Achtung Baby! Ungewöhnliche Genre-Mischung aus Kampf- und Musikspiel rockt das Haus.EA und Record Label
Def Jam steckten vor einigen Jahren die Köpfe zusammen und schufen mit der Def Jam-Reihe eine ungewöhnliche Mischung aus Kampfspiel und Hip-Hop-Musikkultur. Das stark in Richtung Wrestling tendierende Gameplay sorgte bei der Fangemeinde vor allem mit
Fight for New York für beste Stimmung. Die
Electronic Arts-Entwickler wollten sich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen und setzen bei der dritten Auflage namens
Def Jam: Icon wie nie zuvor auf die Interaktion von Gameplay und heißen Beats. Wie gut sich die Rapper diesmal schlagen, lest ihr in unserem
Master-Review.
Das kleine 1x1 der Rap-Musik Es liegt auf der Hand: Die Def Jam-Rapper besitzen nicht nur ihre eigenen Kampfstile, sondern auch ihre individuelle Sprache. Dass man dadurch eine selbst so simple Angelegenheit wie ein Hauptmenü
» Kommt ein Rapper geflogen ... |
gehörig durcheinander wirbeln kann, ist jedoch neu. Doch keine Berührungsängste: Hinter Insider-Begriffen wie
Throw Down,
Beatings with Bass oder
Build a Label verbergen sich altbekannte Modi wie Solo, Mehrspieler sowie Karriere. Während der Einzelspieler-Modus mehr als Sparring für den Galopp an die Spitze der Charts angesehen werden darf, überrascht
Def Jam: Icon vor allem in der Karriere und im Mehrspieler-Modus für maximal zwei Freunde mit teils übertriebenen, jedoch frischen Ideen.
Die Entwickler von
Fight Night hatten bei der aktuellen Auflage von
Def Jam: Icon eindeutig ihre Finger im Spiel: Komplett
ausblendbares HUD (der Bildschirm ist völlig frei von Anzeigen) und auch die
Steuerung mit Buttons und Analog-Sticks haben es auf die Disc geschafft. Durch gewisse Dreh-Kommandos teilt der eigene Rapper nämlich besonders saftige Kopfnüsse aus. Das Ziel der Karriere besteht jedoch nicht nur aus Prügeln: Eine Plattenfirma soll aus dem Boden gestampft werden. Um neue Künstler und Equipment ranzuschaffen, muss man an diversen Straßenkämpfen teilnehmen und diese möglichst gut abschließen, was die eigene Laufbahn positiv beeinflusst.
Paper Mario lässt grüßen Klingt im ersten Moment vielleicht etwas schräg, aber die Stages erinnern tatsächlich an abgefahrene Level-Passagen aus den Papierabenteuern von Mario. Die einzelnen Schauplätze unterteilen
» Aus Möbeln wird Kleinholz. |
sich optisch entlang von Bruchlinien und
die ganze Nachbarschaft wackelt aufgrund lauter Beats im Rhythmus der Musik. Die Entwickler haben wahrlich nicht mit Ideen gegeizt, denn die Stages sind
höchst interaktiv: Angefangen von herabstürzenden Gegenständen über explodierende Autos bis hin zu diversen (schmerzhaften) Barrieren am Rand der Arenen gibt es alles, was man sich nur vorstellen kann.
Schmerzhafte Beispiele gefällig? In einer der ersten Schauplätze, einer Tankstelle, polieren die Bürsten der Auto-Waschanlage dem eigenen Rapper ordentlich die Zähne, wenn man ihnen zu nahe kommt. Auf der anderen Seite lauert ein fieser Tankwart mit einem Feuerlöscher und der SUV an der Zapfsäule kann einem auch jeden Augenblick gewaltig um die Ohren fliegen. Dabei sind die Hindernisse auch für den eigenen Erfolg zu gebrauchen: Fluchs mal einen Gegner in die brennende Benzinlache gestoßen und schon ist man dem Sieg einen großen Schritt näher. Man sieht also gleich, im Music Biz schenkt man sich aber auch rein gar nichts und
es herrschen raue Sitten.
Alles dreht sich um die Musik Die Entwickler konnten die Musik geschickt in das Gameplay einbetten. Der Soundtrack dudelt nicht nur im Hintergrund vor sich hin, sondern hat auch (je nach Modi) eine andere Funktion.
» Immer schön zum Rhythmus prügeln. |
Zu Beginn eines Kampfes wählt man z.B. sein
persönliches "Kampflied" - ertönt dieses während des Fights, so gibt das dem eigenen Protagonisten zusätzliche Schlagkraft. Auch diverse Stilmittel wie Farbmuster oder stylische Grafikfilter werden häufig eingesetzt, um das Kampfgeschehen zu polarisieren. Es hat fast den Anschein, als seien einzelne Levels lebendig, vor allem wenn sich die Hochhäuser im Beat der eigenen Lieblingssongs wiegen. An der abgefahrenen Präsentation gibt es somit nicht viel zu auszusetzen.
Stylische Grafik, stimmiger Soundtrack (Achtung: Geschmacksfrage!) sowie
detaillierte Charaktermodelle der Rapper gehören zu den Highlights. Andererseits ist der Karriere-Modus nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von teils witzigen, teils belanglosen Zwischensequenzen, die nur durch schnell monoton werdende Fights unterbrochen werden. Die Steuerung setzt neue Ideen ein, letztendlich tendiert der
teigige Kontrollmechanismus aber zur Schwerfälligkeit]. Erschwerend kommt hinzu, dass die PS3-Version im Vergleich zur Xbox 360-Fassung geringfühig langsamer wirkt. Außerdem lässt einen das Spiel ziemlich alleine in
punkto Lernkurve, das fehlende In-Game-Tutorial gibt den CPU-Gegner noch dazu unfaire Vorteile. Wer sich nicht mehr mit den virtuellen Rivalen messen möchte, findet hoffentlich im erfreulich lagfreien, jedoch von langen Ladezeiten geplagten, Mehrspieler- bzw. kostenlosen Online-Modus die gewünschte Abwechslung.