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Juiced 2: Hot Import Nights  
» Autor: Georg Gruber
» Datum: 17.11.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Ambitionierter Arcade-Racer mit umfangreicher Karriere sucht pimpfreudigen Bleifuß.

Straßenrennen werden legal
Seit Need for Speed Underground erfreuen sich Arcade-Racer mit realistischen Rennwagen und ausgiebigen Tuning- und Stylingoptionen großer Beliebtheit. Die Entwickler von Juiced 2: Hot Import Nights
» In 60m wird einer den kürzeren ziehen.
schlugen jedoch bewusst eine eigene Richtung ein. Man fährt nicht frei durch die Straßen einer fiktiven Stadt, sondern nimmt an offiziellen Rennen auf abgesperrten Parcours teil. THQ nutzt zusätzlich die (bei uns weniger bekannte) Hot Import Nights-Lizenz. So besitzt Juiced 2 das Flair der gleichnamigen TV-Show, was sich vor allem durch die meist spärlich bekleideten Models in den Menüs bemerkbar macht.

Der umfangreichen Karriere-Modus stellt das Herzstück von Juiced 2 dar. Einzel- oder gar Zeitrennen sucht man im Hauptmenü leider vergeblich. Nur der Online-Modus bietet sich als einzige Alternative für Mehrspieler an. Insgesamt stehen dem Solo-Spieler zehn unterschiedliche Ligen zu Verfügung, um das fahrerisches Können zu beweisen. Zu Beginn müssen nur einfache Aufgaben wie z.B. das Erreichen einer bestimmten Geschwindigkeit oder Drift-Punkt-Zahl, Erschrecken eines Gegners oder Gewinnen einer Wette gemeistert werden. Alle Ergebnisse wandern in eine Statistik namens Fahrer-DNA. Diese gibt Auskunft über die Stärke und das Fahrverhalten von Spielern sowie Gegnern und kann via PSN ausgetauscht werden.

Fast nur furios
Der Schwierigkeitsgrad zieht schnell an und fordernde Eliminationsrennen, Driftwettbewerbe oder Turniere stehen bald an der Tagesordnung. Neben den üblichen Drift-Rennen, in denen der
» Man kann die Autos mit eigenen Decals verschönern.
geschickte Einsatz von Gaspedal und Handbremse gefragt ist, können neuerdings auch Last-Man-Standing-Rennen bestritten werden. In diesen gilt es die Ziellinie nicht nur schnell sondern auch unfallfrei zu überqueren. Allerdings verliert dieser Modus mit der Zeit an Unterhaltungswert, da die CPU-Gegner sich arg leicht erschrecken (Spooking) lassen. Rückt man seinen Konkurrenten auf die Pelle, wird stetig eine "Nervositäts"-Leiste gefüllt - ist diese voll, so sind es auch die Hosen der Gegner und sie knallen in die Leitplanken.

Dafür stellen die restlichen Renndisziplinen durchaus eine Herausforderung dar. Trotz makelloser Absolvierung der Kurse bleiben einem die Konkurrenten aufgrund der primitiven Gummiband-KI stets auf den Fersen: Oft entscheiden Zufall oder Glück anstatt des eigenen Geschicks den Ausgang eines Rennens. Nur in Ausnahmefällen gelingt es, die CPU-Fahrer richtig abzuhängen. Wer schnell zu Kleingeld kommen will, um seinen Wagen tunen zu können, sollte regelmäßig Wetten mit den Gegnern abschließen. Leider sind die Konkurrenten schnell berechenbar, wodurch sich die Einsätze viel zu leicht in die Höhe treiben lassen und das Konto bald vor Geld überquillt.

And the Nobel prize for driving goes to ...
Die Tuning-Optionen fallen im Vergleich zur Konkurrenz von EA simpel aus. Auf das Drehen und Verstellen jeder Schraube müssen Profis verzichten. Durch Absolvieren von besonderen Herausforderungen können die gut
» Die Nacht wird zum Tage.
90 freischaltbaren Autos in den Kategorien Leistung, Steuerung sowie Gewicht gepimpt werden. Im Renngeschehen wirken sich die Upgrades jedoch nur minimal aus. Bei der Optik des fahrbahren Untersatzes gibt es hingegen eine üppige Auswahl. Wer will kann seinen Boliden mit Logos, Lackierungen, Karrosserie-Teilen, Felgen oder Spoilern u.v.m. Extras einen individuellen Coolness-Touch verpassen.

