Spannender und abwechslungsreicher Ausflug in den Wilden Westen.Nicht wirklich fair, aber immer wieder an der Tagesordnung im Spielesektor: Ein wirklich guter Titel in einem unverbrauchten Szenario erreicht die Fertigstellung, heimst gute Wertungen in einschlägigen Spielemagazinen ein und ... floppt. So auch geschehen bei dem PC-Ego-Shooter
Call of Juarez. Wahrscheinlich um den Verlust zu minimieren entschied sich Publisher Ubisoft nun dazu, das Game für die Xbox 360 zu portieren. Was der Titel taugt, deckt das folgende
Master-Review auf.
Zwei Helden, ein SchicksalEs ist nicht leicht ohne Vater, Halbmexikaner zu sein, obendrein unter allen wichtigen Leuten seines Heimatortes verdächtigt zu werden ein ganz schlimmer Bursche zu sein ... vor allem nicht im Wilden Westen. So
» Im Wilden Westen geht es rau zu. |
ergeht es auch dem jungen
Billy, der zwar gerne mal seine Langfinger ausstreckt, um sich an fremdem Eigentum zu bereichern, ansonsten aber ein
ganz braver Kerl ist. Als jedoch eines Tages Mutter sowie sein Stiefvater umgebracht werden und er bei den Leichen erwischt wird, geht der Ärger erst richtig los.
Der Priester des Provinzstädtchens, zufällig Bruder des Ermordeten, macht Jagd auf den jungen
Billy. Dass beide dabei in eine noch viel größere Geschichte rund um
finstere Banditen, mordlüstige Indianer, hübsche Farmertöchter und einen uralten Goldschatz der Mayas verwickelt werden, macht das Ganze nur noch interessanter. Dementsprechend ordentlich zeigt sich auch die Story, welche mittels einigen Ingame-Sequenzen und vorgelesenen Texten während der Ladesequenzen erzählt wird.
Wer Arges tut, der hasst das LichtDer Spieler schlüpft abwechselnd in die Rolle von
Reverend Ray und
Billy. Als Mann Gottes folgt man
gängigen Ego-Shooter-Pfaden. Mit Flinte und Colt verbreitet man Angst und Schrecken unter den Sündigern.
» Gegner auf Pferden sind schwer zu treffen. |
Einhändige Waffen lassen sich beliebig kombinieren, während Gewehre beide Hände beanspruchen. Witziges Detail am Rande: Der Priester führt stets eine Bibel mit sich, welche sich ebenfalls ausrüsten lässt. Betätigt man anschließend den entsprechenden Trigger wirft er seinen Feinden böse Zitate entgegen. Wesentlich nützlicher ist allerdings der Konzentrations-Modus des Priesters, welcher es ihm erlaubt, mittels
zwei Pistolen in Zeitlupe zu schießen.
Billy hingegen
bevorzugt es seinen Feinden aus dem Weg zu gehen. Mit Hilfe langsamer Bewegungen und guter Deckung kann man so die meisten Auseinandersetzungen meiden und sicher das Levelende erreichen. Wer jedoch keine Lust auf Stealth-Elemente hat, darf sich seinen Weg auch freiballern – zum ausgiebigen Schleichen gezwungen wird man nur an zwei Stellen im Spiel. Dazu stehen
Billy die gleichen Waffen wie dem Priester zur Verfügung plus ein lautlauser Bogen. Letzterer eignet sich natürlich perfekt, um Gegner lautlos aus dem Hinterhalt auszuschalten. Blutig geht es dabei in der deutschen Version allerdings nicht zu – diese ist nämlich wie immer geschnitten.
Winetou trifft Indiana JonesDes Weiteren sind
Billys Levels mit zahlreichen Kletter- und Jump'n'Run-Einlagen gespickt. So muss man beispielsweise in einer Mission einen riesigen Berg erklimmen, während es gegen Ende Fallen auszuweichen und
» So schön kann der Westen sein. |
kleinere Rätsel zu lösen gilt. Auch gibt es Aufträge, in denen gar nicht bis kaum gekämpft wird und das Erkunden der riesigen Umgebungen im Vordergrund steht. Unterstützt wird man dabei von einem
praktischen Kompass, welcher in den meisten Levels die Richtung zum nächsten Ziel anzeigt. Außerdem besitzt
Billy eine Peitsche, mit der er sich nicht nur gegen Feinde zur Wehr setzen, sondern auch Abgründe überwinden kann.
Natürlich darf in einem echten Western-Game auch das Reiten auf Pferden nicht fehlen. Sowohl mit dem Priester als auch mit
Billy muss man so
einige Schießereien und Verfolgungsjagden auf dem Rücken der Vierbeiner überstehen. Ebenfalls im Game: Duelle, bei denen der schnellste Schütze gewinnt. Alles in allem gibt sich das Leveldesign für Shooterverhältnisse sehr abwechslungsreich. Lediglich einige Patzer wie plötzliches Sterben durch unfair platzierte Gegner oder Fallen stechen negativ hervor. Hier verhindern allerdings
gut platzierte Checkpoints größeren Frust.
Der goldene WestenTechnisch bietet
Call of Juarez einen bekannt hohen Ubisoft-Standard. Die
Grafik ist sowohl in der Umgebungsgestaltung als auch bei den Charaktermodellen sehr detailliert und überzeugt durch eine gigantische Weitsicht.
» Billy ist bei den Dorfbewohnern nicht beliebt. |
Die Animationen wissen ebenfalls zu überzeugen, befinden sich allerdings nicht auf ganz so hohem Niveau. Getrübt wird das tolle Gesamtbild lediglich durch einige Popups, welche vor allem beim schnellen Reiten durch Wald und Prärie ins Auge stechen, sowie störendes Kantenflimmern. Beim Sound sorgen eingängige Western-Melodien, krachige Soundeffekte und
professionelle deutsche Sprecher für einen Ohrenschmaus.
Die Bedienung orientiert sich an gängigen Standards und geht gut von der Hand. Lediglich die sehr penible Kollisionsabfrage beim Befestigen der Peitsche an Abgründen und Ästen kann auf die Nerven gehen. Des Weiteren hat man an einigen Stellen im Leveldesign gepatzt, was dazu führen kann, dass die Hauptfigur an Orte gelangt, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt. Hier hilft nur das Laden des letzten Checkpoints. Wer nach dem rund
zehn Stunden umfassenden Hauptspiel Lust auf mehr verspürt, darf sich an höheren Schwierigkeitsgraden, Duell-Herausforderungen, Bonus-Levels und dem
Mehrspieler-Modus versuchen. Letzterer bietet online bekannte Spiel-Modi wie Deathmatch-Varianten, Capture the Flag und Durchbruch.