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Mercury Meltdown Revolution  
» Autor: Wolfgang Radax
» Datum: 06.07.2007
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Ataris Puzzle-Knüller übertrumpft seinen bereits gelungenen Vorgänger in allen Belangen.

Von Kritikern mit Lob überhäuft, von den Zockern ignoriert: dieses undankbare Schicksal wiederfuhr Archer Maclean’s Mercury und somit blieb der große kommerzielle Erfolg aus. Auch das geniale Spielprinzip von Design-Guru Archer Maclean sowie das kollektive Schulterklopfen seitens der Fachpresse konnte an dieser Tatsache nicht rütteln. Ignition Banbury begab sich sofort auf Ursachenforschung, um für die nun vorliegende Fortsetzung den Wünschen der potenziellen Käufer entgegenkommen zu können. Ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt wurden, deckt das folgende Master-Review auf.

Streamlined
Die erste entscheidende Änderung fällt bereits beim Lesen des Titels auf. Schöpfer Archer Maclean hat sich von seinem geistigen Kind distanziert und war an der Entwicklung von Mercury Meltdown Revolution nicht in geringster Weise
» Am Abgrund heißt es vorsichtig agieren.
beteiligt. Das tat der grundlegenden Überarbeitung des Spiels jedoch keinerlei Abbruch. Vor allem optisch präsentiert sich die Quecksilber-Knobelei nun deutlich frischer.

Der Wechsel weg von der phasenweise karg wirkenden Grafik des Vorgängers hin zur quietschbunten Cel-Shading-Optik war nicht bloß ein Zugeständnis an den Massenmarkt. Vielmehr versprüht das neue Mercury tatsächlich mehr Charme und die Quecksilberkugel kann mit ihren Tanzeinlagen in den Menüs sogar Sympathiebonus erhaschen. Am grundlegenden Spielprinzip wurde freilich nichts Gravierendes geändert. Nach wie vor gilt es, eine Kugel aus Quecksilber über einen vorgegebenen Parcours ins Ziel zu manövrieren. Die Steuerung erfolgt hierbei indirekt, ihr bewegt also nicht das Objekt der Begierde sondern den Hinderniskurs. Dazu muss die Wiimote waagrecht mit beiden Händen gehalten werden und durch Kippen selbiger in verschiedene Richtungen neigt sich auch das ganze Level dementsprechend.

Physik für Dummies
Bis hierher klingt dieses Konzept freilich noch nicht sonderlich aufregend. Da das flüssige Metall jedoch den Gesetzen der Physik gehorcht, muss eine Vielzahl an Details beachtet werden. Zum Einen gilt es natürlich die Schwerkraft
» Bloß nicht stürzen!
zu berücksichtigen, derer gemäß die Metallkugel auf das Neigen des Levels reagiert. Wer hier unvorsichtig agiert, schickt den Protagonisten jedoch alsbald über den Rand des Parcours und in die ewigen Jagdgründe. Alle, die brav in der Schule aufgepasst haben, wissen natürlich auch, dass Quecksilber kein Festkörper sondern eine äußerst zähe Flüssigkeit ist. Dies kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein.

Viele Levels sind nur unter Ausnützung dieser Eigenschaft lösbar. Steuert ihr die träge Masse gezielt gegen eine spitze Ecke, so teilt sie sich in zwei kleinere Kugeln. Diese müssen dann oft auf unterschiedliche Schalter manövriert oder in Farbschleusen entsprechend koloriert werden, um ein Fortkommen zu garantieren. Die genauen Aufgabenstellungen variieren von Parcours zu Parcours stark, so dass Abwechslung an erster Stelle steht. Ist das Ziel eines Levels erreicht, erhaltet ihr Punkte für die Menge an gerettetem Quecksilber, eingesammelte Bonusobjekte und das Einhalten des Zeitlimits.

Mehr von allem
Insgesamt erwarten euch über 130 Levels und damit rund doppelt so viele Herausforderungen wie im Erstlingswerk. Die Levels sind insgesamt 18 Welten zugeordnet. Innerhalb dieser dürfen die Parcours dabei in frei
» Auch solche Kurse sind mit Übung zu meistern.
wählbarer Reihenfolge absolviert werden. Um in die nächste Welt vorzurücken, müsst ihr jedoch ein gewisses Minimum an Punkten einheimsen. Darüber hinaus können durch das Einsammeln der in den einzelnen Hinderniskursen raffiniert platzierten Bonusobjekte bis zu fünf Minispiele freigeschalten werden. Dieser Bonus-Content stellt die Quecksilberkugel etwa in den Mittelpunkt eines kleinen Rennspieles oder eines Tetris-Klons. Über ein kurzes Probespiel hinaus bieten die erlangten Modi jedoch keine weitere Motivation.

Der Schwierigkeitsgrad beginnt recht moderat und erlaubt dadurch eine Eingewöhnung an Steuerung und Spielkonzept. Spätestens ab der Hälfte jedoch seid ihr äußerst diffizilen Aufgaben gegenüber gestellt, die eure Hirnwindungen zum Glühen bringen. Ungeduldige Naturen laufen hier Gefahr, die Flinte ins Korn zu werfen. Die einzelnen Kurse sind jedoch niemals unfair und mit viel Geduld, einer ruhigen Hand und viel Übung allesamt zu meistern. Einzig das Justieren der Kamera kann euch in hitzigen Situationen gelegentlich überfordern, da es manchmal vom eigentlichen Geschehen ablenkt.
Pro
Wii-Steuerung optimal integriert
Simples, dennoch packendes Spielprinzip
Abwechslungsreiches Level-Design
Ansprechende Grafik
Hart, aber fair
Contra
Kamerasteuerung manchmal hinderlich
Nichts für Ungeduldige
Fazit
So sieht ein wahrlich gelungener Nachfolger aus. Auf die Stärken des ohnehin beachtenswerten Vorgängers aufbauend haben die Jungs von Ignition Banbury auch ohne die leitende Hand von Archer Maclean durchwegs sinnvolle Verbesserungen integriert. Der knallige Cel-Shading-Look ist hier ebenso wie das insgesamt nachgiebigere Spieldesign und die etwas flachere Lernkurve auf der Habenseite zu verbuchen. Die letzten Zweifler werden schließlich durch die Steuerung per Wiimote überzeugt. Das Spielkonzept scheint wie gemacht für Nintendos aktuelle Konsole und im Nachhinein wirken die Umsetzungen für andere Konsolen fast schon fehl am Platz. Mercury Meltdown Revolution weiß trotz seines hohen Schwierigkeitsgrades zu fesseln und auch wenn alle Welten erspielt sind, ruft euch der Titel zurück zur Konsole und motiviert dazu, die bisher erzielten Leistungen zu überbieten. Deshalb ergeht an die von grausigen Portierungen und Minispielsammlungen gepeinigten Wii-Besitzer eine klare Kaufempfehlung – Gesetz des Falles, dass sie ein gewisses Mindestmaß an Geduld und Beharrungsvermögen mitbringen.