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Grand Theft Auto: Vice City Stories  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 16.03.2007
» Gesamtwertung:
/5
4/5: Empfehlenswert
mit zahlreichen Stärken.
Wie wir bewerten
Solider Port eines großartigen PSP-Titels.

Rockstar hat mit der GTA-Reihe eine der mächtigsten Franchises dieser Erde auf seiner Seite – ein guter Grund also diese Goldgrube auf möglichst vielen Plattformen anzusiedeln, um noch mehr Kohle zu scheffeln. Wie bereits beim Vorgänger Grand Theft Auto: Liberty City Stories ist nun auch eine PlayStation 2-Portierung des sehr gelungenen PSP-Titels Vice City Stories erschienen. Was dieser Port taugt, deckt unser Master-Review auf.

Vom ehrlichen Soldaten zum dubiosen Zuhälter
Eigentlich wollte Protagonist Vic Vance nur ein ehrliches Leben als Soldat führen, um vom verdienten Sold seinen kranken Bruder und die drogenabhängige Mutter über die Runden zu bringen. Doch wie die Dinge so ihren
» Schnelle Autos im Sonnenuntergang.
Lauf nehmen, gerät er unter Einfluss seines kriminellen Sergeants auf die schiefe Bahn und wird aus der Armee geschmissen. Fortan nimmt er allerlei Aufträge von Kleinkriminellen an und arbeitet sich unter der Obhut des Spielers in die oberen Ränge der kriminellen Köpfe Vice Citys vor. Drogenhandel, Diebstahl, Mord, Erpressung und Zuhälterei sind schließlich immer noch die lukrativsten Geschäftsmodelle, um es in einem Grand Theft Auto-Game möglichst schnell zu viel Geld zu bringen.

Dementsprechend bekannt auch das Gameplay. Die detaillierte Stadt Vice City lässt sich zu Fuß, in diversen Fahrzeugen sowie Booten und auch in der Luft frei bereisen. Auf der Übersichtskarte markierte Auftraggeber halten Missionen bereit, welche durch die typischen, mit GTA-Humor geprägten Zwischensequenzen ein- und ausgeläutet werden und die Story vorantreiben. Diese lebt wie in den Vorgängern vor allem durch ihre sehr gute Inszenierung, witzigen Dialoge und die abgedrehten Charaktere.

Gewalt löst alle Probleme
Natürlich geht es in den zahllosen Aufträgen für allerlei dubiose Gestalten selten glinpflich zu. Wie gewohnt sind die Missionen sehr abwechslungsreich und verlangen neben reichlich Fahren und Schießen auch Mal das
» Jetskies feiern ihre Premiere in VC Stories.
Verladen von Waren per Gabelstabler oder Zertrümmern von Einrichtungsgegenständen vom Spieler. Die Steuerung bleibt dabei ebenfalls der Serie treu, was leider nicht immer ein Vorteil ist. Während sich die Fahrzeuge gewohnt rutschig, aber mit ein bisschen Übung durchaus gut steuern lassen, bereitet vor allem das Ballern wieder Kopfzerbrechen. Die automatische Zielerfassung funktioniert auch im x-ten Ableger der Serie alles andere als zufriedenstellend und ist vor allem auf kurze Distanz fast katastrophal – auch wenn es im PS2-Pendant besser klappt als in der PSP-Vorlage.

Wirklich sinnvoll verbessert wurde das Ballern aus Autos. Hier darf nun auf die Schulterbuttons zurückgegriffen werden, was eine große Erleichterung darstellt. Spiele wie Scarface: The World is Yours zeigen mittlerweile dennoch, wie man es noch eleganter löst; nämlich durch eine Lock-On-Funktion. Im Verbund mit nach wie vor fehlenden Checkpoints vor und während der Missionen und dem gewohnt fordernden Schwierigkeitsgrad sorgen diese Problemchen für GTA-typischen Frust.

Überragend dank Freiheit
Doch was sind solche Wehwehchen schon gegen das überragende Gameplay eines Rockstar-Titels? Fast alles, was die Vorgänger groß machte, ist - im Gegensatz zu Liberty City Stories - auch in Vice City Stories
» Unendliche Freiheit.
enthalten. Plus einem sehr motivierendem neuem Feature: Das Aufbauen eines eigenen Verbecherimperiums. Gebäude lassen sich nämlich nicht einfach nur kaufen, sondern erstmals auch selbst einrichten, verwalten und aufrüsten. So kann man beispielsweise aus einer leer stehenden Bude mit den entsprechenden Finanzmitteln ein Drogenlabor machen, was die täglichen Einnahmen erhöht. Durch das Erfüllen von eher simpel gehaltenen Aufträgen für diese Etablisements lassen sich die Finanzen und Tageseinnahmen zudem kräftigen.

