Gelungene Fortsetzung mit toller Story und gewohnt tiefgängigem Gameplay.Nachdem vor einigen Monaten der erste Teil der kultigen
Digital Devil Saga auch in Europa dank Publisher THQ endlich die Ladenregale erreichte, hat nun auch die unmittelbare Fortsetzung des düsteren Rollenspiel-Erlebnisses unsere Gefilde erreicht. Abermals zeichnet THQ für die Veröffentlichung verantwortlich und erfreut Fans mit erlesener RPG-Kost. Wir haben uns das gute Stück natürlich gekrallt und im Testlabor unter die Lupe genommen. Was dabei herausgekommen ist, ist wie immer im passenden
Master-Review in Erfahrung zu bringen.
Welcome to the Real WorldWir erinnern uns: Fünf Stämme kämpften bei
Shin Megami Tensei: Digital Devil Saga in der heruntergekommenen Junkyard-Welt um die Vorherrschaft. Der zuletzt übrig bleibende Stamm ergatterte so das Recht,
» Das Kampfsystem ist tiefgängig. |
die in sich zusammenfallende Welt zu verlassen und ins
Nirvana zu flüchten. Natürlich wurde diese Ehre dem Spieler und seinen Mannen zu teil. Genau
hier setzt der zweite Teil der Reihe ein. Im
Nirvana angekommen, stellt sich schnell heraus, dass dieses keine paradiesischen Zustände bietet, sondern fast genauso heruntergekommen und von Dämonen heimgesucht ist wie der Junkyard. Auch erfahren die Helden recht zu beginn einiges über ihre Existenz und ihr ehemaliges Zuhause – der Beginn einer
komplexen und sehr spannenden Geschichte, welche die des Vorgängers um ein vielfaches übertrifft.
Zum kompletten Verständnis der Saga - und vor allem den zahlreichen Bezügen auf den ersten Teil - ist es also ratsam diesen gespielt zu haben. Dennoch ist es auch möglich die Geschichte des zweiten Teils ohne Vorkenntnisse zu genießen. Zum Einen werden die Geschehnisse aus
Shin Megami Tensei: Digital Devil Saga zu Beginn gut zusammengefasst, zum Anderen ist die simple Story des ersten Teils eher als Prolog zu einem weitaus komplexeren Story-Plot aufzufassen. Allerdings genießen Spieler mit
einem "Durchgespielt"-Savegames des ersten Teils diverse Vorteile, wie ein höheres Startbudget und verbesserte Grundattribute der Helden. Auch ein versteckter Charakter wartet auf jene, die bestimmte Dialoge in Teil 1 und 2 richtig geführt haben.
Bewährtes GameplayBeim eigentlichen Spieldesign hat sich im Vergleich zum Vorgänger prinzipiell nichts verändert. In klassischer, linearer Rollenspiel-Manier
erkundet man Städte und Dungeons, spricht mit NPCs, treibt Handel und bekämpft » Grafisch hat sich nichts geändert. |
natürlich
etliche Widersacher. Kämpfe passieren in monsterverseuchten Zonen zufällig. Leider ist auch in Digital Devil Saga 2 die Encounter-Rate sehr hoch ausgefallen, was vor allem bei einigen laufintensiven Rätseln und Erkundungstouren in den gut designten Dungeons an den Nerven zehrt.
Das
Kampfsystem ist serientypisch sehr anspruchsvoll und unbarmherzig. Wie in kaum einem anderen Rollenspiel ist das Ausnutzen von Schwächen und Aufbauen von Elementarschilden so wichtig wie hier. Gekämpft wird reihum. Für jeden aktiven Charakter erhält der Spieler eine Aktion. Durch Ausnutzen von Schwachstellen können allerdings Aktionen hinzugewonnen werden, während das Danebenschlagen oder Abwehren eigener Attacken durch feindliche Immunität gleich mehrere Aktionen kosten kann.
