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The Elder Scrolls 4: Oblivion  
» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 27.04.2007
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Oblivion zeigt, wie ein guter Xbox 360-Port aussehen muss und überzeugt auch auf der PS3 auf ganzer Linie.

Eine gigantische Spielwelt zum Erkunden, ein ausgefeiltes Spielsystem, gute Dialoge und etliche Aufgaben, die es zu erfüllen gibt. All dies wünschen sich die meisten Genrefans, wenn man sie fragt, wie ihr perfektes Rollenspiel aussehen soll. The Elder Scrolls 4: Oblivion bot all diese Dinge bereits im letzten Jahr auf der Xbox 360 sowie dem PC. Nun, kurz nach dem Europa-Release der PlayStation 3, erscheint das Mega-Rollenspiel auch auf Sonys Next-Generation-Konsole. Ob es die hohen Standards der anderen Varianten beibehalten kann, verrät unser Master-Review.

Cyrodiil, unendliche Weiten …
Gäbe es einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde für die größten, frei begehbaren Spielewelten – Bethesdas Elder Scrolls-Reihe würde sich einen Spitzenplatz darin sichern. Als Sträfling
» Die Kaiserstadt erstrahlt.
bekommt ihr davon freilich wenig zu sehen – bis zu jenem schicksalsträchtigen Tag, an dem euch der Kaiser kurz vor seinem Tod das Amulett der Könige überreicht. Mit diesem sowie der Information, einen gewissen Jauffre in der Nähe von Chorrol aufzusuchen, wagt ihr eure ersten Schritte in die Freiheit … buchstäblich.

Schon von Beginn an steht eure persönliche Lebensgeschichte im Prinzip offen: Habt ihr nach stundenlangem Feintuning eures Charakters endlich die Wahl getroffen, wer in Zukunft das virtuelle Alter Ego verkörpern soll, liegt euch das Land zu Füßen: Die traumhafte Weitsicht auf einer kleinen Wanderung durch die Wälder genießen? Oder lieber doch schnurstracks in die Kaiserstadt hinein und sich in den unzähligen Geschäften mit dem Nötigsten ausstatten? In der Arena wartet hingegen schnelles Geld und auch die Gilden suchen talentierten Nachwuchs. Vielleicht auf die Jagd gehen? In Bibliotheken stöbern? Ganz abgesehen von diesem Amulett, welches ebenfalls abgeliefert werden soll. Die Entscheidung liegt bei euch.

Hinein ins Ungewisse
Schon die Charaktererstellung wird detailverliebte Spieler für einige Zeit beanspruchen: Neben der Wahl der Rasse – alle mit spezifischen Vor- und Nachteilen – ist auch die Festlegung der Hauptattribute
» Die Weitsicht ist umwerfend.
entscheidend. Wie schon in Morrowind erhaltet ihr nämlich keine Erfahrungspunkte durch Kämpfe oder das Abschließen von Quests, sondern steigert vielmehr einzelne Attribute durch deren Anwendung. Habt ihr eine entsprechende Anzahl eurer Hauptfertigkeiten durch stetes Verwenden trainiert, kommt auch der Levelanstieg, der sich in erhöhter Lebensenergie sowie Ausdauer manifestiert.

Prinzipiell sind jedoch alle Eigenschaften mehr oder weniger wichtig – je nach Situation. Ein geübter Rhetoriker kann den Preis eines Produktes schnell nach unten handeln, versierte Kämpfer hingegen erhalten je nach Waffengattung neue Angriffsmanöver. Magier sind zu Beginn zwar ein wenig hilflos, nach entsprechendem Training wirken sie jedoch mächtige Zauber, denen sich nur wenige in den Weg zu stellen vermögen.