Da Vic jedoch nicht der einzige Kriminelle in der Stadt ist, haben es feindliche Gangs stets auf seine Einrichtungen abgesehen, was das regelmäßige Verteidigen und Reparieren der eigenen Geschäfte nach sich zieht. Natürlich ist es ebenfalls möglich, gegnerische Gebäude zu überfallen, auszuräuchern und anschließend durch einen eigenen Laden zu ersetzen. Ebenfalls praktisch: Um die Einrichtungen im Besitz des Spielers tummeln sich Handlanger, welche als Kampfunterstützung angeheuert werden können. Weiterer Komfortfaktor: Einnahmen müssen nicht mehr umständlich manuell vor den Etablisements abgeholt werden, sondern fließen jeden Abend automatisch aufs virtuelle Konto.

GTA rocks!
Technisch wurde gegenüber der PSP-Variante leider nichts geändert. Neben den typischen Merkmalen der Engine wie Popups, Slowdowns und Ruckler, wirkt die gesamte Ansicht
» Die Grafik ist stimmig, wurde allerdings nicht verbessert.
detailarmer als im älteren GTA: San Andres. Punkten kann der Titel allerdings wieder durch die riesige Spielwelt und die liebevoll gestalteten Umgebungen. Ein deutlich überragenderes Bild zeigt der Sound: Etliche lizensierte Musiktracks, verteilt auf acht Radiosender inklusive lustigen Moderatorenkommentaren und Talkshows, sorgen für die passende Musikbegleitung. Die englischen Sprecher wurden abermals professionell gewählt und bieten eine filmreife Synchronisation der abgedrehten Figuren.

Wie bereits in Grand Theft Auto: Liberty City Stories wurde der Mehrspieler-Modus der PlayStation Portable-Version komplett gestrichen. Da man sich beim Portieren offensichtlich abermals nicht besonders viel Mühe gegeben hat, gibt es einen kleinen Trost: Der Titel kommt für schlanke 29,99 Euro in die Ladenregale, was angesichts des riesigen Umfangs und des ansonsten sehr guten Spiels ein echter Schnäppchenpreis ist. Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass an der deutschen Fassung des Spiels die Zensurschere gesetzt wurde. Blut ist dieses Mal sogar ganz entfernt worden und das Treten am Boden liegender Opfer nicht möglich.
Pro
Gewohnt geniales Gameplay
Neues Imperium-System
Abgefahrene Charaktere
Überragender Sound
Budget-Preis
Contra
Grafisch nur auf PSP-Niveau
Fehlende Checkpoints in Missionen
Teils problematische Bedienung
Gestrichener Mehrspieler-Modus
Deutsche Version zensiert
Fazit
Wie nicht anders zu erwarten legt Rockstar mit Grand Theft Auto: Vice City Stories im Gegensatz zu Grand Theft Auto: Liberty City Stories noch einmal eine Schippe drauf und bietet eine rundum verbesserte, umfangreichere und spaßigere Fortsetzung. Die Stadt ist größer, das Missionsdesign mindestens ebenbürtig, die Charaktere sind abgefahrener und die Möglichkeiten, sich abseits der Story zu beschäftigen, dank neuem Imperium-System riesig. Vor allem letzteres ist nicht nur eine Verbesserung gegenüber dem PSP-Vorgänger, sondern eine echte Bereicherung für die gesamte Serie - und wahrscheinlich ein kleiner Ausblick darauf, was uns im heiß erwarteten Grand Theft Auto 4 so alles neues erwartet. Leider hat man es wie schon beim Vorgänger verpasst das Spiel grafisch für die PS2 etwas aufzuwerten. Was auf der PSP sehr gut wirkt, wurde auf der PS2 bereits durch das fast zwei Jahre alte Grand Theft Auto: San Andreas überboten. Zudem fehlt der Mehrspieler-Modus. Wer also eine PSP besitzt, sollte den Titel dort genießen. Alle anderen dürfen aber auch hier bedenklos zugreifen.