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Hour of Victory  
» Autor: Sacha Galgon
» Datum: 24.07.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Durchschnittlicher Weltkriegsshooter mit Unreal Engine 3 und wählbaren Charakteren.

In Mitteleuropa herrscht seit einigen Jahrzehnten glücklicherweise Frieden, so dass der letzte große Krieg unserer Region lediglich noch in den virtuellen Welten stattfindet. Auf der Trendwelle der Weltkriegsspiele will auch Midway mitreiten, so dass sie mit Hour of Victory einen weiteren First-Person-Shooter mit WWII-Setting in die Händlerregale bringen. Um sich von der zahlreichen Konkurrenz abzuheben, haben sich die Entwickler etwas Besonderes einfallen lassen. Was genau wird euch unser Master-Review erläutern.

Zu den Waffen!
Kurz vor Kriegsende: Deutschland steht vor der Fertigstellung einer atomaren Waffe. Um dies zu verhindern wird der Spieler in die Schlacht geschickt. Im Gegensatz zur Konkurrenz wie beispielsweise Call of Duty 2 kann man in
» Auch Panzer sind mit von der Partie.
Hour of Victoryvor jeder Mission einen von drei spielbaren Charakteren aussuchen. So stehen der Einzelkämpfer Ross, der Scharfschütze Blackbull oder der Stealthspezialist Taggert zur Auswahl und abhängig vom Charakter ändern sich auch teilweise die Missionsziele und Areale. Ross kann beispielsweise schwere Gegenstände wegschieben, während Blackbull von Dach zu Dach klettert und Taggert sich mit Schlösserknacken Zutritt in verbotene Bereiche verschafft.

Dank dieses Features sind einzelne Teile der Levels bestimmten Charakteren vorbehalten. Was sich in der Theorie nach einer Erhöhung des Wiederspielwertes anhört, kränkelt in der Praxis aber an unausgereiftem Gameplay. Mit Taggert ist es beispielsweise sehr schlecht abzuschätzen, ob man bereits im Blickfeld eines Gegners agiert oder nicht. Zudem bewährt sich beim Spielen dann doch eher die Holzfäller-Methode, so dass man auch mit dem Scharfschützen oder dem Schleichspezialisten lieber Shooter-typisch durch die Areale ballert – zumal besiegte Gegner Waffen fallen lassen, die jeder Charakter aufheben und verwenden kann. Warum also nur auf ein Sniper-Gewehr beschränken?

Serious Sam im Weltkrieg?
Im Vergleich zu anderen Spielen des Genres wie beispielsweise Medal of Honor fühlt sich Hour of Victory gänzlich anders an. Während man bei den Konkurrenten noch den Eindruck hatte, einen kleinen Teil einer riesigen
» Ross haut zu!
Kriegsmaschinerie zu steuern, verkörpert man in Hour of Victory die typische Ein-Mann-Armee. Zwar laufen einem manchmal noch allierte Einheiten über den Weg, die meiste Zeit ist man aber auf sich alleine gestellt. Ebenso fehlen geskripte Ereignisse die vor allem in Call of Duty sehr zur Atmosphäre beitragen. Wer aber auf unkomplizierte Action steht, wird mit Hour of Victory seine Freude haben – zumal es mehr als genug Gegner aufs Korn zu nehmen gibt. Hier liegt jedoch auch eines der Gameplayprobleme: Selbst als Sniper oder Stealth-Profi wird man mit vielen Gegnern konfrontiert, so dass ein Solid Snake-ähnliches vorgehen meistens einfach nicht möglich ist.

Die Levels selbst sind ansprechend designt und werden mit Abschnitten wie wie Panzer- oder Seilbahn-Fahrten aufgelockert. Die insgesamt vier Kampagnen lassen sich aber recht schnell durchspielen – für eine normale Mission brauchen geübte Spieler nicht mal eine halbe Stunde. Theoretisch müsste man den Einzelspielermodus ja dreimal durchspielen – einmal mit jedem Charakter – was die Kürze erklären dürfte. Allerdings besteht die einzige Motivation aus den daraus resultierenden Achievements. Wer aber nicht auf Gamerscore-Punkte scharf ist, kann Hour of Victory schon nach gut sechs Stunden zurück ins Regal verfrachten.

