Auch auf dem Wii ein Garant für knallharte Free-Roaming-Action: Tony Montana.1983 verließ
Al Pachino in der Rolle seines Lebens in
Scarface mit einem Knall die Bühne. Fast ein viertel Jahrhundert nach dem spektakulären Ableben der Gangsterikone lassen Radical Entertainment und Vivendi Games den cholerischen Einwanderer aus Kuba in einem Videospiel wieder auferstehen, um sich alles zurück zu holen, was er einst verlor – und das nun auch endlich auf Nintendos Wii! Wie die Portierung geklappt hat, verrät unser
Master-Review.
Say hello to my little friend! Tony Montana hatte das geschafft, von dem die meisten Kleinkriminellen träumen: Dem mittellosen kubanischen Einwanderer gelang der Aufstieg zum gefürchtetsten
Verbrecherboss Miamis mit einem
ganzen Imperium an Untergebenen. Doch seine Gier wurde zu groß, was im gleichnamigen Kultfilm der 80er-Jahre nicht nur seine engsten Vertrauten sondern auch ihn selbst das Leben kostete. Um dennoch eine Fortsetzung der Filmstory zu ermöglichen, änderten die Entwickler kurzerhand das Ende der Geschichte.
Scarface: The World is Yours fängt dort an, wo der Film endete, was einen
sehr actionreichen Einstieg ins Game zur Folge hat. Mittels großer Knarre und etlichen Kraftausdrücken ballert und flucht man sich im Auftakt aus der
Third-Person-Perspektive gegen ein Killerkommando durch die Villa des gestürzten Drogenbarons. Allerdings nur, um anschließend alles zu verlieren: Geld, Macht, Ruhm und Besitz. Doch im Gegensatz zur Filmvorlage überlebt
Tony die Schießerei und taucht für drei Monate unter. Zurück in der Stadt, die einst ihm gehörte, liegt es nun am Spieler, den gefallenen Drogenkönig abermals an die Spitze der Machtpyramide zu führen.
Geld regiert die WeltDas Gameplay orientiert sich dabei wie so viele Titel der Vergangenheit am beliebten
GTA-Prinzip. So kann man neben
Miami auch eine nahegelegene, umfangreiche Inselgruppe frei mit Fahrzeugen, Booten
» Geld. Autos. Dicke Knarren. |
oder zu Fuß erkunden und dabei während dessen allerlei Beschäftigungen nachgehen. Das Ausmaß der Spielwelt ist irgendwo zwischen
Grand Theft Auto: Vice City und
Grand Theft Auto: San Andreas anzusiedeln und bietet somit einen ansprechenden Flächenumfang. Ziel ist natürlich die Kontrolle über all dies zu erlangen. Dazu müssen nicht nur Schlüsselpositionen wie kleine Märkte oder größere Etablisements eingenommen und verteidigt, sondern auch allerlei
Luxusartikel angehäuft werden, um den Prollfaktor und somit den Ruhm des Anti-Helden zu vergrößern.
Rivalisierende Gangs und die
Polizei werfen dabei stets ein Auge auf
Tony und gehen immer aggressiver gegen ihn vor. Glücklicherweise lassen sich die lästigen Zeitgenossen ruhig stellen. Dies alles geschieht vorrangig durch das Aufwenden von Bargeld. Polizei und Gangs sind ebenfalls durch geschickte Gesprächsführung in Form
simpler Minispiele zu beruhigen. Harte Dollars hingegen erntet man durch allerlei mehr oder weniger umfangreiche Nebenaktivitäten wie Drogenhandel, Gefälligkeiten für Freunde, Mordaufträge und Autorennen. Die Steuerung wurde dabei gekonnt an die Wiimote angepasst und ermöglicht nun Zielen mittels Ausrichten des Controllers, was problemlos funktioniert. Problematisch wird es allerdings beim Drehen der freien Kamera – dies funktioniert mit einem zweiten Analogstick einfach wesentlich komfortabler.
F*** you f****** F*****!Um Abwechslung zum geldträchtigen Alltag zu schaffen, kommen zu den üblichen Geschäftsabläufen mit dem Ausweiten des Einflußgebietes stets neue Hauptmissionen hinzu. Diese
werden - ganz GTA-like - durch
coole Ingame-Zwischensequenzen eingeleitet und abgeschlossen und treiben so die
gute Story voran. Im Gegensatz zu den sich irgendwann wiederholenden Nebenmissionen sind die Hauptmissionen einfallsreicher und actiongeladener. Meistens stehen wüste Schießereien im Vordergrund - oft aber auch halsbrecherische Verfolgungsjagden mit Autos und Booten oder ein Mix aus beidem. Hierbei fliegen nicht nur tödliche Kugeln sondern durch Schütteln des Nunchuck auch
wüsteste Schimpfworte.
Beleidigt man seine Gegner während sie unter Beschuss stehen, sorgt dies für einen schnelleren Anstieg von Tonys
Wut-Anzeige. Ist diese voll, kann für einige Sekunden in einen Berserkermodus gewechselt werden, in dem man die Feinde unbesiegbar aus der
Ego-Perspektive aufs Korn nimmt. Gezielt wird entweder manuell oder über die
komfortable Lock-On-Funktion, die auch aus Vehikeln heraus gute Dienste leistet. Hierbei wird mit der Wiimote lediglich feinjustiert, um empfindliche Stellen wie den Kopf oder die Weichteile des Kontrahenten zu treffen. Somit ist auch das in vergleichbaren Titeln oft problematische simultane Fahren und Ballern kein Problem, was für Spaß statt Frust in den Autokämpfen sorgt.
Bring me my f****** car!Weitere Komfortpunkte heimst
Scarface: The World is Yours mit den hilfreichen Bediensteten ein. Diese bringen per Anruf Vehikel samt Kofferraum voller Waffen aus
Tonys Garage vorbei, stehen ihm im Kampf
» Die 80er-Atmosphäre ist gut eingefangen. |
hilfreich zur Seite oder verteidigen die hart verdienten Immobilien. In bestimmten Nebenmissionen schlüpft man sogar selbst in die Rolle dieser Helfer und lehrt feindlichen Gangs beispielsweise als Schläger Respekt.
Checkpoints schützen während der teils recht deftigen Missionen vor Frust. Stirbt man, geht jegliches Geld verloren, was man bei sich führt und startet an jenen neu. Zuvor auf jederzeit zugänglichen Banken gelagerte Finanzmittel kommen dabei nicht abhanden. Technisch präsentiert sich das Programm für Wii-Verhältnisse auf gutem Niveau.
Vor allem der
Sound muss hier als herausragendes Merkmal genannt werden: Zahllose lizensierte Musiktracks aus dem O.S.T. des Films und verschiedene Genre-Medleys sorgen für die entsprechende Musikuntermalung, während professionelle Sprecher den Figuren Leben einhauchen. Die Soundeffekte sind wuchtig und passend gewählt. Die Grafikengine protzt durch eine große Weitsicht, detaillierte Figuren und Umgebungen, leidet allerdings unter Kantenflimmern, Slowdowns und kleineren Animations- sowie Clipping-Fehlern. Sämtliche Ladezeiten sind in einem erträglichen Rahmen. Leider wurde die deutsche Version wieder geschnitten. Es gibt zwar Blut, allerdings lassen sich Feinde nicht verstümmeln und auch die Anzeige, wo ein Feind getroffen wurde, hat es nicht in die angepasste Variante geschafft.