Unterirdisch schlechtes Action-Adventure von einstigem Kult-Entwickler.
Auf den Spuren des Herren der RingeAlle Jahre wieder versuchen sich große Hollywood-Studios an der Verfilmung bekannter Buchtrilogien, um an den gigantischen Erfolg des Herrn der Ringe anzuschließen. Doch bisher scheiterten sowohl
Narnia als
» Die Umgebungsgrafiken sind nett ... |
auch das Fantasy-Abenteuer
Eragon bei diesem Versuch. Dieses Jahr darf es
Der Goldene Kompass versuchen, dessen Kritiken sich allerdings mit Lob auch eher zurückhalten. Zu solch einem filmischen Großereignis – zumindest wenn man die Produktions-Etats anschaut – darf ein entsprechendes Videospiel natürlich nicht fehlen.
Prompt hat man also einen Vertrag mit Publisher Sega unterzeichnet und das einst so renommierte Entwicklerstudio Shiny an das Projekt gesetzt. Herausgekommen ist leider eine Katastrophe. Wer dachte, Shiny hätte mit seinen
Matrix-Versoftungen den Tiefpunkt erreicht, der wird hier eines Besseren belehrt.
Der Goldene Kompass ist
eines der uninspiriertesten, langweiligsten, zähesten und nervigsten Spiele dieses Jahres. Dabei hätte man aus dem Stoff so leicht ein solides Action-Adventure zaubern können.
Vom Kultentickler zum GurkenlieferantDer Spieler schlüpft natürlich in die Rolle der kleinen
Lyra, welche zusammen mit ihrem verwandlungsfähigen Haustier
Pan zunächst eine Eliteschule und später die eisigen Fjorde des Nordens unsicher macht. Einen Großteil
des Spiels verbringt man im
zähen Adventure-Part, in dem es gilt diverse Gegenstände aufzuspühren und Konversationen mit NPCs zu führen. Gewitzte Rätsel, anspruchsvolle Dialoge oder spannende Aufgaben sucht man hier jedoch vergebens. Statt dessen darf man sich mit Dingen wie "Wische sämtliche Vogelkacke vom Deck des Schiffs" oder "Finde Person XY" herumquälen.
Zwischendurch versuchen
miese Jump'n'Run-Einlagen, dümmliche Schleichpassagen und etliche
unterirdische Minispiele das nicht zu rettende Spielgeschehen aufzulockern. Während erstere auf Grund der miesen Kamera und ungenauen Bedienung mehr Frust als Lust sind, schießen die Minispiele den Vogel ab. Diese müssen bei so gut wie jeder wichtigen Konversation (!) mit einem NPC gespielt werden, um diesen zu überreden. Das Schlimmste: Die bereits beim ersten Mal langweiligen Spielchen à la "Weiche mit dem grünen Ball den roten aus" wiederholen sich ständig.
Action zum EinschlafenDoch damit nicht genug. Natürlich muss ein Action-Adventure um sich den Zusatz "Action" zu verdienen auch entsprechende Kämpfe bieten. Diese sind ebenso stark unterdurchschnittlich ausgefallen, wie der Rest des Programms.
» Bildern Begriffe zuordnen ist gar nicht spannend. |
Ist man mit Lyra alleine unterwegs beschränken sich die "Kämpfe" auf simpelste Ausweich-Minispielchen, in denen man zum richtigen Zeitpunkt in eine bestimmte Richtung drücken muss. Die Kämpfe als Panzerbär Iorek sind da schon etwas besser, aber bei weitem nicht gut ausgefallen. Hier ist Buttonmashing die Devise. Lediglich bei den
mäßig gelungenen Bossfights muss man sich etwas mehr reinhängen.
Optisch vermag der Titel durch
schön gestaltete Umgebungsgrafiken zunächst zu überzeugen. Spätestens aber wenn die ersten Nahaufnahmen der
unterdurchschnittlichen Charaktermodelle ins Bild rücken ist aller Grafikzauber verflogen. Besonders die bezaubernde Nicole Kidman hat die wohl hässlichste Digitalisierung der aktuellen Konsolengeneration über sich ergehen lassen müssen. Immerhin ist der Sound besser ausgefallen. Solide deutsche Sprecher, ordentliche Hintergrundmusik und passende Effekte sorgen immerhin für eine entsprechende akustische Untermalung.