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Master-Review:   » drucken    » versenden

Scarface: The World is Yours

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 13.07.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Auch auf dem Wii ein Garant für knallharte Free-Roaming-Action: Tony Montana.

1983 verließ Al Pachino in der Rolle seines Lebens in Scarface mit einem Knall die Bühne. Fast ein viertel Jahrhundert nach dem spektakulären Ableben der Gangsterikone lassen Radical Entertainment und Vivendi Games den cholerischen Einwanderer aus Kuba in einem Videospiel wieder auferstehen, um sich alles zurück zu holen, was er einst verlor – und das nun auch endlich auf Nintendos Wii! Wie die Portierung geklappt hat, verrät unser Master-Review.

Say hello to my little friend!
Tony Montana hatte das geschafft, von dem die meisten Kleinkriminellen träumen: Dem mittellosen kubanischen Einwanderer gelang der Aufstieg zum gefürchtetsten Verbrecherboss Miamis mit einem
» Tony ist wieder da!
ganzen Imperium an Untergebenen. Doch seine Gier wurde zu groß, was im gleichnamigen Kultfilm der 80er-Jahre nicht nur seine engsten Vertrauten sondern auch ihn selbst das Leben kostete. Um dennoch eine Fortsetzung der Filmstory zu ermöglichen, änderten die Entwickler kurzerhand das Ende der Geschichte.

Scarface: The World is Yours fängt dort an, wo der Film endete, was einen sehr actionreichen Einstieg ins Game zur Folge hat. Mittels großer Knarre und etlichen Kraftausdrücken ballert und flucht man sich im Auftakt aus der Third-Person-Perspektive gegen ein Killerkommando durch die Villa des gestürzten Drogenbarons. Allerdings nur, um anschließend alles zu verlieren: Geld, Macht, Ruhm und Besitz. Doch im Gegensatz zur Filmvorlage überlebt Tony die Schießerei und taucht für drei Monate unter. Zurück in der Stadt, die einst ihm gehörte, liegt es nun am Spieler, den gefallenen Drogenkönig abermals an die Spitze der Machtpyramide zu führen.

Geld regiert die Welt
Das Gameplay orientiert sich dabei wie so viele Titel der Vergangenheit am beliebten GTA-Prinzip. So kann man neben Miami auch eine nahegelegene, umfangreiche Inselgruppe frei mit Fahrzeugen, Booten
» Geld. Autos. Dicke Knarren.
oder zu Fuß erkunden und dabei während dessen allerlei Beschäftigungen nachgehen. Das Ausmaß der Spielwelt ist irgendwo zwischen Grand Theft Auto: Vice City und Grand Theft Auto: San Andreas anzusiedeln und bietet somit einen ansprechenden Flächenumfang. Ziel ist natürlich die Kontrolle über all dies zu erlangen. Dazu müssen nicht nur Schlüsselpositionen wie kleine Märkte oder größere Etablisements eingenommen und verteidigt, sondern auch allerlei Luxusartikel angehäuft werden, um den Prollfaktor und somit den Ruhm des Anti-Helden zu vergrößern.

Rivalisierende Gangs und die Polizei werfen dabei stets ein Auge auf Tony und gehen immer aggressiver gegen ihn vor. Glücklicherweise lassen sich die lästigen Zeitgenossen ruhig stellen. Dies alles geschieht vorrangig durch das Aufwenden von Bargeld. Polizei und Gangs sind ebenfalls durch geschickte Gesprächsführung in Form simpler Minispiele zu beruhigen. Harte Dollars hingegen erntet man durch allerlei mehr oder weniger umfangreiche Nebenaktivitäten wie Drogenhandel, Gefälligkeiten für Freunde, Mordaufträge und Autorennen. Die Steuerung wurde dabei gekonnt an die Wiimote angepasst und ermöglicht nun Zielen mittels Ausrichten des Controllers, was problemlos funktioniert. Problematisch wird es allerdings beim Drehen der freien Kamera – dies funktioniert mit einem zweiten Analogstick einfach wesentlich komfortabler.

F*** you f****** F*****!
Um Abwechslung zum geldträchtigen Alltag zu schaffen, kommen zu den üblichen Geschäftsabläufen mit dem Ausweiten des Einflußgebietes stets neue Hauptmissionen hinzu. Diese
» Run, F*****, run!
werden - ganz GTA-like - durch coole Ingame-Zwischensequenzen eingeleitet und abgeschlossen und treiben so die gute Story voran. Im Gegensatz zu den sich irgendwann wiederholenden Nebenmissionen sind die Hauptmissionen einfallsreicher und actiongeladener. Meistens stehen wüste Schießereien im Vordergrund - oft aber auch halsbrecherische Verfolgungsjagden mit Autos und Booten oder ein Mix aus beidem. Hierbei fliegen nicht nur tödliche Kugeln sondern durch Schütteln des Nunchuck auch wüsteste Schimpfworte.

