Prinzipiell solides, aber wahnsinnig langwieriges Japano-RPG für Fans des Genres.Langsam aber sicher tritt für die PlayStation Portable der Zustand ein, den sich Fans fernöstlicher Rollenspiele gewünscht haben: Immer mehr Japano-RPGs erscheinen für Sonys Handheld – und zwar nicht nur Portierungen bekannter PlayStation 1-Titel wie
Tales of Eternia oder
Valkyrie Profile: Lenneth, sondern auch komplette Neuentwicklungen. Einer der aktuellsten Vertreter des Genres ist
Blade Dancer von Entwickler
Hit Maker. Ob die Programmierer ihrem Namen gerecht werden, decken wir wie immer im passenden
Master-Review auf.
Stachelkopf rettet die WeltDie Story fängt genauso belanglos an, wie sie sich im Verlauf des Spiels entwickelt. Der junge Held
Lance Bennet kommt nach langer Reise auf der Insel
Foo an, um ein neues Leben als Abenteurer zu beginnen.
» Das Kampfsystem ist gelungen. |
Dass der
siebzehnjährige Stachelfrisurträger dabei gleich eine uralte Prophezeihung erfüllt, Freunde wie den riesigen Krieger
Gozen sowie die fröhliche Heilerin
Felis trifft und auch noch gegen einen schwarzen Ritter kämpft, zeugt sehr gut von der
Klischeebehaftetheit und Flachheit des Titels. Freunde guter Geschichten oder ausgefallener Inszenierungen sind hier also definitiv an der falschen Adresse.
Beim Gameplay bediente man sich ebenfalls
gängiger Genre-Standards. Die Welt ist ähnlich wie in
Fable in verschiedene Sektoren aufgeteilt, zwischen denen man einen
erträglich langen Ladebildschirm über sich ergehen lassen muss. Neben Städten mit allerlei NPCs, die Neben- und Hauptquests für den Helden bereit halten, gibt es natürlich Wälder, Ebenen, Dungeons und Gebirge zu erkunden. In
Kämpfe gerät der Held beim Erkunden allerdings
nicht zufällig, sondern sobald man – ähnlich wie in den
Grandia-Spielen – in herumfliegende Totenschädel läuft. So ist es meistens möglich, ungewollte Fights zu vermeiden.
Gute Kämpfe dank Luna-SystemOb sich ein Kampf lohnt oder nicht, kann man zudem an der Farbe der Totenköpfe erahnen. So stehen blaue für leichte, weiße für normale und rote für schwere Kämpfe. Natürlich erhält man je nach Schwierigkeitsgrad entsprechend
» Die belanglose Story wird in vielen Texten erzählt. |
viele Erfahrungspunkte, was Fights gegen leichte Feinde nicht lohnenswert macht. Sobald man einen Totenkopf berührt, schaltet das Spiel auf einen separaten Kampfbildschirm um. Dieser zeigt sich typisch für ein Japano-Rollenspiel: Die eigene Party steht auf der einen Seite, die Monster auf der anderen.
Die Auseinandersetzungen laufen nicht streng rundenbasiert ab. Ähnlich wie in
Final Fantasy VII läuft für jeden Teilnehmer eine Uhr. Schlägt diese Zwölf, kann eine Aktion ausgeführt werden. Hierzu stehen bekannte Manöver wie
Angreifen, Fliehen, Zaubern oder
das Verwenden von Items zur Auswahl. Anfangs noch recht unbeholfen entwickeln die Helden im Verlauf des Spiels immer stärkere Zauber und Angriffsarten, die gegen unter Einsatz von
Lunaenergie – eine Art Mana – eingesetzt werden können. Hier findet sich auch eine Besonderheit des Titels: Mana wird von allen Helden und Monstern geteilt und füllt sich durch Angriffe auf. Gutes Timing beim Anwenden von Fähigkeiten ist also ein klarer Vorteil, was den Kämpfen eine gewisse Tiefe verleiht.
Lahmer Spielablauf und BacktrackingLeider ist der Spielablauf sehr langwierig geraten. Das Aufleveln der Charaktere nimmt viel Zeit in Anspruch und ist bereits zu Beginn des Spiels ein absolutes Muss, um die recht stark geratenen Kontrahenten zu besiegen. So
» Das Lunameter gibt Auskunft über das Mana aller Kämpfer. |
beschäftigt den gewillten Spieler zunächst stundenlanges Aufleveln des Helden, bevor man überhaupt richtig in der Story voranschreiten kann. Außerdem leidet der Titel unter
oftem Backtracking. So muss man zum Kaufen neuer Items oder Heilen der Gruppe stets den beschwerlichen, langen Weg zurück in eine der Städte in Kauf nehmen, was auf Dauer an den Nerven ungeduldiger Spieler nagt.
Neue Gegenstände erhält man übrigens nicht nur durch den einfachen Kauf bei Händlern, sondern auch in Form eines
ausgefeilten Crafting-Systems, welches neben dem Luna-Balken eines der größten Stärken des Titels darstellt. Hier können zahllose Utensilien miteinander kombiniert werden, um mehr oder weniger mächtige Gegenstände anzufertigen. Rezepte für neue Items werden durch Ausprobieren oder mit Hilfe eines Analysators, welcher in jeder Stadt zu finden ist, herausgefunden.
Nette Optik, spärlicher SoundTechnisch gibt sich der Titel im Gegensatz zu den Gameplay-Schwierigkeiten und der Story keine Blöße. Die
Grafik ist sehr solide, die Umgebung hübsch in Szene gesetzt und auch die Charakter- und Monstermodelle sowie
» Zwischensequenzen sind rar gesäht. |
deren Animationen wissen zu gefallen. Ebenfalls gut inszeniert wurden die Special-Effects im Kampf, welche die starken Zauber optisch gut untermalen. Musikalisch bietet sich leider ein eher zwiegespaltenes Bild. Zwar wissen die vorhandenen Melodien zu überzeugen, allerdings glänzen diese beim Erkunden der Oberwelt durch Abstinenz, was
Blade Dancer einige Atmosphärepunkte kostet. Sprachausgabe und Soundeffekte hingegen bewegen sich wieder im soliden bis guten Bereich.
Neben einer umfangreichen Hauptquest und zahllosen kleineren Nebenaufträgen bietet das Spiel noch einen
Mehrspieler-Modus, welcher via Wi-Fi-Modus gespielt werden kann. Hierbei erforschen bis zu vier Spieler gemeinsam eines von mehreren Verliesen und versuchen, den Boss zu besiegen. Gelingt dies, erhält man eine Belohnung, welche in den Solo-Modus transferiert werden kann. Eine lohnende und spaßige Angelegenheit für alle, die gleichgesinnte Freunde mit einer PSP in ihrer Nähe haben – denn Online-Spielen wird leider nicht unterstützt.