Aufträge an Land ziehen
Quests lauern grundsätzlich an jeder Ecke der quadratkilometergroßen Welt, insgesamt soll es an die 200 verschiedene geben. Von Einsätzen als Rattenjäger, Kriminalist und Vampirjäger bis hin zum
» Die Hölle tut sich auf.
Aufdecker groß angelegter Komplotte ist alles vertreten. Zudem wurde das Addon Die Ritter der Neun breits in die PS3-Version integriert. Den meisten ist die Bewältigung mit Schwert und Feuerball gemein, nur wenige können gewaltfrei abgeschlossen werden. Damit es euch aufgrund des harschen Balancing-Systems (eure Feinde werden je nach persönlicher Stufe stärker bzw. durch stärkere ersetzt) nicht zerbröselt, gilt es die Mittel mit Bedacht zu wählen – haben alle Gegnertypen doch bestimmte Anfälligkeiten wie zum Beispiel Gift oder Feuer. Führt auch dies nicht zum gewünschten Erfolg, könnt ihr alternativ den Schwierigkeitsgrad im Ingame-Menü auf einer stufenlosen Skala anpassen.

Die Belohnungen bleiben dabei freilich dieselben: Neben Gold und scharfen Klingen winken des Öfteren auch fortführende Aufträge oder wichtige Hinweise. Wollt ihr mal eine Auszeit nehmen, bietet sich hingegen der Kauf eines Eigenheims an, welches ihr – entsprechende finanzielle Mittel vorausgesetzt – mit Möbeln und Dekor auch noch aufwerten könnt. All die schönen Stücke, für die man keine Verwendung hat, finden so ein Plätzchen und belasten nicht beim Herumspazieren.

Freizeit in Cyrodiil
Damit Oblivion nicht zur reinen Lebenssimulation verkommt, wurde dem guten Stück natürlich auch eine ansprechende Hauptquest verpasst. Ein Daedra-Fürst bedroht die heile Welt und muss
» Friss Stahl!
ausgeschaltet werden. Schon recht früh reist ihr zu diesem Zwecke durch ein Oblivion-Tor in die namensgebende Hölle von Cyrodiil. Insgesamt 16 dieser Tore gilt es im Laufe der Geschichte zu schließen, um die Welt wieder ein Stück sicherer zu machen. Völlig frei ist euch hingegen gestellt, ob ihr vor der Vernichtung des Bösewichts nicht allerlei Freizeitbeschäftigungen nachgeht. Neben den bereits weiter oben erwähnten lassen sich mit entsprechender Ausrüstung und Alchemiefertigkeit auch formidable Tränke brauen und an die lokalen Magiergilden verscherbeln. Auch Jäger werden für ihre Arbeit gut entlohnt, ein gutes Fell bringt reichlich Septime in die Hauskasse. Ebenso könnt ihr euch als Dieb versuchen oder einfach auf Raubzug gehen und jede Ruine plündern, die sich finden lässt.

Folgt ihr jedoch stur der Hauptgeschichte, werdet ihr mit dem Ende nach etwa 25-35 Stunden belohnt. Freunde von Nebenquests rechnen das Ganze mal vier und erfreuen sich auch nach über 100 Stunden noch am reichhaltigen und vielfältigen Angebot.

Es werde Licht
Eine klare Absage haben die Entwickler von Bethesda leblosen sowie steifen NPCs erteilt: Diese folgen nun einem geregelten Tagesablauf – inklusive Schlaf, Essen, Einkäufe erledigen – und
» Überfall?
warten nicht 24/7 darauf, von euch angesprochen zu werden. Wollt ihr zum Beispiel ein Buch kaufen, so habt ihr darauf zu warten, dass der Inhaber sein Geschäft öffnet. Witzig: Nach Erledigung des Tagwerkes schauen die meisten Personen noch auf einen Sprung in die Taverne – ein Humpen Bier vor dem Schlafengehen hat noch niemandem geschadet!

Auch das Journal wurde einer Generalüberholung unterzogen. Dieses zeigt jetzt unter anderem alle unbeendeten Quests an – Pfeile auf eurem Kompass helfen des Weiteren bei der aufgabenspezifischen Orientierung. Ebenso übersichtlich sind die übrigen Menüs angeordnet, ein Schnellzugriff auf häufig verwendete Zauber und Waffen per D-Pad rundet den guten Eindruck ab. Darüber hinaus wurde die Kampfsteuerung adaptiert: Blocken muss man nun selbst, was die Komplexität ein wenig erhöht und die Auseinandersetzungen dynamischer macht.

