Einsteigerfreundliches, sehr gut inszeniertes Japano-Rollenspiel mit großem Spielspaß.Während sich die Xbox 360 in westlichen Regionen schon längst durchgesetzt hat und ordentliche Absatzzahlen produziert, vertritt sie im Land der aufgehenden Sonne nach wie vor einen extrem schweren Stand. Microsoft will diesem Missstand durch auf den japanischen Markt abgestimmte Software entgegen wirken. Blue Dragon sollte eines der ersten Spiele sein, um diesem Trend entgegen zu wirken. Nun ist dieses auch bei uns erschienen und wir verraten wie immer im passenden
Master-Review was der neueste Titel vom Final Fantasy-Erfinder taugt.
Fünf Freunde gegen bösen TyrannJungsporn
Shu lebt zusammen mit seinem Großvater und seinen Freunden in einem idyllischen Dörfchen. Als dieses jedoch eines Tages von gefährlichen Monstern heimgesucht werden, welche Angst und
» Zahllose Rendersequenzen erzählen die 08/15-Story. |
Schrecken unter der Bevölkerung verbreiten, beginnt für ihn und seine Freunde ein Abenteuer, welches sie einem noch wesentlich stärkeren Feind gegenüber stellt:
Der böse Magier Nene will die Weltherrschaft an sich reißen und überzieht das Land mit Terror und Unterdrückung. Höchste Zeit also für ein paar echte Helden, sich der Sache anzunehmen.
Wie bereits aus dieser Einleitung zu erkennen ist, präsentiert sich die Story zu
Blue Dragon als äußerst generisch und uninspiriert. Viel mehr als das übliche "Heldengruppe rettet die Welt vor dem Bösen" sollte man daher beim Spielen auch nicht erwarten - auch die
Charaktere bleiben sehr blass. Doch wie bereits bei
Dragon Quest VIII, welches eine ähnlich unspektakuläre Story bot, ist es auch bei
Blue Dragon die liebevolle
Erzählweise und Inszenierung, welche dem Titel Leben einhaucht. Allem voran sind hier die zahllosen Rendersequenzen zu nennen, welche zwar nicht die Qualität eines Final Fantasys erreichen, aber dennoch sehr hübsch anzusehen sind. Diese bilden auch den Grund, warum Mistwalkers Erstlingswerk gleich auf drei DVDs ausgeliefert wird - das erste Xbox 360-Spiel also, bei dem eine DVD nicht ausreicht.
Klassisches Next-Gen-RPGBei
Blue Dragon handelt es sich um ein sehr klassisches Rollenspiel. Das Gameplay besteht ungefähr zur Hälfte aus Kämpfen, während der Rest der Spielzeit für Gespräche mit NPCs, Handel, Erforschen
» Die meiste Zeit ist man mit Kämpfen beschäftigt. |
und zahllose Zwischensequenzen drauf geht. Dazu reist man über eine Weltkarte zwischen optisch sehr abwechslungsreichen Orten hin und her. Der
Spielverlauf ist in den ersten zwei Dritteln sehr linear gehalten und bietet kaum etwas abseits der Hauptwege. Erst gegen Ende gibt es die Möglichkeit, die Weltkarte frei zu bereisen und dabei allerlei Nebenquests anzunehmen und geheime Orte sowie Superbosse zu entdecken.
Feindbegegnungen passieren hierbei nicht zufällig. Sämtliche Gegner sieht man bereits während man umherläuft und umgeht sie mit ein wenig Geschick. Ebenfalls praktisch: größere Feindansammlungen können gleichzeitig bekämpft werden, so dass nicht nach jedem Fight auf die Weltkarte gewechselt werden muss. Das Kampfsystem selbst zeigt sich ebenfalls sehr klassisch. Rundenweise attackieren sich Helden und Monster. Dabei dürfen beide Parteien auf eine Vielzahl an Zaubern, Items und Spezialfähigkeiten zurückgreifen. Allerdings wird man hier nur selten Gebrauch fortgeschrittener Taktiken machen müssen.