Beleidigt man seine Gegner während sie unter Beschuss stehen, sorgt dies für einen schnelleren Anstieg von Tonys Wut-Anzeige. Ist diese voll, kann für einige Sekunden in einen Berserkermodus gewechselt werden, in dem man die Feinde unbesiegbar aus der Ego-Perspektive aufs Korn nimmt. Gezielt wird entweder manuell oder über die komfortable Lock-On-Funktion, die auch aus Vehikeln heraus gute Dienste leistet. Hierbei wird mit der Wiimote lediglich feinjustiert, um empfindliche Stellen wie den Kopf oder die Weichteile des Kontrahenten zu treffen. Somit ist auch das in vergleichbaren Titeln oft problematische simultane Fahren und Ballern kein Problem, was für Spaß statt Frust in den Autokämpfen sorgt.

Bring me my f****** car!
Weitere Komfortpunkte heimst Scarface: The World is Yours mit den hilfreichen Bediensteten ein. Diese bringen per Anruf Vehikel samt Kofferraum voller Waffen aus Tonys Garage vorbei, stehen ihm im Kampf
» Die 80er-Atmosphäre ist gut eingefangen.
hilfreich zur Seite oder verteidigen die hart verdienten Immobilien. In bestimmten Nebenmissionen schlüpft man sogar selbst in die Rolle dieser Helfer und lehrt feindlichen Gangs beispielsweise als Schläger Respekt. Checkpoints schützen während der teils recht deftigen Missionen vor Frust. Stirbt man, geht jegliches Geld verloren, was man bei sich führt und startet an jenen neu. Zuvor auf jederzeit zugänglichen Banken gelagerte Finanzmittel kommen dabei nicht abhanden. Technisch präsentiert sich das Programm für Wii-Verhältnisse auf gutem Niveau.

Vor allem der Sound muss hier als herausragendes Merkmal genannt werden: Zahllose lizensierte Musiktracks aus dem O.S.T. des Films und verschiedene Genre-Medleys sorgen für die entsprechende Musikuntermalung, während professionelle Sprecher den Figuren Leben einhauchen. Die Soundeffekte sind wuchtig und passend gewählt. Die Grafikengine protzt durch eine große Weitsicht, detaillierte Figuren und Umgebungen, leidet allerdings unter Kantenflimmern, Slowdowns und kleineren Animations- sowie Clipping-Fehlern. Sämtliche Ladezeiten sind in einem erträglichen Rahmen. Leider wurde die deutsche Version wieder geschnitten. Es gibt zwar Blut, allerdings lassen sich Feinde nicht verstümmeln und auch die Anzeige, wo ein Feind getroffen wurde, hat es nicht in die angepasste Variante geschafft.
Pro
Umfangreich
Gelungenste Adaption des GTA-Prinzips bisher
Actionreiche Schießereien
Annähernd perfekte Sounduntermalung und Sprachausgabe
Abwechslungsreiche Haupt- und Nebenmissionen
Imperiumsverwaltung und Gehilfen
Tony f****** Montana!
Contra
Zuckelige Animationen
Nebenmissionen wiederholen sich mit der Zeit
Deutsche Version geschnitten
Kamera-Drehen mit Wiimote nicht so komfortabel
Fazit
Auch auf Nintendos Wii ist Scarface: The World is Yours eine echte Perle unter den Free-Roaming-Games, welches vor allem für Fans des Films ein absolutes Muss ist. Die wüsten Ballereien, die abwechslungsreichen Missionen, das Sammeln immer größerer Reichtümer und die grandiose Sounduntermalung gehen Hand in Hand mit der gut angepassten Steuerung und dem großen Umfang des Titels. Gute Ideen wie konkurrierende Banden, aufmüpfige Polizei oder das Ausbauen und Bewachen von errichteten Etablisments sorgen auch auf der Wii für einen hohen Langzeitspaß. Wer noch nicht im Besitz der bis auf die Bedienung identischen PlayStation 2-, PC- oder Xbox-Version des Titels ist, der sollte spätestens jetzt zugreifen. Die Frage die man sich vor dem Kauf jedoch stellen sollte ist, welche Bedienung man bei einem Third-Person-Action-Spiel bevorzugt: klassische Controllersteuerung – die vor allem bei der Kameraarbeit einfach besser funktioniert – oder die neuartige Wiimote-Bedienung. Ist die Antwort gefunden, steht einem wilden Ritt zurück in die Achtziger nichts mehr im Wege.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Vivendi Games
Entwickler
Radical
Website
www.scarfacegam...
Release
06. Juli 2007
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