Gefühlvolles und traditionelles J-RPG, das jedoch unter einem zähen Spielverlauf sowie technischen Mängeln leidet.
Die Odyssey beginnt Gestählt durch unzählige Schlachten metzelt sich
Kaim Argonar durch die feindlichen Reihen, als wären seine Gegner nur kleine Kinder, die mit Holzstöckchen spielen. Er ist der perfekte Soldat,
» Soeben fegt Kaim seine Gegner zu Boden. |
schließlich kennt er keine Furcht vor dem Tod – als
Unsterblicher wird er sie auch nie erfahren. Schon seit 1000 Jahren wandelt
Kaim durch die Welt, einsam und ohne jegliche Erinnerung an seine Vergangenheit. Er will sich auch nicht erinnern und doch plagen ihn jede Nacht Alpträume, die er nie zuordnen kann. Sind sie wahre Begebenheiten seiner Vergangenheit oder doch nur Hirngespinste?
Nach einer weiteren erfolgreich bestrittenen Schlacht nimmt
Kaim einen neuen Auftrag an, bei dem er von
Seth Balmore, einer ehemaligen Piratin, und
Jansen Friedh, einem Dieb und Lebemann, begleitet wird. Die junge Frau wandelt ebenfalls schon seit 1000 Jahren durch die Welt ohne einen blassen Schimmer was in ihrem früheren Leben geschah – denn auch sie ist unsterblich. Während ihrer Reise beginnt sich jedoch der Schleier in ihren Köpfen zu lichten und Bruchstücke ihrer Erinnerungen kehren allmählich zurück. Eine lange und
tragische Odyssey beginnt …
Die unendliche Geschichte Als Setting für sein neuestes Rollenspiel wählte der
Final Fantasy-Erfinder
Hironobu Sakaguchi eine Welt die sich gerade in der
magisch-industriellen Revolution befindet.
» Mittels Videosequenzen wird die Geschichte vorangetrieben. |
An allen Ecken und Enden quillt Magie empor und die Nationen nutzen diese, um ihre Krieggerätschaften immer weiter zu verbessern. In Szene gesetzt wurde dieses
erwachsene und leicht bedrückende Setting vom Manga-Zeichner
Takehiko Inoue (
Vagabond,
Slam Dunk), der in seiner Heimat Kultstatus genießt. Im Gegensatz zu anderen japanischen Rollenspielen, in denen Anime-Figuren und bunte Umgebungen typisch sind, dominieren in
Lost Odyssey dunklere Farben das Geschehen.
Der Hauptplot und aktuelle Geschehnisse werden mittels
spektakulärer Videosequenzen präsentiert. Trotz der Bedienung einiger Klischees bietet die Geschichte einen passenden Rahmen für das traditionelle Rollenspiel, in dem zahlreiche Gespräche, Besuche verschiedenster Städte sowie Dungeons und rundenbasierte Kämpfe an der Tagesordnung stehen. Nur durch die Träume der Unsterblichen hebt sich
Lost Odyssey von der breiten Masse an J-RPGs ab. Diese werden mittels Texttafeln präsentiert und berichten gefühlvoll über verschiedenste Ereignisse aus ihrer Vergangenheit. Liebe, Tod, Krieg, Freundschaft, Einsamkeit und Glück sind nur einige der Themen, welche die vom Schriftsteller
Kiyoshi Shigematsu verfassten Geschichten dabei behandeln.
Auf den Spuren der finalen Fantasie Beim Spielprinzip folgte der Vater der
Final Fantasy-Reihe bekannten Pfaden. So gilt es zuerst in Städten wichtige Gespräche mit den NPCs zu führen, um neue Dungeons frei zu
» In den Bosskämpfen hilft nur die richtige Strategie. |
schalten und andere nützliche Informationen zu erhalten. Neben dem Besuch von Geschäften, um neue Waffen und Accessoires zu kaufen, steht auch das Ausruhen in Gasthäusern auf dem Programm. Sind all diese Tätigkeiten erledigt wird es Zeit die Ortschaft zu verlassen und den nächsten Schauplatz aufzusuchen. Anstatt einer Oberwelt erwartet hier den Spieler jedoch ein Auswahlbildschirm, der das bequeme Reisen per Tastendruck zum gewünschten Ziel ermöglicht.