Blue Dragon ist nämlich ein
sehr einfaches Rollenspiel, welches auch Neueinsteiger problemlos bewältigen dürften. Fans anspruchsvoller RPG-Kost könnten daher schnell gelangweilt sein durch die simplen Standardkämpfe.
Was will ich mal werden, wenn ich groß bin?Dass der Titel trotzdem ständig interessant bleibt, liegt nicht nur an der sehr gut inszenierten Story sondern auch an den vielen verschiedenen Gegnertypen sowie zahlreichen Bossgegenern. Auch das Dungeondesign ist gelungen
» Die Spielwelt ist schön inszeniert. |
und zeigt sich übersichtlich und abwechslungsreich. Einige kleine Rätsel der Marke "Finde Schalter A um an Stelle B weiter zu kommen" lockern den Spielverlauf zusätzlich auf. Darüber hinaus bietet
Blue Dragon ein
sehr motivierendes Auflevelsystem, welches sich am Jobsystem diverser
Final Fantasy-Titel orientiert. Insgesamt stehen neun Berufe zur Auswahl, welche alle ihre eigenen Skills mit sich bringen. So sind Weißmagier geborene Heiler, während der Swordmaster und Mönche im Kampf heftig austeilen.
Der Clou hierbei ist, dass alle erlerneten Skills aller
Jobklassen beliebig miteinander kombiniert werden können. So ist es beispielsweise möglich, einen Charakter zu züchten, der sowohl im Kampf ordentlich austeilt als auch Heilzauber anwenden kann. Hinzu gesellen sich noch jede Menge Items, welche über die ganze Welt verstreut sind und verschiedene Attribute steigern. Natürlich ist man auch hier immer auf der Jagd nach besserer Ausrüstung für seine vielseitigen Schützlinge. Besonders auf der dritten Disc mit der frei begehbaren Welt ein echter Motivationsschub für erkundungsfreudige Zockernaturen.
Schöner Stil mit technischen MackenDoch
Blue Dragon weiß nicht nur im Bezug auf das Gameplay größtenteils zu überzeugen.
Technisch bietet das Programm gute Kost, die vor allem durch ihren farbenfrohen Grafikstil zu gefallen weiß. Dragon Ball-Fans
» Den bösen Nene gilt es zu besiegen. |
wird das Charakterdesign direkt bekannt vorkommen - kein Wunder, denn die Charaktere entstammen der Feder des gleichen Designers. Die Umgebungen sind detailliert in Szene gesetzt und bieten auch allerlei optische Abwechslung. Angefangen bei Canyons, Wäldern und einer großen Stadt bis hin zu High-Tech-Bauten und Lava-Dungeons. Die
knallbunten Effekte im Kampf können sich ebenfalls mehr als nur sehen lassen. Allerdings hat
Blue Dragon mit einigen technischen Problemen zu kämpfen. So leidet das Spiel unter einem übertrieben Unschärfe-Effekt, welcher bereits Objekte in ein paar Metern Entfernung unscharf darstellt. Auch Next-Gen-typisches Tearing sowie kleine Popups sind vorhanden - genauso wie Slowdowns bei einigen aufwändigeren Spezialeffekten im Kampf. Ein weiterer kleiner Wermutstropfen sind kurze, aber
sehr häufig auftretende Ladezeiten, beispielsweise vor Kämpfen.
Gelungen hingegen ist der Sound. Vor allem der
wunderschöne Soundtrack von Kult-Komponist Nobuo Uematsu ist hier an erster Stelle zu nennen. Doch auch die akustischen Effekte und die Sprachausgabe können sich hören lassen, vorrausgesetzt, man stellt diese nicht auf deutsch. Die deutschsprachige Synchronisation ist zwar gut gemeint, aber nur sehr schlecht umgesetzt. Auch die Musik bei Bosskämpfen könnte einigen Gemütern zu japanophil ausgefallen sein, erinnert diese doch stark an Intros diverser Anime-Serien. In Sachen Umfang hingegen heimst der Titel die volle Punktzahl ein.
Rund 40 Stunden benötigt man zum Durchspielen des Games – zeitintensive Achievements sowie Superbosse können diese Spielzeit noch deutlich strecken.