Die Technik …
Die Optik ist auch ein Jahr nach Release des Original über jeden Zweifel erhaben. Düstere Dungeons, atmosphärische Höhlen, prachtvolle Städte und eine noch immer unvergleichliche Weitsicht verzaubern das Auge und animieren
» Auf der PS3 noch einen Tick hübscher.
oft zum Erklimmen eines in der ferne gelegenen Berges, um seinen Blick über das gesamte Land schweifen zu lassen. Bei der Portierung des Titels hat man ganze Arbeit geleistet. Im direkten Vergleich zur Xbox 360-Version (inklusive Grafikupdate) sieht die PlayStation 3-Variante dank schärferer Texturen sogar noch einen Tick besser aus. Ebenfalls sehr gelungen ist die Akustik: Wunderschöne Musikstücke, passende Soundeffekte und professionelle deutsche Sprecher hauchen Cyrodiil zusätzlich Leben ein.

Dennoch bleibt auch die Sony-Konsole nicht vor den Tücken der Spielengine gefeit. So kommt es vor allem in den gigantischen Außenarealen öfters zu Rucklern und Framerateeinbrüchen, während aufpoppende Objekte die ansonsten so idyllische Atmosphäre der Spielwelt stören. Gröbere, aus der Xbox 360-Version bekannte Bugs und Lokalisierungsfehler - beides dort mittlerweile größtenteils gepatcht -, wurden auch in der PS3-Version entfernt. Vereinzelte Bugs und Glitches wie Animationsfehler wird man jedoch immer noch antreffen, was angesichts des monumentalen Umfangs des Spiels jedoch zu verzeihen ist. Problematischer hingegen die Tatsache, dass es bisher keine konkreten Angaben zur Veröffentlichung des Addons Shivering Isles gibt. Auch diverse Mini-Addons, welche auf dem Xbox Live-Marktplatz angeboten wurden, sind nicht im PlayStation-Store zu finden.
Pro
Unendliche Freiheit in einer riesigen Welt
Langer und andauernder Spielspaß
Umwerfende Optik
Gutes Kampfsystem & gelungene Steuerung
Durchdachtes Quest-Journal
200+ Quests
"Belebte" NPCs
Ritter der Neun-Addon enthalten
Contra
Ruckler
Harsches Balancing
Immer noch nicht ganz bugfrei
Zusätzlicher Content noch nicht sicher
Fazit
The Elder Scrolls 4: Oblivion ist auch auf der PlayStation 3 ein überragendes Mega-Rollenspiel mit einer Spielzeit weit jenseits der 100 Stunden-Marke. Wer sich auf die Spielwelt Cyrodiil einlässt, wird ganz schnell in dieser versinken und so schnell nicht mehr das Tageslicht sehen. Es ist einfach unglaublich, wie viel in diesem Programm steckt. Kaum betritt man einen der etlichen Orte des riesigen Landes wird man mit Aufgaben und interessanten Gesprächsthemen überschüttet. Nicht nur einmal ist es mir passiert, dass ich nur kurz etwas erledigen wollte und mich zehn Stunden später an einem ganz anderen Ort wiederfand, weil ich "nur eben die eine Quest" machen wollte. Im Verbund mit der wunderschönen Optik und dem herausragenden Sound ergibt sich eine extrem dichte Atmosphäre, die einen vollends in die Welt eintauchen lässt. Grafisch bietet die PS3 dank besserer Texturen sogar ein bischen mehr als die Xbox 360-Version. Da verzeiht man kleinere Ruckler und Popups gerne. Bedenklich hingegen ist die Tatsache, dass es noch keine Pläne für die Veröffentlichung des Shivering Isles-Addons gibt. Downloadbaren Content wie auf der Xbox 360 sucht man bei der PS3-Version ebenso (noch) vergebens.