Tolle Portierung eines hierzulande nie erschienenen Rollenspiel-Juwels der PlayStation 1-Ära.Japano-Rollenspiele auf der PlayStation Portable sind eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits gibt es – US-Importe mit berücksichtigt – mittlerweile eine stattliche Anzahl von Genre-Vertretern, andererseits handelt es sich dabei meistens um Remakes alter Klassiker. Auch vermochten die exklusiv für Sonys Handheld entwickelten J-RPGs bisher kaum wirklich zu überzeugen. Mit
Valkyrie Profile: Lenneth hat es vor einem halben Jahr ein weiteres Remake auf die PSP geschafft, welches nun auch bei uns erhältlich ist. Mehr dazu im
Master-Review.
Ritt der WalküreEines vorweg:
Valkyrie Profile: Lenneth ist ein Remake des PlayStation 1-Spiels
Valkyrie Profile welches hierzulande nie erschienen ist. Bis auf einige neue,
aufwändige Rendersequenzen und kleinere
» Die Rendersequenzen sind neu. |
Bugfixes ist die PSP-Version identisch mit dem PS1-Original. Im Spiel schlüpft der Spieler in die Rolle der Walküre
Lenneth. Ihre Aufgabe ist es, für Obergott
Odin Krieger auf der Erde (Midgar) zu rekrutieren, damit sie am Ragnarok (dem Ende der Welt) für diesen im Himmel kämpft. Nebenbei erfährt
Lenneth einiges über ihre eigene, traurige Vergangenheit, was den Spieler auf der Jagd nach geeigneten Seelen bei der Stange hält.
Der Titel ist nach dem Prolog und vor dem Finale in
acht Kapitel unterteilt, welche man damit verbringt, eine Weltkarte nach geeigneten Einherjar (gefallene Krieger, die nach ihrem Tod nach Asgard gebracht werden) abzusuchen. Dazu stehen einem pro Kapitel 24 Tage Zeit zur Verfügung, welche durch das
Besuchen von Dungeons oder
Anheuern neuer Verbündeter zur Neige gehen. Gewonnene Freunde finden entweder in der eigenen Party Platz oder werden zu Odin nach Asgard geschickt.
Behalten oder verschenken?Es gilt also zu entscheiden, welche Charaktere behalten und welche nach Asgard geschickt werden. Zu wenige Krieger im Jenseits lassen die Götter erbosen und sorgen für schlechte Bewertungen am Ende eines Zyklus
sowie eine dementsprechend magere Belohnung in Form von Ausrüstung und Materialize Points. Letztere dienen zum Erschaffen von Ausrüstungsgegenstände sowie Heiltränke und ersetzen prinzipiell eine Währung.
Wer nun Frust wittert, weil das Zeitlimit zu knapp sein könnte oder Fehler im Senden der falschen Charaktere geschehen, der sei beruhigt. Jedes Kapitel verfügt über
mehr als genug Tage, um alle vorhandenen Dungeons und jeden Verbündeten anzuheuern sowie zwischendurch Zeit für Heilung zu finden. Auch werden die meisten Spieler dazu übergehen, die ersten gefundenen Streiter in ihre feste Gruppe aufzunehmen und anschließend überflüssige Charaktere nach Asgard zu senden, was tadellos funktioniert. Gravierende Fehler geschehen hier im Normalfall nicht. Man sollte sich also weder Stress mit dem vermeindlichen Zeitlimit noch den zu sendenden Einherjar machen.
Melancholische AtmosphäreEin Großteil der einmaligen Atmosphäre des Spiels entsteht durch die zahlreichen tragischen Mini-Storys, die jeder der anheuerbaren Charaktere mit sich bringt. Bevor dieser nämlich von der Walküre als Einherjar klassiert werden
» Das Kampfsystem ist rundenbasiert. |
kann, muss er zunächst sterben. In schicker 2D-Optik und mit
wunderschön trauriger Musik untermalt stimmen hier mitreißende Geschichten und aufwühlende Schicksale den Spieler oft sehr melancholisch. Leider wird die englische Sprachausgabe diesen hohen Inszenierungs-Standards nicht ganz gerecht und vergrault zuweilen vor allem durch übermäßige Betonung. Auch dürfte für Leute ohne Englischkenntnisse eine
fehlende Lokalisierung ein Dorn im Auge sein, denn auch alle Texte im Spiel sind nicht eingedeutscht.
