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Master-Review:   » drucken    » versenden

Def Jam: Icon

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 13.04.2007
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Achtung Baby! Ungewöhnliche Genre-Mischung aus Kampf- und Musikspiel rockt das Haus.

EA und Record Label Def Jam steckten vor einigen Jahren die Köpfe zusammen und schufen mit der Def Jam-Reihe eine ungewöhnliche Mischung aus Kampfspiel und Hip-Hop-Musikkultur. Das stark in Richtung Wrestling tendierende Gameplay sorgte bei der Fangemeinde vor allem mit Fight for New York für beste Stimmung. Die Electronic Arts-Entwickler wollten sich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen und setzen bei der dritten Auflage namens Def Jam: Icon wie nie zuvor auf die Interaktion von Gameplay und heißen Beats. Wie gut sich die Rapper diesmal schlagen, lest ihr in unserem Master-Review.

Das kleine 1x1 der Rap-Musik
Es liegt auf der Hand: Die Def Jam-Rapper besitzen nicht nur ihre eigenen Kampfstile, sondern auch ihre individuelle Sprache. Dass man dadurch eine selbst so simple Angelegenheit wie ein Hauptmenü
» Kommt ein Rapper geflogen ...
gehörig durcheinander wirbeln kann, ist jedoch neu. Doch keine Berührungsängste: Hinter Insider-Begriffen wie Throw Down, Beatings with Bass oder Build a Label verbergen sich altbekannte Modi wie Solo, Mehrspieler sowie Karriere. Während der Einzelspieler-Modus mehr als Sparring für den Galopp an die Spitze der Charts angesehen werden darf, überrascht Def Jam: Icon vor allem in der Karriere und im Mehrspieler-Modus für maximal zwei Freunde mit teils übertriebenen, jedoch frischen Ideen.

Die Entwickler von Fight Night hatten bei der aktuellen Auflage von Def Jam: Icon eindeutig ihre Finger im Spiel: Komplett ausblendbares HUD (der Bildschirm ist völlig frei von Anzeigen) und auch die Steuerung mit Buttons und Analog-Sticks haben es auf die Disc geschafft. Durch gewisse Dreh-Kommandos teilt der eigene Rapper nämlich besonders saftige Kopfnüsse aus. Das Ziel der Karriere besteht jedoch nicht nur aus Prügeln: Eine Plattenfirma soll aus dem Boden gestampft werden. Um neue Künstler und Equipment ranzuschaffen, muss man an diversen Straßenkämpfen teilnehmen und diese möglichst gut abschließen, was die eigene Laufbahn positiv beeinflusst.

Paper Mario lässt grüßen
Klingt im ersten Moment vielleicht etwas schräg, aber die Stages erinnern tatsächlich an abgefahrene Level-Passagen aus den Papierabenteuern von Mario. Die einzelnen Schauplätze unterteilen
» Aus Möbeln wird Kleinholz.
sich optisch entlang von Bruchlinien und die ganze Nachbarschaft wackelt aufgrund lauter Beats im Rhythmus der Musik. Die Entwickler haben wahrlich nicht mit Ideen gegeizt, denn die Stages sind höchst interaktiv: Angefangen von herabstürzenden Gegenständen über explodierende Autos bis hin zu diversen (schmerzhaften) Barrieren am Rand der Arenen gibt es alles, was man sich nur vorstellen kann.

Schmerzhafte Beispiele gefällig? In einer der ersten Schauplätze, einer Tankstelle, polieren die Bürsten der Auto-Waschanlage dem eigenen Rapper ordentlich die Zähne, wenn man ihnen zu nahe kommt. Auf der anderen Seite lauert ein fieser Tankwart mit einem Feuerlöscher und der SUV an der Zapfsäule kann einem auch jeden Augenblick gewaltig um die Ohren fliegen. Dabei sind die Hindernisse auch für den eigenen Erfolg zu gebrauchen: Fluchs mal einen Gegner in die brennende Benzinlache gestoßen und schon ist man dem Sieg einen großen Schritt näher. Man sieht also gleich, im Music Biz schenkt man sich aber auch rein gar nichts und es herrschen raue Sitten.