Die Rennwagen der unterschiedlichsten Markenhersteller - z.B. Ford Mustang oder Nissan Skyline - fallen Arcade-lastig aus, dem Bremspedal kommt nur wenig Bedeutung zu. Dafür spielt die Handbremse bei engen Kurven und Drift-Kursen eine entscheidende Rolle. Dank der guten Steuerung und Rumble wirkt die Kontrolle der Autos sehr direkt, wodurch ein tolles Rennfeeling aufkommt. Die Autos lenken sich griffig über die Vorderräder und nicht wie etwa bei Colin McRae: DIRT über die Wagenmitte, was vor allem bei Drifts spürbar besseres Handling ergibt. Ist offline einmal alles durchgezockt, bleibt noch die Online-Karriere, die ähnlich üppig wie der Solo-Part ausfällt. Via PSN darf auch gegen einen Freund gerast werden.

Mit der Lizenz zum Bling Bling
Grafisch ist Juiced 2 ein farbenfroher Cocktail. Die Strecken bieten eine schöne Weitsicht und die Boliden bestechen durch Detailreichtum. Die Umgebung und die Kurse selbst fallen aber teils unspektakulär aus.
» Wer die besten Drifts drauf hat, gewinnt.
Vor allem bei Zwischensequenzen macht sich ein deutliches Ruckeln bemerkbar, im Renngeschehen merkt man davon jedoch wenig. Selbst wenn alle Autos gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen sind, läuft das Spiel flüssig und vermittelt ein solides Geschwindigkeitsgefühl. Die PS3-Fassung leidet allerdings unter deutlichen Popups. Dafür kann sich der solide und vor allem lagfreie Online-Modus sehen lassen.

Die Musikuntermalung ist wie maßgeschneidert für die Zielgruppe: Die treibenden Rhythmen reichen von Hip Hop über Techno bis zu Rock und passen haargenau zum Stil von Juiced 2. Auch die Soundeffekte - allen voran die Motorengeräusche und Aufpraller gegen die Leitplanke - wissen durch kräftiges Klangvolumen zu überzeugen. Besonders positiv fallen die witzigen Sprüche der Gegner auf. Durch eine zusätzliche Bild-im-Bild-Darstellung werden die emotionalen Ausbrüche gut transportiert: Für coole Drifts, das Küssen der Leitplanke oder Erreichen von Zielen gibt es somit immer einen passenden Kommentar.
Pro
Tolles Fahrgefühl
Abwechslungsreicher Karriere-Modus
Vorbildliche Fahrzeugkontrolle
Umfangreiches optisches Auto-Pimping
HIN-Lizenz mit viel Bling Bling
Tuning-Optionen ...
Contra
... die aufgesetzt wirken
Gummiband-KI der Gegner
Unausgegorener Schwierigkeitsgrad
Mehr Strecken wären nett gewesen
DNA: Gute, aber unausgereifte Idee
Teils heftige Popups
Fazit
Den Nobelpreis für Rennspiele wird THQ mit Juiced 2: Hot Import Nights wahrscheinlich nicht gewinnen, doch liefert Entwickler Juice Games abermals ein tolles Nischenprodukt für die Hardcore-Zielgruppe ab. Was diesen PS3-Titel besonders auszeichnet sind das tolle Geschwindkeitsgefühl und die vorbildliche Fahrzeugkontrolle. Die umfangreiche und schnell anspruchsvoll werdende Solo-Karriere vermag zudem über lange Zeit zu motivieren. Auch in Sachen Abwechslung kommt der Spieler dank der unterschiedlichen Disziplinen voll auf seine Kosten. Grafisch ist Juiced 2 ein bunter Paradiesvogel und die Hot Import Nights-Lizenz verleiht der Optik noch das gewisse Bling Bling-Flair. Technisch wirkt jedoch einiges "unfertig": Ruckelnde Zwischensequenzen und oftmaliges Laden trüben den guten Eindruck. Spielerisch zu kurz gekommen sind eindeutig die sich kaum auswirkende Fahrer-DNA sowie die Tuning-Optionen, welche entweder ordentlich gemacht oder komplett gestrichen gehört hätten. Auch die schwache Gummiband-KI der Gegner macht es unmöglich Bestnoten zu vergeben. In Sachen Umfang vermisst man Modi für Einzel- oder Zeitrennen sowie mehr Strecken. Wer jedoch auf den peppigen Arcade-Stil und das Flair von Juiced 2: Hot Import Nights abfährt, darf ohne Bedenken zugreifen.