe.
Neben Lebensenergie und Angriffskraft sind vor allem die Fähigkeiten einer Einheit wichtig. Neben normalen Nahkämpfern, welche nur
» Die Monster sind liebevoll designt. |
benachbarte Felder angreifen können, sorgen Schützen für erweiterte Möglichkeiten. Auch gibt es Einheiten, die mehrere Felder gleichzeitig angreifen können, beispielsweise alle benachbarten oder im Winkel. Dabei sollte man aber stets darauf achten, dass verbündete Truppen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.
Etliche Sonderfähigkeiten, wie mehr Schaden gegen Feinde bestimmter Elemente, die Fähigkeit Angriffen besser zu widerstehen, ganz auszuweichen oder Erstschlag auch beim Verteidigen bringen zusätzliche Spieltiefe.
Zudem spielt es eine große Rolle, von wo aus Einheiten angegriffen werden. So erleiden von hinten attackierte Soldaten mehr Schaden, während frontal angegriffene Einheiten im Normalfall einen Gegenschlag haben. Was genau als Vorder- und Rückseite einer Einheit gilt ist auf den Karten in einfachen Symbolen erklärt. Ebenso beinhalten die Kartenangaben natürlich die
Lebensenergie, Spezialfertigkeiten, Angriffsreichweite, Mana- und Aktivierungskosten sowie die Elementzugehörigkeit. Logischerweise sorgt soviel Komplexität beim Spiel gegen Menschen für entsprechende Wartezeiten wenn der Gegner dran ist. Etwas Geduld sollte man beim Spielen also aufbringen. Theoretisch kann
The Eye of Judgment übrigens auch
komplett ohne PS3 und PlayStation Eye gespielt werden.
... hard to master!Mehr Spaß macht es natürlich mit Konsole und Kamera. Die Karten werden dabei einfach unter die Erfassungseinheit auf das Spielfeld abgelegt. Das PlayStation Eye erkennt diese anhand am oberen und unteren Kartenrand
» Im Stapel-Editor bastelt man sich seine Decks. |
abgedruckten Muster und zaubert die entsprechende Polygonfigur auf den Bildschirm. Kommt es zum Kampf zwischen zwei Kreaturen, wird dies durch eine entsprechende (in den Optionen abschaltbare) Animation begleitet – ebenso hat jeder Zauber einen eigenen Effekt. Die
Grafik ist dabei sehr bunt und detailliert gehalten, was auf ganzer Linie überzeugt. Begleitet wird diese Szenerie durch heftige, sich leider zu
schnell wiederholende Heavy Metal-Tracks und gute Soundeffekte. Auch der englische Ansager weiß mit seiner martialischen Stimme sehr zu gefallen.
Das Erkennen der Karten via PlayStation Eye klappt nach ein wenig Herumexperimentieren mit den Einstellungsmöglichkeiten und den Lichtverhältnissen im Zimmer sehr gut. Das Spiel funktioniert
sowohl in sehr hellen als auch etwas dunkleren Räumen und erkennt die Karten zuverlässig und schnell solange man diese richtig unter der Kamera platziert. Wichtig hierbei ist, dass sowohl die Unter- als auch Oberseite der Karte komplett sichtbar ist für die Kamera.
Wähle deinen GegnerHat man die Regeln erklärt bekommen, bieten sich ein oder zwei Partien gegen den Computer an, um diese zu verinnerlichen. Leider gibt es hier nur Duelle und
keine Kampagne. Natürlich darf man auch sofort online oder
» Metall-Drache gegen Feuer-Magier. |
lokal an einer PlayStation 3 gegen einen menschlichen Kontrahenten in die Schlacht ziehen. Um Betrügereien im Onlinespiel vorzubeugen, müssen Decks für das Internetspiel einmalig registriert werden. Dies geschieht indem man jede Karte im Deckbau-Menü unter die Kamera hält. Mehrfach vorhandene Karten müssen gleichzeitig unter das PlayStation Eye gehalten werden, um zu verifizieren, dass man entsprechend oft im Besitz dieser Karte ist. Es gibt übrigens keine Überkarten, so dass selbst mit dem Starterdeck und beigelegten Booster solide Chancen online herrschen.
Zwei, drei Booster-Packs und/oder ein Themenpack zusätzlich sind dennoch empfehlenswert, um ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten für eigene Decks zu haben. Schließlich macht dies einen erheblichen Teil des Spielspaßes aus.
Im Online-Spiel gibt einem die CPU vor, welche Karten aus seinem Deck man auf der Hand hat. So
beugt das Programm Schummeleien vor und hat stets den Überblick darüber, wie viele und welche Karten die Spieler auf ihren Händen halten. Die Prozedur mag zunächst etwas mühseelig klingen, ist bei genauerem Nachdenken aber der einzig logische Weg ein solches Spiel auch dann fair zu halten, wenn einem der Gegner nicht direkt gegenüber sitzt. Der Netzcode funktioniert im Spiel gegen europäische und amerikanische Spieler gut, lediglich im Spiel gegen Asiaten kommt es zu Lags, welche teils horrende Wartezeiten zwischen den Rundenphasen mit sich bringen.