Im Dungeon angekommen gilt es alle Freundlichkeiten beiseite zu lassen und den dort befindlichen Feinden per
rundenbasierten Kampf zu Leibe zu rücken. Die Optionen in den Duellen beschränken sich dabei auf die traditionellen Funktionen – Attacke, Zauber, Fähigkeiten, Verteidigen, Gegenstände, Formation und Fliehen. Wählt man den Standardangriff aus, so kommt das
Ringsystem zum Tragen. Dabei erscheint über dem Gegner ein Ring, den es mit einem zweiten beweglichen so zu treffen gilt, dass beide deckungsgleich sind. Je präziser dies gelingt, desto höher fällt der angerichtete Schaden aus. Dieser
simple Reaktionstest erfordert glücklicherweise keine schnellen Reflexe und lockert die leicht angestaubten Kämpfe gelungen auf.
Der Anfang vom Ende Neue Fähigkeiten erhalten Normalsterbliche durch den gewöhnlichen Stufenaufstieg. Anders sieht die Angelegenheit jedoch bei
Kaim und den restlichen Unsterblichen aus. Jene
» Das bedrückende Setting zeichnet dieses J-RPG aus. |
erlernen nur Fertigkeiten, wenn sie sich diese von normalen Gefährten abschauen oder ein Accessoire ausrüsten. Außerdem steht den Unsterblichen nur eine begrenzte Anzahl an ausrüstbaren Skills pro Kampf zur Verfügung, wodurch ein weiteres taktisches Element das Spielprinzip bereichert.
Während des weiteren Voranschreiten des Games fällt auf, dass die Entwickler in jedem Abschnitt eine gewisse
Levelgrenze vorgesehen haben. Wenn diese Stufe erreicht ist, dauert das Trainieren der Gruppe immens lange, wodurch das Spiel teilweise in Arbeit ausartet. Die festgelegten Levelgrenzen sorgen wiederum dafür, dass die Gefechte über den gesamten Spielverlauf mehr fordern als in anderen J-RPG. Profis werden diese Idee also begrüßen, während Anfänger wohl weniger Gefallen daran finden. Allzu große Sorgen sollten sich unerfahrene Spieler jedoch nicht machen, da der Schwierigkeitsgrad mit fortschreitender Spieldauer merklich sinkt. Dies liegt vor allem an den immer mächtigeren Heil- und Zaubersprüchen, welche
Kaim und seine Gefährten im Laufe der Zeit erlernen.
In der Ruhe liegt die Kraft Technisch ist
Lost Odyssey leider ein zweischneidiges Schwert. Bei jeder Gelegenheit taucht ein
Ladebildschirm auf, der die
Spielgeschwindigkeit merklich bremst.
» Als Unsterblicher fürchtet Kaim keinen Feind. |
Bei jedem Abschnittswechsel, Betreten eines Gebäudes oder Auslösen eines Kampfes muss man fünf bis fünfzehn Sekunden warten. Besonders ärgerlich sind die beim Laden auftretenden
Ruckler, die zu Beginn zahlreicher Schlachten und Videosequenzen kurz vorkommen. Mit etwas mehr Sorgfalt wäre dieser Schluckauf durchaus zu vermeiden gewesen. Wenn das Spiel jedoch fertig geladen hat, läuft es dafür absolut flüssig und belohnt den Zocker mit
wunderschönen Umgebungen. Ob Eisschluchten, dunklen Höhlen oder Paläste, kein Schauplatz gleicht dem anderen.
Netterweise spendierte Publisher
Microsoft dem Spiel fünf verschiedene Sprachausgaben – Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Japanisch -, um den Spiel die nötige Atmosphäre zu verleihen.
Leider weiß keine der fünf Synchronisationen vollständig zu überzeugen, selbst die japanischen Sprecher lassen die gewohnte Intensität vermissen. Dieses Manko gleicht dafür der
gefühlvolle und epische Soundtrack von Altmeister
Uematsu wiederum gelungen aus. Die einfachen, aber oft ruhigen Melodien vermitteln stets die passende Stimmung und intensivieren die Wirkung der oft traurig-schön geschriebenen Träume und Dialoge.