Alles dreht sich um die Musik
Die Entwickler konnten die Musik geschickt in das Gameplay einbetten. Der Soundtrack dudelt nicht nur im Hintergrund vor sich hin, sondern hat auch (je nach Modi) eine andere Funktion.
» Immer schön zum Rhythmus prügeln.
Zu Beginn eines Kampfes wählt man z.B. sein persönliches "Kampflied" - ertönt dieses während des Fights, so gibt das dem eigenen Protagonisten zusätzliche Schlagkraft. Auch diverse Stilmittel wie Farbmuster oder stylische Grafikfilter werden häufig eingesetzt, um das Kampfgeschehen zu polarisieren. Es hat fast den Anschein, als seien einzelne Levels lebendig, vor allem wenn sich die Hochhäuser im Beat der eigenen Lieblingssongs wiegen. An der abgefahrenen Präsentation gibt es somit nicht viel zu auszusetzen.

Stylische Grafik, stimmiger Soundtrack (Achtung: Geschmacksfrage!) sowie detaillierte Charaktermodelle der Rapper gehören zu den Highlights. Andererseits ist der Karriere-Modus nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von teils witzigen, teils belanglosen Zwischensequenzen, die nur durch schnell monoton werdende Fights unterbrochen werden. Die Steuerung setzt neue Ideen ein, letztendlich tendiert der teigige Kontrollmechanismus aber zur Schwerfälligkeit]. Erschwerend kommt hinzu, dass die PS3-Version im Vergleich zur Xbox 360-Fassung geringfühig langsamer wirkt. Außerdem lässt einen das Spiel ziemlich alleine in punkto Lernkurve, das fehlende In-Game-Tutorial gibt den CPU-Gegner noch dazu unfaire Vorteile. Wer sich nicht mehr mit den virtuellen Rivalen messen möchte, findet hoffentlich im erfreulich lagfreien, jedoch von langen Ladezeiten geplagten, Mehrspieler- bzw. kostenlosen Online-Modus die gewünschte Abwechslung.
Pro
Stylische Kampfschauplätze
Gelungene Integration der Musik
Solide Mehrspieler- und Online-Modi
Frische Ideen für's Genre ...
Contra
... woraus man aber mehr hätte machen können
Teigige Steuerung
Verwirrender Spielverlauf
Geringer Wiederspielwert
Fazit
Woah, was soll man zu Def Jam: Icon sagen? Auf den ersten Blick bietet das Spiel erstaunlich wenig Inhalte - glaubt man zumindest. Doch wer dem EA-Titel etwas mehr Zeit widmet, wird positiv überrascht. Die Entwickler haben sich redlich bemüht, frischen Wind in das Genre zu bringen und zum Großteil gelingt dies auch. Das Stage-Design ist wirklich sehenswert, obwohl die Grafik einen Tick weniger spektakulär als bei der Xbox 360-Fassung ausfiel. Verspielte Details verleiten jedoch selbst harte Hip-Hop-Verschmäher dazu, den Takt der Boomsounds mitzuklopfen. Def Jam-Fans werden durch die große Anzahl von lebensecht nachgebildeten Rappern regelrecht entzückt sein. Beim Gameplay fällt das Urteil jedoch gespalten aus: Es gibt zwar eine Vielzahl von guten Ansätzen, ganz so flüssig und spritzig wie bei anderen Kampfspielen geht's dann aber doch nicht zur Sache. Die Steuerung passt tätsächlich mehr zu einem Wrestling-Spiel, allerdings (so scheint es zumindest) haben sich die Entwickler nicht ganz auf einen roten Faden einigen können. Es ist nie klar ersichtlich, ob die Designer ein Beat'em-Up oder doch ein Musikspiel schaffen wollten. Wer die Musik mag, wird mit diesem ungewöhnlichen Spiel sicherlich seine Freude haben - vor allem bei Off- und Online-Mehrspielerpartien. Sucht man jedoch ein klassisches Kampfspiel, so ist es empfehlenswert, Def Jam: Icon vorab gründlich auszuprobieren.
Infos
Erhältlich für
Genre
Fighting
Publisher
Electronic Arts
Entwickler
EA Chicago
Website
www.defjamicon....
Release
23. März 2007
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User-Bewertung
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