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Der goldene Kompass

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 23.12.2007
» Gesamtwertung:
/5
1/5: Kaufwarnung
hat zahlreiche Schwächen.
Wie wir bewerten
Unterirdisch schlechtes Action-Adventure von einstigem Kult-Entwickler.

Auf den Spuren des Herren der Ringe
Alle Jahre wieder versuchen sich große Hollywood-Studios an der Verfilmung bekannter Buchtrilogien, um an den gigantischen Erfolg des Herrn der Ringe anzuschließen. Doch bisher scheiterten sowohl Narnia als
» Die Umgebungsgrafiken sind nett ...
auch das Fantasy-Abenteuer Eragon bei diesem Versuch. Dieses Jahr darf es Der Goldene Kompass versuchen, dessen Kritiken sich allerdings mit Lob auch eher zurückhalten. Zu solch einem filmischen Großereignis – zumindest wenn man die Produktions-Etats anschaut – darf ein entsprechendes Videospiel natürlich nicht fehlen.

Prompt hat man also einen Vertrag mit Publisher Sega unterzeichnet und das einst so renommierte Entwicklerstudio Shiny an das Projekt gesetzt. Herausgekommen ist leider eine Katastrophe. Wer dachte, Shiny hätte mit seinen Matrix-Versoftungen den Tiefpunkt erreicht, der wird hier eines Besseren belehrt. Der Goldene Kompass ist eines der uninspiriertesten, langweiligsten, zähesten und nervigsten Spiele dieses Jahres. Dabei hätte man aus dem Stoff so leicht ein solides Action-Adventure zaubern können.

Vom Kultentickler zum Gurkenlieferant
Der Spieler schlüpft natürlich in die Rolle der kleinen Lyra, welche zusammen mit ihrem verwandlungsfähigen Haustier Pan zunächst eine Eliteschule und später die eisigen Fjorde des Nordens unsicher macht. Einen Großteil
» ... der Rest nicht.
des Spiels verbringt man im zähen Adventure-Part, in dem es gilt diverse Gegenstände aufzuspühren und Konversationen mit NPCs zu führen. Gewitzte Rätsel, anspruchsvolle Dialoge oder spannende Aufgaben sucht man hier jedoch vergebens. Statt dessen darf man sich mit Dingen wie "Wische sämtliche Vogelkacke vom Deck des Schiffs" oder "Finde Person XY" herumquälen.

Zwischendurch versuchen miese Jump'n'Run-Einlagen, dümmliche Schleichpassagen und etliche unterirdische Minispiele das nicht zu rettende Spielgeschehen aufzulockern. Während erstere auf Grund der miesen Kamera und ungenauen Bedienung mehr Frust als Lust sind, schießen die Minispiele den Vogel ab. Diese müssen bei so gut wie jeder wichtigen Konversation (!) mit einem NPC gespielt werden, um diesen zu überreden. Das Schlimmste: Die bereits beim ersten Mal langweiligen Spielchen à la "Weiche mit dem grünen Ball den roten aus" wiederholen sich ständig.

Action zum Einschlafen
Doch damit nicht genug. Natürlich muss ein Action-Adventure um sich den Zusatz "Action" zu verdienen auch entsprechende Kämpfe bieten. Diese sind ebenso stark unterdurchschnittlich ausgefallen, wie der Rest des Programms.
» Bildern Begriffe zuordnen ist gar nicht spannend.
Ist man mit Lyra alleine unterwegs beschränken sich die "Kämpfe" auf simpelste Ausweich-Minispielchen, in denen man zum richtigen Zeitpunkt in eine bestimmte Richtung drücken muss. Die Kämpfe als Panzerbär Iorek sind da schon etwas besser, aber bei weitem nicht gut ausgefallen. Hier ist Buttonmashing die Devise. Lediglich bei den mäßig gelungenen Bossfights muss man sich etwas mehr reinhängen.

Optisch vermag der Titel durch schön gestaltete Umgebungsgrafiken zunächst zu überzeugen. Spätestens aber wenn die ersten Nahaufnahmen der unterdurchschnittlichen Charaktermodelle ins Bild rücken ist aller Grafikzauber verflogen. Besonders die bezaubernde Nicole Kidman hat die wohl hässlichste Digitalisierung der aktuellen Konsolengeneration über sich ergehen lassen müssen. Immerhin ist der Sound besser ausgefallen. Solide deutsche Sprecher, ordentliche Hintergrundmusik und passende Effekte sorgen immerhin für eine entsprechende akustische Untermalung.
Pro
Nette Umgebungsgrafik und Akustik
Man muss es nicht kaufen
Contra
Grausame Minispiele
Üble Jump'n'Run-Einlagen
Miese Fights
Unterirdische Trigger-Events
Teils haarsträubende Aufgaben
Hässliche Charaktermodelle
Fazit
Ohje, das tut ja richtig weh, was sich Shiny hier zusammenprogrammiert hat. Wer dachte die einstige Kultschmiede, die uns mit Hits wie Earthworm Jim oder MDK belieferte, habe mit den Matrix-Versoftungen ihren Tiefpunkt bereits erreicht, der sollte mal Der Goldene Kompass spielen. Ich weiß gar nicht wo ich mit meiner Kritik anfangen soll. Bei den hässlichen Polygonfiguren? Den unterirdischen, sich ständig wiederholenden Minispielen? Den einschläfernden Trigger-Events? Den missratenen Jump'n'Run-Einlagen? Den dümmlichen Kämpfen auf dem Rücken eines riesigen Eisbärs? Ach was! All das einzeln auseinander zu nehmen würde jedes Fazit sprengen. Belassen wir es einfach dabei, dass es keinen, wirklich absolut gar keinen Grund gibt, für dieses misslungene Gesamtpaket einer Filmversoftung auch nur einen müden Cent aus dem Fenster zu werfen. Also bitte liebe Eltern: Egal wie gut euren Kindern der Film gefallen hat, verschont sie mit diesem digitalisierten Sondermüll und investiert das Geld lieber in ein anderes, kindgerechtes Spiel wie Ratchet & Clank: Tools of Destruction oder Super Mario Galaxy.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
Publisher
Sega
Entwickler
Shiny Entertain...
Website
www.sega-europe...
Release
30. November 2007
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User-Bewertung
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1 Bewertung
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