Know your foesWer also stets Schwachstellen der Feinde nutzt und deren Resistenzen umgeht während er selbst Schutzschilde gegen deren Elementarattacken aufbaut ist weitaus öfter am Zug als der Gegner. Umgekehrt gibt natürlich
» Immer schön auf die Elemente achten! |
das Gleiche. Wer nicht ausreichend Schutz gegen Elementarangriffe aufbaut und seine Schwächen ungedeckt lässt oder feindliche Resistenzen ignoriert
wird bereits im frühen Spielverlauf auf Granit beißen. Einfaches Dauerangreifen, wie aus vielen anderen RPGs gewohnt, führt bei
Digital Devil Saga 2 höchstens zum stylisch inszenierten Game Over-Bildschirm.
Kämpfe bringen ganz rollenspieltypisch natürlich Erfahrungspunkte. Hiervon gibt es gleich zwei verschiedene Sorten. Zum Einem Karma, welches zu Stufenanstiegen und damit verbundenen Attributssteigerungen führt, zum Anderen Atma, welches benötigt werden, um neue Zaubersprüche und Fertigkeiten zu erlernen. Das hierfür herangezogene System ist ebenfalls recht komplex und unterscheidet sich etwas vom Vorgänger.
Hex-BrettÄhnlich wie in
Final Fantasy XII gibt es ein
Fertigkeiten-Brett, auf welchem Hexfelder jeweils eine Fähigkeiten-Gruppe symbolisieren. An Speicherstationen können diese individuell für jeden Helden gekauft und
» Die meiste Zeit verbringt man mit Kämpfen. |
aktiviert werden. Ab diesem Zeitpunkt wandern alle durch diesen Charakter gesammelten Karma-Punkte in diese Gruppe. Wurde eine bestimmte Anzahl von Karma-Punkten angesammelt, gelten diese Fähigkeiten als gemeistert und können fortan eingesetzt werden. Ein Charakter kann immer nur jene Hexfelder auf dem Brett erlernen, die an bereits gemeisterte anschließen. So wird verhindert, dass man direkt den stärksten Zauber im Spiel erlernt.
So ergatterte Zauber und Skills sind anschließend im Charaktermenü aktivierbar.
Nur zuvor aktivierte Fähigkeiten können später auch im Kampf eingesetzt werden, so dass der Spieler aus seinem im Verlauf des Spiels immer weiter wachsenden Fähigkeiten-Pool wirkungsvolle Zusammensetzungen erstellen muss. Hier ist natürlich auf ein gutes Gleichgewicht zwischen verschiedenen Elementen, Angriffs- und Defensivzaubern zu achten. Das an sich sehr gute System führt bei einigen Endgegnern leider zu Trial- and Error-Passagen, wenn vor dem Kampf unpassende Skills zusammengesetzt wurden. Oft reicht es nämlich nicht nur einen Charakter mit einem zur Schwäche des Bosses passenden Zauber auszustatten.
Stilistisch altbewährtWer bereits
Shin Megami Tensei: Digital Devil Saga,
oder gar welche der hierzulande nicht erschienenen
Persona-Titel gespielt hat, der wird den Grafikstil von
Shin Megami Tensei: Digital Devil Saga 2 » Ängstliche Gegner sind leichter zu töten. |
sofort wiedererkennen. Technisch zwar nur auf durchschnittlichem Niveau ist es vor allem das
düstere Cell-Shading sowie abgedrehte Monster- und Helden-Design welches diesem Titel wie seinen Vorgängern (beziehungsweise Nachfolgern) Leben einhaucht. Perfekt dazu passen gelungene Soundeffekte sowie eine gute Musikuntermalung. Professionelle englische Sprecher hauchen den Figuren Leben ein.
Wirklich dicht wird die Atmosphäre allerdings erst durch die
toll inszenierten Zwischensequenzen, welche auf eine aufgemotzte Variante der Spielgrafik zurückgreifen. Diese bieten im Einklang mit der spannenden Story neben dem sehr guten Gameplay auch den Hauptanreiz den 25 bis 35 Stunden langen Titel durchzuspielen. Großer Wermutstropfen für alle Fremdsprachen-Muffel: Wie die Vorgänger ist auch
Digital Devil Saga 2 komplett auf Englisch. Grundlegende Sprachkenntnisse sind also ein Muss.