Online-Krieg
Hour of Victory bietet aber auch noch einen Online-Multiplayermodus mit den klassischen Spielvarianten Capture the Flag und Team-Deathmatch sowie einem Modus namens Destruction, in dem bestimmte Ziele mit einer Bombe zerstört
» Der Singleplayermodus ist sehr kurz.
werden müssen. Ein normaler Deathmatch-Modus fehlt völlig und auch die Maps sind uninteressant gestaltet. Das Spieltempo ist für einen Online-Shooter eine Spur zu lahm, was in Kombination mit den unspektakulären Maps keinen wirklichen Spaß aufkommen lässt. Wer schon mal Gears of War oder Call of Duty 2 oder 3 online gespielt hat, wird sich in Hour of Victory langweilen.

Grafisch bedient sich Midway zwar an der Unreal Engine 3, trotzdem sieht Hour of Victory unauffällig und unspektakulär aus. Besonders schöne Lichteffekte oder gewaltige Explosionen fehlen völlig, auch die Texturqualität schwankt von sehr gut bis hin zu übelst schlecht. Die Levels zeugen zwar allesamt von einer gewissen Liebe zum Detail, die Gesichter der Charaktere sollten allerdings zum Schönheitschirurgen geschickt werden. Dafür präsentiert sich der Titel durchgehend ruckel- und flimmerfrei. Gears of War oder Rainbow Six: Las Vegas zeigen allerdings, dass in der Engine weitaus mehr steckt als Midway uns mit Hour of Victory weißmachen will. Das Spiel besitzt eine englische Sprachausgabe und deutsche Untertitel. Auf eine Lokalisierung wurde verzichtet, lediglich die Wehrmachtssoldaten sprechen in ihrer Muttersprache. Die deutsche Version des Spiels ist übrigens cut: es fließt kein Blut und die Leichen der besiegten Gegner lösen sich nach einiger Zeit auf. Auch Nazisymbolik sucht man vergebens. Die Sounduntermalung des Spiels ist sehr gelungen, vor allem die Waffensounds hämmern ordentlich aus den Boxen.
Pro
Gute Action
Nettes Leveldesign
Drei spielbare Charaktere …
Contra
… die trotzdem nicht zum Wiederspielwert beitragen
Uninteressanter Multiplayermodus
Singleplayermodus sehr kurz
Enttäuschende Grafik trotz Unreal Engine 3
Fazit
Der Versuch, sich mit drei verschiedenen Charakteren von der Masse der WWII-Shooter abzuheben, klappte leider nur leidlich. Das Problem stellen die Gegnerscharen dar, denen man mit Scharfschützengewehr oder Rumgeschleiche alleine kaum Herr wird, so dass man dann doch wieder zum MG greift und sich klassisch durch die Gegend ballert. Die Action selbst ist allerdings sehr kurzweilig und unkompliziert, so dass man mit Hour of Victory einen soliden Egoshooter bekommt, der allerdings viel zu kurz ist und im Multiplayermodus leider nicht überzeugen kann. Langweilige, uninspirierte Maps sowie zu langsames Spieltempo lassen die Mehrspieler-Partien zu einem sehr faden Erlebnis werden. Auch grafisch wäre mehr möglich gewesen, auch wenn der Titel prinzipiell gut aussieht. Es sind die kleinen Ungereimtheiten wie z.B. die schwankende Texturqualität und schlecht modellierte Gesichter, die einem sauer aufstoßen. Hour of Victory stellt einen typischen Titel zum einmaligen Ausleihen dar: morgens holen, den ganzen Tag damit Spaß haben und abends wieder zurückgeben. In dieser Zeit hat man nämlich alles sehenswerte in diesem Spiel erlebt.