Natürlich besteht
Valkyrie Profile: Lenneth nicht nur aus Truppenmanagement und dem Absuchen einer Weltkarte. Die meiste Zeit verbringt man mit dem Erforschen sehr gut designter Dungeons, Kämpfen gegen Fieslinge sowie Jump'n'Run-Einlagen. Ja richtig gelesen. Square-Enix' Rollenspiel-Klassiker setzt während dem Fortbewegen in dunklen Gemäuern und finsteren Gruften auf
Jump'n'Run-Einlagen aus der Seitenansicht, welche überwiegend das Überspringen von Abgründen vom Spieler verlangen.
Harmloses Springen und knackige RätselAllerdings sind diese Einlagen allesamt sehr harmlos gehalten, so dass auch nicht so geschickte Gamer problemlos jeden Abgrund überwinden können – zumindest so lange man nicht versucht, besonders hartnäckig versteckte
» Die Grafikeffekte im Kampf können sich sehen lassen. |
Geheimkisten zu bergen. Anspruchsvoller sind hingegen einige Rätsel, welche in den zahlreichen, teils sehr komplexen Dungeons auf den Spieler warten. Sehr entgegenkommend hierbei:
Valkyrie Profile Lenneth verzichtet komplett auf Zufallskämpfe. Alle Feinde können gesehen werden und lassen sich im Notfall mit etwas Geschick auch problemlos umgehen. Zudem respawnen Kontrahenten normalerweise nicht.
Um seine Charaktere im Level zu steigern und dadurch neue Fertigkeiten und Attribute zu erhalten, sollte man jedoch nicht alle Kämpfe meiden, sondern ordentlich Monster verkloppen. Dies macht aufgrund des
sehr guten Kampfsystems und der schicken, effektgeladenen 2D-Optik eine Menge Spaß. Auch hier geht der Titel einen ganz eigenen Weg. So findet das Geschehen zwar streng rundenbasiert auf einem seperaten Kampfbildschirm statt, allerdings gilt es dennoch seine Krieger mit etwas Geschick gut getimet auf die Feinde eindreschen zu lassen.
Actionreiches Runden-KampfsystemJedem der maximal vier in der Gruppe befindlichen Charakter ein Button zugeordnet. Je nach Waffe des Kämpfers kann dieser ein bis drei Mal angreifen. Jede Angriff wird durch das Betätigen des jeweiligen Charakterknopfes
» Das Dungeon-Design ist gelungen. |
ausgelöst. Stimmt man seine Krieger so aufeinander ab, dass sie gleichzeitig angreifen, lassen sich verheerende Kombos erzielen. Dies wiederum füllt einen Energiebalken, welcher bei voller Power Superattacken zulässt. Spezialangriffe und Zaubersprüche sind allerdings nur benutzbar, solange die
Charge Turn(CT)-Punkte eines Helden auf Null stehen. Führt man eine Sonderaktion aus, steigen diese Punkte und es können nur noch normale Angriffe ausgeführt werden. CT-Punkte senken sich jede Runde automatisch, verschwinden allerdings schneller, indem man Gegner im richtigen Moment trifft, was wiederum ein wenig Timing und Geschick vom Spieler erfordert.
Neben den Bereichen Atmosphäre, Kampfsystem und Dungeondesign weiß das Spiel zudem im Umfang stark zu punkten. So kann man für das einmalige Durchspielen gut und gerne
30 bis 40 Stunden berappen. Zudem bietet der Titel noch drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, welche das Spielerlebnis maßgeblich beeinträchtigen. So erhält man erst im Hard-Modus vollen Zugriff auf alle Dungeons, Charaktere und Gegenstände des Titels, was ein erneutes Durchspielen sehr reizvoll macht. Außerdem locken
drei verschiedene Endings sowie ein Bonus-Dungeon neugierige Gamer zum erneuten Angehen des Titels.